2018 kommen Fahrverbote 18.05.2017, 13:36 Uhr

Auslaufmodell Diesel? Volvo baut keine Selbstzünder mehr

Steht der Dieselantrieb vor dem Aus? Jetzt hat Volvo angekündigt, keine neuen Dieselmotoren mehr zu entwickeln. Stattdessen setzen die Schweden auf sparsame Benziner und Elektroantriebe. Die Debatte wird das anheizen, zumal im nächsten Jahr die ersten Städte ihre Zentren für Dieselautos sperren werden.

Feinstaubalarm im Februar 2017 in Stuttgart: Ab 2018 dürfen Dieselautos unterhalb von Euro 6 nicht mehr nach Stuttgart fahren. Jetzt hat Volvo angekündigt, keine neuen Dieselmotoren mehr zu entwickeln. Volvo setzt auf Benziner, Elektromotoren und Plug-in-Hybride.

Feinstaubalarm im Februar 2017 in Stuttgart: Ab 2018 dürfen Dieselautos unterhalb von Euro 6 nicht mehr nach Stuttgart fahren. Jetzt hat Volvo angekündigt, keine neuen Dieselmotoren mehr zu entwickeln. Volvo setzt auf Benziner, Elektromotoren und Plug-in-Hybride.

Foto: Marijan Murat/dpa

„Aus heutiger Sicht werden wir keine neue Generation Dieselmotoren mehr entwickeln“, sagte der Volvo-Chef Hakan Samuelsson der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zwar will Volvo laut FAZ den erst 2013 eingeführten Diesel weiterentwickeln und an den verschärften Abgasgrenzwert Euro 6c anpassen. Aber dann ist Schluss mit Diesel bei Volvo. Und das ist ein Statement, denn die großen Volvo-Fahrzeuge, vor allem die SUV, werden vor allem mit Diesel ausgeliefert.

Diesel in Kleinwagen werden zu teuer

Der Volvo-Chef hält den Diesel zwar noch für unverzichtbar, um bis 2020 das 95-Gramm-Ziel beim Flottenverbrauch zu erreichen. Aber danach werde es zu teuer, um den Diesel noch sauberer zu bekommen. Gerade die SCR-Speicherkats sind teuer und werden von den meisten Herstellern schon jetzt vor allem in großen Autos eingebaut. Unübersehbar ist der Trend, dass Kleinwagen gar nicht mehr mit Diesel angeboten werden, weil die Abgasreinigung nicht mehr ins Preisgefüge passt.

Und wenn man auf modernste Technik verzichtet, werden selbst kleine Euro-6-Diesel zu Stinkern, wie zum Beispiel die Testreihen von auto motor und sport zeigen. Da hat ein Fiat 500 mit Dieselmotor die NOx-Grenzwerte im realen Straßenverkehr um das Zehnfache überschritten. Ein Problem, das auch andere Fiat-Modelle haben.

Kunstaktion zum Verkaufsstart des Fiat 500 im Jahr 2007 in Turin: Jetzt kommt die Dieselversion erneut in die Schlagzeilen. Demnach soll Fiat eine Manipulationssoftware verwenden, die die Abgasreinigung nach 22 Minuten Betriebsdauer abschaltet.

Kunstaktion zum Verkaufsstart des Fiat 500 im Jahr 2007 in Turin: Jetzt kommt die Dieselversion erneut in die Schlagzeilen. Demnach soll Fiat eine Manipulationssoftware verwenden, die die Abgasreinigung nach 22 Minuten Betriebsdauer abschaltet.

Foto: Gianluigi Arcaini/dpa

De Grund: Fiat hat offenbar eine Abschalteinrichtung in die Elektronik eingebaut, die nach 22 Minuten die Abgasreinigung abschaltet. Das hatte schon das Kraftfahrt-Bundesamt KBA festgestellt, jetzt gibt es weitere Hinweise auf die Abschaltelektronik. Demnach hat die Ruhr-Universität in Bochum die Stoppuhr in der Elektronik gefunden, die die Abgasreinigung unterbricht. „Was Fiat macht, ist eine einfache Stoppuhr, die einfach nur testet. Der Prüfzyklus dauert so etwa 20 Minuten. Was die dann machen: Nach etwa 22 Minuten schalten sie nach und nach ihre Filtersysteme ab“, so Prof. Thorsten Holz gegenüber dem NDR.

