Erdbeben - Tsunami - Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima 13.05.2011, 19:52 Uhr

Erdbeben – Tsunami – Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima

Neben der Berichterstattung in den aktuellen VDI nachrichten werden hier die aktuellen Meldungen aus den Katastrophengebieten von der Redaktion aufbereitet.

Fukushima, Update 36, 12.5.11, 10.00 Uhr MESZ

Schwerere Schäden in Fukushima-Reaktor als angenommen

Wasserstoffexplosion bewahrte Brennelemente in Block 4 vermutlich vor Kernschmelze – Entsorgung des hoch kontaminierten Wassers im Juni

Die japanische Tageszeitung Yomiuri berichtet heute, dass die Wasserstoffexplosion am 15. März 2011 im Reaktorblock 4 des KKW Fukushima Daiichi dort indirekt wohl erheblich zur Kühlung der zu dieser Zeit überhitzten Brennelemente beigetragen hat. Das berichte der Anlagenbetreiber Tokyo Electric Power Company (Tepco). Die Explosion, die die äußere Gebäudehülle wegsprengte, habe wohl auch ein Schleusentor beschädigt. Dadurch seien Hunderte Tonnen Wassers aus einem benachbarten Teil der Anlage in das Becken gelangt, in dem die Brennelemente gelagert seien dies hätte dann zu einer besseren Kühlung der Brennstäbe geführt. Block 4 war zum Zeitpunkt des Erdbebens vom 11. März in Revision, die Brennelemente daher aus dem Druckbehälter in ein Lagerbecken ausgelagert. Das beschädigte Schleusentor könnte auch der Grund dafür sein, dass die derzeitigen Bemühungen, das Lagerbecken mithilfe einer Hochdruck-Betonpumpe zu füllen, nicht den erwünschten Erfolg bringen. Täglich füllt Tepco 70 t Wasser ein, der Pegel im Becken steigt aber nicht wie erwartet. Neben der Wasserverdampfung durch die Brennelemente vermutet Tepco ein Leck. Hier könnten Rückflüsse des Wassers durch das beschädigte Schleusentor in einen Schacht eine Rolle spielen, so Yomiuri.

Die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) in Wien bezeichnet die Lage in Fukushima Daiichi als „sehr ernst“, aber es gebe Anzeichen für Besserung bei einigen Funktionen wie der elektrischen Stromversorgung und der Messtechnik. Die laufenden Arbeiten im KKW sind durch die beständigen Frischwassereinspeisungen zur Kühlung, das Versprühen von Kunstharzen zur Bindung radioaktiv kontaminierten Staubes auf dem Gelände und das Räumen von Schutt bestimmt.

Die Wassereinspeisung in den Reaktordruckbehälter von Block 1 zeigte nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo erste positive Ergebnisse. Sowohl Temperatur wie Druck im Behälter würden wie erwartet fallen, berichtet Kyodo unter Berufung auf die Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA). Dem Anlagen-Statusbericht des Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) zufolge füllt Tepco zurzeit Wasser in die Reaktordruckbehälter der Blöcke 1 bis 3, konzentriert sich jedoch dabei auf Block 1, um dort die Einspeiserate auf bis zu 14 t/h zu erhöhen. Der eigenen Roadmap für die Sicherung des KKW zufolge will Tepco bis Juli in zumindest zwei Reaktoren die Brennelemente wieder komplett mit Wasser bedeckt haben.

Nach Angaben des japanischen Fernsehsenders NHK habe Tepco bekannt gegeben, dass es plane im Juni mit der Entsorgung des hoch kontaminierten Wassers in den Blöcken 1 bis 4 zu beginnen, berichtet die Gesellschaft für Reaktor- und Anlagensicherheit (GRS) in Köln. Es werde geschätzt, dass sich bisher ca. 87 500 t Wasser angesammelt haben und es werde erwartet, dass die Menge bis zum Jahresende auf ca. 200 000 t steigen wird. Anfang Mai solle eine Aufbereitungsanlage installiert werden, mit der ab Juni dann täglich 1200 t Wasser aufbereitet werden können.

Die japanische Regierung will ein unabhängiges Expertengremium einrichten, um den Unfall im KKW Fukushima Daiichi zu untersuchen, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Es solle sich Mitte Mai konstituieren. Wissenschaftler planen unterdessen nach Angaben der Tageszeitung Asahi Shimbun, eine detaillierte Strahlungsbelastungskarte um das KKW herum zu erstellen. 300 Experten wollen im Mai an 10 000 Standorten Bodenproben entnehmen. Die Daten sollen dann die Grundlage für die einzurichtenden endgültigen Evakuierungsgebiete sein. swe

Mit Informationen der Nachrichtenagenturen Kyodo, des Fernsehsenders NHK, der Tageszeitungen Asahi und Yomiuri, der GRS, der IAEA, der NISA und des JAIF

Jetzt auch ein Datenleck in Fukushima

Die renommierte japanische Tageszeitung Asahi Shimbun berichtete heute, dass anscheinend eine vertrauliche Blaupause des Reaktorblocks 1 des KKW Fukushima Daiichi im Internet aufgetaucht sei. Anlagenbetreiber Tokyo Electric Power Company (Tepco) nimmt an, dass es sich um ein vertrauliches Dokument handelt, kennt aber das Datenleck nach eigenen Angaben nicht.

Vor Ort gehen die Aufräumarbeiten weiter. Wie angekündigt verstärkte Tepco die Wassereinleitung in den Reaktordruckbehälter von Block 1 im Laufe des Tages sollen stündlich 14 m³ eingefüllt werden. Der Plan ist, später auch das Containment mit Wasser zu füllen. Gleiches ist für die Reaktorblöcke 2 und 3 geplant, so die Gesellschaft für Reaktor- und Anlagensicherheit (GRS) in Köln. Tepco glaubt, dass sich im Block 4 ein Leck befinden muss, da trotz stetiger Befüllung mit Wasser (140 t bis 210 t Wasser täglich) in den letzten Tagen der Wasserpegel zur Kühlung der 1500 Brennelemente im Lagerbecken 10 cm bis 40 cm niedriger gestanden habe als angenommen. Tepco versucht weiter auch die Stromversorgung zu verbessern und auch Sicherheiten gegen erneute Ausfälle durch eventuelle Nachbeben herzustellen. Im Einsatz ist weiterhin ferngesteuertes schwereres Gerät zur Schuttbeseitigung. Hinzu kommen Roboter zur Untersuchung in den Gebäuden.

Die japanische Regierung macht sich unterdessen Gedanken, wie die großen Mengen hoch radiaktiv kontaminierten Wassers zu lagern sind, die immer noch die Wiederherstellungsarbeiten im KKW behindern. Premierminister Naoto denkt offenbar daran, einen riesigen unterirdischen Tank zu installieren, um die Wassermengen aufzunehmen, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo heute. 46 m unter dem KKW befindet sich gewachsener Fels. „Die Regierung hat herausgefunden, das kontaminiertes Wasser durch den Fels sickern kann“, habe Ikuhiro Hattori gesagt, Leiter der Nationalverbandes der japanischen Fischereikooperativen, der ein Gespräch mit Kan begleitet hatte.

Tepco korrigierte heute auch die Anzahl der geschädigten Brennelemente in den Reaktorblöcken 1 bis 3. In Block 1 seien nicht 70 % sondern nur 55 % geschädigt. In den Blöcken 2 und 3 liege die Zahl jedoch bei 35 % beziehungsweise 30 %, das sind fünf Prozentpunkte mehr als bisher angenommen. swe

Mit Informationen der Nachrichtenagentur Kyodo, des Fernsehsenders NHK und der GRS

Fukushima, Update 31, 26. 4. 11, 14.00 Uhr MESZ

Der Atomunfall dauert immer noch an

Am Dienstag nach Ostern wurde in Japan deutliche Kritik am Umgang mit der Katastrophe seitens der Regierung von Ministerpräsident Naoto Kan geäußert. Kan sagte am Ostermontag im Parlament, seine Regierung unternehme alles in seiner Macht stehende, um das havarierte KKW Fukushima Daiichi wieder unter Kontrolle zu bringen. „Der Atomunfall dauert noch immer an“, sagte Kan. Daher habe es nun oberste Priorität, die Situation zu stabilisieren.

Goshi Hosono, ein Berater Kans und Mitglied des nach der Atomkatastrophe eingerichteten Krisenstabs, kritisierte den Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power Company (Tepco) für dessen Umgang mit Krise. „Ich denke, Tepco ist es gewohnt seine normale Arbeit als Energieversorger zu machen, aber sie waren nicht gut darin, etwas anderes zu bewerkstelligen“, sagte Hosono. Allerdings scheint auch die Regierung außergewöhnlich uninformiert gewesen zu sein: Nach einem Bericht des Nachrichtensenders NHK habe Regierungsberater Honoso am Ostermontag zugegeben, der Regierung sei in der Anfangsphase das Risiko einer Wasserstoffexplosion nicht bewusst gewesen.

Im KKW kämpfen die Arbeiter und Techniker weiter mit dem Wasser einerseits und der Kühlung andererseits. Die japanische Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA) teilte heute mit, im Block 1 könnte Wasser aus dem Reaktorbehälter entweichen. Zurzeit würden ferngesteuerte Roboter die Lage im Gebäude untersuchen. Wahrscheinlich werde das Leck auch in Block 1 Arbeiten behindern, die darauf abzielten, den Primärbehälter des Reaktors mit Wasser zu fluten. Tepco pumpt zurzeit 6 t Wasser stündlich in den Reaktor, ab morgen sollen es 14 t/h sein, um die Brennstäbe zuverlässig mit Wasser zu bedecken und die Kühlung sicherzustellen.

Tepco arbeitet gleichzeitig nach Angaben des Japan Atomic Industry Forum (JAIF) mit Hochdruck daran, das hoch radioaktiv kontaminierte Wasser aus Block 2 zu entfernen. Dort sei das Strahlungsniveau besonders hoch. Das Wasser habe heute Morgen, 7 Uhr japanischer Ortszeit, 89 cm unter der Decke Schachts gestanden, der schon seit Längerem unter Wasser steht. Der Pegel des Wassers stagniere dort, so Tepco. Gleiches gelte auch für den Reaktorblock 3, hier habe der Pegel bei 98 cm gelegen, allerdings steige der Pegel um 3 cm in 24 h. Der Wasserstand in Block 4 sei mit 115 cm am höchsten, ein Anstieg von 5 cm in 24 h. Bei einem Pegel von 100 cm will Tepco eigentlich mit dem Abpumpen beginnen, bloß weiß der Betreiber nicht wohin mit dem Wasser.

Unterdessen wurden Arbeiten zur Verbesserung der Stromversorgung fortgeführt. Seit dem Sonntag vor Ostern gibt es für die Sicherungsarbeiten eine Roadmap des Betreibers.

www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/11041707-e.html

Am Samstag hatte Tepco erklärt, 30 Arbeiter der Anlage seien einer Strahlung ausgesetzt gewesen, die den früher geltenden Grenzwert von 100 mSv/a übersteige. Der Grenzwert wurde inzwischen auf 250 mSv/a angehoben. Diese Dosis habe keiner der Arbeiter bislang erreicht, erklärte Tepco. Leitende Angestellte seien aufgefordert worden, die Grenzwerte ihrer Mitarbeiter streng zu überwachen, sagte Tepco-Sprecher Junichi Matsumoto. Sollte sich die Strahlenmenge dem Grenzwert nähern, müssten die Arbeiter von risikoreichen Aufgaben entbunden und an ungefährlichere Arbeitsplätze versetzt werden.

In der Nähe von Reaktorblock 3 hätten am Samstag Techniker einen Zementblock mit einem Strahlungswert von 900 mSv/h entdeckt, so die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Arbeiter hätten das kontaminierte Material mit schwerem Gerät beiseite geschafft.

Bei der Kühlung der abgebrannten Brennstäbe im Reaktorblock 4 will Tepco künftig mehr Vorsicht walten lassen. Das Unternehmen fürchte, dass die Flutung der Abklingbecken mit frischem Wasser die Außenwände weiter beschädige, berichtete der japanische Fernsehsender NHK ebenfalls am Samstag. In Zukunft werde Kühlwasser nur noch vorsichtig eingeleitet und der Wasserstand sowie die Temperatur ständig überprüft. Im Block 4 werden 1535 abgebrannte Brennstäbe gelagert.

Vor Ostern hatte in der Nacht zum Freitag die japanische Polizei das Sperrgebiet um das KKW Fukushima Daiichi abgeriegelt. Blinkende Warnschilder auf den wichtigsten Zufahrtsstraßen zu der Evakuierungszone in einem Umkreis von 20 km um das KKW verbieten fortan den Zutritt. Am Freitagmorgen waren 250 Polizisten an den Kontrollpunkten rund um das Sperrgebiet im Einsatz. Immer wieder mussten sie Menschen abweisen, die trotz des Verbots versuchten, in die Evakuierungszone zu gelangen. Die Polizei erwägt, auch auf den Nebenstraßen Zäune zu errichten, um die Menschen am Zutritt zu hindern. Das werde aber noch einige Zeit brauchen, sagte ein Sprecher der Polizei von Fukushima.

Bis die Regelung um Mitternacht in Kraft trat, eilten die Bewohner der Evakuierungszone in ihre Häuser zurück und rafften alles zusammen, was sich in ihren Autos transportieren ließ. „Das ist unsere letzte Chance, aber wir werden nicht lange bleiben. Wir nehmen nur mit, was wir brauchen und gehen wieder“, sagte ein Röntgentechniker.

Indem sie die Evakuierungszone zum Sperrgebiet erklärte, will die Regierung genau das künftig verhindern. Etliche der knapp 80 000 Bewohner der Region, die am 12. März evakuiert wurde, waren immer wieder zurückkehrt, um noch das eine oder andere ihrer Habseligkeiten zu retten – ungeachtet der radioaktiven Strahlen, denen sie dabei ausgesetzt waren. Strafen bis zu 100 000 Yen (rund 830 Euro) oder bis zu 30 Tage Haft sollen die Betroffenen nun davon abhalten und auch Diebstähle verhindern. Am Donnerstagabend verblieben noch rund 40 Menschen in dem Sperrgebiet, die meisten von ihnen Bauern, die ihr Vieh nicht alleine lassen wollten, sowie ältere, bettlägerige Menschen. Neben den 40 Menschen sind nach Regierungsangaben noch 3400 Kühe, 31 000 Schweine und 630 000 Hühner in dem Sperrgebiet.

Mit umgerechnet 33 Mrd. Euro will die japanische Regierung die ersten Schritte zum Wiederaufbau nach Erdbeben und Tsunami finanzieren. Der am Karfreitag vom Kabinett beschlossene Nachtragshaushalt deckt jedoch bei Weitem nicht die Kosten für die Beseitigung der auf über 200 Mrd. Euro geschätzten Sachschäden. „Mit diesem Haushalt unternehmen wir einen Schritt zum Wiederaufbau und zum Neustart der Wirtschaft“, sagte Finanzminister Yoshihiko Noda. Der Nachtragsetat soll kommende Woche ins Parlament eingebracht werden und voraussichtlich im Mai in Kraft treten. Diskutiert wird auch über höhere Steuern, die Umfragen zufolge von 57 % der Japaner befürwortet werden.

Aus Sicht der OEDC wird die japanische Wirtschaft wegen der Katastrophe in diesem Jahr deutlich langsamer wachsen als angenommen. Die Wirtschaftsleistung werde 2011 um 0,8 % zulegen, teilte die Organisation mit. Vor den Katastrophen war sie noch von einem Plus von 1,7 % ausgegangen. Die OECD mahnte die Regierung des hoch verschuldeten Landes zur Disziplin. Eine Anhebung der Umsatzsteuer auf 20 % von zuvor 5 % könne nötig sein.

Am Montag startet Japan sechs Wochen nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami vom 11. März eine weitere große Suchaktion nach Tausenden immer noch vermissten Opfern der Katastrophe. Mehr als 24 000 Soldaten sollen das Katastrophengebiet im Norden absuchen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Sonntag. Mehr als 12 000 Menschen werden noch immer vermisst. Rund 14 300 Todesopfer sind bestätigt.

Seit Montag hat die japanische Eisenbahn unterdessen die Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Tokio und Sendai, der größten Stadt in der von dem verheerenden Erdbeben betroffenen Region, wieder aufgenommen. swe

Mit Informationen der Nachrichtenagenturen dapd, Reuters und Kyodo, des Fernsehsenders NHK und des JAIF.

Fukushima, Update 30, 21. 4. 11, 10.00 Uhr MEZ

Sperrzone eingerichtet – UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnt vor weiteren nuklearen Katastrophen

Die japanische Regierung hat am Donnerstag die Evakuierungszone im Umkreis von 20 km rund um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zum Sperrgebiet erklärt. Regierungssprecher Yukio Edano erklärte, die Maßnahme würde um Mitternacht in Kraft treten und diene dazu, den unkontrollierten Zugang zur Evakuierungszone zu unterbinden. Zu möglichen Strafen für ein Zuwiderhandeln äußerte er sich nicht. Die Regelung diene dem Schutz vor radioaktiver Strahlung und der Verhinderung von Diebstählen, hieß es.

Die Behörden würden für Bewohner der Evakuierungszone kurze Besuche ihrer Häuser arrangieren, sagte Edano. Etwa zwei Stunden hätten sie dann Zeit ihre notwendigsten Habseligkeiten einzusammeln.

Ministerpräsident Naoto Kan hatte die Gegend am Donnerstag besucht. Dabei kam er mit Behördenvertretern und Flüchtlingen aus der Evakuierungszone zusammen, um die Einrichtung der Sperrzone zu diskutieren. So gut wie alle 80 000 Einwohner der 20-km-Zone hatten die Gegend verlassen. Mittlerweile kehren jedoch einige in ihre Häuser zurück. Bislang fehlte der Polizei die rechtliche Handhabe, sie daran zu hindern.

Derweil fand ein Verein, der Mütter und Kinder unterstützt, erstmals Spuren von radioaktivem Jod 131 in Proben von Muttermilch. Die zwei Proben wurden bei Frauen aus den östlichen Provinzen Chiba und Ibaraki entdeckt.

Die Welt muss sich auf weitere nuklearen Katastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima einstellen, so warnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch. Diese düstere Wahrheit verlange weitere Verbesserungen bei der internationalen Zusammenarbeit, sagte Ban in Kiew anlässlich einer Konferenz zum bevorstehenden 25. Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl.

Die stärkere Nutzung der Kernenergie ist nach Bans Darstellung unausweichlich. Kernenergie „ist eine relativ saubere und logische Wahl in einer Ära zunehmender Rohstoffknappheit“, sagte Ban. „Die bedauernswerte Wahrheit ist, dass wir wahrscheinlich weitere Katastrophen erleben werden.“

Während eines kurzen Besuchs am rund 100 km nördlich von Kiew gelegenen Unglücksreaktor stellte Ban eine Strategie zur weltweiten Verbesserung der Sicherheit der Kernenergie vor. Demnach soll die internationale Atomenergiebehörde IAEA gestärkt werden und dem Zusammenhang von Naturkatastrophen und der Sicherheit von kerntechnischen Anlagen mehr Beachtung geschenkt werden.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde Yukiya Amano erklärte am Mittwoch in Tschernobyl, dass die Kernenergie auch angesichts der anhaltenden Krise rund um Fukushima Daiichi weiter eine Rolle bei der Energiegewinnung spielen werde. Die Weltgemeinschaft müsse jedoch zum Äußersten gehen, um die Sicherheit der Kernkraft zu gewährleisten. rb

Mit Informationen der Agenturen dpad und kyodo

Fukushima, Update 29, 20. 4. 11, 15.00 Uhr MEZ

Robotermessungen in japanischem Reaktor scheitern an Luftfeuchtigkeit – Regierung plant Zutrittsverbote für Gefahrenzone

Die beiden ferngesteuerten Roboter, die im Inneren des Reaktorblocks 2 von Fukushima Daiichi Messungen vornehmen sollten, sind gescheitert. Nach nur 51 min wurde die geplante Inspektionsrundfahrt abgebrochen. Wie Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power Company (Tepco) mitteilte, verhindere zu viel Dampf die Orientierung der Roboter. Die Kameralinsen seien beschlagen. Warum nicht andere Systeme wie Radar eingesetzt wurden, blieb unklar.

