Nachhaltigkeitstag 2012 21.12.2012, 18:28 Uhr

Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen

Kritische Kunden und potenzielle Mitarbeiter entscheiden über die Zukunft von Unternehmen, so lautete ein Fazit zum Thema Nachhaltigkeit in Düsseldorf.

Wie viele Fassetten der Begriff Nachhaltigkeit haben kann, zeigte vorige Woche der 5. Nachhaltigkeitstag in Düsseldorf. Obwohl darunter derzeit zumeist – auch auf der Veranstaltung – der Klima- und Umweltschutz verstanden wird, klang immer wieder an, wie wichtig eine gelebte Unternehmensphilosophie ist. Sie gelte sowohl als Signal an die Kunden, als auch an die Mitarbeiter – insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Erstmals lief der Nachhaltigkeitstag dabei über zwei Tage und richtete sich am ersten Tag allein an Kommunen.

Deutsche Unternehmen stehen laut Michael Werner, Partner und Leiter Sustainability Services beim Beratungsunternehmen PwC, in internationalen Ranking beim Thema Nachhaltigkeit ganz vorne. Dafür gäbe es mehrere Gründe: Wir haben in Deutschland früh angefangen, uns mit Umweltschutz zu beschäftigen und Nachhaltigkeit wird bei uns noch sehr stark aus dem Bereich Umweltschutz getrieben.“ Deutschland sei zudem das „Land der Ingenieurkunst“, sagte Werner. „Wir haben früh begonnen, das schwerpunktmäßig zu entwickeln, z. B. in der Automobil- und Chemieindustrie. Diese Branchen sind heute Treiber von Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit im Unternehmen ist ein langfristiger, kontinuierlicher Prozess

Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie und Handwerk in Nordrhein-Westfalen, stellte in Düsseldorf fest: “ Die Energiewende ist ein faszinierendes Projekt. Wer, wenn nicht wir, soll das realisieren?“ Er gab zu, dass sein Bundesland bei „grünen“ Energien Nachholbedarf habe. Der Wandel gehe mit der Akzeptanz der Bevölkerung einher. Als Chance würden die Menschen Lösungen nur empfinden, wenn sie sich gut informiert fühlten, machte er deutlich. Falsche Versprechen, sogenanntes „Greenwashing“, seien da kontraproduktiv.

Auch an anderer Stelle wurde deutlich, dass Unternehmen, die nachhaltig wachsen wollen, dies nicht auf einen Schlag erreichen können. Stefan Schulze-Hausmann, Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis, sowie Günter Bachmann, Generalsekretär im Rat für Nachhaltige Entwicklung und Leiter der Jurysitzung, hatten schon zu Beginn der Veranstaltung darauf hingewiesen, das zu einem nachhaltigen Wachstum auch eine solide wirtschaftliche Basis der Unternehmen gehöre. Bachmann zeigte sich dabei erfreut, dass die Qualität der Bewerbungen um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gegenüber den Vorjahren erneut gestiegen sei. Er bedauerte allerdings, dass die Themen Demografie und Mobilität in diesem Jahr gegenüber der Energie- und Energieeffizienz deutlich unterrepräsentiert waren.

Dass etablierte Unternehmen auf dem Weg zum „nachhaltigen Unternehmen“ nicht einfach den Schalter umlegen können, sondern den Weg aus wirtschaftlichen und strukturellen Gründen besser schrittweise gestalten, wurde bei einigen Unternehmen deutlich. So will Werner & Mertz aus Mainz, bekannt durch die Reinigungsmittelmarke Frosch, künftig den Verbrauch von Palmkernölen reduzieren und verstärkt auf einheimische Pflanzenöle umsteigen. Zwar hätten sich Palmkernöle in der Verarbeitung über längere Zeit als stabiler erwiesen als einheimische Öle z.  B. aus Raps, jedoch ließe sich das durch entsprechende Strategien in der Lagerung und Logistik meistern. Dazu wurde in neue Anlagen investiert.

Außerdem will der Reinigungsmittelhersteller künftig einen höheren Anteil an recyceltem PET für seine Flaschen verwenden. „Wir bieten den Verbrauchern Alternativen zu bisherigen Produkten an. Natürlich müssen sich diese auch verkaufen lassen“, sagte Edgar Endlein, Entwicklungsleiter des Unternehmens.