Volvo setzt auf Elektroantrieb statt Diesel

Den Diesel will Volvo durch Elektroantriebe und Plug-in-Hybride ersetzen. Das erste rein elektrische Auto wird Volvo wie bekannt 2019 vorstellen, Modelle mit Verbrennungsmotor bekommen zusätzlich einen Elektromotor und 48-Volt-Bordnetz. „Man muss schon anerkennen, dass es Tesla geschafft hat, ein solches Auto anzubieten, für das die Menschen Schlange stehen“, lobt Samuelsson in der FAZ. „In dem Bereich sollte für uns auch Platz sein, mit hoher Qualität und attraktivem Design.“

Greenpeace-Protest gegen Dieselautos: Der Dieselmotor gerät immer stärker unter Druck. Bei den ersten Fahrverboten für Euro-5-Diesel im kommenden Jahr dürften deren Restwerte in den Keller rauschen. Dabei sind diese Autos erst wenige Jahre alt.

Greenpeace-Protest gegen Dieselautos: Der Dieselmotor gerät immer stärker unter Druck. Bei den ersten Fahrverboten für Euro-5-Diesel im kommenden Jahr dürften deren Restwerte in den Keller rauschen. Dabei sind diese Autos erst wenige Jahre alt.

Foto: Lino Marcel Mirgeler/dpa

Das Volvo-Statement gegen den Diesel lässt aufhorchen, denn die deutschen Hersteller wollen am Diesel trotz des VW-Skandals und der Probleme mit Feinstaub, NOx und NO2 festhalten. So hatte erst im März BMW-Chef Harald Krüger auf dem auto motor und sport Kongress an die Branche appelliert: „Lassen sie uns den Diesel in Deutschland nicht kaputt reden.“ Der Diesel sei entscheidend, um die Klimaziele 2020 zu erreichen. „Der Diesel ist bis 2020, 2025 für die Effizienz eine ganz wichtige Maßnahme.“

40 % der Diesel erfüllen Euro 5 – und drohen Fahrverbote

Allerdings haben sogar Euro-5-Diesel, die erst wenige Jahre auf dem Markt sind, ein echtes Problem. Denn viele von ihnen stoßen so viel NOx aus, dass sie schon 2018 bei Feinstaubalarm in Stuttgart die Innenstadt nicht mehr befahren dürfen. Von solch einem Fahrverbot sind im Großraum Stuttgart mehr als 400.000 Dieselautos betroffen. Keine Kleinigkeit. Und aktuell erfüllen rund 40 % aller Dieselautos in Deutschland Euro 5 – und sind von Fahrverboten bedroht.

Entsprechende Fahrverbote drohen in ganz Deutschland. In 80 Städten übersteigt die Schadstoffbelastung der Luft die gesetzlichen Grenzwerte im Schnitt um das Doppelte. Und darauf müssen die Städte reagieren, denn die Einhaltung der Grenzwerte ist keine freiwillige kommunale Leistung, sondern Gesetz. Die EU pocht auf die Einhaltung, weil das Atmen von Feinstaub tief in die Lunge Krebs auslösen kann.

Restwerte von Dieseln werden in den Keller rauschen

Und so drohen im nächsten Jahr viele Fahrverbote, beispielsweise in Düsseldorf, Köln, Hamburg und München. Düsseldorf ist sogar gerichtlich aufgefordert, Fahrverbote zu erlassen, wenn anders die Grenzwerte nicht eingehalten werden können.

Zwei Messsonden zur Bestimmung der Feinstaubbelastung an der Corneliusstraße in Düsseldorf: In zahlreichen Städten drohen schon 2918 Fahrverbote für Dieselautos.

Zwei Messsonden zur Bestimmung der Feinstaubbelastung an der Corneliusstraße in Düsseldorf: In zahlreichen Städten drohen schon 2918 Fahrverbote für Dieselautos.

Foto: Felix Heyder/dpa

Dadurch baden die Städte und am Ende die Dieselfahrer aus, was die Autohersteller versäumt haben. Dass die Autoindustrie gefordert ist, auch „ältere“ Diesel sauberer zu machen, ist BMW-Chef Krüger bewusst. „Bei Bestandsautos muss man sehen, was noch möglich ist. Wir sind noch nicht am Ende.“ Allerdings sollte die Autoindustrie schleunigst nicht nur schauen, sondern praktikable Lösungen vorstellen. Denn die Restwerte von Euro-5-Dieseln werden in den Keller rauschen, wenn deren Fahrer ab 2018 erst ins Internet schauen müssen, ob sie heute in die Innenstadt fahren dürfen.

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