In der kurzen Zeit, die das Roboterpaar in der Nähe des Eingangs zu Block 2 verbrachte, wurden 4,1 mSv/h gemessen. Die Temperaturen schwankten zwischen 34 °C und 41 °C, der Sauerstoffgehalt lag bei 19 % bis 29 % und die Luftfeuchtigkeit bei 94 % bis 99 %. Vor allem Letztere sei zu hoch für die Arbeiter vor Ort.

Tepco hat unterdessen begonnen, hoch radioaktives Wasser aus dem Turbinenhaus von Block 2 abzupumpen. Das Wasser war nach der Explosion des Reaktors tagelang aus dem Meer auf die Brennstäbe gepumpt worden, um diese zu kühlen. Das Wasser solle mithilfe eines vom französischen Atomkonzern Areva entwickelten Verfahrens aufbereitet und entsalzt werden. Danach könne es zur Kühlung wiederverwendet werden.

Wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) verkündete, geht sie davon aus, dass keine Radioaktivität in größerem Maße mehr aus der Anlage austreten werde – unter der Voraussetzung, dass alles nach Plan laufe. Die gesamte Radioaktivität werde nur noch um einen kleinen Teil dessen steigen, was heute bereits gemessen wird, sagte Dennis Flory, stellvertretender Generaldirektor der IAEA in Wien.

Die japanische Regierung plant derweil, den Zutritt in eine 20-km-Zone rund um Fukushima Daiichi gesetzlich zu verbieten. Ministerpräsident Naoto Kan soll den Vorschlag bei einem Besuch der betroffenen Region am Donnerstag mit den lokalen Behörden diskutieren, sagte Regierungssprecher Edano am Mittwoch.

Die Zone könnte per Gesetz zu einem „Gefahrenbereich“ erklärt werden. Damit solle verhindert werden, dass Evakuierte aus der Zone angesichts der stabilisierten Lage in Fukushima in ihre Häuser zurückkehren und sich so einer gesundheitsschädlichen Strahlendosis aussetzen, erklärte Edano. Bisher sind rund um die Zone nur einige Warnschilder angebracht, es gibt keine Strafen für ein Betreten der Zone, nur an wenigen Routen sind Straßensperren.

Wie genau die Regierung den Zugang beschränken will und wann die Maßnahme greifen soll, ist noch unklar. Zwischen 70 000 und 80 000 Menschen haben vor der Katastrophe in der 20-km-Zone um das Atomkraftwerk in insgesamt zehn Städten und Dörfern gelebt und sind bisher in Notunterkünften untergebracht.

In Japan sind die Exporte im März um 2,2 % im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen. Dies meldete das Finanzministerium in Tokio am Mittwoch. Es handelt sich um den ersten Rückgang des Exports innerhalb von 16 Monaten. Als Grund nannte das Ministerium die Schäden durch das Erdbeben und den Tsunami vom 11. März sowie die folgende Atomkatastrophe von Fukushima. Etliche Firmen, darunter Großkonzerne wie Toyota oder Sony, hatten zeitweise ihre Produktion einstellen müssen. Allein der Autoexport ging trotz gleichbleibend hoher Nachfrage im Ausland um 27,8 % zurück.

Die Situation könnte sich in den nächsten Monaten noch verschärfen, warnte der Wirtschaftswissenschaftler Hajime Inoue vom Japan Research Institute, da im März viele Firmen noch auf Lagerbestände zurückgreifen konnten. Diese seien inzwischen weitgehend aufgebraucht, doch der Nachschub ist durch die vielen zerstörten oder beschädigten Fabriken im Nordosten Japans ins Stocken geraten. rb

Mit Meldungen der Agenturen dpad, Jiji Press, kyodo

Fukushima, Update 28, 19. 4. 11, 11.00 Uhr MEZ

Kontaminiertes Wasser aus Block 2 wird abgepumpt – Greenpeace-Messungen: Erhöhte Radioaktivität auch 60 km vom Reaktor entfernt

Erstmals seit dem verheerenden Erdbeben und Tsunami am 11. März sprach die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) gestern offiziell von einer Kernschmelze in den Blöcken 1 und 3 des havarierten Kernkraftwerks Fukushima Daiichi. Wie die Agentur Jiji Press berichtete, wurde nach Aussagen der NISA radioaktives Material wie Technetium-99m detektiert. Das könne jedoch nur freigesetzt werden, wenn die Kernbrennstäbe geschmolzen seien.

Der Dienstagmorgen in Fukushima Daiichi begann damit, dass radioaktives Wasser aus dem Turbinengebäude gepumpt wurde. Erst wenn die rund 25 000 t kontaminiertes Wasser, die sich in der Turbinenhalle des Reaktorblocks 2 angesammelt haben, in ein Auffangbecken umgepumpt sind, können Arbeiter sich an die Reparatur des Kühlkreislaufs machen. Zudem wird in der Schutzhülle des Sicherheitsbehälters, die die Brennelemente umschließt, ein Leck vermutet.

Allerdings können nach Aussage des Betreibers Tokyo Electric Power Company (Tepco) täglich nur etwas 480 t kontaminiertes Wasser abgepumpt werden. Dennoch plant der Betreiber mit den Arbeiten bis Mitte Mai fertig zu sein.

Tepco will rund 10 000 t des nach Ansicht von Experten hoch radioaktiv verseuchten Wassers in speziellen Auffangbecken unterbringen. Die restlichen 15 000 t könnten laut Tepco in provisorische Tanks gepumpt werden.

Dass Japan noch lange mit den Folgen der Reaktorkatastrophe zu kämpfen hat, wird mittlerweile von vielen Seiten bestätigt. Deutsche Umweltexperten rechnen mit einer über Jahrzehnte anhaltenden Strahlenkontamination in der Evakuierungszone um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima in Japan. Das ist das Ergebnis der Messungen von Greenpeace-Spezialisten in dem japanischen Katastrophengebiet, die die Umweltorganisation am Montag in Hamburg vorlegte.

Greenpeace habe im Bereich um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi an 261 Messpunkten Oberflächendaten erhoben und dabei verbreitet stark erhöhte Strahlungswerte auch außerhalb der zurzeit gültigen Evakuierungszone festgestellt, sagte Greenpeace-Energieexperte Thomas Breuer.

Etwa 85 % der jetzt gemessenen Strahlung stammen laut einer Untersuchung des Kyoto University Research Reactor Institute von Cäsium-134 und -137, langlebigen Elementen. In Fukushima-Stadt, 60 km vom Reaktor entfernt, lag die Radioaktivität an einigen Stellen – unter anderem auf einem Spielplatz – bei bis zu 4 Mikrosievert/Stunde. Das bedeutet, ein erwachsener Mensch erreicht unter diesen Umständen seine international zugelassene Jahreshöchstdosis innerhalb von zehn Tagen. Im Dorf Iitate fand Greenpeace zuvor Höchstwerte von 19 Mikrosievert/Stunde – zwei Tage dort genügen zur vollen Jahresdosis.

Da es sich um einen sehr langlebigen radioaktiven Stoff handle, werde das Problem über Jahrzehnte bestehen, sagte Breuer. Die Strahlung überschreite die zulässigen Höchstwerte teilweise um das Tausendfache. In mehreren Gebieten sei die Höchstdosis für einen Menschen bereits nach einem Tag erreicht.

Ein Team der Umweltschutzorganisation entnahm unter Breuers Leitung im Umfeld des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi auch Boden- und Lebensmittelproben. Auch sie überschritten die gesetzlich erlaubten Grenzwerte massiv. Zwischen 20 % und 30 % der Radioaktivität stammt von Cäsium-137.

Der japanischen Regierung seien die Messergebnisse bekannt, erklärte Breuer und forderte dringend Konsequenzen. Mittlerweile hat ein neues Einsatzteam die Gruppe um Breuer vor Ort abgelöst, um die Messungen fortzuführen. rb

Mit Meldungen der Agenturen Jiji Press, dapd und von Greenpeace

Fukushima, Update 27, 18. 4. 11, 12.00 MEZ

US-Roboter inspizieren havariertes Kernkraftwerk – Hohe Radioaktivität im Inneren der Reaktorblöcke

Am Wochenende haben Roboter in zwei Reaktorblöcken des japanischen Kernkraftwerks Fukushima Daiichi hohe Radioaktivität gemessen. Das teilte ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde, Hidehiko Nishiyama, am Montag mit. Während im Block 1 zwischen 10 mSv/h bis 49 mSv/h gemessen wurden, waren es in Block 3 zwischen 28 mSv/h und 57 mSv/h. Nach Aussage der Behörde sei damit der Einsatz menschlicher Arbeitskräfte nicht unmöglich, die Arbeiter dürften allerdings nur in kurzen Zeitintervallen eingesetzt werden.

Zum Einsatz kamen zwei Roboter der US-Firma iRobot. Neben Radioaktivität wurden auch Temperatur, Feuchtigkeit und Sauerstoff gemessen. Die Modelle mit Namen Packbots – http://www.japannewstoday.com/?tag=irobot-packbot-fukushima-nuclear-plant – werden von den USA auch in Kriegsituationen eingesetzt.

Außerdem wurden von den Robotern Fotos aus dem Inneren der Reaktoren gemacht.

http://www.japannewstoday.com/?tag=fukushima-nuclear-plant-pictures

Tokyo Electric Power Company (Tepco) verkündete derweil, dass die gemessene Strahlung nicht den Zeitplan gefährde, den die Betreibergesellschaft am Sonntag vorlegte. Danach ist das Abkühlen der Reaktoren und der Brennstäbe innerhalb der nächsten drei Monate geplant. Das Herunterfahren der Anlagen werde weitere drei bis sechs Monate dauern. Das werde das Kernkraftwerk sichern sowie stabilisieren und die unmittelbare Krise beenden. „Dies ist die größte Krise seit der Gründung unserer Firma“, sagte Verwaltungsratschef Tsunehisa Katsumata. Es sei schwierig, das Kraftwerk unter Kontrolle zu bringen und die damit verbundenen Probleme zu bewältigen. Katsumata erklärte weiter, er denke an seinen Rücktritt, um die Verantwortung für die Katastrophe zu übernehmen.

Wie Katsumata bei einer Pressekonferenz mitteilte, habe das Unternehmen einen Plan ausgearbeitet, der auch die Rückkehr der von den Evakuierungen betroffenen Anwohner regeln soll. Tepco-Vize-Präsident Sakae Muto betonte, dass bei der Entseuchung der verstrahlten Umgebung eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden geplant sei.

Sakae Muto erklärte weiter, dass das Containment in Reaktor 2 Lecks habe und wahrscheinlich beschädigt worden sei. Inzwischen sei aber bestätigt, dass die Brennstäbe im Abklingbecken des Reaktors 4 unbeschädigt seien. Behörden gaben am Sonntag bekannt, dass die Strahlungsintensität im Meer vor dem Kraftwerk deutlich gestiegen sei, was auf neue Lecks hindeute. Bereits am Samstag hatten Tepco-Arbeiter damit begonnen, Säcke mit Mineralien, die das radioaktive Cäsium binden sollen, im Meer vor dem Atomkraftwerk zu deponieren.

Japans Wirtschaftsminister Banri Kaieda hegt derweil – ähnlich wie viele internationale Experten auch – Zweifel daran, dass die Krise in dem von Tepco gesteckten Zeitrahmen gelöst werden kann. Das Kühlen der Brennelemente und das Herunterfahren der Reaktoren seien nur die ersten Schritte auf dem Weg zur Sicherheit. „Wahre Sicherheit wird es erst geben, wenn die Brennstäbe aus den Reaktoren entfernt worden sind.“ Er habe Tepco im Übrigen angewiesen, kein radioaktiv verstrahltes Wasser mehr in den Pazifik zu leiten

Einem Medienbericht zufolge will Tepco seine Beteiligung am Mobilfunkbetreiber KDDI verkaufen, um die Entschädigungen nach der Atomkatastrophe bezahlen zu können. Tepco sei bereits an KDDI herangetreten, berichtete die Wirtschaftszeitung „Nikkei“. Der Versorger halte 8 % an dem zweitgrößten Mobilfunkbetreiber Japans im Wert von derzeit umgerechnet rund 1,5 Mrd. € (180 Mrd. Yen). Es sei unklar, ob Tepco die gesamte Beteiligung veräußern werde. rb

Mit Informationen der Agenturen Jiji Press, kyodo, japan news today, Reuters und dapd

Fukushima, Update 26, 15.4.11, 10.00 Uhr MESZ

Japanischer Experte wertet Lage im KKW Fukushima Daiichi weiterhin als fragil

Die Wiederherstellung der ordnungsgemäßen Kühlung der Reaktoren bleibt weiterhin der Haupt-Knackpunkt bei der Stabilisierung der vier Blöcke 1 bis 4 im KKW Fukushima Daiichi. Erst wenn Sie wiederhergestellt sind, können weitere Arbeiten beginnen, um die Reaktoren zu stabilisieren. Dafür muss es der Betreiberfirma Tokyo Electric Power Company (Tepco) jedoch erst einmal gelingen, die 60 000 t hoch radioaktiv kontaminierten Wassers aus den Untergeschossen der Turbinengebäude für die Blöcke 1 bis 3 zu entfernen. Eher ist an die Reparatur oder Neuinstallation der Kühlsysteme nicht zu denken.

Die Erfolge sind bisher bescheiden. So pumpte Tepco seit Dienstag 660 t Wasser aus Installationsschächten nahe des Reaktorgebäudes Nummer 2 um in einen Kondensator, nur fließt offenbar beständig Wasser nach, denn der Reaktor wird auch kontinuierlich durch Wassereinspeisung mit 7 m³/h durch die Feuerlöschleitungen gekühlt. Offenbar gibt es Lecks. Nur brauche es die Kühlung, zum allein die bisherige Situation zu halten, wie Takashi Sawada, stellvertretender Leiter der Atomic Energy Society of Japan, nach Angaben des japanischen Fernsehsenders NHK sagt. Tepco hat offenbar noch kein Rezept, das Abpumpen des Wassers so zu bewerkstelligen, dass der Pegel kontinuierlich fällt und so ein Beginn von Reparaturarbeiten abzusehen ist.

Sawada gab an, sei die Kühlung erst einmal wiederhergestellt, müsse man dann noch einmal mit weiteren drei Monaten rechnen, um den Zustand des Kernbrennstoffs zu stabilisieren. Er rechnet damit, dass die Brennstäbe zumindest teilweise geschmolzen seien und das Material sich auf dem Boden der Druckbehälter angesammelt habe. Er warnte davor, dass weitere starke Nachbeben die Lage im KKW Fukushima Daiichi jederzeit erneut stärker destabilisieren können. Wenn nämlich als Folge des Bebens wieder aufgrund unterbrochener Stromversorgung die Kühlung für mehr als drei Tage ausfalle.

Hidehiko Nishiyama, Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency), räumte am Donnerstag eine weitere Panne bei der Kühlung der Brennstäbe im KKW Fukushima Daiichi ein. Versehentlich sei Wasser in ein Überlaufbecken eines Abklingbeckens geflossen, weswegen die Instrumente angezeigt hätten, dass das Hauptbecken voll sei. Daraufhin sei die Zufuhr frischen Wassers für mehrere Tage eingestellt worden. Erst am Mittwoch sei sie wieder aufgenommen worden. Die Temperatur und die Strahlungswerte in dem Becken seien während der Pause gestiegen, man gehe aber davon aus, dass die Brennstäbe die gesamte Zeit über mit Wasser bedeckt gewesen seien.

Um die radioaktive Belastung des Meerwassers um das KKW Fukushima Daiichi zu senken, will Tepco Sandsäcke mit Zeolith (absorbiert radioaktives Material) in die See werfen.

Die schon in Erwägung gezogene Einbetonierung der beschädigten japanischen Reaktoren von Fukushima Daiichi würde eine weit größere Herausforderung darstellen als seinerzeit in Tschernobyl. Diese Einschätzung traf Gerald Karch von der Firma Putzmeister einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Putzmeister stellt derzeit Geräte für die Kühlung der Unglücksreaktoren in Japan zur Verfügung. Das baden-württembergische Unternehmen ist Experte auf diesem Gebiet. Es lieferte schon die großen Pumpen für eine Einbetonierung des Atomreaktors in Tschernobyl.

Laut Putzmeister-Chef Karch unterscheiden sich die Rahmenbedingungen der beiden Atomkatastrophen deutlich. Nach dem Unglück in der Ukraine 1986 musste nur ein Reaktor gesichert werden. In Fukushima gehe es um vier Reaktoren.

Eine Beton-Ummantelung des Kraftwerks halte er aber für die vernünftigste Lösung, sagte Karch. Voraussetzung dafür sei aber ein funktionierender Kühlungskreislauf. Erst wenn das Kraftwerk ausgekühlt sei, könne mit der Einbetonierung begonnen werden. Den logistischen Aufwand für die Betreiberfirma Tepco schätzt Karch als enorm ein. In Tschernobyl seien elf Pumpfahrzeuge von Putzmeister monatelang im Einsatz gewesen, berichtete er. Außerdem würde die nötige Kühlung die Arbeiten in Fukushima erschweren. In Tschernobyl hatte nur eine einzige Explosion stattgefunden, und dort musste nicht extra gekühlt werden.

Fünf Fahrzeuge habe Putzmeister bereits an Tepco geliefert, erzählt Karch. Normalerweise würden sie nur auf Nachfrage gebaut. Die Bereitstellung dieser Geräte wurde aber durch Kunden ermöglicht, die ihre Fahrzeuge zur Verfügung gestellt hätten. Sie seien zum Teil aus Vietnam und Spanien gekommen. Den genauen Preis, den Tepco dafür bezahlt hat, möchte er nicht angeben. Jedes Fahrzeug koste aber weit über 1 Mio. $.

Erstmals nach dem Tsunami vor einem Monat hat die japanische Polizei gestern (14.4.2011) mit der Suche nach Leichen innerhalb eines Radius von 10 km rund um das KKW Fukushima Daiichi begonnen. Sinkende Strahlenwerte hätten die Suche im näheren Umkreis der Anlage nun zugelassen, teilte die Polizei mit, die Hunderte von Beamten samt Schutzkleidung in das Katastrophengebiet entsandte. Die Polizei vermutet, dass sich in dem Gebiet 1000 Leichen von Vermissten befinden, die bei dem Tsunami am 11. März ums Leben gekommen sind. Bei der schweren Naturkatastrophe im Nordosten des Landes wurden 13 538 Menschen getötet, 14 589 sind noch als vermisst gemeldet, berichtet der japanische Fernsehsender NHK heute (15.4.2011) unter Berufung auf die Nationalen Polizeibehörden.

Der Betreiber des KKW, Tokyo Electric Power Company (Tepco), muss den evakuierten Bewohnern Entschädigung zahlen. Das teilte das japanische Handelsministerium am Freitag mit. Tepco müsse den betroffenen Familien je 1 Mio. Yen (rund 9000 Euro) zahlen, Alleinstehenden je 750 000 Yen. Viele Landwirte und Fischer in der Region fürchten um ihre Existenz. Ministeriumssprecher Hiroaki Wada sagte, Tepco werde die Entschädigungszahlungen sobald wie möglich leisten, wies aber darauf hin, dass es allein 150 Evakuierungszentren gebe. „Es wird einige Zeit dauern, bis jeder sein Geld bekommt“, erklärte auch Handelsminister Banri Kaieda bei einer Pressekonferenz. Es handele sich um eine vorläufige Maßnahme, betonte Wada. Mit weiteren Entschädigungszahlungen sei zu rechnen. Rund 48 000 Haushalte in der Evakuierungszone um das Atomkraftwerk haben Anspruch auf Entschädigung. swe

Mit Informationen der Nachrichtenagenturen dapd, Reuters und Kyodo, des Fernsehsenders NHK und des JAIF.

Fukushima, Update 25, 14.4.11, 12.00 Uhr MESZ

Reaktorunfall in Japan: Folgen für die Wirtschaft und Strahlenbelastung treten den Vordergrund

Erstmals seit der Naturkatastrophe vor über vier Wochen hat die japanische Regierung ihre Konjunktureinschätzung gesenkt. „Die Wirtschaft litt zuletzt unter den Folgen des großen Erdbebens im Osten“, hieß es am Mittwoch im monatlichen Konjunkturbericht. Export, Industrieproduktion und Konsum dürften beeinträchtig werden. Die japanische Regierung schließt inzwischen erhebliche Auswirkungen nicht aus, sollten die Stromausfälle anhalten und die Lieferketten nicht rasch wieder aufgebaut werden.

