Harvard-Uni 16.05.2025, 14:00 Uhr

Magna Carta: Kauf für unter 30 Dollar wird zur Sensation

Was als vermeintliche Kopie für 27,50 Dollar den Besitzer wechselte, entpuppt sich Jahrzehnte später als ein Original der Magna Carta – eines der wichtigsten Dokumente der Rechtsgeschichte.

Magna Carta

Ein Dokument, das Könige bändigte: Die Magna Carta prägt bis heute das Verständnis von Recht und Freiheit.

Foto: picture alliance/Lorin Granger/Harvard Law School via AP

Britische Forschende haben an der US-Universität Harvard eine überraschende Entdeckung gemacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Uni für 27,50 Dollar eine „Kopie“ der berühmten Magna Carta gekauft. Jetzt fanden die Wissenschaftler fast zufällig heraus, dass es ein echtes Original aus dem Jahr 1300 ist, wie die Uni mitteilte.

Die Magna Carta (lateinisch für „Große Urkunde“) ist ein historisches Dokument aus dem Jahr 1215, das als eines der bedeutendsten Meilensteine in der Entwicklung der Rechtsstaatlichkeit und der Demokratie gilt.

Die Elite-Universität, dachte zuerst, das Dokument sei nur eine einfache Kopie der berühmten Magna Carta. Jetzt weiß man: Es ist ein über 700 Jahre altes Original.

Ein Original für 21,3 Millionen Dollar gekauft

Laut der „Washington Post“ wurde zuletzt 2007 ein Original der Magna Carta für 21,3 Millionen Dollar von dem Besitzer des Baseball-Teams Baltimore Orioles gekauft und dann an das Nationalarchiv in Washington geschenkt.

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Die Magna Carta stammt, wie bereits erwähnt, aus dem Jahr 1215 und ist eine wichtige Grundlage für moderne Gesetze. Sie sagt, dass der König sich an die Gesetze halten muss und nicht einfach machen kann, was er will. König Johann Ohneland, der von 1199 bis 1216 regierte, wurde von den englischen Adligen gezwungen, das zu akzeptieren. Seine Nachfolger Heinrich III. und Eduard I. gaben die Magna Carta später noch einmal heraus, zuletzt im Jahr 1300.

Merkmale anderer Originale nachgewiesen

David Carpenter, Professor für mittelalterliche Geschichte am King’s College in London, hat für ein Forschungsprojekt in der digitalen Bibliothek der Uni nachgesehen. Als er auf ein Foto der mutmaßlichen Kopie stieß, sei er erstarrt und habe gedacht: Es handele sich doch um ein Original. Er begann, es mit anderen Originalen zu vergleichen, um die Echtheit zu prüfen. Von daher zeigte er zeigte das Dokument seinem Kollegen Nicholas Vincent, der es auch sofort als Original erkannte. „Das Layout, der Text, die Handschrift und das große E für Eduard“, das alles seien Merkmale anderer Originale, sagte er gegenüber der Presse.

Professor Carpenter sagte, es sei ein glücklicher Zufall, dass an der von US-Präsident Donald Trump unter Druck gesetzten Universität ein Dokument gefunden wurde, das festlegt, dass kein Herrscher über dem Gesetz steht. Er erklärte der „Washington Post“, ein Herrscher könne einem nicht einfach das Land wegnehmen, sondern müsse sich an die Gesetze halten. „Die Herkunft dieses Dokuments ist einfach fantastisch. Angesichts seines Aufbewahrungsortes und der aktuellen Probleme mit Freiheitsrechten und dem Bewusstsein für die Verfassungstradition in Amerika könnte man keine bessere Herkunft erfinden als diese“, sagte der Professor.

„Herzlichen Glückwunsch an die Professoren Carpenter und Vincent zu ihrer großartigen Entdeckung“, sagte Amanda Watson, stellvertretende Dekanin der Harvard Law School für Bibliotheks- und Informationsdienste. „Diese Arbeit zeigt, was möglich ist, wenn großartige Sammlungen – wie die der Harvard Law School Library – brillanten Wissenschaftlern zugänglich gemacht werden. Hinter jeder wissenschaftlichen Entdeckung steht die grundlegende Arbeit von Bibliothekar*innen, die nicht nur Materialien sammeln und bewahren, sondern auch Zugänge schaffen, die sonst verborgen blieben.“

Bei der Nachverfolgung des Weges, den „diese Kopie“ in die USA genommen hat, vermuten Carpenter und Vincent, dass es sich bei dem Dokument um eine verlorene Magna Carta handeln könnte, die einst der ehemaligen Parlamentsstadt Appleby in Westmorland, England, ausgestellt wurde. (mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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