Versteckte Polwechsel? 23.02.2026, 15:34 Uhr

Erdmagnetfeld: Haben wir Umkehrungen übersehen?

Neue Statistik deutet auf fehlende Polumkehrungen im Erdmagnetfeld hin. Rüttelt das an der Magnetfeld-Zeitskala?

Magnetfeld der Erde

Magnetische Lücken? Neue Methode entdeckt mögliche versteckte Umkehrungen im Erdmagnetfeld.

Foto: Smarterpix / JohanSwanepoel

Eine verbesserte statistische Analyse der geomagnetischen Polaritätszeitskala identifiziert vier auffällige Einbrüche in der Umkehrfrequenz nach der Kreide. Diese könnten auf bislang unerkannte Polumkehrungen hinweisen. Neue Daten aus äthiopischen Basalten stützen diese Möglichkeit. Die Ergebnisse liefern Impulse für die Hochauflösungs-Paläomagnetik und für das Verständnis des Geodynamos im Erdinneren.

Neue Analyse stellt Magnetfeld-Zeitskala infrage

Wenn Sie dicht gedrängte Menschen auf einem Platz sehen, erkennen Sie sofort: Hier ist viel los. Sind nur wenige verteilt, wirkt der Raum leer. Bei Ereignissen in der Erdgeschichte ist das nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn sie sich über Millionen Jahre verteilen.

Genau darum geht es bei geomagnetischen Polumkehrungen. Das Erdmagnetfeld hat seine Polarität im Laufe der Erdgeschichte vielfach gewechselt. Nord- und Südpol tauschten ihre Plätze. Diese Umkehrungen lassen sich in Gesteinen nachweisen. Lava, Sedimente und magnetische Anomalien am Meeresboden speichern gewissermaßen einen Kompassabdruck ihrer Entstehungszeit.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
N-ERGIE Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Projektplaner Versorgungsnetze Fernwärme (m/w/d) N-ERGIE Aktiengesellschaft
Nürnberg Zum Job 
Mehrer Compression GmbH-Firmenlogo
Applikationsingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d) Mehrer Compression GmbH
Balingen Zum Job 
FERNSTEUERGERÄTE Kurt Oelsch GmbH-Firmenlogo
Montageleiter (w/m/d) FERNSTEUERGERÄTE Kurt Oelsch GmbH
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI)-Firmenlogo
Projektleiter / Ingenieur (m/w/d) Technisches Gebäudemanagement - Schwerpunkt Versorgungstechnik (HKLS) Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI)
UKM Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) HKLS / Versorgungstechnik UKM Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Maximator Hydrogen GmbH-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur EPLAN P8 - Anlagenbau (m/w/d) Maximator Hydrogen GmbH
Nordhausen Zum Job 
UCG United Consulting Group GmbH-Firmenlogo
(Junior) IT Consultant / Unternehmensberater (w/m/d) UCG United Consulting Group GmbH
Frankfurt am Main Zum Job 
SFS Group Germany GmbH-Firmenlogo
Technischer Projektberater VHF (m/w/d) SFS Group Germany GmbH
Menden (Sauerland) Zum Job 
Technische Hochschule Deggendorf-Firmenlogo
Professorin | Professor (m/w/d) für das Lehrgebiet "Nachhaltige Sanierung und Renovierung" Technische Hochschule Deggendorf
Deggendorf Zum Job 
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
VDM Metals Gruppe-Firmenlogo
Qualitätsingenieur Schmiede (m|w|d) VDM Metals Gruppe
VDM Metals Gruppe-Firmenlogo
Trainee Nachhaltigkeitsmanagement (m|w|d) VDM Metals Gruppe
Werdohl, Altena, Unna, Dortmund, Frankfurt Zum Job 
VDM Metals Gruppe-Firmenlogo
Trainee Qualitätssicherung / Technische Klärung (m|w|d) VDM Metals Gruppe
Werdohl, Altena, Unna, Dortmund, Frankfurt Zum Job 
VDM Metals Gruppe-Firmenlogo
Initiativbewerbung Ingenieure / Produktionsmitarbeiter (m|w|d) VDM Metals Gruppe
Werdohl, Altena, Unna, Dortmund, Frankfurt Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
GEWOBAU Wohnungsgenossenschaft Essen eG-Firmenlogo
Assistenz der Bauleitung für die Instandhaltung und Modernisierung (m/w/d) GEWOBAU Wohnungsgenossenschaft Essen eG
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Sachbearbeiter Landschaftspflege (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Hohen Neuendorf Zum Job 
Dawonia-Firmenlogo
Techniker Propertymanagement (m/w/d) in der Immobilienwirtschaft Dawonia
München Zum Job 
AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Techniker Versorgungstechnik HLSK (m/w/d) AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH
Mannheim Zum Job 
PERI Group-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur Klettertechnik & Automation (m/w/d) PERI Group
Weißenhorn Zum Job 

Aus diesen Daten entstand die Geomagnetische Polaritätszeitskala (GPTS). Sie ist ein zentrales Werkzeug der Geophysik. Mit ihr datieren Forschende Gesteine, rekonstruieren Plattenbewegungen und ordnen Fossilien zeitlich ein. Doch nun rüttelt eine neue statistische Analyse an dieser scheinbar stabilen Zeitskala.

