Kraftwerk für Kopenhagen 31.08.2015, 06:55 Uhr

Extra-Turm: Dampfringe zeigen am Himmel CO2-Belastung an

Der dänische Star-Architekt Bjarke Ingels baut in seiner Heimat eine Müllverbrennungsanlage, in die er ein Kunstprojekt integrieren möchte: Ein spezieller Schornstein soll die Bewohner mit Dampfringen über jede Tonne CO2 informieren, die ausgestoßen wird. Finanzieren will er den Extra-Schornstein über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. 

Kopenhagen soll ein Müllheizkraftwerk mit künstlerischem Extra erhalten: Ein spezieller Schornstein soll die Bewohner mit Dampfringen über jede Tonne CO2 informieren, die ausgestoßen wird. 

Kopenhagen soll ein Müllheizkraftwerk mit künstlerischem Extra erhalten: Ein spezieller Schornstein soll die Bewohner mit Dampfringen über jede Tonne CO2 informieren, die ausgestoßen wird. 

Foto: big.dk

Am Hafen von Kopenhagen entsteht bis 2017 ein neues Müllheizkraftwerk. Es soll das sauberste Kraftwerk seiner Art werden. Und das soll jeder Bürger sehen können: Ein speziell angebauter Schornstein würde den Bewohnern der Stadt anzeigen, wie viel Kohlenstoff in die Luft abgelassen wird. Für jede Tonne CO2 steigt ein „poetischer“ Dampfring aus dem Schornstein.

Geplant hat das Kraftwerk-Projekt Bjarke Ingels, der mit seinem Team von 60 Architekten schon das „2World Trade Center“ sowie ein großes Apartmenthaus in Manhattan gebaut hat sowie Großprojekte wie das neue Dänische Nationalmuseum für Schifffahrt in Helsingør und ein 100 Hektar großes Öko-Resort in Aserbeidschan entworfen hat.

Die Konstruktion des Schornsteins hat Ingels gemeinsam mit den Raketenwissenschaftlern und Verbrennungsingenieuren von Peter Madsen’s Rumlaboratorium und der Danish Technical University entwickelt. Die Anlage verfügt über drei Dampfleitungen mit unterschiedlichem Druck, welche die Dampfringe erzeugen.

Kickstarter für den Prototyp

Das Projekt liegt dem Ingels am Herzen. Kopenhagen ist seine Heimatstadt. Umso schlimmer war die Vorstellung für ihn, dass die Idee des Schornsteins aufgrund fehlender finanzieller Mittel scheitern könnte. Daher versucht Ingels die Mittel über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter  zu erhalten. Die benötigten 15.000 $ sind inzwischen zusammengekommen. Erheblich mehr sogar. Bereits 16 Tage vor Ablauf der Kampagne waren es mehr als 25.000 $. Mit diesen Mitteln soll zunächst der endgültige Prototyp gebaut und getestet werden. Dann erst soll die Genehmigung für den Bau eingeholt werden.

Zwei Prototypen mit unterschiedlichen Größen des Dampfringes wurden in der Vergangenheit bereits auf eigene Kosten getestet. Der nächste und letzte Prototyp soll nun mit 5 m Höhe und 2,5 m Durchmesser etwa ein Drittel der endgültigen Größe messen. 

Kraftwerk ist auch Kunstprojekt

Die Idee des Schornsteins basiert auf einem Vorschlag der Berliner Künstlergruppe realities:united. Durch die Visualisierung des verbrauchten Kohlenstoffs sollen die Menschen wieder mehr Bewusstsein für die Umwelt entwickeln. Ein Blick in den Himmel und die Kopenhagener wissen, wie viel CO2 in ihrer Stadt verbrannt wird.

Der erste Prototyp des Dampfring-Generators im April 2014. 

Der erste Prototyp des Dampfring-Generators im April 2014. 

Foto: big.dk

„Indem wir nichts unter den Teppich kehren, sondern unseren Carbon Footprint an den Himmel über Kopenhagen projizieren, versorgen wir jeden einzelnen Bürger mit intuitiver Information, um ihm zu helfen, sich über die Entscheidungen zu informieren, die er für sein Leben trifft und für die Stadt, in der er leben will“, heißt es auf Kickstarter.

Dänemark ist Vorreiter beim Klimaschutz. Kopenhagen will die erste klimaneutrale Stadt werden und im Jahr 2025 keine CO2-Belastung mehr haben. Etwa die Hälfte der Bevölkerung fährt Fahrrad und ein riesiger 20-Turbinen-Windpark versorgt die Bewohner mit Energie. 

Von Petra Funk

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