Spurensuche 08.01.2026, 07:20 Uhr

Der echte Da-Vinci-Code: Mögliche DNA des Genies gefunden

Ein wahrer Krimi: Forschende finden Y-Chromosomen auf Da-Vinci-Zeichnungen. Die Spur führt in die Toskana. Ist es DNA des Universalgenies?

Leonardo Da Vinci Zeichnung

Forschende sind der DNA von Leonardo da Vinci auf der Spar. Können bald seine Werke zweifelsfrei dem Genie zugeordnet werden?

Foto: picture alliance / Zoonar | Paolo Gallo

Ein internationales Team von Forschenden hat auf einer Leonardo da Vinci zugeschriebenen Zeichnung und auf historischen Familienbriefen biologische Spuren entdeckt. Die Analyse von Y-Chromosomen weist auf eine Herkunft aus der Toskana hin, was eine Verbindung zum Universalgelehrten nahelegt. Diese Arbeit im Bereich der „Arteomik“ könnte künftig helfen, Kunstwerke zweifelsfrei zu identifizieren und die biologischen Grundlagen von Leonardos außergewöhnlicher Wahrnehmung zu verstehen.

Dem Erbgut eines Universalgenies auf der Spur

Im April 2024 untersuchte der Mikrobiologe Norberto Gonzalez-Juarbe eine Zeichnung in einer New Yorker Privatsammlung. Mit einem feuchten Tupfer rieb er vorsichtig über die Jahrhunderte alte Oberfläche des Papiers. Es handelte sich um das Werk „Holy Child“, eine Rötelzeichnung, die den Kopf eines Kindes zeigt. Viele Fachleute schreiben dieses Werk Leonardo da Vinci zu, doch sicher bewiesen ist das bisher nicht. Gonzalez-Juarbe erinnert sich an diesen Moment: „Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man einen Leonardo anfassen darf“

Dieser Vorgang markiert einen wichtigen Punkt in der Arbeit des „Leonardo da Vinci DNA Project“ (LDVP). Dieses globale Kollektiv aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sucht seit Jahren nach dem biologischen Erbe des Mannes, der die Renaissance wie kein anderer prägte. In einer aktuellen Vorab-Studie berichten sie nun von einem Erfolg. Sie isolierten menschliche Erbsubstanz von der Zeichnung und von Briefen aus dem Umfeld der Familie da Vinci.

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Die Suche nach dem genetischen Fingerabdruck

Die Identifizierung von Leonardos DNA ist eine der schwierigsten Aufgaben in der modernen Genetik. Leonardo da Vinci (1452–1519) hatte keine direkten Nachkommen. Sein Grab in der französischen Kapelle Saint-Hubert in Amboise wurde im 19. Jahrhundert mehrfach gestört. Es gibt daher keinen gesicherten Referenzpunkt für sein Erbgut. Dennoch nutzt das Team um Harinder Singh vom J. Craig Venter Institute und David Caramelli von der Universität Florenz modernste Sequenzierverfahren, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Bei der Untersuchung von „Holy Child“ fanden die Forschenden ein Gemisch aus Bakterien, Pflanzen und menschlicher DNA. Besonders das Y-Chromosom stand im Fokus der Analyse. Da dieses Chromosom fast unverändert in der männlichen Linie vererbt wird, lässt es Rückschlüsse auf die väterliche Abstammung zu. Die gefundenen Sequenzen gehören zur genetischen Gruppe (Haplogruppe) E1b1b. Diese Gruppe ist heute im Mittelmeerraum und insbesondere in der Toskana weit verbreitet – also in der Region, in der Leonardo geboren wurde.

Vergleich mit historischen Dokumenten

Um die Ergebnisse abzusichern, untersuchte die Gruppe Briefe eines Cousins von Leonardos Großvater aus dem 15. Jahrhundert. In den Wachssiegeln dieser Dokumente fanden sie ebenfalls Merkmale der Haplogruppe E1b1b. „Das ist ein wichtiger erster Hinweis, aber kein Beweis“, betonen die beteiligten Forschenden gegenüber dem Magazin „Science“ (Zitat: Beteiligte Forschende).