Laut Wirtschaftsminister Kaoru Yosano geht die größte Gefahr für die Konjunktur vom KKW Fukushima Daiichi aus, aus dem bereits große Mengen Radioaktivität ausgeströmt sind. Problem für die Wirtschaft sei die resultierende erhebliche Unsicherheit. Der Aufbau der zerstörten Regionen werde außerdem Jahre dauern. „Die Auswirkungen des Bebens werden vorübergehend sein“, sagte Yosano vor Journalisten. „Es wird indirekte Folgen geben wie eine Dämpfung der Konsumlaune, aber die Konjunktur wird zum Jahresende wieder anziehen.“

Im Geschäft des Technologiekonzerns Toshiba hinterlässt die Krise ersten Schätzungen zufolge nur geringe Spuren. Die Katastrophe werde begrenzte Folgen für den Gewinn haben, sagte Toshiba-Chef Norio Sasaki am Donnerstag in der Konzernzentrale in Tokio. Der Umsatz im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr werde höher ausfallen als im Vorjahr, der Betriebsgewinn werde dagegen leicht unter der Prognose bleiben. Toshiba gehörte zu den größten Vertragspartnern der in Fukushima havarierten Kernkraftwerke.

Sony stellt sich auf die angekündigten Engpässe in der Energieversorgung ein und plant für den Sommer Produktionspausen. Für mehrere Fabriken stehe ein zweiwöchiger Stopp der Fertigung zur Diskussion, sagte ein Sprecher des Unterhaltungselektronikkonzerns am Donnerstag. Zudem prüfe der Konzern einen früheren Arbeitsbeginn am Morgen, um das Tageslicht besser zu nutzen und auf diesem Weg Strom zu sparen. Sony plant darüber hinaus, einen Arbeitstag aus der Woche auf das Wochenende zu verlegen, um Spitzenbelastungen des Netzes zu vermeiden. Japan rechnet nach dem Ausfall der Kernkraftwerke im Nordosten mit Engpässen in der Stromversorgung, vor allem im Sommer, wenn landesweit zahlreiche Klimaanlagen benutzt werden

Volkswirtschaftlich wird das Desaster voraussichtlich die mit Abstand teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten. Die japanische Regierung hat die erwarteten direkten Kosten im März mit umgerechnet bis zu 220 Mrd. € angegeben – das entspricht rund zwei Dritteln des deutschen Bundeshaushalts in einem Jahr. Die Versicherungsbranche muss nach Einschätzung der Risikomodellierungsfirma RMS für Schäden in Höhe von bis zu 34 Mrd. $ (etwa 23,5 Mrd. €) geradestehen. Sachversicherer, die beispielsweise zerstörte Häuser, Autos oder Brücken abdecken, müssten für 18 Mrd. $ bis 26 Mrd. $ aufkommen, Lebens- und Krankenversicherer für 3 Mrd. $ bis 8 Mrd. $.

Nach Angaben des japanischen Fernsehsenders NHK von heute (Donnerstag, 14.4.2011) gibt die Polizei an, als Folge des Erdbebens seien inzwischen mehr als 28 000 Menschen tot oder vermisst. Bislang sei der Tod von 13 439 Menschen bestätigt worden, 14 867 stehen auf der Vermisstenliste.

Im KKW Fukushima Daiichi gehen die Aufräum- und Stabilisierungsarbeiten weiter. Nach NHK-Angaben rüsten sich die Arbeiter vor Ort gegen weitere heftige Nachbeben. Arbeiter schafften die Notstromdieselaggregate an höher gelegene Stellen (30 m ü. NN), wo sie sicherer vor Erdbeben und vor allem vor nachfolgenden Tsunamis sein sollten. Die Betreibergesellschaft Tepco platziert auf höher gelegenem Gelände auch Feuerlöschwagen.

Die Umpumparbeiten von hochradioaktiv kontaminiertem Wasser aus einem Schacht des Reaktorgebäudes von Block 2 in einen Dampfkondensator gehen auch heute weiter, bisher seien 660 t umgepumpt worden. Doch scheinbar fließt beständig Wasser nach, so dass ein Ende der Aktion nicht absehbar ist.

Erstmals hat Tepco Angaben zum Zustand der Kernbrennstäbe im Reaktorblock 4 machen können, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Der Reaktor war zum Zeitpunkt des Erdbebens in Revision, die 1331 genutzten und 204 ungenutzten Brennstäbe in das Abklingbecken ausgelagert. Gestern Nachmittag habe Tepco mitgeteilt, ein kleinerer Teil der Brennstäbe sei beschädigt.

Am Dienstag war es erstmals gelungen eine 400-ml-Wasserprobe aus dem Behälter zu entnehmen. So gelang es erstmals wieder, direkt die Temperatur des Beckens zu messen (rund 90 °C, als normal gelten 20 °C bis 30 °C). Das Strahlungsniveau an der Oberfläche habe bei 84 mSv/h gelegen, berichtet das Japan Atomic Industrial Forum (JAIF). Die volumenspezifische Belastung gebe Tepco mit 220 Bq/cm³ für J131, 88 Bq/cm³ für Cs-134 und 93 Bq/cm³ für Cs-137 an, so Kyodo. Alles Isotope, die bei einer Kernspaltung entstehen.

Allerdings merken Fachleute an, dass externe Quellen für die Strahlenbelastung nicht ausgeschlossen werden könnten. Die Nuclear and Industrail Safety Agency (NISA) teilte mit, dass die Konzentration des radioaktiven Materials rund 10 000fach über normal liege, aber dazu ja auch die Kühlung des Reaktorblocks mit radioaktiv belastetem Regenwasser beigetragen haben könnte. Tepco weist darauf hin, dass die Schäden an den Brennelementen nicht nur durch eine Teilschmelze, sondern auch durch herabfallende Stahlteile der Reaktorgebäudekonstruktion entstanden sein könne. Eine Wasserstoffexplosion hatte im März bei Block 4 die äußere Gebäudehülle weggesprengt. swe

Mit Informationen der Nachrichtenagenturen dapd, Reuters und Kyodo, des Fernsehsenders NHK, der JAIF, der GRS und der IAEA

Fukushima, Update 24, 13.4.11, 12.00 Uhr MESZ

Tepco bereitet Entschädigungszahlungen für Opfer vor

Evakuierte Anwohner des japanischen Kernkraftwerks Fukushima Daiichi haben am Mittwoch am Firmensitz der Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power Company (Tepco) in Tokio protestiert und rasche Entschädigung verlangt. Rund 20 Kleinunternehmer aus der Umgebung des KKW forderten dringend einen Ausgleich für ihren Verdienstausfall. Tepco-Präsident Masataka Shimizu versprach mehr für die Evakuierten zu tun, die seit dem Reaktorunglück nicht mehr in ihre Häuser und an ihre Arbeitsplätze zurück konnten. Barzahlungen würden „so bald wie möglich bereitgestellt“, sagte Shimizu.

Tepco arbeitet zurzeit einen Plan für die Zahlung von Schadenersatz an die Betroffenen der Katastrophe aus. Anwohner aus der Umgebung des havarierten Kernkraftwerks könnten möglicherweise bereits vorab entschädigt werden. Einem Bericht der Tageszeitung Yomiuri zufolge könnten die Belastungen für den größten Versorger Japans auf 24 Mrd. $ bis 45 Mrd. $ begrenzt und die Kosten auch auf andere Energiekonzerne abgewälzt werden. Analysten schätzen die Schadenersatzansprüche auf über 130 Mrd. $.

Tepco zeigte sich besorgt darüber, dass die austretende Strahlenmenge am Ende die von Tschernobyl noch übertreffen könne. Behörden hatten gestern damit begonnen, an 2757 Stellen in 55 Ortschaften in der Präfektur Fukushima Strahlenmessgeräte zu installieren.

Gestern hatte die japanische Regierung die Havarie der drei Reaktorblöcke als einen Unfall der Stufe 7 nach der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES: International Nuclear Event Scale) eingeordnet. Der stellvertretende Chef der Interntionalen Atomenergieagentur IAEA in Wien, Denis Flory, betonte allerdings, ein Vergleich mit Tschernobyl, das bisher als einziger Reaktorunfall weltweit ebenso hoch eingestuft ist, sei nicht möglich. „Das ist ein völlig anderer Unfall.“ 1986 sei eine wesentlich größere Menge an Radioaktivität freigesetzt worden. Die von den japanischen Behörden getroffenen Maßnahmen zeigten, dass sie sich der Tatsache bewusst gewesen seien, dass es sich um eine sehr ernste Situation gehandelt habe, sagte Flory. „Sie haben nicht gewartet, bis sich die Einstufung ändert, um alle erdenklichen Maßnahmen zu ergreifen.“ Nuklearexperten warnten davor, die Auswirkungen der Fukushima-Katastrophe überzubewerten. Tschernobyl sei explodiert, und es habe keine Möglichkeit gegeben, den Austritt der Radioaktivität zu stoppen. Dies sei in Fukushima anders.

Im Kraftwerk gehen unterdessen die Arbeiten zur Entfernung des hochradioaktiv kontaminierten Wassers weiter. So wurde um das Kühlwassereinlaufbauwerk des Blocks 2 eine Barriere von 120 m im Meerwasser errichtet. Sie soll helfen, bei einer Leckage des Wassers den Eintritt in die See zu verhindern, berichtet die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit in Köln. Seit Dienstagabend seien aus den mit dem hochradioaktiven Wasser gefüllten Schächten im Gebäude des Reaktorblocks 2 rund 200 t Wasser in einen Dampfkondensator umgepumpt worden. Bis Donnerstag sollen es 700 t sein. Das Wasser stammt wahrscheinlich aus dem Reaktorkern des Blocks. Außerdem sprühten Arbeiter 195 t Wasser zur Kühlung in das Abklingbecken des Blocks 4. Die Standard-Temperaturmessung dort ist ausgefallen. Lag die Temperatur – ermittelt über Thermographie – letzte Woche (8.4.2011) noch bei 46 °C, maßen die Techniker gestern 90 °C. Üblich sind 20 °C bis 30 °C.

Seit Montag speist Tepco Stickstoff in den Druckbehälter des Blocks 1 ein. Das Unternehmen berichtet jetzt, der Druck im Behälter sei bisher kaum angestiegen. Mögliche Ursache könnte ein Gasleck sein. Tepco will die Stickstoffinjektion jedoch weiterhin fortsetzen. swe

Mit Informationen der Nachrichtenagenturen dapd und Reuters, des JAIF, der GRS und der IAEA.

Fukushima, Update 23, 12.4.11, 09.00 Uhr MESZ

Fukushima wie Tschernobyl auf höchster Stufe der INES-Skala

Japan stuft den Atomunfall in Fukushima auf der höchsten Stufe 7 der internationalen Bewertungsskala ein. Das erklärte die Nuklear and Industrial Safety Agency (NISA), die japanische Atomsicherheitsbehörde, am Dienstag in Tokio. Die Katastrophe werde auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (Ines: International Nuclear Event Scale) auf die höchste Stufe 7 („Major Accident“, deutsch: „Katastrophaler Unfall“) statt bislang 5 eingeordnet, teilte die japanische Atomaufsicht am Dienstag in Tokio mit. Es handele sich um eine vorläufige Einordnung, betonte ein Sprecher der Atomaufsicht. Die endültige Bewertung müsse die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) in Wien vornehmen. Inzwischen teilte die IAEA auf ihrer Internetseite mit, der Fukushima-Unfall werde mit 7 bewertet.

Ein mit Stufe 7 eingeordneter Vorfall bezeichnet einen katastrophalen Unfall mit dem Austritt großer Mengen Radioaktivität und schwersten Auswirkungen auf Menschen und Umwelt. In der Geschichte der Atomkraft-Nutzung wurde bislang nur die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in diese Kategorie eingeordnet. Bisher waren die sechs Reaktoren im KKW Fukushima Daiichi separat in unterschiedliche INES-Stufen eingeteilt worden: die schwer havarierten Blöcke 1 bis 3 in Stufe 5, den zum Zeitpunkt des Erbebens heruntergefahrenen, in Revision befindlichen Block 4 in Stufe 3. Mit der neuen Einstufung wird der Unfall in den Blöcken 1 bis 3 als ein gemeinsamer Unfall der Stufe 7 gewertet.

„Wir haben die Einstufung der Schwere (des Unglücks) auf sieben angehoben, weil die Aufwirkungen der Strahlung umfassend sind, in der Luft, im Gemüse, in Leitungs- und Meerwasser“, sagte Minoru Oogado von NISA. Die Menge der Radioaktivität, die aus dem Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ausgetreten sei, entspreche etwa 10 % der Menge, die in Tschernobyl freigesetzt worden sei. Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo war die Veröffentlichung vorläufiger Berechnungen über Strahlenbelastungen durch die Reaktorsicherheitskommission am gestrigen Montag ausschlaggebend. Diese hätte berichtet, nach den Berechnungen seien an einem Messpunkt bis zu 10 000 TBq/h (1016 Bq/h) an radioaktivem Material freigesetzt worden. Dies entspricht der Definition von Level 7 im Nutzerhandbuch für die Einstufung von Störfällen in die INES-Skala, in der Stufe 7 über eine Freisetzung radioaktiven Materials von „mehreren zehntausend TBq“ bezogen auf das Jodisotop I131 definiert wird. Laut Kyodo schätzt die NISA, dass bis zu 370 000 TBq radiaoktiven Materials an die Atmosphäre abgegeben worden seien, die japanische Reaktorsicherheitskommission sei danach auf sogar 630 000 TBq gekommen.

Die Betreibergesellschaft Tokyo Electric Company (Tepco) zeigte sich am Dienstag besorgt darüber, dass die austretende Strahlenmenge am Ende die der Atomkatastrophe von Tschernobyl noch übertreffen könne. „Der Austritt von Strahlung ist noch nicht vollkommen gestoppt und unsere Sorge ist, dass sie am Ende Tschernobyl übersteigen könnte“, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft. Zuvor hatte die Atomaufsicht erklärt, dass die Menge ausgetretener Radioaktivität aus der Anlage in Fukushima rund 10 % derjenigen betrage, die bei der Katastrophe in der Ukraine 1986 festgestellt worden sei.

Umweltschutzorganisationen und Kernkraftkritiker hatten schon vor Längerem eine höhere Einordnung des Unfalles im KKW Fukushima Daiichi gefordert.

Weiterhin wird der Norden Japans von heftigen Nachbeben erschüttert. Nachdem gestern ein Nachbeben der Stärke 6,6 verzeichnet wurde und die Wasserversorgung zur Notkühlung der Reaktoren für eine knappe Stunde aufgrund einer Stromunterbrechung ausgesetzt war, erschütterte heute Morgen ein Beben der Stärke 6,3 das Land. Seit dem 11. März, als eines der schwersten je gemessenen Erdbeben Japan mit einer Stärke von 9,1 erschütterte, erreichten die Nachbeben fast 70-mal eine Stärke von mindestens 6,0.

Im schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist am Dienstag ein Feuer ausgebrochen. Ein Arbeiter habe den Brand nahe des Reaktors 4 entdeckt und die Feuerwehr alarmiert, die das Feuer habe löschen können, berichtete Tepco. Der Brand ereignete sich den Angaben zufolge in einem Behälter für Batterien, der in einem Gebäude nahe dem Reaktor aufbewahrt wurde. Das Feuer sei am Morgen gegen 6.38 Uhr entdeckt und innerhalb von 7 min gelöscht worden. Es war nicht klar, ob der Brand in Zusammenhang mit dem Erdbeben stand, das kurz zuvor die Region erschüttert hatte. Durch den Zwischenfall sei keine zusätzliche Radioaktivität freigesetzt worden, versicherte Tepco.

Techniker räumten gestern, am Montag, 11. 4., ein Monat nach dem verheerenden Erdbeben vom 11. März 2011, ein, von der Wiederherstellung der Kühlsysteme in den Reaktoren weit entfernt zu sein. swe

Mit Informationen der Nachrichtenagenturen dapd und Reuters, des JAIF, der GRS und der IAEA

Fukushima, Update 22, 11.4.2011, 16.00 Uhr MESZ

Erneutes schweres Nachbeben in Japan

Japan kommt nicht zur Ruhe. Auf den Tag genau einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami hat heute am Montag (11.4.2011, 10.16 Uhr MESZ) ein Beben der Stärke 6,6 die Menschen abermals in Angst und Schrecken versetzt. In Tokio und einem breiten Streifen im Nordosten des Landes, wo auch das Unglücks-KKW Fukushima Daiichi liegt, waren die Erdstöße zu spüren. Das Epizentrum des jüngsten Bebens habe 88 km östlich des KKW und in einer Tiefe von 10 km gelegen, teilten die Behörden mit. Eine Warnung vor einem 1 m hohen Tsunami hob die Regierung nach kurzer Zeit wieder auf. In 220 000 Haushalten fiel der Strom aus. Bereits am Donnerstag (7.4.2011, 14.32 Uhr MESZ) hatte es mit der Stärke 7,1 ein starkes Nachbeben gegeben.

Im KKW Fukushima Daiichi musste zeitweise die Kühlung der Reaktorblöcke mit Wasser eingestellt werden, teilte der Betreiber Tokyo Electric Company (Tepco) mit. Es sei keine noch höhere Radioaktivität gemessen worden. Allerdings sei die behelfsmäßige Kühlung der Reaktorblöcke 1, 2 und 3 vorübergehend ausgesetzt worden, weil die Stromversorgung aus dem Netz unterbrochen war. Die Atomaufsichtsbehörde teilte mit, etwa 50 min lang sei kein Wasser von außen auf die Reaktorblöcke gepumpt worden. Die Unterbrechung habe aber wahrscheinlich keine Folgen für die Sicherheit. Die Arbeiter hätten sich vorübergehend in Sicherheit bringen müssen.

Auch sind die Arbeiten, radioaktiv kontaminiertes Wasser aus den Turbinengebäuden zu entfernen, verzögert worden. Eigentlich wollte Tepco 700 t stark kontaminiertes Wasser aus einem unterirdischen Graben in den Condenser von Block 2 umpumpen. Dies verschob Tepco auf Dienstag oder später. Insgesamt muss Tepco rund 60 000 t stark kontaminiertes Wassere entfernen.

Auch die Einspeisung von Stickstoff zur Vorbeugung einer Wasserstoffexplosion in das Reaktorgebäude von Block 1 ist seit dem Erdbeben unterbrochen.

Letzte Woche war wiederum versucht worden, radioaktive Partikel auf dem Reaktorgelände durch Versprühen von Kunstharz zu binden. Das Harz wurde in der Nähe des gemeinsamen Zwischenlagers auf einer Fläche von ca. 680 m² bzw. 550 ² versprüht. Am Sonntag sei ein unbemannter Helikopter mit einer Videokamera zur Beurteilung der Zustände der Reaktorgebäude der Blöcke 1 bis 4 gestartet, berichtete die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit in Köln.

Nach Informationen des Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) gibt Anlagenbetreiber Tepco die Höhe der Tsunamiflutwelle vom 11.3. mit rund 15 m an. Dadurch sei der Standort 5 m hoch überflutet worden.

Aus dem nahe der Küstenstadt Iwaki gelegenen KKW Tokai, das seit dem Beben der Stärke 9,0 am 11. März vom Netz ist, seien nach dem heutigen Beben keine Störungen gemeldet worden, erklärte der Betreiber Japan Atomic Power. Keine Vorkommnisse meldete auch das KKW Onagawa, wie dessen Betreiber Tohoku Electric Power mitteilte.

Heute morgen hatte die japanische Regierung die Evakuierungszone rings um Fukushima Daiichi über den bisherigen 20-km-Radius ausgeweitet. „In diesen Regionen könnte die Strahlung 20 mSv oder mehr über ein Jahr betragen“, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Die Gebiete sollten innerhalb eines Monats geräumt werden. Es sei nicht nötig, sofort zu handeln. Edano riet aber Kindern, Schwangeren und Kranken, mindestens 30 km Abstand zum KKW zu halten. Damit hat die Regierung die Dosis, ab der ein Gebiet evakuiert werden sollte, von 50 mSv jährlich auf 20 mSv gesenkt, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo mitteilte.

Heute Morgen japanischer Zeit gestand die Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA) ein, dass sie manchmal den Unfall im KKW Fukushima Daiichi nicht geeignet gehandhabt habe. NISA-Sprecher Hidehiko Nishiyama erklärte, man habe die Probleme im Kraftwerk klar ansprechen müssen, als ein Notfall auf den anderen folgte.