Wenn Statistik Lücken sichtbar macht

Ein internationales Team unter Beteiligung der Kyushu University, von JAMSTEC und der Wayne State University hat den aktuellen Datensatz GPTS2020 neu ausgewertet.

Im Zentrum steht eine Methode aus der Statistik: die Kernel-Dichte-Schätzung. Vereinfacht gesagt verteilt sie um jeden bekannten Umkehrzeitpunkt eine Wahrscheinlichkeitskurve. Überlagert man diese, entsteht eine geglättete Kurve der Umkehrhäufigkeit über die Zeit. So lassen sich Phasen mit vielen oder wenigen Polwechseln objektiver erkennen.

Neu ist, wie die Forschenden die sogenannte Bandbreite – also die zeitliche Glättung – bestimmen. Statt sie nach Erfahrungswerten festzulegen, nutzten sie eine Kreuzvalidierung. Das ist ein Verfahren, bei dem die Daten selbst die optimale Auflösung der Analyse bestimmen. Dadurch steigt die zeitliche Präzision.

Vier auffällige Einbrüche nach der Kreidezeit

Frühere Arbeiten, etwa von Constable (2000), hatten gezeigt: Seit etwa 155 Mio. Jahren nahm die Umkehrhäufigkeit zunächst ab. Während der Kreidezeit kam es sogar zu einer langen Phase ohne Umkehrungen – dem sogenannten Kreide-Normal-Superchron. Danach stieg die Häufigkeit wieder an.

Die neue Analyse bestätigt diese groben Trends. Sie zeigt jedoch zusätzlich vier deutliche Einbrüche in der Umkehrfrequenz nach dem Superchron.

Solche Einbrüche können zwei Dinge bedeuten. Entweder das Erdmagnetfeld war in diesen Zeiträumen tatsächlich ungewöhnlich stabil. Oder: Kurzzeitige Umkehrungen wurden schlicht nicht erfasst, weil die zeitliche Auflösung der geologischen Archive nicht ausreichte. Genau hier wird es spannend.

Hinweise aus Äthiopien

Vor einigen Jahren meldeten Forschende neue, kurzzeitige Umkehrungen in äthiopischen Flutbasalten. Die sogenannten Lima–Limo-Umkehrungen datieren auf rund 31 Mio. Jahre. Hochpräzise paläomagnetische und geochronologische Analysen stützen diese Interpretation (Ahn et al., 2021; Yoshimura et al., 2023).

Als das Team diese zusätzlichen Ereignisse in die neue Dichteanalyse einfügte, wurde ein zuvor scharfer Frequenzeinbruch um etwa 32 Mio. Jahre deutlich glatter.

Das spricht dafür, dass zumindest manche „Lücken“ in der GPTS auf fehlende Daten zurückgehen könnten. Die Forschenden interpretieren die langfristig glatteren Schwankungen als realistischeres Abbild des Geodynamos – also jenes Prozesses im äußeren Erdkern, der das Magnetfeld erzeugt.

Was sagt das über das Erdinnere?

Das Erdmagnetfeld entsteht durch Konvektionsbewegungen von flüssigem Eisen im äußeren Kern. Diese Strömungen werden durch Wärmeflüsse an der Kern-Mantel-Grenze beeinflusst. Numerische Geodynamo-Simulationen zeigen: Ändert sich die Stärke oder das Muster dieses Wärmeflusses, verändert sich auch die Umkehrhäufigkeit.

Solche Änderungen laufen über sehr lange Zeiträume ab – von mehreren zehn bis zu hunderten Millionen Jahren. Mantelkonvektion und sogenannte wahre Polwanderung spielen dabei eine Rolle.

Wenn nun statistische Einbrüche auf bislang unentdeckte Umkehrungen hinweisen, betrifft das nicht nur die Datierungsmethodik. Es liefert auch Hinweise auf die Dynamik des tiefen Erdinneren.

Hier geht es zur Originalmeldung

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.