Das Problem liegt in der Natur der Proben. DNA auf Oberflächen ist extrem anfällig für Verunreinigungen. Jede Person, die das Bild in den letzten 500 Jahren berührte, könnte ihre Spuren hinterlassen haben. Das Team musste zunächst die DNA des früheren Besitzers der Zeichnung, Fred Kline, ausschließen. Dank vorliegender Daten eines kommerziellen Gentests gelang dies schnell. Doch ob die verbleibenden Spuren tatsächlich von Leonardo stammen oder von einem seiner Schüler, bleibt vorerst offen.

Die Entstehung der „Arteomik“

Die Forschung an Leonardos Erbe begründet ein neues Feld: die Arteomik. Hierbei ergänzen biologische Daten die klassische kunsthistorische Expertise. Bisher entscheiden Fachleute oft anhand von Pinselstrichen oder Maltechniken wie dem „Sfumato“ über die Echtheit eines Werks. Sfumato bezeichnet eine Technik, bei der Konturen weich verschwimmen, fast wie hinter einem Schleier.

In Zukunft könnten DNA-Analysen diese Einschätzungen untermauern. Jesse Ausubel, Vorsitzender des LDVP, erklärt dazu: „Das Fachwissen ist nach wie vor entscheidend. DNA und andere biologische Spuren könnten bald das geschulte Auge eines Experten ergänzen“. Sogar Hautzellen könnten in den Farbschichten zu finden sein. Es ist bekannt, dass Leonardo beim Malen oft seine Finger benutzte.

Die Biologie hinter dem Genie

Die Forschenden interessiert nicht nur die Echtheit der Werke. Sie suchen auch nach Erklärungen für Leonardos außergewöhnliche Fähigkeiten. Leonardo skizzierte in seinen Notizbüchern wirbelndes Wasser und fliegende Vögel mit einer Präzision, die für das normale menschliche Auge kaum fassbar ist. Er hielt Details fest, die wie Momentaufnahmen einer Hochgeschwindigkeitskamera wirken.

Hydraulikingenieure der Universität Bologna modellierten kürzlich Wasserströmungen, die Leonardo 1510 zeichnete. Sie stellten fest, dass seine Skizzen Mustern entsprechen, die mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Bildern pro Sekunde flackern. Die normale menschliche Wahrnehmung liegt jedoch bei etwa 30 bis 60 Bildern pro Sekunde. David Thaler von der Universität Basel vermutet eine genetische Ursache für diese Sehschärfe. Er hat Gene wie KCNB1 und KCNV2 im Blick, die Proteine für Kaliumkanäle in der Netzhaut steuern.

Diese Kanäle sind elektrische Ventile in den Zellen. Sie beeinflussen, wie schnell das Auge Lichtsignale verarbeitet. Thaler stellt klar: „Wir sagen nicht, dass Genialität in den Genien liegt. Aber wenn man Dinge sieht, die andere Menschen nicht sehen können, denkt man vielleicht Dinge und schafft Dinge, die andere Menschen nicht denken und schaffen“.

Ein Blick in die Zukunft der Forschung

Der Weg zu einer endgültigen Identifizierung der DNA führt über verschiedene Wege. Ein Team um den Archäologen Alessandro Riga untersuchte eine Familiengruft in der Kirche Santa Croce in Vinci. Dort fanden sie Knochen, die Leonardos Großvater väterlicherseits zugeordnet werden könnten. Erste Radiokarbonanalysen datieren die Funde in die Lebenszeit der Familie da Vinci.

Parallel dazu verfolgten Genealoginnen und Genealogen die väterliche Linie Leonardos über 21 Generationen bis in die Gegenwart. Sie identifizierten 14 heute lebende männliche Nachfahren. Die Sequenzierung ihrer DNA soll eine hochauflösende Referenz für das Y-Chromosom der Familie liefern.

Sollte es gelingen, Leonardos genetischen Code sicher zu entschlüsseln, stünde die Kunstwelt vor einer Zäsur. Privatbesitzer und Museen könnten ihre Bestände prüfen lassen. Der „Codex Leicester“, der sich im Besitz von Bill Gates befindet, oder der „Codex Atlanticus“ in Paris könnten neue Geheimnisse preisgeben. Auf einer Seite des Codex Leicester befindet sich ein Fingerabdruck, der mit hoher Wahrscheinlichkeit von Leonardo selbst stammt. (mit Material der dpa)

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Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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