Zurzeit sprechen japanische Behörden von über 13 000 Toten und mehr als 14 000 Vermissten, rund 150 000 Menschen leben in Notunterkünften. swe

Mit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters, des JAIF und der GRS.

Fukushima-Update 21, Freitag, 8. 4. 2011, 9:15 MESZ

Starkes Nachbeben in Japan – Keine neuen Schäden in Fukushima

Knapp vier Wochen nach dem schweren Erdbeben vom 11. März ist das Katastrophengebiet im Norden Japans am Donnerstag erneut von heftigen Erdstößen erschüttert worden. Das Beben habe eine Stärke von 7,4 auf der Richterskala erreicht, meldete die japanische Meteorologie-Behörde. Noch in der mehr als 250 km entfernten Hauptstadt Tokio kamen Gebäude ins Wanken. Für die Nordostküste Japans wurde eine Tsunami-Warnung ausgegeben, später aber wieder aufgehoben.

Die Erde bebte kurz vor Mitternacht Ortszeit. Es handelte sich den japanischen Behörden zufolge um das bisher schwerste Nachbeben nach den verheerenden Erdstößen vom März. Damals waren rund 28 000 Menschen getötet worden bzw. werden noch immer vermisst. Ein Reuters-Fotograf berichtete aus Oshu, nahe dem Epizentrum des jüngsten Bebens, von weitreichenden Stromausfällen. Auch in seinem Hotel gebe es keine Elektrizität und ein Wasserrohr sei geborsten.

Das Zentrum des neuen Bebens lag nach Angaben der US-amerikanischen Erdbebenüberwachungsstelle etwa 60 km östlich der Küstenstadt Sendai in etwa 40 km Tiefe. Japans Ministerpräsident Naoto Kan rief einen Krisenstab zusammen. Der Betreiber des am 11. März schwer beschädigten Kernkraftwerks Fukushima Daichi, Tokyo Electric Power (Tepco), teilte mit, dass an dem schwerbeschädigten Atomkraftwerk keine Auswirkungen der neuen Erdstöße festgestellt worden seien. Seit Wochen ringen Techniker darum, die Anlage wieder unter Kontrolle zu bringen. Diese Arbeiter seien nach dem Beben am Donnerstag zunächst in Sicherheit gebracht worden, so Tepco. Kurz zuvor hatten sie durch Einleitung von Stickstoff in die Reaktorgebäude die Gefahr weiterer Wasserstoffexplosionen bannen wollen. Die Gefahr solcher Explosionen stufte Tepco allerdings als „gering“ ein. Es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, dass die Arbeiter Stickstoffgas in die Reaktorgebäude pumpten, sagte ein Tepco-Sprecher am Donnerstag noch vor dem neuen Beben.

Fachleute hatten in den vergangenen Tagenehrfach davor gewarnt, dass ein starkes Beben die ohnehin instabile Lage in den Unglücksreaktoren weiter verschärfen könnte. Der japanischen Atomaufsicht NISA lagen bis etwa 45 min nach dem Beben allerdings keine Informationen über „Anomalien“ in den schwer havarierten Reaktoren in Fukushima Daiichi vor. Die Mitarbeiter seien allerdings evakuiert worden, sie hätten sich in spezielle Schutzräume zurückgezogen. Auch in dem etwas südlicher gelegenen Atomkraftwerk Fukushima Daini seien die Mitarbeiter in Sicherheit gebracht worden. Verletzte habe es nicht gegeben, sagte der NISA-Sprecher während einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz. Die Wassereinspeisung in den Reaktoren 1 bis 3 werde fortgesetzt.

Im Kernkraftwerk in Onagawa sei durch das erneute Beben die externe Stromversorgung ausgefallen, die Versorgung per Diesel-Generator aber funktioniere. Hier seien keine erhöhten Strahlenwerte festgestellt worden, sagte der NISA-Sprecher. Auch in der sehr weit nördlich gelegenen Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho sei die reguläre Stromversorgung ausgefallen. Auch hier arbeiteten Diesel-Generatoren. jdb

Mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters und dapd

Fukushima, Update 20, 6.4.2011, 10.00 Uhr MESZ

Flüssigglas stopft Risse in Fukushima Daiichi – Tanks sollen radioaktiv verseuchtes Wasser aufnehmen

Vom havarierten japanischen Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi fließt kein radioaktiv verseuchtes Wasser mehr ins Meer. Das teilte der Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power Co. (Tepco) am Mittwoch mit. Die Abdichtung des Lecks sei gelungen durch die Zufuhr von 1500 l Natriumsilicaten, sogenanntem „Wasserglas“, sagte Tepco-Sprecher Naoki Tsunoda. Bei der offenbar erfolgreichen Methode wurde den Angaben zufolge zudem eine weitere, nicht genannte Chemikalie als Härtungsmittel verwendet.

Techniker von Tepco hatten sich seit Tagen bemüht, Risse in einem Schacht zu schließen. Dabei füllten sie Beton sowie eine Mischung aus Sägespänen, Zeitungen und Kunstharz in den Schacht. Der Durchbruch gelang, als sie Flüssigglas in den Boden unterhalb des Schachts pressten.

Endgültige Entwarnung könne allerdings noch nicht gegeben werden, sagte der japanische Regierungssprecher Yukio Edano. Noch werde geprüft, ob an der kritischen Stelle tatsächlich kein kontaminiertes Wasser mehr austrete und ob es nicht möglicherweise weitere Lecks an der Anlage gebe.

Noch immer bleibt das Problem, wie die rund 60 000 t kontaminiertes Meereswasser gelagert werden sollen, mit dem die Brennelemente gekühlt wurden. Tepco hat damit begonnen, insgesamt 11 500 t schwach radioaktives Wasser von einem Auffangbecken ins Meer abzulassen, um Platz für stärker verstrahltes Wasser zu schaffen. Tepco plant nun, Tanks zu bauen, die so viel Wasser aufnehmen können wie sechs Olympia-Schwimmbecken. Zudem soll ein Schwimmtank umgebaut und eingesetzt werden.

Zugleich bemühten sich die Tepco-Arbeiter, das Kühlsystem in vier durch das Erdbeben und den Tsunami beschädigten Reaktorblöcken wieder in Gang zu setzen. Bis dieses Problem gelöst ist, muss mit Meerwasser gekühlt werden, um eine Überhitzung der Brennelemente und eine Kernschmelze zu verhindern. Die Zeitung „Sankei“ berichtete am Mittwoch, die Regierung und Tepco überprüften derzeit, ob für drei Reaktoren ein externes Kühlsystem neu gebaut werden könnte, um die Brennelemente von außen zu kühlen.

Außerdem sei nach Angaben des Tepco-Sprechers Junichi Matsumoto für Mittwoch geplant, Stickstoff in mehrere beschädigte Reaktoren einzusprühen. Damit sollten Wasserstoffexplosionen verhindert werden, wie sie sich in den ersten Tagen der Katastrophe ereignet hatten. Eine unmittelbare Explosionsgefahr bestand nach Angaben eines Sprechers der japanischen Atomsicherheitsbehörde nicht.

Am Dienstag erließ die japanische Regierung erstmals eine Obergrenze für die radioaktive Belastung von Fisch. Zuvor waren Berichte aufgetaucht, dass sich bereits Radioaktivität in Fischen angereichert habe. Insbesondere Jod und Cäsium-137, die beide aus dem Kernkraftwerk ins Meer gelangten, seien in den Fischen nachweisbar.

Zwar könne sich das Jod im Meerwasser verteilen und zerfalle auch schnell, anders verhalte es sich aber mit Cäsium, sagte Yoichi Enokida, Professor für Materialwissenschaft an der Nagoya Universität. Die Langfristfolgen müssten noch untersucht werden.

Skepsis ist auch bei den Fischern zu spüren. „Selbst wenn die Regierung sagt, dass Fisch sicher ist, werden die Leute keine Meeresfrüchte aus Fukushima kaufen“, sagte Ichiro Yamagata, ein Fischer, der in Sichtweite des Kraftwerks lebt und nun nach Tokio geflüchtet ist. „Wir können dort wahrscheinlich für mehrere Jahre nicht mehr fischen.“

Indien hat wegen der Katastrophe in Japan ein dreimonatiges Einfuhrverbot für Lebensmittel aus dem asiatischen Land beschlossen. Die Strahlenbelastung aus dem beschädigten Kernkraftwerk Fukushima könnte sich auf die gesamte Lebensmittelkette ausbreiten, begründete das Gesundheits- und Familienministerium am Dienstag den Schritt. Das Importverbot sei auf drei Monate angesetzt „oder bis glaubhafte Informationen zeigen, dass die Strahlengefahr sich in Grenzen hält“.

Noch immer sind Meldungen rar, nach denen sich das Leben im japanischen Katastrophengebiet wieder normalisiert. Eine davon: Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck will in seinem Werk in Onahama, nur 45 km von Fukushima entfernt, bald wieder voll produzieren.

Die Anlage ist weltweit die einzige, die Spezialpigmente für besonders glitzernde Autolacke herstellt. Die Krisallpigmente mit dem Markennamen Xirallic bestehen aus Aluminiumoxidplättchen, die mithilfe anderer Metalloxide veredelt werden. Das Spezialpigment wird an Chemiefirmen wie BASF geliefert, die daraus u. a. besonders glänzende und glitzernde Lackfarben herstellen. Bei Ford heißt eine solche Farbe „Tuxedo Schwarz“, andere werden „kosmisches Türkis“ und „Galaxie Blau“ genannt. Doch, seitdem die Anlage in Onahama mit zwei Fertigungslinien und einem Forschungslabor, in der 160 Menschen arbeiten, nach der Katastrophe in der nahen Kernanlage stillsteht, werden die Sonderfarben knapp. Chrysler und Ford nahmen bereits keine Bestellungen mehr für Autos mit diesen Effektfarben an. rb

Mit Meldungen der Agenturen Reuters, dapd und Jiji sowie Japanmarkt online

Fukushima, Update 19, 5.4.2011, 10.00 Uhr MESZ

Radioaktives Wasser muss aus den Reaktoren entfernt werden – IAEA-Chef kritisiert Sicherheitsmaßnahmen von Tepco – Deutschland importiert mehr Strom aus Nachbarländern

Während die Arbeiter im havarierten Kernkraftwerk Fukushima Daiichi weiterhin auf der Suche nach Lecks sind, haben ihre Kollegen am Montag rund 10 000 t kontaminiertes Wasser ins Meer gepumpt, wie Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power Co. (Tepco) mitteilte. Die Maßnahme sei leider unvermeidlich, sagte Regierungssprecher Yukio Edano bei einer Pressekonferenz. Nur auf diese Weise könne verhindert werden, dass sich noch stärker kontaminiertes Wasser ausbreite.

Die von dem Wasser ausgehende Strahlung soll das 500-Fache der erlaubten Höchstgrenze betragen haben. Die dadurch freigewordenen Staubecken sollen nun noch stärker kontaminiertes Wasser aus den Reaktorgebäuden aufnehmen.

Nach Angaben von Tepco gegenüber der Nachrichtnagentur Kyodo sin die Reaktorblöcke 1 bis 3 mit 60 000 t radioaktivem Wasser geflutet. Mengen, die u. a. in Container auf dem Gelände abgepumpt werden sollen. Aber auch eine künstliche schwimmende Insel, US-Schiffe und provisorische Behälter sollen das kontaminierte Wasser aufnehmen. Die japanische Regierung bat zudem Russland um die Bereitstellung eines Schiffes, das speziell für die Entsorgung atomarer Abfälle gerüstet ist. Nur wenn das Wasser aus den Reaktoren gepumpt ist, kann versucht werden, Kühlsysteme weiter zu reparieren.

Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) hat den Betreiber Tepco wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen kritisiert. Das Unternhmen Tepco habe nicht genügend Vorsorgemaßnahmen ergriffen, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano am Motag in Wien auf die Frage, ob ie Atomkatastrophe hätte verhindert werden können. Die Weltgemeinschaft, so Amano, könne nicht wie bisher weitermachen, es müsse mehr zur Erhöhung der Sicherheit von Kernkraftwerken getan werden, um das Risiko zukünftiger Katastrophen wie in Fukushima Daiichi zu verringern.

Frankreich muss nach Einschätzung seiner Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet Nachkontrollen bei seinen Atomkraftwerken vornehmen. „Einer der Lernpunkte aus der Fukushima-Katastrophe ist, dass die Abklingbecken große Probleme verursachen können“, sagte sie gegenüber einem Radiosender. Das sei „vielleicht etwas, dem wir bei den französischen Reaktoren, vielleicht auch bei den EPR noch nicht genug nachgegangen sind“. EPR sind neuartige europäische Druckwasserreaktoren, die vom französischen Atomkonzern Areva hergestellt werden.

Derweil soll das Moratorium bei der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke Deutschland offenbar in größerem Maße zum Importeur von Atomstrom aus Nachbarländern gemacht haben. In der ersten März-Hälfte habe Deutschland noch im Saldo täglich im Durchschnitt etwa 3500 MWh Strom exportiert – rechnerisch die Kapazität von drei Kernkraftwerken, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Seit dem Abschalten der alten Atommeiler am 17. März habe sich das geändert. „Jetzt führen wir im Saldo Strom ein“, sagte Kurth weiter. Es gehe im Schnitt um Stromeinfuhren von 2500 MWh am Tag. In erster Linie komme dieser Importstrom aus Frankreich und Tschechien, die Strom in hohem Maße aus Kernkraft gewinnen, und aus Polen. rb

Mit Material der Agenturen dapd, Reuters und Kyodo

Fukushima, Update 18, 4.4.2011, 10.30 Uhr MESZ

Radioaktives Wasser verseucht weiter das Meer – Japan rechnet mit monatelangem Kampf – Tsunami-Welle bis zu 37,9 m

In Japan ist auch zu Beginn der vierten Woche kein Ende im Kampf gegen den atomaren Super-GAU in Sicht. Stattdessen lieferte Reaktor 2 in Fukushima Daiichi am Wochenende neue Hiobsbotschaften: Es wurde ein Riss im Betonboden des Meilers entdeckt, aus dem radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik strömt. Bis Sonntagabend gelang es der Betreiberfirma Tokyo Electric Power Co. (Tepco) nicht, das Leck abzudichten.

Tepco scheiterte mit dem Versuch, den Riss mit Beton zu schließen. Ebenso wenig erfolgreich war der Vorstoß, den Riss mit dem Kunststoff Polymer abzudichten. „Wir müssen so schnell wie möglich verhindern, dass radioaktives Wasser weiter ins Meer läuft“, erklärte Regierungssprecher Yukio Edano. Ein Berater von Ministerpräsident Naoto Kan erklärte, es könne Monate dauern, bis der Austritt der Radioaktivität gestoppt sei.

Das Leck in Reaktor 2 könnte die Ursache sein für die hohen Strahlenwerte, die seit Längerem im Meerwasser gemessen werden. Diese lagen am Wochenende bis zu 4000-mal über den zugelassenen Grenzwerten. Am heutigen Montag will Tepco mit 13 kg farbigem Puder herausfinden, wie sich das verseuchte Wasser den Weg in den Pazifik bahnt und ob noch andere Stellen in Fukushima Daiichi betroffen sind.

Der Abfluss des radioaktiv verstrahlten Wassers verhindert eine weitere Kühlung der überhitzten Kernbrennstäbe im Atomkraftwerk mit Meerwasser. Als Alternative dazu prüfen Ingenieure nun unter anderem die Möglichkeit, mit einer verbesserten Luftkühlung zu arbeiten. „Wir dürfen in unserer Wachsamkeit nicht nachlassen, weil die Lage im Atomkraftwerk unberechenbar ist“, sagte Regierungssprecher Yukio Edano.

Über die Lage in Japan will sich nun auch die Internationale Atomenergieagentur IAEA an Ort und Stelle informieren. Die UN-Behörde teilte in Wien mit, zwei Experten würden von nun an mit japanischen Fachleuten beraten. Davon erhoffe sich die Organisation Informationen aus erster Hand.

Derweil fanden Wissenschaftler des Erdbeben-Forschungszentrum der Universität Tokyo heraus, dass die Tsunami-Welle in Miyaki in der Präfektur Iwate eine Höhe von bis zu 37,9 m erreicht haben soll. Das Team rund um Prof. Yoshinobu Tsuji entdeckte an einem Hügel, 200 m von der Küste entfernt, Spuren des Tsunamis – 37,9 m höher als der Meeresspiegel. Damit könnte die Welle am 11. März nach dem Beben der Stärke 9,0 ähnlich hoch gewesen sein wie eine Rekord-Tsunami-Welle von 38,2 m aus dem Jahre 1896, die auch Gebiete der Präfektur Iwate verwüstete. rb

Mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters, Kyodo und Jiji Press

Fukushima, Update 17, 1.4.2011, 10.30 Uhr MESZ

Japanische Regierung erwägt Verstaatlichung von Fukushima-Betreiber Tepco – RWE reicht Klage gegen Abschaltung von Biblis A ein

Nicht nur das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi scheint stark zerstört zu sein, auch der Betreiber Tokyo Electric Power Co. (Tepco) macht inzwischen einen desolaten Eindruck.

Erneut kam am Freitag heraus, dass Tepco bei der Strahlenmessung schlampte. Die Messwerte vom Grundwasser in und um das Atomkraftwerk seien teilweise fehlerhaft, teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde mit. Das Grundwasser sei jedoch sehr wahrscheinlich dennoch verstrahlt. Am Vortag hatte es geheißen, dass im Wasser unter dem Atomwrack ein 10 000-fach erhöhter Wert von radioaktivem Jod gemessen wurde. Üblicherweise ist die radioaktive Belastung des Grundwasser so niedrig, dass sie nicht gemessen werden könne, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Tepco. Wie hoch die Belastung wirklich ist, wurde nicht bekannt. Tepco hatte bereits vorher fehlerhaft gemessen.

Außerdem rügte die Regierung Tepco, weil das Unternehmen nicht für jeden der Arbeiter vor Ort ein eigenes Dosimeter zur Verfügung stellen konnte, sondern sich die Arbeiter offensichtlich bei gemeinsamen Arbeiten ein Gerät teilen mussten. Inzwischen seien 420 Messgeräte vor Ort. Dies reiche jetzt aus, so Tepco. Ursprünglich hatte man 5000 Dosimeter, doch bis auf 320 seien durch den Tsunami alle anderen nicht mehr gebrauchsfähig gewesen.

Freitagmorgen japanischer Zeit teilte der japanische Regierungssprecher Yukio Edano mit, die Regierung erwäge unter anderem, sich über eine Kapitalspritze an Tepco zu beteiligen, so die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Noch aber sei nichts entschieden, so Edano. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass die Regierung dabei einen Anteil von mehr als 50 % an Tokyo Electric Power erwerbe, hieß es in einem Bericht der Zeitung „Mainichi“ am Freitag. Am Mittwoch war der Präsident des Unternehmens ins Krankenhaus geliefert worden. Masataka Shimizu habe zuvor über Bluthochdruck und Schwindelgefühl geklagt.

Offiziell werden inzwischen knapp 11 600 Tote gezählt. Es werden aber noch etwa 16 500 Menschen vermisst.

Am KKW wollten die Einsatzkräfte heute erneut versuchen, Kunstharz auf die verstrahlten Trümmer zu sprühen.

Am Vortag war dies zum ersten Mal versucht worden, um radioaktive Teilchen so zu binden und ihre Weiterverbreitung zu unterbinden. Nur begann es am Donnerstag zu regnen, so dass die Versuche abgebrochen werden mussten. Die japanische Regierung erwägt auch, die Reaktorblöcke gänzlich mit einem Art Gewebe zu verhüllen. Man diskutiere zurzeit mit Experten alle möglichen Maßnahmen, so Regierungssprecher Edano am Donnerstag.

Die japanische Regierung lehnt es bisher weiterhin ab, die Evakuierungszone on 20 km zu erweitern. Die Internationale Atomenergieagentur IAEA in Wien hatte Japan geraten, zumindest den Ort Iitate rund 40 km nordwestlich der Reaktoren zu räumen.

