So klingt das Universum 31.07.2025, 11:30 Uhr

Wenn das All vibriert: Neue Signale Schwarzer Löcher entschlüsselt

Forschende knacken das Rätsel der Schwingungen Schwarzer Löcher – und liefern neue Einblicke in Gravitationswellen.

Schwarzes Loch

Nach Kollisionen senden sie charakteristische Gravitationswellen aus – Forschende aus Kyoto konnten deren „Klingeltöne“ erstmals exakt berechnen.

Foto: PantherMedia / Juric.P

Wenn Schwarze Löcher verschmelzen, geht ein Zittern durch das Universum. Für einen kurzen Moment entsteht ein kosmisches Echo – eine Art Ausklang, wie beim Nachhallen eines Gongs. In der Fachsprache heißt dieser Nachhall Ringdown. Genau hier verstecken sich wertvolle Hinweise auf Masse, Drehung und Struktur des neu entstandenen Schwarzen Lochs.

Ein Team um Taiga Miyachi von der Universität Kyoto hat nun eine Methode vorgestellt, mit der sich diese Signale genauer als je zuvor analysieren lassen. Im Fokus steht dabei eine mathematische Technik namens „exakte Wentzel-Kramers-Brillouin-Analyse“, kurz: exakte WKB-Methode.

Nachhall nicht beliebig

Die Schwingungen nach einer Kollision – also die Ringdown-Phase – sind nicht beliebig. Sie folgen einem wiederkehrenden Muster, das Forschende als Quasinormal Modes (QNMs) bezeichnen. Diese Moden sind vergleichbar mit den Eigenfrequenzen eines schwingenden Objekts, etwa einer Glocke. Der Unterschied: Ein Schwarzes Loch verliert bei diesen Schwingungen Energie, die sich als Gravitationswellen im Raum ausbreitet. Daher sind die Frequenzen komplex – sie enthalten neben der Schwingung auch die Information über deren Dämpfung.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Birkenstock Productions Hessen GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Birkenstock Productions Hessen GmbH
Steinau an der Straße Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten, Bau- und Elektroingenieure (m/w/d) Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten / Bauingenieure (m/w/d) Hochbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik bzw. Technische Gebäudeausrüstung Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven, Bad Iburg, Oldenburg, Aurich, Meppen, Emden Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen konstruktiver Ingenieurbau/Tiefbau/Geo-/Naturwissenschaften/Landschaftsbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
WITTENSTEIN SE-Firmenlogo
Werkleitung (w/m/d) mit Leitwerksfunktion WITTENSTEIN SE
Igersheim-Harthausen Zum Job 
Sparda-Bank Südwest eG-Firmenlogo
Leitung Facility Management (m/w/d) Sparda-Bank Südwest eG
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Bauwerks- und Erhaltungsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Lead Asset Management & Engineering (m/w/d) TenneT TSO GmbH
Lehrte, Bayreuth Zum Job 
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Professur (W2): Automatisierungstechnik Hochschule Merseburg
Merseburg Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Bauleiter im Innendienst (m/w/d) für die Ausschreibung und Vergabe im Schlüsselfertigbau GOLDBECK West GmbH
BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Versorgungstechnik / Gebäudetechnik / Bauingenieur als Fachplaner im Bereich HLS (m/w/d) BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Projektleiter Planung (m/w/d) GOLDBECK West GmbH
Bochum, Düsseldorf (Monheim am Rhein) Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur im Änderungswesen (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Produktmanager (w/m/d) für Systementwicklung iCAS DFS Deutsche Flugsicherung
Langen bei Frankfurt Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 
M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur/in - Technische Projektierung / Presales Engineering (m/w/d) mit Schwerpunkt keramische Hochtemperatur-Isolationstechnik M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH
TenneT TSO-Firmenlogo
Parametrierer Stationsleittechnik (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 

Diese Gravitationswellen lassen sich auf der Erde messen – und genau darin liegt der Reiz für die Forschung. Denn wer die Quasinormalmoden exakt versteht, kann Aussagen über die Struktur der Raumzeit und über alternative Gravitationstheorien treffen.

Warum die Analyse bisher scheiterte

Bisherige Methoden – etwa die numerischen Verfahren nach Leaver – lieferten zwar Näherungen, doch eine rein analytische Beschreibung blieb schwierig. Besonders problematisch war die komplexe Struktur der Gleichungen im Übergang zwischen dem Ereignishorizont (also dem Rand des Schwarzen Lochs) und dem fernen Weltraum.

„Wir waren überrascht, wie komplex und schön die zugrunde liegende Struktur dieser Schwingungen ist“, sagt Taiga Miyachi. Viele frühere Ansätze übersahen zentrale geometrische Merkmale – etwa spiralförmige Pfade, auf denen sich die Schwingungen ausbreiten.

Der neue Ansatz: Exakte WKB-Methode

Die exakte WKB-Methode, auf die das Kyoto-Team zurückgreift, stammt ursprünglich aus der mathematischen Physik. Im Kern basiert sie auf einer Verfeinerung klassischer Näherungstechniken. Sie erlaubt es, differenzielle Gleichungen so zu lösen, dass auch kleinste Abweichungen und subtile Veränderungen im Verhalten der Wellen berücksichtigt werden können.

Dabei spielt ein Konzept namens Stokes-Kurven eine entscheidende Rolle. Diese Linien zeigen an, wo sich das Verhalten der Wellenlösung plötzlich verändert – etwa von exponentiellem Abklingen zu Schwingung. Die Forscher*innen erweiterten dafür den Raum in den Bereich der komplexen Zahlen. So konnten sie bislang übersehene geometrische Strukturen sichtbar machen, darunter logarithmische Spiralen und Verzweigungspunkte nahe dem Horizont des Schwarzen Lochs.

Diese Herangehensweise war kein Zufall. „Die Grundlagen der exakten WKB-Methode wurden größtenteils von japanischen Mathematikern entwickelt. Als Forscher aus Japan habe ich mich in diesem Bereich intellektuell und kulturell immer sehr wohl gefühlt“, sagt Miyachi.

Was ist neu an der Methode?

Gegenüber bisherigen analytischen Methoden – etwa der sogenannten Monodromie-Methode – bietet der neue Zugang mehrere Vorteile:

  • Er verzichtet auf Näherungen entlang komplizierter Konturen in der komplexen Ebene.
  • Er nutzt reale Koordinaten und bleibt mathematisch stabil.
  • Er erlaubt exakte Verbindungsregeln zwischen verschiedenen Wellenbereichen.

Durch die exakte Beschreibung konnten die Forschenden Frequenzen besonders stark gedämpfter Moden reproduzieren – also genau jene, die bisher kaum zu fassen waren.

Anwendung auf klassische Schwarze Löcher

Die Methode wurde zunächst auf ein Standardmodell getestet: die Schwarzschild-Raumzeit. Dabei handelt es sich um das mathematische Modell eines nicht rotierenden, elektrisch neutralen Schwarzen Lochs. Für dieses System ließen sich die theoretischen Frequenzen mit sehr hoher Genauigkeit bestimmen.

„In unserer mathematischen Analyse haben wir spiralförmige Muster entdeckt, die zuvor übersehen worden waren und die sich als entscheidend für das Verständnis des Gesamtbildes der Quasinormalmoden erwiesen haben“, so Miyachi.

Die Forscher*innen sehen in ihrer Arbeit einen möglichen Baustein für zukünftige Gravitationswellenbeobachtungen. Denn die Messdaten, die Teleskope wie LIGO oder Virgo sammeln, lassen sich besser interpretieren, wenn die theoretische Grundlage genauer ist.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.