Klimawissenschaften 04.12.2009, 18:31 Uhr

„Klima-Skeptiker“ verbreiten ihre umstrittenen Thesen im Internet  

Der Weltklimarat, das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), wurde im Jahr 2007 mit dem Friedensnobelpreis geadelt. Im gleichen Jahr ließen seine Berichte keinen Zweifel mehr: Der Mensch verändert das Klima. Genug, um die beobachtbaren Daten mit dem menschlichen Wirken eindeutig in Zusammenhang zu bringen und das Thema weltweit eindringlich auf die politische Agenda zu setzen. Doch es bleiben „Skeptiker“ der Klimaforschung, die mit strittigen Thesen auftrumpfen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 12. 09, rb

Die Argumente der sogenannten „Klima-Skeptiker“ findet man überall im Internet: „Das Klima wird mehr von der Sonne beeinflusst als vom Menschen.“ „Die CO2-Absorptionsbanden sind längst gesättigt.“ „Der menschliche Anteil am Treibhauseffekt beträgt nur 2 %.“. Die Skeptiker vertreten die Ansicht, der Klimawandel habe, so er überhaupt stattfindet, nur natürliche Ursachen, so wie all die vielen Klimaschwankungen in der Erdgeschichte.

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Die wurden in der Tat durch die unterschiedliche Sonneneinstrahlung verursacht, etwa weil sich der Winkel der Erdachse oder der Abstand zwischen Erde und Sonne veränderte.

Auch im 20. Jahrhundert hätte es Schwankungen der Sonneneinstrahlung gegeben, sagt Mojib Latif, Klimaforscher am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften der Universität Kiel: „Bis etwa 1940 hat sie zugenommen, aber seither nicht mehr, da hat sie sogar eher abgenommen.“ Neueste Studien zeigten, dass der Klimawandel deshalb in den nächsten zehn Jahren milder ausfallen werde als bisher angenommen.

Entscheidend ist allerdings, wie natürliche und menschliche Einflüsse zusammenwirken. „Und alle wissenschaftlichen Studien zeigen, dass der menschliche Anteil am Klimawandel im 20. Jh. mindestens 50 % beträgt“, sagt Latif.

Der Meteorologe Horst Malberg kommt mit seinen Berechnungen zu einem anderen Ergebnis, er hat es auf seiner Webseite veröffentlicht. Ein Mitarbeiter von Stefan Rahmstorf am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung fand in diesen Berechnungen allerdings elementare statistische Berechnungsfehler und Ungenauigkeiten – aus diesem Grund findet man Malbergs Thesen auch nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, die Artikel zunächst von Gutachtern auf Fehler prüfen lassen.

Ein Meteorologe ist nicht zwingend ein Experte für das Klima. Das Wetter als momentaner Zustand der Atmosphäre ist stark von Zufällen abhängig, deshalb ist keine langfristige Wettervorhersage möglich. Das versuchen Klimaforscher auch gar nicht, sie berechnen den Durchschnittszustand der Atmosphäre über lange Zeiträume aufgrund von Randbedingungen wie Sonneneinstrahlung oder Treibhausgaskonzentration.

Eine ebenfalls von „Skeptikern“ verbreitete These besagt, die CO2-Absorptionsbanden in der Atmosphäre seien längst gesättigt, mehr CO2 könne also den Treibhauseffekt gar nicht mehr verstärken. Mojib Latif erzählt, dass manchmal Physiker nach diesem Phänomen fragen, „weil das im Labor tatsächlich auftreten kann. Aber in der turbulenten Atmosphäre sind die Verhältnisse eben anders als im Labor, da weitet sich der Absorptionsbereich auf. Das kann man im Detail nur verstehen, wenn man die Quantenphysik zur Hilfe nimmt.“ Aber wer kann das schon? Latif: „Das ist ja die Strategie der sogenannten Skeptiker: Nebel zu streuen.“

Leichter zu widerlegen ist die Aussage, der menschliche Anteil am Treibhauseffekt betrage nur 2 %. Der natürliche Treibhauseffekt unserer Atmosphäre erhöht die Durchschnittstemperatur der Erde von lebensfeindlichen -18 °C auf angenehme +15 °C. „Und 2 % von diesem Gesamteffekt sind etwa 0,6 °C bis 0,7 °C, also genau die Erwärmung, die wir in den letzten 100 Jahren hatten“, rechnet Latif vor.

Diese und andere Behauptungen der „Klima-Skeptiker“ haben gemeinsam, dass sie nicht in begutachteten Fachzeitschriften zu finden sind. Dieses Kriterium gilt in allen Bereichen der Forschung als Gütesiegel. „Sofern es Wissenschaftlern gelingt, in den anerkannten Zeitschriften zu veröffentlichen, nehmen wir an, dass ihre Ergebnisse ernst zu nehmend sind“, sagt Prof. Armin Grunwald, Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung am Forschungszentrum Karlsruhe (ITAS) und damit gleichzeitig des Büros für Technikfolgenabschätzung des Bundestags (TAB).

Damit gelten für die Gutachten des ITAS oder TAB dieselben Kriterien wie für die Berichte des Weltklimarats IPCC. Sie basieren auf den geprüften Publikationen Tausender Klimaforscher und werden selbst noch einmal von Gutachtern überprüft. „Skeptiker“ hingegen sprechen vom „IPCC-Schwindel“ – das klingt nach Verschwörungstheorie. „Sozialwissenschaftliche Studien zeigen, dass so etwas nur in gut überschaubaren Gemeinschaften funktioniert“, sagt Grunwald, der selbst kein Klimaforscher ist. „Dass sich die weltweite Gemeinschaft der Klimaforscher zusammentut und sagt: Jetzt wollen wir aber mal richtig Forschungsgelder abschöpfen, das halte ich eigentlich für unmöglich.“

Aber sind sich die Klimaforscher denn wirklich immer alle einig? Im Gegenteil – auf Kongressen kann man erleben, wie jedes neue Forschungsergebnis der Kollegen – oder vielleicht eher: Konkurrenten – akribisch hinterfragt wird.

„Nimmt die Stärke von tropischen Wirbelstürmen zu, wie schnell schwindet das arktische Meereis, wie wird es weitergehen mit dem Meeresspiegelanstieg – über solche Themen setzt man sich in der Fachwelt auseinander“, sagt Rahmstorf. „Aber dass unsere Treibhausgasemissionen eine Erwärmung verursachen, das ist Konsens in der Wissenschaft.“ RENATE ELL

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