Die radioaktive Belastung des Meers vor Fukushima stieg am Donnerstg weiter an. Rund 330 m vor der Küste wurden Tepco zufolge stark erhöhte Mengen des radioaktiven Jods 131 gemessen, 4385-mal höher als die gesetzlichen Maximalwerte. Die Atomsicherheitsbehörde NISA erklärte, eine Gefahr für die Gesundheit bestehe nicht, so Sprecher Hidehiko Nishiyama. Radioaktives Jod hat eine Halbwertszeit von acht Tagen. Bis es in die Nahrungskette gelange, sei es zerfallen. Laut den Messungen von Tokyo Electric Power ergaben die Messungen für Jod 131 einen Wert von 180 Bq/cm³. Auch die Werte für Cäsium 137 seien stark erhöht.

Tepco versuchte in den letzten Tagen weiterhin radioaktiv belastetes Wasser aus den Untergeschossen der Reaktor- und der Turbinengebäude zu entfernen. Doch immer noch ist es ein Problem, genügend Auffangkapazitäten zu finden. So wurde bei Block 1 erst das Wasser aus dem Maschinenhaus in den Kondensator gepumpt. Der ist jetzt voll und man sucht Möglichkeiten, das Wasser jetzt vom Kondensator in den Kondensatbehälter zu bekommen. Bei Block 2 und 3 wurde am Donnerstag damit begonnen das belastete Wasser aus den Kondensatbehältern in die Kondensationskammern zu pumpen, berichtete die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit in Köln (GRS). Tepco will nach Angaben des Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) jetzt Überwachungskameras installieren, um so optisch den Wasserstand in den ebenfalls unter Wasser stehenden Installationstunneln zu beobachten.

Inzwischen organisiert sich – drei Wochen nach der Havarie des KKW – internationale Hilfe. Neben Experten aus Frankreich und den USA traf auch ein ferngesteuerter Roboter zur Untersuchung der am stärksten verstrahlten Bereiche des KKW ein. In den USA werden zurzeit zwei weitere Großpumpen des deutschen Spezialmaschinenbauers Putzmeister für den Einsatz in Fukushima vorbereitet. Erst sollen sie die Kühlungsbemühungen unterstützen. Später könnten die je 86 t schweren Pumpen wieder umgebaut und beim Einbetonieren der Reaktoren eingesetzt werden, sagte Kelly Blickle, Sprecherin von Putzmeister America im US-Staat Wisconsin. Die Großpumpen sollen am 9. April an den Flughäfen von Los Angeles und Atlanta verladen und anschließend nach Japan geflogen werden.

In Deutschland spitzt sich unterdessen die Debatte um die Kernkraft zu.

Heute morgen legte Betreiber RWE beim hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel Klage gegen die Abschaltung des KKW Bilblis A in Südhessen ein. Ein Sprecher sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd, namhafte Juristen hätten Zweifel, ob die Rechtsgrundlage für das dreimonatige Moratorium tragfähig sei. „Das wollen wir gerichtlich klären.“ Dies sei schon aus aktienrechtlichen Gründen geboten. Im Übrigen begrüße der Konzern die angekündigte Sicherheitsüberprüfung aler 17 deutschen Atommeiler. Der Energiekonzern E.on klagt hingegen nicht gegen die angeordnete Abschaltung seiner Reaktoren Isar I und Unterweser.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte am Donnerstag den Kriterienkatalog für die Prüfung der Atomkraftwerke vorgestellt. Demnach soll auch die Widerstandfähigkeit der Meiler bei unwahrscheinlichen Ereignissen wie hohen Tsunamiwellen, starken Erdbeben und anderen Klimaeinflüssen untersucht werden, ebenso bei Flugzeugabstürzen und Terroranschlägen. Die Grünen kritisierten den Katalog als zu vage. Kernkraftgegner mahnten, die hohen Risiken der Kernenergie seien längst bekannt und die Tests daher überflüssig.

Der Französische Präsident Nicola Sarkozy forderte bei einem Besuch in Japan international verbindliche Sicherheitsstandards für nukleare Anlagen.

Die geltenden der IAEA sind bisher unverbindlich. „Wir müssen uns dieser Anomalie annehmen, dass es keine internationalen Sicherheitsvorschriften für nukleare Fragen gibt“, sagte Sarkozy in Tokio. Die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) solle sich bis Ende des Jahres auf ein internationales Regelwerk zum Schutz vor KKW-Unglücken einigen. Japans Regierungschefs Kan begrüßte den Vorstoß. Aus den Vorfällen in Fukushima müssten Konsequenzen gezogen werden und zwar nicht nur in Japan. Die neuen KKW-Sicherheitsstandards sollen im Juni auf einer Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien diskutiert werden. swe

Mit Materialien der Nachrichtenagentur dapd und Reuters, des JAIF und der NISA

Fukushima, Update 16, 29.3.011, 17.30 Uhr MESZ

Plutonium im Boden auf Kraftwerksgelände gefunden worden

Japans Atomaufsicht teilte heute mit, Brennstäbe in den Reaktoren 1, 2 und 3 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi seien beschädigt. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Schutzhüllen nicht mehr völlig dicht hielten, so die Behörde am Dienstag.

Zuvor hatten Plutoniumfunde in Bodenproben, die am Montag und Dienstag letzter Woche auf dem Kraftwerksgelände genommen worden waren, Ängste über das wahre Ausmaß der Katastrophe geschürt. Experten äußerten die Vermutung, dass das gefundene Plutonium entweder aus einem Abklingbecken oder direkt aus dem Reaktor 3 stammt, der mit Mischoxidbrennelementen bestückt ist. „Plutonium ist eine Substanz, die bei hohen Temperaturen emittiert wird. Es ist außerdem schwer und entweicht daher nicht so leicht“, erläuterte der stellvertretende Chef der Atomaufsicht, Hidehiko Nishiyama, laut Nachrichtenagentur dapd. „Wenn also Plutonium aus dem Reaktor entwichen ist, sagt uns das etwas über die Schäden am Brennstoff aus. Und wenn es die ursprüngliche Schutzhülle durchbrochen hat, unterstreicht das die Schwere und das Ausmaß dieses Unfalls.“

Die auf dem KKW-Gelände gefundene Menge sei allerdings nicht gesundheitsgefährdend, erklärte die Atomaufsicht.

Aus der Anlage trete weiterhin hochgiftiges Plutonium aus, es sickere ins Erdreich, berichtete heute Nachmittag die Nachrichtenagentur Reuters mit Berufung auf Behördenkreise. Fehlende Informationen und widersprüchliche Daten machen Experten zufolge die Einschätzung der Geschehnisse in Fukushima schwer. Der Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power Co. (Tepco) wies darauf hin, dass die gefundenen Spuren des Stoffes nicht größer seien als jene, die in der Vergangenheit nach Atomwaffentests in der Atmosphäre gemessen worden seien.

Unterdessen berichtete die japanische Tageszeitung Yomiuri, das japanische Kabinett erwäge eine vorübergehende Verstaatlichung von Tepco. Dies wurde aber später von Regierungssprecher Edano und Tepco-Vertretern dementiert.

Die Experten sind mit zwei Arbeiten beschäftigt. Einerseits müssen sie die Brennstäbe mit Wasser kühlen, andererseits soll radioaktiv verseuchtes Wasser aus den Reaktorgebäuden abgepumpt und sicher gelagert werden. Das sei eine schwierige Arbeit, sagte ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde, Hidehiko Nishiyama. Arbeiter schichteten außerhalb der Gebäude Sandsäcke auf, um zu verhindern, dass das radioaktive Wasser im Erdboden verickert.

Gestern Morge war nach Berichten der GRS auch im Block 1 als Letztem der drei in Betrieb befindlichen Blöcke eine provisorische, elektrisch betriebene Pumpe zur Einspeisung des Frischwassers angeschlossen und in Betreib genommen worden. Bei dem in Maschinenhäusern der Blöcke 1 und 3 vorgefundenen Wasser handele es sich nach Angaben der Nuclear Safety Commission of Japan (NSC) um Kondensat aus dem Sicherheitsbehälter.

Das Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) wies in seinem Erdbebenreport No. 35 von heute Mittag darauf hin, dass die Gräben für Installationen und Verkabelungen, in denen Tepco radioaktiv kontaminiertes Wasser gefunden habe, keine Verbindung zum Meer hätten. Allerdings sei der Graben bei Reaktorblock 1 fast am Überlaufen. Es fehlten 10 cm. Die Wasserstände in den Gräben der Reaktoren 2 und 3 hätten noch 1 m Sicherheit.

Die Internationale Atemenergieagentur (IAEA) in Wien will eine Sicherheitskonferenz wegen Fukushima ansetzten. IAEA-Direktor Yukiya Amano sagte gestern in Wien, ein möglicher Termin dafür könnte Ende Juni sein. Es gehe darum, Lehren aus dem Desaster in Fukushima Daiichi zu ziehen und die internationalen Vorkehrungen für solche Unfälle zu verbessern. swe

Mit Materialien der Nachrichtenagentur dapd und Reuters, des JAIF und der NISA

Fukushima, Update 15, 28.3.011, 16.30 Uhr MEZ

Japan räumt Kernschmelze im KKW Fukushima ein

Im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ist es nach Angaben der Regierung zur Schmelze von Brennstäben gekommen. Das Material sei mit dem zur Kühlung eingesetzten Wasser in Reaktorblock 2 in Berührung gekommen, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Montag in Tokio. So sei die hohe Strahlenbelastung im Wasser entstanden. Am Donnerstag letzter Woche waren in Fukushima drei Techniker verstrahlt worden. Sie waren im Untergeschoss eines Reaktors mit Wasser in Berührung gekommen, das eine um das 10 000-fache erhöhte Strahlung aufwies. Es sei eine vorübergehende teilweise Kernschmelze, so Edano laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo. Davon gehe zumindest die Regierung aus. Der Druck in den Reaktoren sei aber stabil, was auf eine nur partielle Schmelze des Reaktorkerns hinweise, sagte Kaoru Yoshida, Sprecher des Kraftwerkbetreibers Tokyo Electric Power Company (Tepco).

Die Kernchmelze im Reaktor 2 habe wahrscheinlich schon kurz nach dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem Tsunami am 11. März eingesetzt, erklärte die Regierung. Noch trete die radioaktive Strahlung hauptsächlich im Inneren des Reaktors auf. Jetzt müsse sichergestellt werden, dass das verseuchte Wasser nicht in den Boden und das Meer entweiche. Diesen Fall wollte Tepco nicht ausschließen, nachdem erneut überhöhte Strahlung in der Umgebung des KKW festgestellt worden war.

In den Statusberichten des Japan Atomic Industry Forum (JAIF) äußert sich die geänderte Einschätzung des Reaktorzustandes für Block 2 in der Rubrik „Zustand Sicherheitsbehälter“. War bislang nur ein Schaden vermutet worden, wird jetzt ein Schaden und ein Leck vermutet. Von einer konkreten Kernschmelze ist nicht die Rede. Tepco räumte am Montagmorgen japanischer Ortszeit erstmals ein, so die renommierte japanische Tageszeitung Asahi Shimbun, dass es auch Schäden an den Reaktordruckbehältern geben könne. Als Anzeichen dafür gab Tepco an, man pumpe kontinuierlich Wasser in die Behälter der Reaktorblöcke 1 bis 3, aber die Wasserstandsensoren würden keine Erhöhung anzeigen.

Bei Wasser in Gräben am Reaktorblock 2 sei am Sonntag eine Strahlenbelastung von 1000 mSv/h gemessen worden, teilte Tepco um 16 Uhr japanischer Zeit am Montag mit. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass radioaktives Wasser im Erdreich versickere, teilte das Unternehmen weir mit. Tepco hat nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo auch erhöhte radioaktive Strahlung in einem Graben zu Reaktorblock 1 festgestellt. Schutt vehinderte jedoch eine genaue Messung. Tepco nimmt an, dass die im Meer vor dem KKW festgestellten erhöhten radioaktiven Werte darauf zurückzuführen seien, dass aus diesen Gräben das Wasser in das zwischen 55 m und 70 m entfernte Meer geflossen ist.

Neue Messwerte legen nach Behördenangaben nahe, dass in Fukushima ausgetretenes hoch radioaktives Jod 131 viel weiter nach Norden ins Meer gelangt ist als zunächst angenommen. Die Kontamination erstreckt sich demnach etwa 1,6 km weiter nach Norden als zuvor. An der Küste vor den KKW-Blöcken 5 und 6 seien Werte von Jod 131 gemessen worden, die 1150-mal höher als normal liegen, sagte Hidehiko Nishiyama von der NISA am Montag.

Vordringlich ist zurzeit das Wasser in den Untergeschossen der Blöcke 1 bis 3 und im Turbinenhaus der Reaktorblöcke 1 bis 4, das den vier Reaktorgebäuden wie ein Querriegel zum Meer hin vorgelagert ist, abzupumpen. Bis zu 600 Menschen sind zurzeit in Schichten in Fukushima im Einsatz. Das Wasser muss laut der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA entfernt und sicher gelagert werden. Erst dann können die Techniker weiter versuchen, die Pumpen des Kühlsystems in diesen vier Reaktorblöcken wieder in Gang zu bringen. Im Block 1 ist zwar schon ein Pumpenkreislauf in Gang gebracht worden, aber auch nach mehreren Tagen ist der Keller noch nicht leer gepumpt. Die entsprechenden Systeme in den Blöcken 2 und 3 müssen erst mal geräumt werden.

Tepco räumte zudem gestern ein, dass es keine klaren zeitlichen Vorstellungen für ein Ende der Krise gebe. Der Konzern bat Medienberichten zufolge französische Unternehmen wie EDF und Areva um Hilfe. Deutsche Areva-Spezialisten waren noch zur Zeit des Erdbebens in Fukushima Daiichi vor Ort und an den Revisionsarbeiten des Blocks 4 beteiligt. In Südkorea beschaffte Japan vier Notstromgeneratoren, die am Dienstag am Katastrophenreaktor eintreffen sollen.

Murray Jennex, Nuklearexperte der Universität San Diego, sprach laut Nachrichtenagentur Reuters davon, dass es zu kleinen Schritten zum Kühlen der Reaktoren keine Alternative gibt. „Wir stehen vor einer langen, mühevollen Zeit mit vielen kleinen und unattraktiven Schritten, um das Ganze zusammenzuhalten.“ Jennex“ Kollege Najmedin Meshkati von der Universität Südkalifornien sieht Japan mit dem Kampf gegen den Super-GAU überfordert. „Das ist deutlich mehr als das, was eine Nation alleine bewältigen kann“, sagte er der Agentur.

Bei dem Erdbeben und dem Tsunami kamen nach neuesten Informationen der japanischen Regierung 27 000 Menschen ums Leben oder werden vrisst. In der Nacht wurde der Nordosten Japans erneut von einem Nachbeben erschüttert. Es hatte eine Stärke von 6,5. Eine Tsunami-Warnung wurde wenig später wieder aufgehoben. swe

Mit Materialien der Nachrichtenagentur dapd und Reuters, des JAIF und der NISA

Fukushima, Update 14, 27.3.2011, 18.30 Uhr MESZ

Tepco: Hohe Strahlenwerte am Reaktorblock zwei sind falsch

Die gemeldeten hohen Strahlenwerte in dem japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi sind nach Angaben der Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power Co. (Tepco) falsch. Am Sonntag hatte die japanische Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA) erklärt, in Reaktor 2 sei im Wasser im Turbinengebäude ein Strahlungswert von 1000 mSv/h gemessen worden, der die Norm 10-Mio.-fach überstiegen habe. Die an einer Reparatur des Reaktors arbeitenden Techniker wurden deshalb abgezogen.

Die UN-Atomaufsicht IAEA zeigte sich besorgt. Nach japanischen Standards wird eine Belastung von 250 mSv/a noch als sicher gewertet. Tepco betonte, dass das radioaktive Jodisotop J134 aber eine Halbwertszeit von weniger als 1 h habe. Das bedeutet, dass es innerhalb eines Tages zerfällt. Laut Tepco sind womöglich andere radioaktive Substanzen als das bisher gemeldete Jod-134 im Wasser im Turbinenhaus enthalten. Zudem hat es bei der Berechnung der Zahlenwerte womöglich Fehler gegeben.

In der Luft außerhalb der Evakuierungszone rund um Fukushima und in der Millionenmtropole Tokio wurde am Sonntag keine erhöhte Radioaktivität festgestellt. Die radioaktive Belastung des Meerwassers vor der havarierten Anlage stieg aber noch einmal: Tests der japanischen Atomaufsicht ergaben eine um das 1850-Fache erhöhte Belastung durch radioaktives Jod. Am Vortag war die Belastung an gleicher Stelle noch um das 1250-Fache erhöht.

Tepco untersucht mittlerweile, ob Plutonium aus dem Reaktorblock 3 ausgetreten ist und den Boden des Kernkraftwerksgeländes kontaminiert hat.

Die IAEA schickte in den vergangenen zwei Tagen zwei weitere Expertenteams nach Japan. Sie sollen den Behörden helfen, die Strahlung zu messen und eine mögliche Verseuchung von Lebensmitteln im Blick zu behalten.

Vor dem Hintergrund des zunehmend verstrahlten Meerwassers versuchte die japanische Atomaufsicht am Samstag, die wachsenden Sorgen der Menschen zu dämpfen. Die Verstrahlung stelle nur ein geringes Risiko für das Leben im Ozean dar, hieß es. Durch die Meeresströmung würden die strahlenden Partikel weggeschwemmt und verdünnt, bevor Fische und Algen sie aufnehmen könnten.

Tepco versucht unterdessen die Reparaturarbeiten an der Stromversorgung weiter voranzubringen. Bislang brennt in der Leitwarte von Reaktorblock 4 noch kein Licht, man bereite dies vor, so Tepco. Außerdem werde versucht weiter die Kühlung von Meer- auf Frischwasser umzustellen. Zudem soll die Wasserzufuhr von Feuerlöschpumpen auf elektrische Pumpen umgestellt werden. Das würde Zeit und Personal sparen und die Arbeiter, die die Feuerwehrlöschpumpen bedienten, seien nicht mehr der Radioaktivität vor Ort ausgesetzt, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo heute.

Kyodo berichtet auch von einem Wissenschaftler, der bereits vor zwei Jahren Warnungen vor einem massiven Tsunami geäußert habe, der das Kernkraftwerk treffen könnte. Yukinobu Kamura, Leiter des Erdbebenforschungszentrums am nationalen japanischen Institut für Advanced Industrial Science and Technology, wertete einen Tsunami aus dem Jahre 869 und seine Schäden aus. Seinen Forschungsergebnissen, vorgebracht in einem Regierungsgremium, wäre Tepco mit Widerwillen begegnet, so Kamura. Tepco hätte einen Mangel an hinreichenden Informationen entgegengehalten, bevor man die Annahme möglicher Erdbebenschäden in Betracht ziehe. Swe

Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters

Fukushima, Update 13, 26.3.2011, 17.30 Uhr MEZ

Störfall in Fukushima führt im Meer zu hohen Radioaktivitätswerten

Gegen Samstagmittag japanischer Zeit (MEZ 9 h voraus) wurden nach Angabe des Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) 330 m vom Abfluss des Seewassers aus dem Kernkraftwerk Fukushima Daiichi hohe Konzentrationen radioaktiven Jods (J131) im Meer gemessen, fast 1250-mal höher als der gesetzliche Grenzwert in Japan.

Die radioaktiven Emissionen der Anlage bereiten der japanischen Regierung immer mehr Sorgen. Nach einem Bericht der Tageszeitung Asahi Shinbun hätten die Zentralregierung ausgerechnet, dass die Emissionen aus der Havarie von Fukushima Daiichi inzwischen die des Störfalls im US-Kernkraftwerk Three Mile Island übertroffen hätte. Die Strahlung hätte schon die Stufe 6 der internationalen INES-Skala für nukleare Störfälle erreicht (Tschernobyl ist mit 7 eingestuft, Three Mile Island mit 5).

Getrennt davon heben Berechnungen von Experten die Bodenkontamination an einigen Orten auf ein vergleichbares Niveau, wie es in Tschernobyl gefunden worden sei, so die Asahi Shinbun weiter. Die Zeitung beruft sich auf Tesuji Imanaka, Privatdozent für Nukleartechnik am Reaktorforschungsinstitut der Universität Kyoto. In der Region Iitate gebe es hoch kontaminierte Gebiete, die als gleichwertig mit Tschernobyl betrachtet werden könnten. Imanaka bezieht sich dabei auf Messwerte radioaktiven Cs137 von 137 000 Bq/kg Boden, die in Iitate 40 km nordwestlich des Kernkraftwerkes gemessen worden seien. Yukiya Amano, der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieagentur IAEA in Wien, hält es jedoch noch für zu früh, den Störfall in Fukushima auf eine Stelle mit dem in Tschernobyl zu heben, so die Asahi Shinbun weiter.

