Mehr CO2-Ausstoß 27.09.2013, 09:12 Uhr

China plant gigantisches Programm zur Kohlevergasung

China will in den nächsten Jahren so viele Kohlevergasungsanlagen bauen, dass westliche Forscher erhebliche Folgen für das Weltklima fürchten. Die Verbrennung von Synthesegas ist deutlich klimaschädlicher als die Nutzung normaler Kraftstoffe.

Kohlevergasungsanlage im tschechischen Vresová: Das dort erzeugte Synthesegas lässt sich zur Produktion von Treibstoffen und Chemikalien ebenso einsetzen wie für Kraftwerke. China will in den nächsten Jahren fast 40 Kohlevergasungsanlagen bauen und damit den CO2-Ausstoß massiv erhöhen, fürchten US-Forscher.

Kohlevergasungsanlage im tschechischen Vresová: Das dort erzeugte Synthesegas lässt sich zur Produktion von Treibstoffen und Chemikalien ebenso einsetzen wie für Kraftwerke. China will in den nächsten Jahren fast 40 Kohlevergasungsanlagen bauen und damit den CO2-Ausstoß massiv erhöhen, fürchten US-Forscher.

Foto: Siemens

Die Zentralregierung in Peking hat gerade den Bau von neun Großanlagen zur Produktion von insgesamt 37 Milliarden Kubikmetern Synthesegas im Jahr genehmigt. Zugleich planen Unternehmen in China den Bau weiterer 30 Anlagen, die zusammen jährlich 200 Milliarden Kubikmeter Synthesegas erzeugen sollen. Dabei wird von den Chinesen allerdings bisher nicht genannt, was mit dem so erzeugten Synthesegas beabsichtigt ist. Mit dem Gas könnte Strom produziert werden. Es könnte aber auch als Rohstoff für Chemieanlagen genutzt werden.

Amerikanische Befürchtungen über extreme Schadstoffbelastungen

Die chinesischen Pläne zur Kohlevergasung haben bei einzelnen amerikanischen Wissenschaftlern erhebliche Befürchtungen über zukünftige extreme Schadstoffbelastungen der Welt ausgelöst. Die Professoren Robert B. Jackson und Chi-Jen Yang von der Duke University in Durham/North Carolina fordern einen Aufschub der chinesischen Pläne, weil nach ihrer Einschätzung die knapp 40 vorgesehenen Anlagen in China über ihre zu erwartende Betriebszeit von 40 Jahren hinweg insgesamt rund 110 Milliarden Tonnen Kohlendioxid ausstoßen dürften.

Siemens Energy liefert acht riesige Kohlevergaser für die Kohlevergasungsanlage in Yili City in der chinesischen Provinz Xingjiang. Die Anlage wird Ende 2014 in Betrieb gehen und in der ersten Ausbaustufe aus Braunkohle rund zwei Milliarden Normkubikmeter synthetisches Erdgas (SNG) erzeugen. Forscher fürchten, dass der massive Ausbau der Synthesegas-Technik in China das Weltklima stark belasten wird.

Siemens Energy liefert acht riesige Kohlevergaser für die Kohlevergasungsanlage in Yili City in der chinesischen Provinz Xingjiang. Die Anlage wird Ende 2014 in Betrieb gehen und in der ersten Ausbaustufe aus Braunkohle rund zwei Milliarden Normkubikmeter synthetisches Erdgas (SNG) erzeugen. Forscher fürchten, dass der massive Ausbau der Synthesegas-Technik in China das Weltklima stark belasten wird.

Quelle: Siemens

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Dabei gehen die beiden Dozenten davon aus, dass die Kohlevergasung und spätere Elektrizitätserzeugung zu einer erheblich höheren Schadstoffbelastung führen wird, als wenn die Kohle einfach konventionell verbrannt und durch die dabei entstehende Wärme Strom produziert würde. Die Mehrbelastung durch die Zwischenstufe der Vergasung wird von den Forschern auf mindestens 36 und höchstens 82 Prozent des Schadstoffausstoßes der einfachen Kohleverbrennung zur Stromgewinnung veranschlagt.

Aber die Schadstoffberechnungen von Jackson und Yang gehen noch weiter. Würde das durch die Kohlevergasung entstehende Synthesegas in Kraftfahrzeugen als Treibstoff eingesetzt, läge die daraus hervorgehende Umweltbelastung beim Doppelten des Wertes, der beim Betrieb der gleichen Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotoren anfiele.

Vorteile der Wind- und Solarenergie werden zunichte gemacht

Zusammenfassend kommen Jackson und Yang zu der Einschätzung, dass in China durch den Bau der knapp 40 Kohlevergasungsanlagen alle Emissionseinsparungen zunichte gemacht würden, die sich aus den bisherigen chinesischen Investitionen in Windkraft und Solarenergie errechnen. Die amerikanische Studie lobt ausdrücklich die letzteren Investitionsanstrengungen, zeigt sich aber überaus besorgt über die Folgen, die die massive Kohlevergasung in China für die Gesundheit der Menschen in aller Welt haben könnte.

Sorge wegen des hohen Wasserbedarfs bei der Kohlevergasung

Über die mit der Kohlevergasung verbundenen Emissionen hinaus bereitet den US-Wissenschaftlern allerdings auch Sorge, dass die Kohlevergasungsanlagen einen ganz erheblichen Wasserbedarf aufweisen werden. Besonders hoch ist der Wasserverbrauch bei den neun Anlagen, die in den sehr trockenen, wüstenähnlichen Regionen wie Xinjiang und der Inneren Mongolei geplant sind. Diese neun Anlagen verbrauchten voraussichtlich mehr as 200 Millionen Tonnen Wasser im Jahr. Das werde den Wassermangel in diesen trockenen Regionen ganz erheblich verschärfen.

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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