Granulat im Sport 04.09.2019, 10:01 Uhr

Kritik an Kunstrasen: Wie umweltschädlich sind sie und welche Alternativen gibt es?

Strahlend grün und neu: Das sind viele Kunstrasenplätze. Vor allem kleinere Vereine in den Regionalligen haben ihre Sportplätze mit neuem Kunstrasen versehen. Also mit Mikroplastikflächen erster Güte. Das hat nun die EU auf den Plan gerufen.

Rasenplatz Fußball stat und grün

Kunstrasenplätze sollen keine Plastikschleudern mehr sein.

Foto: panthermedia.net/kanate

Bei Kunstrasenplätzen wird künstliches Granulat als Infill zwischen die Plastikhalme gestreut. Das sorgt dafür, dass der Platz gut federt. Fußballer rutschen weniger, die Verletzungsgefahr sinkt. Für die Spieler und Vereine eine gute Nachricht, aber wie sieht es für die Umwelt aus?

Kicken auf Plastik

Kritik wird laut, weil Kunststoffgranulat nicht auf dem Platz bleibt, sondern sehr wohl in die Umwelt gelangt. Zum Beispiel, wenn die Spieler mit den Fußballschuhen den Platz verlassen oder beim Schneeräumen in den Wintermonaten. Plastikteilchen werden mit abgeschürft und an anderer Stelle entsorgt. Darüber hinaus müssen die Plätze regelmäßig mit dem Granulat aufgefüllt werden. Auch wenn das nur alle 2 Jahre passiert: Der Umwelteinfluss ist vorhanden. In welchem Ausmaß Kunstrasenplätze schädlich sind, ist aber umstritten.

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik aus dem Jahr 2018 hat Sportstätten als eine der größten Mikroplastiksünden Deutschlands betitelt. Das Fraunhofer-Institut sah sich daraufhin massiver Kritik ausgesetzt. Angegriffen wurde die Kalkulation hinsichtlich der Menge des Granulats, das nachgefüllt werden muss. Eine Diskussion, ob Kunstrasenplätze der Umwelt dauerhaft schaden, wurde entfacht. Nach der deutlichen Kritik hat das Fraunhofer-Institut die Studie zur Entstehung von Mikroplastik durch Kunstrasenplätze relativiert. Die Wissenschaftler wollen eine neue Untersuchung angehen, die Industrie und Kommunen einbezieht.

Unter Mikroplastik versteht man feste und unlösliche synthetische Polymere, das heißt Kunststoffe. Mikroplastik ist kleiner als 5 Millimeter und für das menschliche Auge oftmals unsichtbar. Es gibt 2 Sorten von Mikroplastik: das primäre und das sekundäre Mikroplastik. Basispellets, die die Grundlage für Plastikproduktionen legen, gehören zur primären Sorte. Das sind zum Beispiel Granulate in Kosmetik. Das sekundäre Mikroplastik entsteht durch den Zerfall von Makroplastik, sprich allen anderen Plastikprodukten.

Plastik baut sich in der Natur nicht ab, sodass es mehr als 500 Jahre überdauern kann. Tiere verwechseln die feinen Kunststoffe häufig mit Nahrung, sodass Mikroplastik mittlerweile auch in Speisefisch angekommen ist, der wiederum auf unseren Tellern landet.

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Verbot von Granulat wird durch EU geprüft

Das Thema der Kunstrasenplätze hat die EU-Behörden auf den Plan gerufen. Aus Umweltschutzgründen wird ein Verbot, bzw. der Abbau des Granulats geprüft. Die Europäische Chemikalienagentur (Echa) führt derzeit eine öffentliche Konsultation durch, welche Auswirkungen eine Beschränkung des Einsatzes von Granulat hätte. Das Ziel: Ab 2022 soll das Streugut verboten werden.

