Gravitationswellen als Ursprung? 01.04.2026, 18:49 Uhr

Woher kommt Dunkle Materie? Mainzer Studie liefert neuen Ansatz

Dunkle Materie könnte aus Gravitationswellen stammen. Forschende liefern einen neuen Ansatz und stellen bestehende Modelle infrage.

Gravitationswellen

Gravitationswellen könnten im frühen Universum Teilchen erzeugt haben. Eine neue Theorie liefert einen Ansatz für Dunkle Materie.

Foto: Smarterpix / MP_foto71

Die Zusammensetzung unseres Universums bleibt eines der größten Rätsel der modernen Wissenschaft. Alles, was wir sehen – Planeten, ferne Sonnen und wir selbst –, macht lediglich etwa 4 % des Kosmos aus. Der gewaltige Rest entzieht sich unserer direkten Beobachtung. Etwa 23 % entfallen dabei auf die sogenannte Dunkle Materie. Sie hält Galaxien zusammen und formt die großräumigen Strukturen im All, doch ihre Natur ist völlig unklar.

Nun präsentiert ein Team um Professor Joachim Kopp von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Dr. Azadeh Maleknejad von der Swansea University einen neuen Mechanismus innerhalb bestehender Modelle. In ihrer im Fachmagazin Physical Review Letters veröffentlichten Arbeit beschreiben sie, wie Gravitationswellen im frühen Universum die Entstehung Dunkler Materie angestoßen haben könnten.

Wenn die Raumzeit Teilchen formt

Gravitationswellen sind winzige Verzerrungen der Raumzeit. Sie entstehen etwa, wenn Schwarze Löcher kollidieren. Die aktuelle Studie richtet den Blick jedoch auf sogenannte stochastische Gravitationswellen. Gemeint ist ein schwaches Hintergrundrauschen der Raumzeit, das überall vorhanden ist.

Dieses Signal stammt aus der extrem frühen Phase des Universums. Es entstand beispielsweise bei Phasenübergängen, als sich der junge Kosmos nach dem Urknall abkühlte, oder durch urzeitliche Magnetfelder. Die Forschenden gehen dabei einen Schritt weiter: Diese Wellen könnten selbst Teilchen erzeugt haben.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Hochschule Bremen-Firmenlogo
Professur (w/m/d), Bes. Gr. W2 für das Fachgebiet "Simulation und Regelung technischer Systeme" Hochschule Bremen
Pädagogische Hochschule Heidelberg-Firmenlogo
Mitarbeiter*in (m/w/d) Strategische Entwicklung und Begleitung des 'Campus der Zukunft' Pädagogische Hochschule Heidelberg
Heidelberg Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Heidelberg-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Tiefbau / Ver- und Entsorgung / Baubetrieb Staatliches Hochbauamt Heidelberg
Heidelberg Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Heidelberg-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Bergbautechnik / Tiefbau Staatliches Hochbauamt Heidelberg
Heidelberg Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauprojektleiter (m/w/d) Allbau Managementgesellschaft mbH
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur* im Anforderungsmanagement DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
Stadt Weinheim-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) im Bereich Landschaftsarchitektur, Landschafts- oder Freiraumplanung für die Gestaltung städtischer Außen- und Freianlagen Stadt Weinheim
Weinheim Zum Job 
Stadt Norderstedt-Firmenlogo
Ingenieur/in / Technische/r Mitarbeiter/in (w/m/d) Bereich Verkehrswesen Stadt Norderstedt
Norderstedt Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft-Firmenlogo
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d) WipflerPLAN Planungsgesellschaft
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz Zum Job 
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg-Firmenlogo
Leitung des Rechenzentrums der Universität Freiburg (m/w/d) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Freiburg Zum Job 
DTU Nanolab-Firmenlogo
Head of Thin Film Processing (f/m/d) DTU Nanolab
Kongens Lyngby Zum Job 
Hofmann Maschinen- und Anlagenbau GmbH-Firmenlogo
Zerspanungsmechaniker (m/w/d) Fachrichtung Schleiftechnik Hofmann Maschinen- und Anlagenbau GmbH
Universität zu Köln-Firmenlogo
Projektingenieur*in (TGA) im Bereich Elektrotechnik (w/m/d) Abteilung 53 - Technisches Gebäudemanagement Universität zu Köln

„In diesem Artikel untersuchen wir die Möglichkeit, dass Gravitationswellen – von denen angenommen wird, dass sie im frühen Universum allgegenwärtig waren – teilweise in Teilchen der Dunklen Materie umgewandelt wurden“, erklärt Joachim Kopp. Er ergänzt: „Dies führt zu einem neuen Mechanismus der Dunkle-Materie-Entstehung, der bisher noch nicht erforscht wurde“.

Eine Darstellung, die die Entwicklungsstadien unseres Universums und die Phasen veranschaulicht, in denen stochastische Gravitationswellen entstehen. Foto: Azadeh Maleknejad, Swansea University

Der Mechanismus: Freeze-In durch Wellen

Bisherige Theorien zur rein gravitativen Erzeugung von Dunkler Materie hatten ein Problem: Sie funktionierten oft nur bei extrem massereichen Feldern oder unvorstellbar hohen Temperaturen im frühen Plasma. Die neue Arbeit zeigt jedoch, dass die minimalen Kopplungen masseloser Teilchen an die Gravitation allein nicht ausreichen, um sie durch die bloße Ausdehnung des Universums zu produzieren.

Der entscheidende Punkt: Die Expansion des Universums allein erzeugt keine solchen Teilchen. Erst die Störungen durch Gravitationswellen brechen diese Einschränkung und machen die Produktion möglich.

Genau hier kommen die stochastischen Gravitationswellen ins Spiel. Diese Verzerrungen der Raumzeit brechen eine bestimmte Symmetrie – die sogenannte konforme Symmetrie – und öffnen damit den Weg zur Teilchenproduktion.

Der vorgeschlagene Mechanismus läuft im Kern so ab:

  • Urzeitliche Wellen: Stochastische Gravitationswellen durchziehen das frühe Universum.
  • Teilchenbildung: Die Energie dieser Wellen führt zur Entstehung von masselosen oder nahezu masselosen Fermionen. Dazu zählen fundamentale Elementarteilchen wie Elektronen.
  • Massegewinn: Diese zunächst masselosen Teilchen erhalten im weiteren Verlauf Masse.
  • Dunkle Materie: Aus ihnen entsteht die Dunkle Materie, die sich heute nur indirekt nachweisen lässt.

Dieser als „Freeze-In“ bezeichnete Prozess könnte laut den Berechnungen sogar effizienter sein als klassische Modelle, bei denen extrem schwere Teilchen rein gravitativ erzeugt werden.

Ein neuer Blick auf die Teilchenphysik

Der Clou des Ansatzes: Er kommt ohne zusätzliche exotische Annahmen aus. Wenn das frühe Universum ohnehin von Gravitationswellen durchzogen war, ergibt sich daraus ein natürlicher Mechanismus zur Erzeugung Dunkler Materie.

Bisher basiert das Modell allerdings vor allem auf analytischen Abschätzungen. „Der nächste Schritt bei der Weiterentwicklung dieser Forschungsrichtung besteht darin, über unsere analytischen Schätzungen hinauszugehen und numerische Berechnungen durchzuführen, um die Genauigkeit unserer Vorhersagen zu verbessern“, so Kopp über die kommenden Aufgaben.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.