Unterdessen versucht der Betreiber Tepco die Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten wieder aufzunehmen, die aufgrund radioaktiv belasteten Wassers in den Untergeschossen der Reaktorblöcke 1 und 3 vorerst unterbrochen worden waren.Drei Arbeiter waren kontaminiert worden. So gibt es seit heute Nachmittag Ortszeit wieder Licht im Kontrollraum von Block 2, nachdem der Anschluss an das Stromnetz wieder hergestellt wurde. Damit gibt es Licht in den Leitwarten der Blöcke 1, 2 und 3.

Tepco versucht weiterhin die Wasserzufuhr zur Kühlung der Reaktorkerne von Meerwasser auf Frischwasser umzustellen. Reaktorblock 1 und 3 sind bereits am Freitagnachmittag umgestellt worden, bei Block 2 ist die Kühlung des Reaktorkerns seit Samstagvormittag umgestellt. Die Wasserzufuhr für das Containment sollte bei Block 1 und 3 ebenfalls umgestellt werden, es muss aber noch bestätigt werden, ob dies gelungen ist. Morgen, am Sonntag, soll auch die Wasserversorgung des Abklingbeckens für abgebrannte Kernbrennstäbe umgestellt werden.

Das hochradioaktiv belastete Wasser im Keller der Reaktorblöcke 1 und 3 sei mit 3,9 Mio. Bq/cm³ rund 10 000-mal höher belastet, als das Wasser, das während des normalen Betriebes zur Kühlung im Reaktor ist, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Tepco. Tepco hat sofort versucht das Wasser abzulassen, weil es weitere Rettungsarbeiten behindert. JAIF teilt mit, es wird angenommen, dass in den Blöcken 1 und 3 radioaktives Material aus dem Reaktordruckbehälter außerhalb des Containment durch Lecks in die Umwelt gelangt ist. Ähnliche Wasseransammlungen in den Untergeschossen der Reaktorblöcke 2 und 4 – zwischen 80 cm und 1 m tief – werden noch auf Radioaktivität untersucht.

Zumindest das Wetter meint es zurzeit mit den Bewohnern der japanischen Hauptstadt Tokio den Umständen entsprechend gut. Radioaktive Partikel aus Fukushima werden weiterhin auf das Meer getragen. Nur die Küste nördlich des Kraftwerks werde vermutlich am Dienstag geringe Mengen radioaktiven Materials abbekommen, so der Deutschen Wetterdienst. Allrdings ist es in de Region immer noch kalt, tagsüber mit Werten um 0 °C. swe

Fukushima, Update 12, 25.3.011, 13.30 Uhr MEZ

Neuer Rückschlag im Kampf gegen den Super-GAU – Unklarheit über Reaktorzustand

Japans Ministerpräsident Naoto Kan bezeichnet die Lage am AKW Fukushima als weiter sehr prekär. Sie verschlimmere sich aber nicht. Nach Angaben der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA (Nuclear and Industria Safey Agency) tritt seit dem frühen Morgen in Japan kontinuierlich weißer Dampf aus den Reaktorblöcken 1, 2 und 4 aus.

Block 3 des havarierten japanischen Kernkraftwerks Fukushima Daiici könnte laut Behördenangaben stark beschädigt sein. Behördensprecher Hidehiko Nihiyama sagte, in Block 3 der Anlae „könnte etwas beschädigt worden sein“. Daten deuteten darauf hin, dass „gewisse Funktionen der Sicherheitshülle“ noch erhalten seien. Nishiyama zufolge gebe es zurzeit keine Daten, etwa wie über den Druck, die vermuten ließen, dass der Reaktordruckbehälter beschädigt sei, so die japanische Nachrichtenagentur Kyodo in Berufung auf eine Pressekonferenz heute Nachmittag japanischer Zeit. Es bleibe unsicher, wodurch das Leck, durch das das radioaktiv kontaminierte Wasser austrat, entstanden sei. Der Verdacht einer Beschädigung sei aufgekommen, nachdem zwei Arbeiter von hohen Strahlendosen getroffen worden seien und Verbrennungen erlitten hätten. Die Ursache sei aber noch unklar, erklärte der Sprecher. Die Arbeiter waren am Donnerstag verstrahlt worden, als sie in radioaktiv kontaminiertes Wasser getreten waren. Nach Angaben der Betreiberfirma Tepco hätten die beiden verstrahlten Arbeiter jedoch keine Stiefel getragen, wie zumeist in Agenturmeldungen angegeben wird.

Aufgrund der Gefahr der Versalzung durch das für die Kühlung benutzte Seewasser wolle man so schnell wie möglich auf Frischwasser umstellen, so Tepco. Vordringlich sei dies bei Block 3. Dies sollte heute Morgen geschehen sein.

Beobachter schlossen aus den Behördenangaben, dass der Schaden am Reaktorkern entstanden sein könnte, das Ausmaß aber begrenzt sei. Um 7 Uhr hiesiger Zeit meldeten die ersten Agenturen, laut der Vermutung eines Mitarbeiters der Atomsicherheitsbehörde könnte der Kern eines Reaktors beschädigt sein.

Der Schaden könnte auch an anderen Teilen entstanden sein, etwa an Rohrleitungen oder dem Abklingbecken, erklärten Behördenvertreter. Sollte tatsächlich der Reaktorkern betroffen sein, könnte die Radioaktivität in der Umgebung des Kraftwerks deutlich ansteigen.

Die Zahl der nach Erdbeben und Tsunami in Japan geborgenen Toten überschritt am Freitag die Marke von 10 000. Mehr als 17 000 Menschen werden nach Polizeiangaben noch vermisst. Hunderttausende Überlebende sind weiterhin in Notunterkünften untergebracht. 660 000 Haushalte sind von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten, rund 210 000 Haushalte haben keinen Strom.

Am Freitag wollte die EU Lehren aus dem Atomunglück ziehen. Es deute sich an, „dass wir zu vergleichbaren Stresstests für die Kernkraftwerke kommen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Auftakt des zweiten EU-Gipfeltages in Brüssel. Es reiche nicht, sich nur auf nationalem Niveau um die Sicherheit der Kernkraftwerke zu kümmern. Vielmehr müsse sich Europa verpflichten, „Sicherheit auf höchstem Niveau“ zu erreichen.

Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker forderte, dass die Sicherheitstests von unabhängigen Experten durchgeführt werden und nicht von Leuten, „die mit der Atomlobby verbandelt sind“. Zudem müssten die Tests „in vollster Transparenz“ erfolgen und die Ergebnisse jedermann zugänglich gemacht werden.

In der EU gibt es 143 Kernkraftwerke. Vor allem Großbritannien hatte sich dagegen gewehrt, seine Kraftwerke europäischen Normen zu unterwerfen. Der Plan der EU-Kommission sieht vor, dass bis zum Juni die Modalitäten festgelegt werden. Dann sollen die Tests von den nationalen Behörden durchgeführt und die Ergebnisse nach Brüssel gemeldet werden.

Mit Materialien der Nachrichtenagentur dapd und Reuters, der GRS und der JAIF

Fukushima, Update 11, 24.3.2011, 9.30 Uhr MEZ

Mühsame Arbeiten am KKW in Fukushima Daiichi – Drei Einsatzkräfte verstrahlt

Im havarierten japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi sind drei Einsatzkräfte verstrahlt worden. Zwei Arbeiter seien dabei an den Beinen verletzt und zur Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert worden, teilte ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde, Fumio Matsuda, am Donnerstag mit. Die Füße der Arbeiter seien mit radioaktiven Elementen in Berührung gekommen.

Zu dem Unfall kam es, als die Einsatzkräfte Stromkabel im Reaktorblock 3 verlegten. Die Arbeiter seien Strahlungswerten von 180 mSv ausgesetzt gewesen, sagte Matsuda. Die japanische Regierung hatte den Maximalwert für Arbeiter in dem beschädigten Atomkraftwerk kürzlich auf 250 mSv erhöht. Seit dem nuklearen Störfall wurden in Fukushima Daiichi rund zwei Dutzend Menschen verletzt.

Am Donnerstagmorgen hatte der Betreiber der Anlage, Tokyo Electric Power Co. (Tepco), die Arbeiten zur Wiederherstellung der Stromversorgung und zur Inbetriebnahme der elektrischen und elektronischen Anlagen und Geräte sowie der Kühlfunktionen wieder aufgenommen. Schwarzer Rauch aus Reaktorblock 3 hatte die Arbeiten am Mittwoch um 16.00 Uhr Ortszeit wieder unterbrochen, heute Morgen um 4.50 Uhr japanischer Ortszeit habe der Rauch jedoch aufgehört. Seit 5.30 Uhr seien die Arbeiten zur Wassereinspeisung in das Brennelementelager von Block 3 wieder aufgenommen worden. Das Strahlungsniveau sei durch den schwarzen Rauch nicht erhöht worden, so die Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA).

Um 9.00 Uhr sendete der Nachrichtensender NHK Bilder, wie gegen 7.00 Uhr „dampfartige Substanzen“ über allen Reaktorblöcken aufstiegen. Es sei das erste Mal, dass dies auch bei Block 1 beobachtet werde, hieß es vom Japan Atomic Industrial Forum (JAIF). Laut JAIF sei ein hoher Strahlungswert („high-dose rate“) im Turbinengebäude von Block 2 gemessen worden.

Das Wissenschaftsministerium hat Messungen zur radioaktiven Belastung des Ökosysteme im Umfeld des Kernkraftwerkes aufgenommen, um Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Fischerei abschätzen zu können. Auch in einer Nachbarregion zu Tokio – in einer Wasseraufbereitungsanlage in Kawagchi – sind im Trinkwasser erhöhte Werte festgestellt worden, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo. Demnach überschreitet die Strahlung mit 120 Bq an radioaktivem Jod leicht die für Säuglinge erlassenen Grenzwerte. In Tokio wurden am Mittwoch im Wasser 210 Bq festgestellt. Die Behörden riefen dazu auf, Leitungswasser nicht mehr für Babys zu benutzen. swe

Mit Materialien der Nachrichtenagentur dapd, Reuters und Kyodo, der GRS, des JAIF und der NISA

Fukushima, Update 10, 23.3.2011, 14.30 Uhr MEZ

Arbeiten im KKW Fukushima Daiichi weiterhin hochriskant

Die Rettungsarbeiten an den vier havarierten Kernreaktoren 1 bis 4 des japanischen Kernkraftwerks Fukushima Daiichi gestalteten sich am Mittwoch schwierig. Die Betreiberfirma Tokyo Power Electric (Tepco) teilte mit, dass ihr um 16.20 Uhr Ortszeit (8.20 Uhr hiesiger Zeit) mitgeteilt worden sei, dass erneute Rauch aus dem Gebäude von Reaktor 3 aufgestiegen sei, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Daraufhin seien die Arbeiter evakuiert worden. Eine Stunde später habe jedoch der Rauch nachgelassen. Das Strahlungsniveau sei kurz nachher unverändert gewesen. Kurz nach Entdeckung des Rauchs aus Reaktor 3 betrug die radioaktive Belastung nach Angaben der Atombehörde 283,7 Mikrosievert. Zwei Stunden zuvor habe sie bei 435 Mikrosievert gelegen. Die Regierung erklärt, es bestehe keine Notwendigkeit, die Evakuierungszone um das KKW auszuweiten. Das bedeute, dass der Rauch nicht massiv radioaktive Materialien freigesetzt habe, so die staatliche Nuklearsicherheitsbehörde NISA.

Dennoch ist die Strahlenbelastung heute im Bereich von Reaktor 2 nach Angaben der japanischen Atomaufsicht so hoch wie noch nie. Strahlungswerte von über 500 mSv/h verhindern bisher Arbeiten zur Wiederherstellung der elektrischen Versorgung in der Leitwarte des Reaktors.

Sorgen machen Betreiber und Behouml;rden auch die höheren Temperaturen in den Reaktordruckbehältern der Reaktoren 1 und 3. NISA spricht bei Reaktorblock 1 von 400 °C, der Grenzwert liegt bei 302 °C. Daraufhin, so die Gesellschaft für Anlagen- ud Reaktorsicherheit in Köln, sollte die Kernkühlung durch weitere Stränge für die Einspeisung von Meerwasser verbessert werden.

Gestern war es Tepco gelungen, alle vier Reaktoren wieder ans Stromnetz anzubinden. Im Kontrollraum für den Reaktorblock 3 brennt wieder Licht. Jetzt gilt es einzeln zu prüfen, in welchem Zustand die elektrischen Verbraucher in den jeweiligen Reaktoren sind, bevor die Stromversorgung wieder erfolgen kann und die Komponenten wieder in Betrieb genommen werden können.

Seit Dienstagnachmittag Ortszeit wird versucht mit einer Autobetonpumpe, die einen 50 m langen Arm hat, gezielt von oben Wasser in das Abklingbecken zu füllen. Hersteller ist die deutsche Firma Putzmeister im baden-württembergischen Aichtal. Eine zweite Pumpe werde bereitgehalten. Das Abklingbecken in Reaktor 2 ist unterdessen nach Angaben der japanischen Atomaufsicht wieder mit Wasser gefüllt.

In einer Wasseraufbereitungsanlage in der Hauptstadt Tokio wird den Behörden zufolge erhöhte Radioaktivität gemessen. Das Wasser solle Säuglingen nicht gegeben werden.

Der Norden Japans ist von einem weiteren Nachbeben der Stärke 6,0 erschüttert worden. Die Erdstöße trafen Gebiete in der Nähe der Unglücksreaktoren von Fukushima, wie der Fernsehsender NHK berichtete. Berichte über Verletzte oder Schäden lagen zunächst nicht vor.

Japans Polizei beziffert die Zahl der bestätigten Todesopfer mit 9080. Vermisst werden 13 561 Menschen. Die Zahl der Evakuierten beträgt 268 510. Sie sind in Lagern überall im Land untergebracht. Die Regierung hatte in einem Radius von 20 km um das beschädigte Kernkraftwerk Fukushima evakuieren lassen. 177 500 Anwohner verließen die Region. Mindestens 14 717 Gebäude wurden nach Polizeiangaben komplett zerstört. swe

Mit Materialien der Nachrichtenagentur dapd und Reuters, der GRS und der JAIF

Fukushima, Update 9, 22.3.2011, 10.00 Uhr MEZ

Stabilisierung der Reaktoren des KKW Fukushima Daiichi von Rückschlägen begleitet

Mit Rauch über Reaktorblock 2 hat am Dienstag ein weiterer Tag im Kampf gegen eine nukleare Katastrophe im japanischen KKW Fukushima Daiichi begonnen. Immer wieder über Reaktorblöcken stehender Rauch und Dampf haben in den letzten Tagen Fortschritte in Frage gestellt. Nach einer fast zehnstündigen Unterbrechung hat der Betreiber der verunglückten Atomreaktoren, Tokyo Electric Power (Tepco), am Dienstagnachmittag Ortszeit dennoch die Arbeiten am Stromnetz wieder aufgenommen. Der ausgetretene Dampf habe aus dem Abklingbecken gestammt, sei aber ungefährlich gewesen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. „Wir haben entschieden, dass es sicher ist, weiterzuarbeiten“, erklärte ein Sprecher. Auch die Messung der Radioaktivität im Umkreis ergab nch Angaben der Behörde zunächst keine erhöhten Werte.

Das von Erdbeben und Tsunami schwer beschädigte Atomkraftwerk ist zumindest teilweise wieder ans Stromnetz angeschlossen. Für Block 2 bringt das keine schnelle Hilfe, da dort nach Angaben von Tepco die Pumpen kaputt sind. Es seien Ersatzumpen mit höchster Dringlichkeitsstufe bestellt worden, hieß es. Unklar sei, wann sie eintreffen. Mit dem Anschluss der Reaktorblöcke an die Stromversorgung hoffen die Techniker im Krisenstab von Fukushima, die regulären Kühlsysteme wieder in Gang bringen zu können.

Sollten die Kühlsysteme einmal repariert sein und wieder funktionieren, könne die Lage in Reaktorkernen und Abklingbecken innerhalb eines Tages normalisiert werden, sagte ein weiterer Vertreter der Atomsicherheitsbehörde, Ryohei Shiomi. Und falls nicht? „Wir können nichts anderes tun als das, was wir bisher schon machen“, sagte er. Also versuchen, die Anlage mit Meerwasser zu kühlen und hoffen, dass das auf Dauer funktioniert.

Die Internationale Atombehörde (IAEA) sieht in Fukushima eine leichte Entspannung. „Wir beginnen, einige positive Entwicklungen zu sehen“, sagte Behördenchef Yukiya Amano in Wien.

Ein Sprecher der amerikanischen Atomaufsicht in Washington, Bill Borchardt, sagte, die Reaktorkerne der Blöcke 1, 2 und 3 seien beschädigt, deren Schutzhüllen seien aber intakt. „Ich würde optimistisch sagen, dass sich die Dinge kurz davor sind, sich zu stabilisieren“, sagte er.

Zudem wurde teils massiv erhöhte Radioaktivität gemessen – im Meer vor dem havarierten Kernkraftwerk, aber auch im Trinkwasser. Nach Angaben von Tepco vom Montag betrugen die Werte für radioaktives Jod das 127-Fache des Normalwerts. Für radioaktives Cäsium war der Wert 25-mal so hoch wie sonst üblich. Die japanische Regierung weitet jedoch die Sicherheitszone rund um die Unglücksreaktoren nicht aus. „Im Moment ist dies nicht nötig“, sagt Regierungssprecher Yukio Edano heute Mittag.

In Deutschland soll das Expertengremium für die Sicherheit deutscher KKW bereits in der kommenden Woche strengere Vorgaben für die hiesigen Reaktoren vorlegen. „Die Reaktorsicherheitskommission wird Ende des Monats einen Anforderungskatalog vorlegen“, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Rudolf Wieland, der Financial Times Deutschland. Er kündigte zugleich schärfere Regeln für die Betreiber an, besonders beim Notfallschutz. „Ich glaube, dass es wegen Fukushima in Deutschland zu materiellen Änderungen bei den Sicherheitsanforderungen kommen wird“, erklärte Wieland. Die 16 Experten der Kommission wurden wegen der Atomkatastrophe in Japan vom Bundesumweltministerium beauftragt, die Standards deutscher Reaktoren zu prüfen. Der Anforderungskatalog soll die Grundlage dafür bilden.

Angesichts der Katastrophe in Japan trat als erste US-Firma der Energiekonzern NRG Energy bei seinen Entwicklungsplänen für Kernreaktoren auf die Bremse. Die regulatorischen Unsicherheiten seien zu groß, um weiter Geld in ein 10 Mrd. $ schweres Reaktorprojekt in Texas fließen zu lassen, teilte NRG mit. Der Entwickler kerntechnischer Anlagen hatte bei der Entwicklung der Reaktoren eng mit Tepco zusammengearbeitet, dem Betreiber der Reaktoren in Fukushima.

Die US-Atomaufsichtsbehörde hatte eine Nachprüfung aller Anlagen angeordnet und damit die Unsicherheit über mögliche notwendige Änderungen beim Bau sowie über eine längere Wartezeit bei neuen Lizenzen geschürt. swe

Mit Materialien der Nachrichtenagentur dapd und Reuters, der GRS und der JAIF

Fukushima, Update 8, 21.3.11, 14.00 Uhr MEZ

Lage in Fukushima laut IAEA weiterhin „sehr ernst“

Die Lage in Japan bleibt infolge der Probleme am KKW Fukushima Daiichi nach Einschätzung der Internationalen Atomenergieagentur IAEA in Wien „sehr ernst“, so die Nachrichtenagentur Reuters. Zugleich erklärt der japanische Chef der UN-Behörde, Generaldirektor Yukiya Amano, er habe keine Zweifel, dass die Krise gemeistert werde. „Selbst wenn bestimmte Dinge glatt gehen, wird es auch Rückschläge geben“, sagte Kabinettssekretär Yukio Edano am Montag. „Im Augenblick sind wr nicht so optimistisch, dss es enen Durchbruch gibt.“

Nach einer plötzlichen Rauchentwicklung im japanischen KKW Fukushima Daiichi sind dort am Montag die Einsatzkräfte evakuiert worden, berichtet die Nachrichtenagentur dapd. Aus Block 3 der Anlage sei grauer Rauch aufgestiegen, erklärte der Sprecher der Betreibergesellschaft Tepco, Hiroshi Aizawa, Arbeiter mussten um 15.55 Uhr Ortszeit die Anlage verlassen. Derzeit suche man nach den Ursachen dafür, erklärte ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde. Über Block 2 sei nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji weißer Rauch zu sehen gewesen.