Auch in der Logistik wird Nachhaltigkeit mehr und mehr zum Trend

Auch in der Logistik gibt es Tendenzen, für eine nachhaltige Logistikkette in Vorleistung zu gehen. Im Gegensatz zu Wettbewerbern hat sich der Paketdienst DPD laut seinem Geschäftsführer (CEO) Arnold Schroven dagegen entschieden, die CO2-Neutralität in der Logistikkette über höhere Preise an die Kunden weiterzugeben. Das gehe aber nur, wenn Shareholder bzw. Inhaber mitmachten. „Spontan rechnet es sich nicht, wir wissen aber, dass es für unsere Kunden immer wichtiger wird“, stellte er dazu fest.

Wie schwer die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung sein kann, verdeutlichte eine Diskussion zur Weltklimakonferenz in Doha, zu der Patricia Espinosa Cantellano, Außenministerin von Mexiko a.D. und Präsidentin der Weltklimakonferenz 2010 in Cancún, sowie Achim Steiner, Exekutivdirektor des UNEP, und Barbara Kux, Vorstandsmitglied der Siemens AG angereist waren. „Eine Verhandlung mit 200 Ländern ist nicht einfach – das gilt nicht nur für den Umweltschutz“, stellte Espinosa Cantellano fest. Das müsse vorbereitet werden. „Wirtschaft und Gesellschaft müssen mit einbezogen werden“, verdeutlichte sie.

Ähnlich äußerte sich Steiner. Denjenigen, denen der Prozess zu langsam geht, rief er zu: „Wir leben heute in einer Welt, in der Dinge geschehen, die wir vor zehn Jahren noch nicht für möglich gehalten hätten.“ Der Weg sei lang. Daher stehe Doha immer kurz vor dem Scheitern.

Kux verwies darüber hinaus darauf, dass Unternehmen nicht nur in die Wachstumsregionen blicken sollten, wenn es darum geht, Klimaschutzziele zu erreichen. Eine große Chance liege nach Einschätzung ihres Unternehmens im Einsatz energieeffizienter Technologien. Ähnlich hatte sich seitens des Bausektors zuvor bereits Dagmar Fritz-Kramer, Geschäftsführerin der Bau-Fritz GmbH geäußert. „Ich finde es besser, erst Energieeffizienzpotenziale zu nutzen und dann über die Energiewende zu reden“, hatte sie festgestellt.

Siemens-Vorstand Kux sieht darin auch eine Chance im globalen Wettbewerb. Denn in Ländern, die nicht mehr so stark wachsen, sei es wichtig, bestehende Lösungen durch effizientere Lösungen zu ersetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Kinder sind bereits mit dem Thema Nachhaltigkeit vertraut

Wie wichtig es ist, bei allen Argumenten auch entsprechend zu handeln, verdeutlichten die Kinder vom zweiten ¬Kika-Kindernachhaltigkeitstag den anwesenden Erwachsenen. „Die Zukunft ist etwas, was uns länger beschäftigen wird als Sie“, sagte stellvertretend Felix Seibert-Daiker, Moderator beim Kindersender Kika. „Sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich es so deutlich sage: – Wir müssen ausbaden, was Sie heute entscheiden.“

Wie wichtig den Kunden von morgen Nachhaltigkeit ist, verdeutlichte auch Steffen Kottkamp, Programmgeschäftsführer des Kinderkanals von ARD und ZDF: „Neben den Bildern für das Sandmännchen beschäftigen sich die Zuschriften, die wir erhalten, weniger mit Traumberufen, sondern stärker als erwartet mit Fragen zu Umwelt und Energie“, fasste er seine Beobachtung zusammen.

Ausgewählte Zuschauer und Zuschauerinnen der Sendung „Erde an Zukunft“, hatten sich parallel zu den Vorträgen und Themenforen der Erwachsenen in vier moderierten Kinder-Gruppen zusammengefunden. Dort arbeiteten sie Wünsche und Selbstverpflichtungen für die Themenbereiche Integration, Ernährung, Klimaschutz und Stadt der Zukunft aus, die sie am Ende des Tages auf der großen Bühne präsentierten. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Frage zur Mobilität der Zukunft. Zudem zeigten die anwesenden Kinder mit ihren jeweiligen Selbstverpflichtungen, dass sie für das Gemeinwohl ihre persönlichen Bedürfnisse hinterfragen, z. B. dass sie einen Tag in der Woche bewusst auf Fleisch verzichten oder beim Einkauf exotische Früchte meiden wollen.

  • Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

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