Ergebnisse eines Modellvergleich 13.10.2021, 07:00 Uhr

Klimaneutralität 2045: Forscher kritisieren Politik – doch es gibt Lösungen

Mehr als 50 Forschende haben verschiedene Szenarien verglichen: Wie realistisch ist es, dass Deutschland es schafft, die Klimaziele zu erreichen? Für manche Bereiche stellen sie eine gute Prognose, aber es gibt auch große Probleme – und Lösungsvorschläge.

Illustration CO2 neutral

Das ist das große Ziel: keine CO2-Emissionen mehr im Jahr 2045.

Foto: panthermedia.net/ Dmitrynew83

Knapp 25 Jahre. Was in einem Menschenleben nach einer Ewigkeit klingt, ist ein extrem kurzer Zeitraum, wenn es darum geht, den gesamten Energiesektor umzubauen. Und nicht nur das: Das hohe Ziel der Klimaneutralität 2045 ist nur machbar, wenn alle mitziehen – und zum Teil auch ihr Verhalten ändern. Zu diesem Schluss kommt ein Ariadne-Report. Ariadne ist ein Kopernikus-Projekt und dafür zuständig, die notwendigen Politikinstrumente für die Energiewende zu erforschen. Mehr als 50 Forschende aus zehn Instituten haben Szenarien verglichen, die zur Klimaneutralität führen könnten. Die wichtigsten Erkenntnisse sind nicht neu: Es gibt noch viel zu tun, und die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus. Zum Teil ist die Diskrepanz aber größer als bislang angenommen. Die Studie zeigt auf, was getan werden muss, um die Klimaziele dennoch zu erreichen.

Kaum Spielraum auf dem Weg zur Klimaneutralität

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben zehn unterschiedliche Modelle erstellt und sechs verschiedene Szenarien durchgerechnet. Unter anderem haben sie eine direkte Elektrifizierung über Wasserstoff und E-Fuels einbezogen sowie die Importe grüner Energie. „Klimaneutralität erreicht man nicht von heute auf morgen, deshalb müssen schon zu Beginn der nächsten Legislaturperiode wichtige Entscheidungen getroffen werden. Denn es gibt kaum kurzfristige Spielräume, um auf den Weg zu bringen, was in ein paar Jahren greifen soll“, sagt Gunnar Luderer, Vize-Leiter des Ariadne-Projekts am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK. Damit ist unter anderem der Ausbau erneuerbarer Energien gemeint, vor allem Windkraft und Photovoltaik.

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Luderer sieht die Möglichkeit, durch erneuerbare Energien, grünen Wasserstoff, grüne E-Fuels sowie nachhaltig erzeugte Biomasse die fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Gas nach und nach zu ersetzen. Aus seiner Sicht wird in der Politik jedoch unterschätzt, wie groß der Umbaubedarf der Infrastruktur sei, etwa in Bezug auf Gebäude und Industrieanlagen.

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Ohne neue Technologien ist Klimaneutralität in absehbarer Zeit nicht erreichbar

Aber auch die Forschung sei gefragt. Beispielsweise die sehr energieintensiven Branchen der Stahl- und Chemieindustrie sind heute noch im Wesentlichen auf fossile Energieträger angewiesen. Strom aus erneuerbaren Energiequellen sowie Wasserstoff könnten diese ersetzen. Dafür müsste die Stromerzeugung aus Wind und Sonne bis 2030 allerdings etwa 50% größer sein, als es bislang geplant ist. „Der Zeithorizont bis 2030 ist dabei entscheidend, denn in diesem Zeitraum müssen CO2-neutrale Verfahren vom Pilot- und Demonstrations-Maßstab auf industrielles Niveau skaliert und wirtschaftlich betrieben werden“, erklärt Andrea Herbst, Ko-Leiterin des Ariadne-Arbeitspakets Industriewende am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI.

Neben dem Forschungsbedarf sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitere Herausforderungen, etwa höhere laufende Kosten für die neuen Technologien, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette umgesetzt werden müssten. Zusätzlich stünde auch hier wieder ein Ausbau der Infrastruktur an. Das alles sei nur realistisch, wenn die Unternehmen parallel von der Politik Planungssicherheit erhielten.

Voraussetzung für Klimaneutralität: mehr Wärmepumpen und mehr E-Autos

Im Gebäudesektor muss laut der Studie das Tempo bei den Sanierungen der Bestandsbauten zunehmen. Bis 2030 müsste die jährliche Sanierungsrate auf 1,5% bis 2% steigen. Als Zielmarken sehen die Forschenden allein fünf Millionen Wärmepumpen, die zu diesem Zeitpunkt installiert sein sollten. Zusätzlich müssten bis dahin etwa 1,6 Millionen Gebäude neu an das Fernwärmenetz angeschlossen werden, um genug CO2 einzusparen.

Besonders schwer ist es aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Umstellung im Verkehrsbereich durchzusetzen. Der sei entscheidend, weil er große Menge an Emissionen generiere. Bis zum Jahr 2030 müssten beispielsweise mindestens 14 Millionen elektrisch betriebenen Pkw über die Straßen rollen. Das setzt natürlich voraus, dass die Ladeinfrastruktur in einem entsprechenden Tempo ausgebaut wird. Dabei sehen die Forschenden ein grundsätzliches Problem: Verbraucherinnen und Verbraucher verkaufen nicht einfach ein Auto mit Verbrennermotor, so lange es tadellos läuft. Und nicht jeder kann sich einen Neuwagen leisten. Die lange Lebensdauer der Autos sei ein großes Problem. Für das Forschungsteam ist daher klar: Es kann nur funktionieren, wenn viele Menschen ihr Verhalten ändern und generell weniger Auto fahren.

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Ein Beitrag von:

  • Nicole Lücke

    Nicole Lücke macht Wissenschaftsjournalismus für Forschungszentren und Hochschulen, berichtet von medizinischen Fachkongressen und betreut Kundenmagazine für Energieversorger. Sie ist Gesellschafterin von Content Qualitäten. Ihre Themen: Energie, Technik, Nachhaltigkeit, Medizin/Medizintechnik.

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