„Katrinas“ werden normal 20.03.2013, 13:30 Uhr

Neues Klimamodell: Starke Zunahme schwerer Hurrikans

Klimaforscher vermuten schon länger, dass der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität schwerer Hurrikans beeinflussen wird. Die jüngsten Vorhersagen eines internationalen Forscherteams sind beunruhigend: Erwärmt sich die Erde um zwei Grad Celsius, treten schwere Hurrikans zehn Mal häufiger auf als bisher.

Hurrikans werden nach einer neuen Prognose von Wissenschaftlern immer häufiger auftreten. Im Bild der Hurrikan Isabel, aufgenommen von der Internationalen Raumstation.

Hurrikans werden nach einer neuen Prognose von Wissenschaftlern immer häufiger auftreten. Im Bild der Hurrikan Isabel, aufgenommen von der Internationalen Raumstation.

Foto: NASA

Ein Hurrikan der Stufe 5 wie „Katrina“, der 2005 an der Golfküste der USA die Stadt New Orleans unter Wasser setzte und enorme Verwüstungen hinterließ, galt bisher als Ausnahme. Im letzten Jahrhundert traten solch schwere Wirbelstürme nur etwa alle 20 Jahre auf. Ob wir in Zukunft wesentlich häufiger mit ihnen rechnen müssen, darüber sind sich Wissenschaftler bislang nicht einig.

Klimaforscher Aslak Grinsted vom Zentrum für Eis und Klima am Niels Bohr-Institut der Universität Kopenhagen hat nun gemeinsam mit chinesischen und britischen Kollegen die gängigen Modelle analysiert und gelangt zu neuen Ergebnissen. Demnach befördert der Klimawandel die Bildung von Wirbelstürmen noch stärker als bisher vermutet.

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Vorhersagen sind schwierig

Die tropischen Stürme, die ihre Energie ab einer Wassertemperatur von 27 Grad im Golf von Mexiko aus dem aufsteigenden Wasserdampf beziehen, bewegen sich dann in Richtung der amerikanischen Ostküste und der Küste des Golfs von Mexiko. Eine Klimaerwärmung würde demnach Tropenstürme begünstigen. Doch ein wärmeres Klima erzeugt zugleich Winde, die die Bildung von Sturmwirbeln gleichzeitig erschweren. Vorherzusagen, wie die Wirbelsturm-Aktivität sich in einer wärmeren Welt entwickeln wird, sei deshalb so extrem schwierig, sagt Klimaforscher Aslak Grinsted.

Manche Wissenschaftler konzentrierten sich in ihren Vorhersagemodellen auf die Wassertemperatur in der Region des Atlantiks, in der die meisten Hurrikans entstehen. Ein Anstieg der Wassertemperatur dort würde die Verdunstung beschleunigen und den Hurrikans mehr „Brennstoff“ geben. Ihre Häufigkeit und Intensität würde steigen.

Dem widersprechen Modelle, die Temperaturunterschiede zwischen den Entstehungsregion der Hurrikans und tropischen Gewässern für entscheidend halten. Da diese Unterschiede bei einer Erderwärmung gering ausfallen, würde auch die Häufigkeit von Wirbelstürmen nicht zunehmen.

Erdklima: Zwei Grad mehr bedeuten alle zwei Jahre „Katrina-Alarm“

Grinsted und seine Kollegen haben nun beide Herangehensweisen miteinander kombiniert und außerdem verfügbare Temperaturen von überall auf der Erde in ihre Berechnungen einbezogen. Dabei blickten die Forscher nicht nur auf die Bedingungen, die direkt für die Bildung von Wirbelstürmen verantwortlich scheinen. Sie definierten insgesamt zehn Einflussfaktoren wie regionale Meerestemperaturen in den Entstehungsgebieten der Stürme, El-Nino-Ereignisse und periodische Klimaschwankungen. Auch die wechselnden Unterschiede zwischen den Meerestemperaturen der Tropen und außertropischen Gebiete wurden in die Modelle einbezogen und unterschiedlich bewertet.

Anschließend berechneten die Forscher, bei welchen Gewichtungen das Modell nachträglich die besten Vorhersagen für die Wirbelstürme seit 1923 liefert. Die Forscher gehen nun davon aus, dass im letzten Jahrhundert bereits jeder zweite schwere Hurrikan auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Für die Zukunft könnte sich dieser Trend noch verschärfen, glaubt Grinsted. „Wir haben festgestellt, dass schon eine Erwärmung von 0,4 Grad Celsius zu einer Verdopplung von Sturmfluten wie die durch den Hurrikan Katrina führt“.

Steigen die Temperaturen um ein weiteres Grad, könnten Hurrikans der Kategorie 5 drei bis vier Mal häufiger vorkommen. „Wenn sich das globale Klima um zwei Grad erwärmt, dann könnte ein Katrina-Sturm sogar jedes zweite Jahr auftreten“, so Grinsted. Die Häufigkeit solcher Ereignisse würde sich gegenüber heute damit um das Zehnfache erhöhen. Da parallel dazu auch der Meeresspiegel ansteigt, könnten die ausgelösten Sturmfluten noch weiter ins Land vordringen als ohnehin schon und auch entsprechend mehr Schaden verursachen.

Ein Beitrag von:

  • Gudrun von Schoenebeck

    Gudrun von Schoenebeck

    Gudrun von Schoenebeck ist seit 2001 journalistisch unterwegs in Print- und Online-Medien. Neben Architektur, Kunst und Design hat sie sich vor allem das spannende Gebiet der Raumfahrt erschlossen.

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