Woher der Rauch genau stammte, war zunächst unklar. Tepco erklärte, der Rauch von Reaktorblock 3 sei aus einem Bereich aufgestiegen, in dem sich ein Abklingbecken für Brennstäbe befindet. Die Atomsicherheitsbehörde erklärte, sie gehe nicht davon aus, dass der Rauch im Zusammenhang mit dem Abklingbecken stehe. Eine Explosion hatte sich vor dem Aufsteigen des Rauches offenbar nicht ereignet. Auch die Messung der Radioaktivität im Umkreis ergab nach Angaben der Behörde zunächst keine erhöhten Werte. Der Druck in Block 3 war noch Sonntag früh auf 340 kPa gestiegen, lag jedoch Montagmittag Ortszeit bei nur noch 120 kPa.

Alle sechs Reaktorblöcke des japanischen Unglückskraftwerks Fukushima sind nach Angaben der Betreiberfirma Tepco wieder „teilweise“ mit dem Stromnetz verbunden. Als Letztes seien die besonders schwer beschädigten Blöcke 3 und 4 wieder angeschlossen worden, teilte das Unternehmen am Montag mit.

Die Regierung teilt mit, Reaktorblock 4 werde sehr bald mit Strom versorgt. Es wird gehofft, dass so die Kühlanlage wieder anspringt.

Japanische Soldaten hatten am Montagmorgen wieder damit begonnen, Reaktorblock 4 zu kühlen. In den Reaktorblöcken 5 und 6, den am wenigsten beschädigten, läuft seit dem Anschluss ans Stromnetz die Kühlung wieder sie gelten inzwischen als sicher. Ebenfalls wieder am Stromnetz sind die Blöcke 1 und 2. Im Reaktor 5 arbeite eine Pumpe bereits wieder mit Elektrizität aus dem Netz. Der Strom wird dazu benötigt, um die Kühlsysteme der Reaktoren wieder in Gang zu bringen. Erstmals gab der Statusbericht um 22.00 Uhr Ortszeit wieder die Wassertemperatur des Abklingbeckens in Reaktorblock 2 an. Gegen 14.30 Uhr seien 50 °C gemessen worden.

Derweil wurdeim Trinkwasser der japanischen Hauptstadt Tokio radioaktives Cäsium nachgewiesen. Am Montag riet das Gesundheitsministerium zudem den etwa 6000 Bewohnern des Dorfes Iitate wegen erhöhter Werte radioaktiven Jods im Wasser davon ab, Leitungswasser zu trinken. Iitate liegt etwa 30 km nordöstlich des Atomkraftwerkes Fukushima.

Ein Sprecher des Ministeriums sagte zu den Werten von Iitate, es sei Wasser mit dreimal höheren Werten als normal. In allen Fällen sei die Verstrahlung jedoch zu gering, um unmittelbare Schäden zu verursachen. Im Gegensatz zu verstrahltem Jod, das nach etwa acht Tagen zerfällt, können sich radioaktive Isotope wie Cäsium-137 und Uran-238 über Jahrzehnte in der Natur halten.

Die japanische Regierung zieht Konsequenzen aus Warnungen über wahrscheinlich erhöhte Strahlenwerte in Lebensmitteln aus den verseuchten Gebieten. Sie verbietet die Lieferungen von Frischmilch aus der Präfektur Fukushima sowie von Spinat aus mehreren angrenzenden Bezirken.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt die radioaktive Verseuchung japanischer Lebensmittel „ernst“. Es handele sich nicht um ein örtlich einzugrenzendes Problem. „Es ist sehr viel ernster als zuvor angenommen“, sagte ein Sprecher des WHO-Büros für die Region West-Pazifik in Manila der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. In den ersten Tagen nach dem verheerenden Erdbeben hätten sie noch mit der Beschränkung des Problems auf einen Umris von bis zu 30 km gerechnet. „Aber höchstwahrscheinlich sind einige kontaminierte Produkte aus der verseuchten Region herausgekommen“, sagte Sprechr Peter Cordingley weiter. Die WHO habe aber bisher keine Hinweise darauf, dass kontaminierte Nahrungsmittel aus der Region Fukushima in andere Länder gelangt seien.

Bei der Inspektion des KKW Fukushima Daiichi hat es offenbar massive Unregelmäßigkeiten gegeben. Das geht aus einem Bericht der japanschen Atomsicherheisbehörde hervor, der neun Tage vor dem verheerenden Erdbeben und dem anschließenden Tsunami veröffentlicht wurde. Demnach ließ der Betreiber Tepco 33 Teile der Anlage nicht inspizieren. Darunter hätten sich Notstromgeneratoren, Pumpen und andere Teile des Kühlsystems befunden – darunter Notstromdieselgeneratoren für Reaktor 3, Pumpen für die Einheiten 1 und 2 und Generatorenteile für Reaktor 4. Die Aufsichtsbehörde war mit Schlussfolgerung zurückhaltend: „Bislang können wir keine unmittelbare Verbindung zum jüngsten Unfall ziehen. Wir müssen die Untersuchung abwarten, wenn wir die derzeitige Krise entschärft haben“, mahnte Ryohei Shiomi von der Atombehörde besonnenes Vorgehen an. Nach der Katastrophe vom 11. März hatte die Behörde allerdings bemängelt, dass die Notsysteme des KKW ebenerdig untergebracht waren und so leicht vom Tsunami überschwemmt und zerstört werden konnten.

Schon vor der jüngsten Katastrophe hatte es wiederholt Kritik an Tepco wegen nachlässiger Wartung seiner Kernkraftwerke gegeben. swe

Mit Materialien der Nachrichtenagentur dapd und Reuters, der GRS und der JAIF

Fukushima Update 7, 20.3.2011, 22 Uhr 00

In Japan steigt die Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgang der Störfälle in Fukushima.

Den 300 Ingenieuren in der Gefahrenzone des havarierten KKW Fukushima Daiichi gelang es am Sonntag, den Reaktorblock 2 wieder ans Stromnetz anzuschließen. Gleichzeitig begannen Rettungskräfte damit, Meerwasser in das Abklingbecken des Reaktors zu pumpen. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Damit sind vier der sechs Blöcke wieder mit Elektrizität versorgt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Zwar blieb zunächst unklar, ob alle Maschinen und Pumpen in dem durch Erdbeben, Tsunami und Explosionen beschädigten Kraftwerk überhaupt noch funktionieren. Die Betreiber hofften jedoch, am Montag oder Dienstag die Wende erzielen zu können.

„Ich glaube, die Situation wird Schritt für Schritt besser“, sagte Staatssekretär Tetsuro Fukuyama. Nach den Arbeiten vom Sonntag verfügten die Blöcke 1, 2, 5 und 6 wieder über Strom. Die Einspeisung von Meerwasser in das Brennelemente-Lagerbecken wrd am 20.03.2011 um 15:05 Uhr begonnen, meldete das Japan Atomic Industrial Forum (JAIF).

Die Lage in Reaktor 3, in dem Plutoniumhaltige Mischoxid-Brennelemente im Einsatz waren, schien sich nach stundenlanger Kühlung mit Hunderten Tonnen Wasser durch Löschzüge der Feuerwehr ebenfalls zu stabilisieren. Nach Angaben der Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA) stieg der Containment-Druck am 20.03.2011 auf 320 kPa. Zuerst wurde davor gewarnt, es könnte nötig sein, zu Entspannung Dampf in die Umgebung abzulassen. Es wurden erfolgreich Maßnahmen zur Verringerung des Drucks ergriffen. Ein erneutes Venting erwies sich als nicht erforderlich, so die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit in Köln (GRS).

Anfang der Woche soll dann Reaktor 4 in Angriff genommen werden. Seit Sonntag morgen wurden dort insgesamt rund 160 t Meerwasser in das Brennelemente-Lagerbecken eingesprüht. Sollte die Lage auch dort stabilisiert werden können, wäre dies der Wendepunkt in dem Kampf gegen einen drohenden Super-GAU. Nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco, so berichtet die Tagesschau, werde es noch Tage dauern, bis auch die Reaktorblöcke 3 und 4 wieder mit Strm versorgt werden können.

Wenn sich die Lage in den Blöcken 3 und 4 so nicht stabilisieren ließe, müssten radikalere Maßnahmen wie der Bau eines Betonsarkophags wie nach dem Tschernobyl-Unfall 1986 erwogen werden.

Panzer der japanischen Steitkräfte sollen helfen, Trümmer auf dem Gelände des beschädigten KKW aus dem Weg zu räumen. Mit vormontierten Bulldozerschaufeln sollen Trümmer aus dem Weg geräumt werden, um den Helfern den Zugang für die Elektrifizierung der und den Zugang zu den Reaktorblocken zu erleichtern.

Die Lage in den Reaktorblöcken 5 und 6 hat sich stabilisiert. Die Betreiberfirma Tepco erklärte am Sonntag, in den Blöcken sei die Temperatur durch permanentes Einpumpen von Wasser soweit gesunken, dass die Becken nun wieder sicher seien. Allerdings seien die Blöcke 5 und 6 die am wenigsten problematischen der insgesamt sechs Reaktorblöcke. Die Temperaturen lagen Sonntag Abend 22 Uhr 00 japanischer Zeit bei 35, 2°C (Block 5) und 30,0°C (Block 6)

Allerdings wurde – wie berichtet – zunehmend Radioaktivität in der Umwelt nachgewiesen. Die japanische Regierung hat der Bevölkerung in der Präfektur Fukushima empfohlen, das dortige Leitungswasser nicht zu trinken. Die radioaktive Belastung könnte zu hoch sein.

Unterdessen gingen die Bergungs- und Aufräumarbeiten nach dem Beben und dem nachfolgenden Tsunami weiter. In der zerstörten Stadt Ishinomaki wurden Medienberichten zufolge neun Tage nach der Katastrophe eine 80-jährige Frau und ein 16-jähriger Jugendlicher aus den Trümmern gerettet. Die Zahl der Opfer stiegt unterdessen weiter. Die Polizei in der Präfektur Miyagi ging davon aus, dass es allein dort 15 000 Tote gegeben haben dürfte. Eine Viertelmillion Menschen haben weiter keinen Strom, eine Million kein Trinkwasser.

Das Beben mit der Stärke von 9,0 war das schwerste in Japan seit dem Beginn genauer Aufzeichnungen. Einen Wiederaufbau in dieser Größenordnung musste das Land zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg stemmen. Wirtschaftsminister Kaoru Yosano schätzte den wirtschaftlichen Schaden auf mehr als 20 Billionen Yen (175 Mrd. €).

Die USA kündigte an die Standorte für neue Kernkraftwerke zu überprüfen. Mit Sicherheit würden die Bauorte zukünftiger KKW andere sein, „als wo wir sie früher gebaut hätten“, sagte Energieminister Steven Chu dem Sender Fox News am Sonntag. Zudem müsse geprüft werden, ob bestehende Kernkraftwerke wie Indian Point im Bundesstaat New York weiter betrieben werden sollten. Die Entscheidung darüber liege bei der Atomaufsicht NRC. Von einem Unglück in Indian Point wären 20 Mio. Menschen in einem Umkreis von 80 km betroffen, darunter 8 Mio. in New York. US-Präsident Barack Obama hatte am Donnerstag eine Überprüfung der amerikanischen Kernkraftwerke angeordnet. An der Technologie selbst will er jedoch festhalten.

Die Betreiber der 17 deutschen Atomkraftwerke wollen während des von der Bundesregierung verhängten Atom-Moratoriums fünf weitere Reaktoren für die Revision vom Netz nehmen. Das geht aus der „Revisionsplanung 2011“ für die deutschen Kernkraftwerke hervor, wie die Zeitung „Die Welt“ (Montagausgabe) berichtet. Einschließlich des Kernkraftwerks Krümmel, das reparaturbedingt abgeschaltet ist, werden nach den Zeitplänen für die Revisionen Mitte Mai insgesamt 13 der 17 deutschen Atomkraftwerke übergangsweise nicht am Netz sein. Von der in Deutschland installierten nuklearen Nettoleistung von rund 20,5 GW stehen dann mehr als 15 GW oder knapp 75 % nicht zur Verfügung.

Die bereits zu Jahresbeginn festgelegten Revisionszeiträume überschneiden sich demnach zeitlich vor allem am Wochenende 21./22. Mai. An diesen Tagen produzieren mit Brokdorf, Neckarwestheim 2, Isar 2 und Grundremmingen C nur noch vier Atomkraftwerke Strom. Einen so hohen Ausfall von Atomkraftwerken hat es im deutschen Stromnetz seit Jahrzehnten nicht gegeben, wie die Zeitung weiter schreibt. swe

Mit Materialien von dapd und Reuters

Fukushima Update 6, 20.3.2011, 12 Uhr 00

Japanische Regierung: Mögliche Fortschritte im Kampf gegen GAU im KKW Fukushima

Die japanische Regierung spricht von Fortschritten im Kampf gegen einen GAU am Reaktorblock 3 des KKW Fukushima Daiichi. „Wir erwarten mehr oder weniger nichts Schlimmeres zu erleben als jetzt“, sagte Hidehiko Nishiyama von der japanischen Atomaufsichtsbehörde NISA. Regierungssprecher Yukio Edano berichtete, die Lage in den Reaktorblöcken 1, 2 und 3 habe sich stabilisiert.

Nach Angaben des Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) sei betätigt worden, dass die Kühlung durch die 13-stündige äußere Bewässerung seitens der Feuerwehr „gewisse Effekte“ erreicht habe. Seit dem Sonntag Morgen werde außerdem versucht das Abklingbecken im Reaktorblock 3 wieder zu füllen.

In den Morgenstunden wurde auch versucht mit Hilfe von 11 Feuerlöschfahrzeugen das Abklingbecken im Reaktorblock 4 mit 80 t Wasser aufzufüllen. Die Operation werde sich bis in den Nachmittag hinein fortsetzen, so das JAIF. Ob die Rettungstrupps wie erhofft an Block 4 auch eine Notstromversorgung anschließen konnten, ist noch nicht bekannt.

Dennoch scheint die Lage weiterhin prekär: So meldete Reuters um die Mittagszeit japanischer Zeit, es gebe wieder einen Druckanstieg im Block 3,. Dieshabe Hidehiko Nishiyama von der japanischen Nuklearsicherheitsbehörde mitteilte. Möglicherweise hätten die Bemühungen, den Reaktor mit Wasser zu kühlen, nichts bewirkt. Zur Druckentlastung werde etwas Gas abgelassen werden müssen, so dass die Strahlungswerte um die Anlage wieder steigen würden, sagte Nishiyama. Dadurch könnten sich auch die Arbeiten zur Wiederherstellung der Stromversorgung verzögern.

Die Temperaturen in den Reaktorblöcken 5 und 6 sinken und näheren sich nach Angaben des Government Nuclear Emergency Response Headquarters mit 40,1°C und 62,0°C (Ortszeit Sonntag, 3 Uhr 00) wieder normalem Niveau.

„Das Risiko verringert sich von Tag zu Tag“, sagte Graham Andrew von der Internationalen Atomenergieagentur IAEA. Die Dinge liefen in die richtige Richtung. Dennoch könne immer noch etwas Unerwartetes geschehen, mahnte er zur Vorsicht.

Die Zahl der Arbeiter vor Ort in Fukushima wurde inzwischen auf 500 verstärkt. Die Strahlendosis, bis zu der sie arbeiten dürfen, wurde – wie berichtet – von 100 mSv auf 250 mSv erhöht.Sechs Arbeiter warenbereits mehr als 100 mSv ausgesetzt, wie Betreiber Tepco berichtete. Andere Quellen berichten, die Arbeiter seien mehr als 250 mSv ausgesetzt gewesen.

Nach Angaben der japanischen Wetterbehörde dürfte Tokio am Sonntag weiterhin von der aus dem Atomkraftwerk Fukushima austretenden Radioaktivität weitgehend verschont bleiben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Für die Region um den Reaktor sagte die Behörde gleichzeitig Nieselregen voraus.

Unterdessen sind im Verlaf de Sonntags (Japan ist Deutschland 8 h voraus) im Großraum Tokio nach Angaben der Regierung radioaktiver Staub und Partikel gefunden worden. Risiken für die Gesundheit bestünden nicht, so die Behörden.

Als Folge des Erdbebens und es Tsunamis rechnet die Polizei allein in der Präfektur Miygi mit mehr als 15 000 Toten, berichet die Nachrichtenagentur Kyodo. Die bestätigte Zahl der Todesopfer wird derzeit mit 8133 angegeben. 12 272 Menschen werden noch vermisst. Die Rettungsteams bergen immer wieder Leichen aus den Trümmern. Zudem steigt die Zahl der Vermisstenmeldungen, weil immer mehr Überlebende nach dem ersten Schock die Polizei kontaktieren und Angehörige als verschollen melden. swe

Mit Materialien von dapd und Reuters

Fukushima Update 5, 19.3.2011, 22 Uhr 30

Japan: Radioaktive Lebensmittel entdeckt

Nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters sieht die Internationale Atomenergieagentur IAEA Fortschritte im Kampf um eine Stabilisierung der Reaktorstörfalle im KKW Fukushima Daiichi. „Aber ich glaube nicht, dass ich jetzt schon sagen könnte, dass sich die Dinge in eine gute Richtung entwickeln oder nicht“, sagte IAEA-Chef Yukiha Amano. Allgemein sei die Lage ähnlich wie am Freitag. Seitdem hat sich auch die Strahlung in den japanischen Großstädten nicht geändert, teilte die Behörde weiter mit.

In Fukushima kämpften Techniker, Feuerwehrleute und Soldaten weiter gegen die nukleare Katastrophe. Mit allen Mitteln versuchen sie, die Reaktoren zu kühlen, um Kernschmelzen zu verhindern. Nach Angaben im Status-Abendreport (22 Uhr 00 japanischer Zeit) des Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) sinkt außerdem im nicht geschädigten Reaktorblock 5 die Temperatur im Brennelementebecken.

Weiterhin wurde auch fieberhaft daran gearbeitet, die Anlage wieder ans Stromnetz anzuschließen. Am weitesten scheinen die Arbeiten am Reaktorblock zwei. Dort wurde eine externe Stromversorgung über einen Reservenetztransformator hergestellt. Heute sollten Kabel zu einer Behelfsschaltanlage gelegt werden. Doch auch wen de Anlage wieder am Strom ist, ist nicht sicher, ob die Kühlung auch funktionieren wird. Die Betreiberfirma hofft dennoch, das Kühlsystem am (morgigen) Sonntag wieder zum Laufen zu bringen.

Nach Einschätzung eines Strahlenexperten trat zuletzt wohl keine massive Radioaktivität mehr aus den Reaktoren aus.

Japan erwägt nach Angaben der IAEA, den Verkauf von Lebensmittelprodukten aus der Präfektur Fukushima zu stoppen. Begründet wurde die Maßnahme mit radioaktiven Jod in Spinat und Milch aus der Region. Im Trinkwasser von Tokio sind nach Angaben der Regierung geringe Mengen von radioaktivem Jod nachgewiesen worden. Die Radioaktivität sei mit 1,5 Bq/kg gemessen worden, verglichen mit einem zulässigen Höchstwert von 300 Bq/kg für Lebensmittel.

Nach dem Bekanntwerden des Fundes von verseuchten Lebensmitteln versuchte die Regierung, die Bevölkerung zu beruhigen. Sie stellten „kein unmittelbares Gesundheitsrisiko“ dar, sagte Regierungssprecher Edano. Man müsste dazu schon riesige Mengen zu sich nehmen, so Edano weiter. Wenn man die Milch ein Jahr lang trinke, entspreche die Strahlenbelastung jener bei einer Computertomographie (CT). Beim Spinat wäre es ein Fünftel eines Cts.

Tokio wurde um 11 Uhr hiesiger Zeit von einem weiteren schweren Nachbeben erschüttert, Gebäude wanken. Japanische Medien geben die Stärke zunächst mit 6,1 an.