Das verunsichert vor allem kleinere Regionalvereine. Existenzbedrohend ist es gar für diejenigen, die gerade erst einen neuen Kunstrasenplatz bekommen haben. Viele Sportstätten fürchten den Bankrott. Laut dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wären 6.000 Kunstrasenplätze betroffen. Die EU hat aber bereits Entwarnung gegeben: Eine generelle Schließung der Plätze sei nicht geplant.

Solingen geht mit gutem Beispiel voran

In Solingen wurde der Sportplatz Höher Heide II in Höhscheid erst kürzlich saniert. Auch hier wurde ein Kunstrasen verlegt – jedoch ohne Granulat zwischen die Halme zu kippen. Stattdessen wurde Sand verwendet. Das ist auch die bevorzugte Variante der EU. Der neue Rasen soll bereits gut dämpfen; der Sand sorge für den Stand der Halme, so das Sportamt der Stadt. Alternativen sind also durchaus möglich. Im Zuge der Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Solingen sollen 12 Plätze in den kommenden 6 Jahren umweltfreundlich umgerüstet werden.

Mikroplastik ist eines der größten Umweltprobleme unserer Welt. Ob in der Arktis, in der Tiefsee oder von den Winden verbreitet: Forscher finden überall mikro- und millimetergroße Partikel von Plastik. Der Fußball ist bisher nicht unbedingt für Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein bekannt – weder bei Spielern noch beim DFB. Durch die EU-Behörde kann sich aber hier etwas bewegen.

Was kostet ein Kunstrasen?

Einen Kunstrasen komplett neu anzulegen kostet. Und das nicht gerade wenig. Bei einem Fußballplatz mit den Spielfeldmaßen 90 Meter x 60 Meter entstehen Kosten zwischen 420.000 und 550.000 Euro. Dieser Betrag setzt sich erst recht so zusammen, wenn der Kunstrasen mit Granulat verfüllt wird. Die Höhe des Preises variiert natürlich je nach Rasenqualität.

Ohne eine entsprechende Granulatbefüllung wird der Kunstrasenplatz natürlich günstiger – und umweltfreundlicher. Allerdings fehlen so die spieltechnischen Eigenschaften. Kunstrasen ist weniger rutschig als ein Naturrasen. Sportler können bessere Leistung bringen und laufen nicht so schnell Gefahr, sich zu verletzen. Kicken auf Plastik ist aber ein chemisches Vergnügen. Das sollte jedem klar sein.

Ein Naturrasen verschlingt  hingegen “nur” 210.000 Euro Baukosten, so der Sportstättenrechner. In der jährlichen Pflege ist der Rasen jedoch teurer. Mit 25.000 Euro müssen Sportstätten hier kalkulieren. Ein Kunstrasenplatz schlägt mit 10.000 Euro vergleichsweise günstiger in der Pflege zu buche.

Warum ist Kunstrasen im Sport so beliebt?

Kunstrasen muss nicht gemäht werden und Wasser braucht er auch nicht. Sprinkleranlagen auf dem Fußballfeld entfallen und somit auch die Wasserkosten, die ein Naturrasen verschlingt. Kunstrasen ist ganzjährig schön und bespielbar. Aus diesen Gründen sind Sportvereine vom künstlichen Rasen begeistert.

Als umweltfreundliche Alternative neben dem echten Rasen gelten Korkrasen und Hybridrasen. Korkrasen ist sehr pflegeintensiv und leidet schnell unter Schimmelpilz. Der Hybridrasen ist durch die Kombination von echtem Rasen und Kunstfasern ökologisch nicht einwandfrei.

Ob und wie die EU entscheidet, ist noch nicht bekannt. Die Sanierungen wie in Solingen sollten als Beispiel dienen, um sich umweltbewusster auf die Zukunft der Sportplätze vorzubereiten. Auch ohne Granulat lassen sich mit Sicherheit Höchstleistungen erzielen.

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Ein Beitrag von:

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Aktuell arbeitet sie als Pressesprecherin beim VDI e.V.

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