Auf der Flucht 27.10.2014, 15:57 Uhr

Nach Großrazzia sind Betreiber von Kinox.to abgetaucht

In einer großangelegten Razzia in vier Bundesländern hat die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden Jagd auf die Betreiber des Portals Kinox.to gemacht, die auf raubkopierte Medieninhalte wie aktuelle Kinofilme verlinkt. Zwei Brüder aus dem Lübecker Raum sind flüchtig, im Raum Neuss und Düsseldorf wurden zwei Personen festgenommen.

Startseite der Internetplattform Kinox.to: Mit einer Razzia in vier Bundesländern haben Ermittler im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Dresden nach Informationen des Spiegels in der vergangenen Woche die Betreiber des Onlineportals kinox.to aufzuspüren versucht. 

Startseite der Internetplattform Kinox.to: Mit einer Razzia in vier Bundesländern haben Ermittler im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Dresden nach Informationen des Spiegels in der vergangenen Woche die Betreiber des Onlineportals kinox.to aufzuspüren versucht. 

Foto: dpa/Matthias Hiekel

„Auf der Flucht“ heißt ein US-amerikanischer Spielfilm von Andrew Davis aus dem Jahr 1993 mit Harrison Ford als flüchtigem Arzt Richard Kimble und den ihn jagenden Tommy Lee Jones als Marshal Samuel Gerard, der für diese Darstellerleistung den Oscar bekam. Auf der Flucht sind jetzt auch die beiden Betreiber der Internet-Seite Kinox.to, nach denen nun laut dem Dresdner Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein „europaweit gefahndet“ wird. Mit einer Razzia in vier Bundesländern haben Ermittler am vergangenen Mittwoch im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Dresden versucht, einen Schlag gegen das Onlineportal kinox.to zu führen. Den Betreibern der Seite wird vorgeworfen, auf raubkopierte Medieninhalte, wie aktuelle Kinofilme zu verweisen.

„Schon mal ein Auto in Flammen aufgegangen“

Der Katalog der Vorwürfe, den die Staatsanwaltschaft gegen die beiden 21 und 25 Jahre alten Brüder hat, die bei ihren Eltern nahe Lübeck wohnen, ist umfangreich: Neben der gewerbsmäßigen Urheberrechtsverletzung und Steuerhinterziehung in Höhe von mindestens 1,3 Millionen Euro, stehen auch räuberische Erpressung und Brandstiftung auf der Liste.

Die Beschuldigten hätten „massiv versucht“, ungeliebte Konkurrenten aus dem Markt zu vertreiben. „Man hat da alle Mittel genutzt und auch versucht, mit Drohungen zu arbeiten“, so Klein. Wenn das nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, sei „auch schon mal ein Auto in Flammen aufgegangen“.

Sechs Wohn- und Geschäftsräume durchsucht

Insgesamt gibt es vier Hauptbeschuldigte. Neben den beiden flüchtigen Brüdern aus Lübeck handelt es sich um zwei Personen aus dem Raum Neuss und Düsseldorf, die bereits beide verhaftet wurden.

Landgericht Dresden: Die hier ansässige Generalstaatsanwaltschaft Dresden fahndet nach den Betreibern des Onlineportals kinox.to nicht nur wegen der gewerbsmäßigen Urheberrechtsverletzung und Steuerhinterziehung in Höhe von mindestens 1,3 Millionen Euro, sondern ermittelt auch wegen räuberischer Erpressung und Brandstiftung.

Landgericht Dresden: Die hier ansässige Generalstaatsanwaltschaft Dresden fahndet nach den Betreibern des Onlineportals kinox.to nicht nur wegen der gewerbsmäßigen Urheberrechtsverletzung und Steuerhinterziehung in Höhe von mindestens 1,3 Millionen Euro, sondern ermittelt auch wegen räuberischer Erpressung und Brandstiftung.

Foto: dpa-Zentralbild

Sechs Wohn- und Geschäftsräume wurden von den Ermittlern durchsucht. Zudem seien bei einem Berliner Zahlungsdienstleister laut Oberstaatsanwalt Klein „Abschöpfungen zur Sicherstellung der Steuerschuld“ durchgeführt worden.

Strafanzeige der GVU war der Auslöser

Auslöser der Razzia war eine Strafanzeige der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Rechtanwalt Christian Solmecke gibt für die zahlreichen Nutzer von Kinox.to Entwarnung. „Aus meiner Sicht haben die Nutzer von Kinox.to keine Straftat begangen, da der reine Konsum von Streaming-Diensten nicht rechtswidrig ist.“ Das gelte, solange der Nutzer keine Kopie des Streams auf den eigenen Rechner erstellt.

Filmindustrie vertritt andere Auffassung

Das sieht die Filmindustrie anders: Sie vertritt die Auffassung, schon das Zwischenspeichern eines Films sei als illegale Kopie anzusehen. Die GVU spricht in einer Mail an ihre Mitglieder im Fall von Kinox.to von einem „illegalen“ und „rein kommerziellen“ System.

„GVU: Ihr macht euch lächerlicher, als ihr seid“: Auf ihrer Webseite kinox.to haben die Betreiber ihre Meinung zu Nutzungsrechten veröffentlicht. 

„GVU: Ihr macht euch lächerlicher, als ihr seid“: Auf ihrer Webseite kinox.to haben die Betreiber ihre Meinung zu Nutzungsrechten veröffentlicht. 

Foto: Screenshot Ingenieur.de/kinox.to

Die GVU glaubt, dass die Betreiber von Kinox.to auch andere Dienste wie das Portal Movie4k.to und Seiten wie Boerse.sc und Mygully.com betreiben. Diese Seiten bieten unter anderem raubkopierte Spiele, Software und E-Books an. Wer diese Seiten nutzt und die Dateien auf seine Festplatte kopiert, macht sich strafbar.

Kinox.to ist dem geschlossenen Portal kino.to nachempfunden

Die Betreiber von Kinox.to sollen laut der aktuellen Ausgabe des Spiegels mit den verurteilten Betreibern der inzwischen vom Netz genommenen Seite kino.to bekannt sein. Diese hatten seinerzeit jahrelange Haftstrafen bekommen. Fakt ist: Kinox.to ist dem Portal kino.to nachempfunden. Fakt ist auch: Kinox.to ist sehr beliebt. Die Seite rangiert unter den Top-50 der von Deutschland aus besuchten Webseiten. Kinox.to ist übrigens online erreichbar. Ganz im Gegensatz zu den beiden Lübecker Brüdern. Diese befinden sich offline auf der Flucht.

Von Detlef Stoller

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