Menschen, die aus der Region um die Anlage evakuiert worden waren, wurden indessen ebenso wie einige Notfallhelfer positiv auf Strahlenbelastung getestet. Sechs Arbeiter seien einer Strahlung von mehr als 250 mSv ausgesetzt gewesen, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Die Regierung hatte diesen Grenzwert am Dienstag auf 250 mSv heraufgesetzt.

Acht Tage nach dem Erdbeben und dem verheerenden Tsunami in Japan liegt mittlerweile die Zahl der Toten bei mehr als 7.600, vermisst werden noch mehr als 11.000 Menschen, 452.000 leben in Notunterkünften.

In Deutschland ging auch heute die Debatte über die Kernkraft weiter. Die Bundesregierung steht ungeachtet des Moratoriums bei den Atomkraftwerken weiter zur friedlichen Nutzung der Kernenergie. Dies hob Kanzleramtsminister Ronald Pofalla am Samstag auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Frankfurt am Main hervor. Er äußerte zugleich die Überzeugung, dass die rechtliche Grundlage für die vorübergehende Stilllegung der älteren Reaktoren mit entsprechenden Bestimmungen im Atomgesetz ausreicht. Aus den Reihen der Energiekonzerne geäußerte Zweifel an der rechtlichen Grundlage dafür wies der Chef des Bundeskanzleramts zurück. Die entsprechenden Bestimmungen im Atomgesetz, auf denen das Moratorium fuße, seien ausreichend, sagte Pofalla.

E.on-Chef Johannes Teyssen schloss unterdessen eine Verschärfung der Sicherheitsanforderungen für deutsche Kernkraftwerke angesichts der Atomkatastrophe in Japan nicht aus. Man werde hart daran arbeiten, das Vertauen der Mnschen in die Kernenergie neu zu gewinnen, sagte Teyssen dem Magazin „Focus“ laut Vorabbericht vom Samstag. „Dabei schließe ich mögliche höhere Sicherheitsanforderungen ausdrücklich ein.“

Zugleich betonte der E.on-Chef in einem Interview des „Spiegel“, die Kernenergie werde als Brückentechnologie noch eine ganze Zeit lang gebraucht. „Es dürfte jetzt schon äußerst schwer werden, das Stromnetz stabil zu halten“, sagte er mit Blick auf die vorläufige Abschaltung der sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke. „Noch weit reichendere Maßnahmen wären überhaupt nicht zu verkraften.“ Die Netze seien auf eine solch gravierende Umverteilung der Lasten nicht ausgelegt.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen drang auf einen möglichst raschen Ausstieg aus der Kernenergie. „Die Konsequenz aus den Ereignissen in Japan muss sein: Wir müssen alles daran setzen, schneller aus der Kernenergie herauszukommen“, sagte Röttgen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitungquot. Nun sei klar, dass die Laufzeiten der Kernkraftwerke auch immer Laufzeiten eines Restrisikos seien. „Dieses Restrisiko müssen wir neu bewerten, und wir müssen seine Dauer so kurz wie möglich halten“, erklärte der Umweltminister. swe

Mit Materialien von dapd und Reuters

Fukushima Update 4, 19.3.2011, 10 Uhr 30

Rettungsarbeiten in Fukushima erweisen sich als zäh – KKW Biblis A vom Netz

Der Anschluss der von einer Kernschmelze bedrohten Reaktorblöcke im KKW Fukushima Daiichi konfrontiert die Techniker mit großen Problemen, berichtet die Nachrichtenagentur dapd. Das neue Stromkabel hat die Anlage zwar erreicht. Die vielen von Erdbeben und Tsunami verwüsteten elektrischen Installationen müssten aber akribisch auf Risiken wie einer von Funkenflug verursachten Explosion geprüft werden, bevor der Strom fließen könne, teilte ein Sprecher der japanischen Atomaufsichtsbehörde, Hidehiko Nishiyama, am Samstag mit.

„Die meisten Motoren, Schaltpulte und Schaltschränke sind vom Tsunami überspült worden und können nicht verwendet werden“, sagte Nishiyama. Sprecher des Kraftwerkbetreibers Tepco hofften dennoch, vier der sechs Blöcke im Laufe des Samstags mit dem Kabel ans Stromnetz anschließen zu können. Tepco-Sprecher Teruaki Kobayashi sagte: „Es könnten Funken fliegen, ich kann ein Risiko nicht leugnen.“

Aber selbst, wenn der Anschluss ohne Funken und andere Probleme gelingen sollte, war nicht absehbar, ob die ebenfalls vom Tsunami getroffenen Kühlsysteme wieder anspringen. Die Atomtechniker in der von Erdbeben, Tsunami und Explosionen verwüsteten Anlage stehen unvermindert zwei Herausforderungen gegenüber: die Reaktorkerne und die Abklingbecken zu kühlen, um eine Kernschmelze zu verhindern. Eine Dampfwolke über Reaktorblock 3 signalisierte, dass der Kampf noch längst immer nicht ntschieden war.

Die Lage vor Ort ist für die Feuerwehrleute und Techniker weiterhin riskant. Gestern Abend japanischer Zeit hat nach Berichten des Japan Atomic Industrial Forum offenbar in Reaktorblock eine Wasserstoffverpffung stattgefunden. Hieß es noch um 16 Uhr, Wasserstoff habe sich oberhalb des Abklingbeckens gesammelt, gab der Statusbericht um 22 Uhr Ortszeit an, der Wasserstoff sei explodiert.

Feuerwehrleute versuchen derzeit mithilfe fernlenkbarer Feuerwehrwagen möglichst nahe an den Reaktorblock drei heranzufahren. So konnten kurz nach Mitternacht Ortszeit 60 t Wasser gezielt in den Reaktorblock eingebracht werden.

Die bisher unbeschädigten Reaktorblöcke 5 und 6 sind unterdessen besser mit Strom versorgt. Beide waren bisher an nur einem Notstromdieselaggregat angeschlossen, jetzt sind es zwei. Auch scheint in Block fünf die Pumpe für die Restwärmeabfuhr wieder zu arbeiten. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, dass dort die Temperatur im Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe gesunken sei. Bei beiden Anlagen gebe deshalb „keine unmittelbaren Bedenken“, so die Internationale Atomenergieagentur IAEA in Wien. Trotzdem ließ die Betreiberfirma als Vorsichtsmaßnahme Löcher in die Dächer beider Reaktoren bohren, um mögliche Wasserstoffexplosionen zu verhindern.

In der Nähe des KKW Fukushima ist nach Angaben des japanischen Regierungssprechers inzwischen Radioaktivität in Lebensmitteln wie Spinat und Milch nachgewiesen worden. Die IAEA empfiehlt Menschen, die das Gebiet um das KKW verlassen, die Einnahme von Jod.

In Deutschlands ist unterdessen ältestes Atomkraftwerk Biblis A komplett vom Netz genommen worden. Damit folge der Betreiber RWE der Anordnung des hessischen Umweltministeriums zur dreimonatigen Abschaltung der Anlage, teilte das Unternehmen am Samstag in Essen mit.

In Biblis war der etwas jüngere der beiden Reaktoren in Block B bereits vor gut zwei Wochen für eine Revision vom Netz genommen worden. RWE werde „die angestoßenen Sicherheitsüberprüfungen aktiv unterstützen“, teilte eine Sprecherin mit. Beide Blöcke entsprächen den deutschen Sicherheitsanforderungen. In den vergangenen Jahren eien 1,4 Mrd. € in die Modernisierung und Nachrüstung der beiden Blöcke A und B investiert worden. swe

Mit Materialien der Agenturen dapd und Reuters.

Fukushima Update 3, 18.3.2011, 20 Uhr 00

Fukushima-Störfall hochgestuft

Derzeit wird in Japan alles daran gesetzt, einen Super-GAU durch die Kühlung der Reaktoren noch zu verhindern, berichten Nachrichtenagenturen. Die japanische Nuklearbehörde stufte den Störfall der Reaktoren eins, zwei und drei heute morgen auf die Kategorie fünf hoch – die gleiche Kategorie wie der schwere Störfall im KKW Three Mile Island 1979 in den USA bei Harrisburg. In Tschernobyl war die höchste Stufe sieben erreicht worden.

Die Ankündigung des Unternehmens, das gesamte Kraftwerk möglicherweise unter einem Sarg aus Sand und Beton zu begraben, könnte ein Hinweis drauf sein, dass die Betreiberfirma Tepco ein Scheitern aller Rettungsversuche in Betracht zieht.

Doch auch ein Sarkophag wäre keine saubere Lösung, sondern könnte einen Teil des Landes für Jahrzehnte als radioaktiv verseuchte Brache zurücklassen, so die Agentur Reuters. Außerdem is der Reaktor derzeit noch so heiß, dass aus Sand theoretisch Glas werden könnte und auch die Aufschüttung einer stabilen Betonhülle die nächsten Wochen oder gar Monate scheitern würde.

Zurzeit sollen in Fukushima Daiichi etwa 300 Techniker in Schutzanzügen weiter mit Hochdruck daran arbeiten, eine Starkstromleitung zu zwei der sechs Reaktoren zu verlegen. Mit der neuen Energieversorgung könnten die Wasserpumpen zur Kühlung der überhitzten Brennstäbe vielleicht wieder gestartet werden – wenn die Pumpen noch funktionieren.

Der Strom zu den Unglücksreaktoren eins und zwei und vielleicht vier könnte bis Samstag wieder fließen, erklärte die Atomaufsicht. Einen Tag später könnte auch der Reaktor drei wieder mit Elektrizität versorgt sein.

Inzwischen wurden die Reaktoren weiter mit Wasser besprüht. Die Arbeiter konzentrierten sich dabei auf Reaktor drei, von dem die größte Gefahr ausgeht. Er wurde mit Mischoxid-Brennstäben betrieben, die sowohl Uran als Plutonium enthalten.

Eine weiteres Problem stellen alte Brennstäbe des Reaktors vier dar. Dieser befand sich zum Zeitpunkt des Erdbebens in Revision. Daher lagern die Brennstäbe noch in einem Abklingbecke. Unklar ist weiterhin, wie der Wasserstand in diesem Abklingbeckenit. Die Nuclear and Industrial Safety Agency in Japan gab in ihrem bisher letzten Bericht um 22 Uhr Ortszeit an, die Temperatur befinde sich dort bei 84°C. Üblicherweise sollte in Abklingbecken Temperaturen um die 25°C herrschen. Auch die Temperaturen in den Abklingbecken der Reaktorblöcke 5 und 6 bleiben mit 67,6°C und 65°C zu warm.

Unterdessen meldete die Nachrichtenagentur AP, das die aus Fukushima ausgetretene radioaktive Strahlung die Westküste der USA erreicht hat. Dass teilte ein Diplomat mit Zugang zu Messwerten der Vereinten Nationen am Freitag der Nachrichtenagentur AP mit. Die Werte seien jedoch minimal und stellten keine gesundheitliche Gefahr für den Menschen dar. Die in Kalifornien festgestellte Strahlung liege „etwa um das milliardenfache unterhalb dessen, was als bedrohlich eingestuft werde“, sagte der Diplomat.

Nach Berichten der Tagesschau hat die Tokioter Feuerwehr offenbar einen erneuten Kühlungsversuch bei Reaktorblock drei unternommen. Das berichte der japanische Fernsehsender NHK.swe

Mit Materialien der Agenturen dapd und Reuters

Fukushima, Update 2, 18 .3. 11, 10.30 Uhr MEZ

Betreiber erwägt Abdecken der Reaktorblöcke mit Sand und Beton

Der Betreiber des japanischen Unglücksreaktors Fukushima erwägt erstmals öffentlich, das Kraftwerk unter einer Schicht aus Sand und Beton zu begraben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. „Es ist nicht unmöglich, die Reaktoren mit Beton zu überziehen“, teilte Betreiber Tepco (Tokyo Electric Power) heute mit. Zunächst solle aber versucht werden, den Reaktor abzukühlen. Vielleicht sei die Abdeckung aber die einzige Möglichkeit, eine katastrophale Ausbreitung von Strahlung zu verhindern, sagten japanische Ingenieure.

Derzeit wird versucht, die Stromverbindung zumindest zu zwei Reaktoren wiederherzustellen, um die Kühlpumpen in Gang zu bringen. Zugleich besprühen Arbeiter den Reaktor Nr. 3 mit Kühlwasser. Die Situation in diesem Reaktor gilt als am gefährlichsten.

In ihrem aktuellen Zwischenbericht von heute Morgen berichtet die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln, nach Aussage von Tepco sei die Notstromversorgung für die Blöcke 5 und 6 hergestellt. Alle Bemühungen gelten der Sicherstellung der Kühlung der Abklingbecken für die Brennelemente der Blöcke 3 und 4. Es sei gelungen, ein Stromkabel vom Stromnetz zu Block 2 zu verlegen. Die Verbindung soll hergestellt werden, wenn der Einsatz von Wasserwerfern beendet ist, teilte die japanische Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA) mit. Dies soll nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo heute am Freitag 18. 03) oder morgen (19. ) erfolgen. Erst dann wird sich herausstellen, ob und inwieweit die Pumpen funktionsfähig sind.

Block 3 sei gestern vier viermal von Hubschraubern aus mit Seewasser besprüht worden. Wie effektiv der Abwurf von Tonnen von Wasser zur Kühlung der Reaktoren am Donnerstag war, konnte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Tepco am Freitag noch nicht sagen. Laut Kyodo sollen auch Stromleitungen zu den Blöcken 3 und 4 installiert werden. Die Arbeiten könnten am Sonntag (20. 03) abgeschlossen werden. Die bisher noch unbeschädigten Blöcke 5 und 6 und Fukushima Daiichi beziehen Strom durch den Dieselgenerator vom Block 1. Die Wassereinspeisung in die Brennelementebecken erfolgt durch das Kondensat-Reinigungssytem. Die Temperatur der Abklingbecken gab das Japan Atomic Industrial Forum jedoch heute Morgen weiterhin mit „steigend“ an.

Aus dem Reaktorblock 2 stieg auch heute wieder weißer Rauch auf. Die Ursache war zunächst nicht bekannt, sagte ein Sprecher der japanischen Atomaufsichtsbehörde. Regierungssprecher Yukio Edano erklärte unterdessen, die Bekämpfung der Probleme im benachbarten Block 3 hätten die höchste Priorität.

Zur Lage in Block 3 sagte Edano, Brennstäbe dort könnten teilweise ohne Wasserkühlung sein. Ohne nügend Wasser würden sie sich dann weiter erhitzen und möglicherweise erhöhte Strahlung abgeben. „Block 3 ist unsere höchste Priorität“, sagte Edano.

Der Regierungssprecher teilte mit, Japan habe ein Hilfsangebot der USA angenommen. Man koordiniere bereits mögliche Maßnahmen. Zuvor hatte der Leiter der US-Militärhilfe für Japan, Admiral Robert Willard, erklärt, er habe der japanischen Regierung eine lange Liste mit Bereichen übergeben, in denen die US-Streitkräfte helfen könnten. 450 Fachleute der Streitkräfte für radiologisches und Katastrophenmanagement stünden für einen möglichen Einsatz in Japan bereit. Der Vorsitzende der amerikanischen Atomaufsicht, Gregory Jazcko, sagte, es könne Tage und „möglicherweise Wochen dauern“, den Atomkomplex unter Kontrolle zu bringen.

Der aus Japan stammende Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, zurzeit in Besuch in Japan, fordert den japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan auf, mehr spezifische Informationen über die Situation in den eaktoren des Kernkraftwerks Fukushima bereitzustellen.

Am Freitagmorgen Ortszeit erhöht die Betreibergesellschaft Tepco den Grenzwert der Strahlenbelastung für die Arbeiter auf 100 mSv/h.

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleibt das Risiko der Strahlenbelastung nach dem Reaktorunglück in Japan lokal begrenzt, berichtet die Nachrichtenagentur dapd. Es gebe „keine Hinweise auf eine signifikante Verbreitung von radioaktivem Material“ abseits der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, sagte der Leiter der WHO in China, Michael O“Leary. Außerhalb einer Zone von 30 km rund um das Kraftwerk besteht nach Auffassung von Gesundheitsexperten nur ein geringes Risiko. Dennoch überwachen China und andere asiatische Länder das Strahlungsniveau nun gründlicher als zuvor. dapd/rtr/swe

Mit Materialien der Nachrichtenagentur dapd und Reuters, der GRS und der JAIF

Fukushima, Update 1, 17 .3. 11, 16.00 Uhr  MEZ

Wind treibt Atompartikel auf den Pazifik

Das vom Erdbeben und dem Atomunglück gebeutelte Japan darf vorerst zumindest auf günstiges Wetter hoffen. Die radioaktiven Partikel aus dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima würden derzeit vom Festland auf den Pazifik treiben, sagte die Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes, Johanna Anger, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Die Wetterlage sei und bleibe günstig. Fü de Millionenmetropole Tokio bestehe derzeit keine Gefahr. Bereits am Mittwoch habe Westwind eingesetzt. In den kommenden Tagen komme der Wind aus Südwest. Die Prtikel würden weiter auf das Meer transportiert. Außerdem seien bis Sonntagabend keine Niederschläge zu erwarten. Demzufolge könnte eine radioaktive Wolke nicht über Japan ausgewaschen werden. Am Montag sei Regen möglich. dapd/swe

Mit Militärhubschraubern egen den Super-GAU/p>

Mit Wasserwerfern, Flughafenlöschfahrzeugen und Militärhubschraubern kämpfen die Helfer im japanischen Krisen-AKW Fukushima-Daiichi verzweifelt gegen die Ausweitung der Atomkatastrophe – bislang vergeblich, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Die Hubschrauber-Flüge zur Kühlung eines überhitzten Reaktors 3 wurden am Donnerstag nach vier Wasserabwürfen wieder eingestellt. Es sollte zunächst überprüft werden, ob die ungewöhnliche Maßnahme Erfolg zeige, erklärten die Behörden. Aufgrund der hohen Strahlenbelastung musste das Wasser im Vorbeifliegen abgeworfen werden. Ein ruhiges Kreisen der Helikopter und ein gezielter Wassereinsatz war dadurch nicht möglich. Der Boden der Hubschrauber war mit Bleiplatten verstärkt, um die Strahlung abzuschirmen. Auf Bildern des japanischen Fernsehens war deutlich zu sehen, wie sich das Wasser gleich nach dem Abwurf in einer weiten Fahne ausbreitete. Ebenfalls in Reaktor 3 versuchten Soldaten, 30 t Wasser in ein Abklingbecken zu pumpen, um verbrauchte Brennstäbe zu kühlen. Der Polizei gelang es zuvor nicht, das Becken mit Wasserwerfern zu füllen. Auch im Reaktorblock 4 soll das Abklingbecken nach Aussage von US-Experten quasi trocken sein. Versuche der japanischen Nationalpolizei mit Wasserwerfern zu kühlen schlugen aufgrund mangelnder Reichweite und der hohen Strahlung fehl, so das Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) . Zwischen 19 Uhr 45 und 20 Unr 09 Ortszeit versuchten am Donnerstag Einheiten der japanischen Streitkräfte nach Angaben des JAIF von speziell ausgerüsteten Lastwagen mit 30 t Wasser das Abklingbecken von Reaktorblock 3 zu füllen. Weiterhin sind die zumindest teilweise freigelegten Brenstäbe in den Abklingbecken der Reaktorblööcke 3 und 4 nach Angaben des JAIF die unmittelbarste Bedrohung. Was diese Bemühungen gebracht haben, werde noch geprüft. Unterdessen bemühten sich Arbeiter, ein neues Kabel zu verlegen, um die Pumpen, Ventile und Motoren zuverlässiger mit Strom zu versorgen. Möglicherweise wird die Stromleitung noch am Donnerstag fertig. Die Arbeit auf dem Reaktorgelände ist Experte zufolge trotzdem extrem gefährlich. Die Techniker seien dort Strahlendosen ausgesetzt, die mindestens ihr Krebsrisiko deutlich erhöhten. „Ich weiß nict, ie ich es anders sagen soll: Das ist wie ein Himmelfahrtskommando im Krieg“, sagt Professor Keiichi Nakagawa aus der Radiologieabteilung der Tokioter Universitätsklinik. Allerdings nimmt ie Strahlenbelastung mit der Entfernung u den Reaktrenschnell ab. Die außerhalb der Evakuierungszone gemessene Radioaktivität sei – obwohl erhöht – bislang ungefährlich. dapd/swe

Erdbeben - Tsunami - Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima

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Von Mez

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