Muskel ohne Muskelfaser 19.03.2026, 19:13 Uhr

Biologie überflüssig? Rotoren erzeugen Muskelkraft ganz ohne Zellen

Forschende entwickeln einen künstlichen Muskel aus rotierenden Motoren – ohne Biologie, ohne Software. Entscheidend ist allein die Geometrie des Systems.

physikalisches Demonstrationsmodell

Das physikalische Demonstrationsmodell wurde aus kleinen Elektromotoren in Kombination mit speziell angefertigten, im 3D-Druck hergestellten Kunststoffteilen und lasergeschnittenem Acryl gebaut.

Foto: University of Bristol

Muskeln sind das Paradebeispiel für biologische Perfektion. In ihnen arbeiten tausende winzige Moleküle Hand in Hand, reagieren auf Nervensignale und erzeugen so präzise Bewegungen. Doch Forschende der University of Bristol haben dieses Prinzip nun verblüffend einfach nachgebaut, und zwar ganz ohne Chemie, Biologie oder die klassische Muskelfaser.

Stattdessen nutzen sie ein System aus einfachen, rotierenden Motoren. Das Ergebnis: Ein „künstlicher Muskel“, der die Kerneigenschaften seines natürlichen Vorbilds allein durch seine Bauweise kopiert.

Der technische Kniff: Synchronisation statt Software

In unseren echten Muskeln greifen Myosin-Motoren wie winzige Greifarme in Aktin-Filamente. Das ist hochkomplex und chemisch gesteuert. Die Forscher radikalisieren diesen Ansatz und ersetzen die Moleküle durch mechanische Rotoren. Diese verhalten sich wie sogenannte gekoppelte Phasenoszillatoren.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauprojektleiter (m/w/d) Allbau Managementgesellschaft mbH
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur* im Anforderungsmanagement DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
Stadt Weinheim-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) im Bereich Landschaftsarchitektur, Landschafts- oder Freiraumplanung für die Gestaltung städtischer Außen- und Freianlagen Stadt Weinheim
Weinheim Zum Job 
Stadt Norderstedt-Firmenlogo
Ingenieur/in / Technische/r Mitarbeiter/in (w/m/d) Bereich Verkehrswesen Stadt Norderstedt
Norderstedt Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft-Firmenlogo
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d) WipflerPLAN Planungsgesellschaft
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz Zum Job 
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg-Firmenlogo
Leitung des Rechenzentrums der Universität Freiburg (m/w/d) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Freiburg Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Information Security Manager (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences-Firmenlogo
Professur "Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)" Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences
Düsseldorf Zum Job 
Mehrer Compression GmbH-Firmenlogo
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d) Mehrer Compression GmbH
Balingen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm Die Autobahn GmbH des Bundes
Hamm, Münster Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg Die Autobahn GmbH des Bundes
Dillenburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen Die Autobahn GmbH des Bundes
Hamm, Münster, Gelsenkirchen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück Die Autobahn GmbH des Bundes
Osnabrück Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
SCHEIDL-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau SCHEIDL
Moosburg/Landshut Zum Job 

Das Besondere daran: Die Motoren sind nicht fest miteinander verbunden. Sie berühren sich nur ab und zu – wie Schaukler, die sich im Vorbeischwingen kurz an den Händen fassen.

Diese „diskontinuierliche Kopplung“ reicht völlig aus:

  • Ein Motor, der zu langsam ist, bekommt vom Nachbarn einen Schubs.
  • Ein zu schneller Motor wird sanft abgebremst.
  • Ohne zentrale Steuerung oder komplexe Software einigt sich das ganze System allein durch die Mechanik auf einen gemeinsamen Takt.

Die Geometrie des Versatzes: Warum es nicht ruckelt

Ein entscheidendes technisches Detail der Studie ist die sogenannte inkommensurable Geometrie. Das klingt kompliziert, bedeutet aber schlicht: Die Abstände der Motoren passen absichtlich nicht perfekt zu den Abständen der Greifpunkte.

Würden sie perfekt übereinanderliegen, würden alle Motoren gleichzeitig zupacken und gleichzeitig loslassen – die Bewegung wäre extrem ruckelig. Durch den leichten Versatz ist jedoch immer eine andere Gruppe von Motoren im Eingriff. Das Ergebnis ist eine flüssige, kontinuierliche Kraftübertragung, genau wie wir sie von biologischen Muskeln kennen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine muskelähnliche Koordination nicht nur auf biochemischen Prozessen beruhen könnte, sondern auch auf der zugrunde liegenden physikalischen Architektur des Systems. Foto: University of Bristol

Selbstorganisation: Die „La-Ola-Welle“ im Muskel

Ein einzelner Motor allein bewegt fast gar nichts. Doch im Verbund passiert etwas Faszinierendes: Die Motoren organisieren sich spontan zu metachronalen Wellen. Man kann sich das wie eine perfekt koordinierte „La-Ola-Welle“ im Stadion vorstellen. Diese Wellen laufen die Struktur entlang und schieben das System voran.

Dabei zeigt sich eine verblüffende Skaleninvarianz: Das Prinzip funktioniert auf der Nano-Ebene der Moleküle genauso zuverlässig wie bei zentimetergroßen Elektromotoren. Entscheidend ist nicht die Größe, sondern das Zusammenspiel:

  • Wie viele Einheiten schwingen im Gleichtakt?
  • Wie lange bleiben sie bei jedem Stoß in Kontakt?
  • Wie präzise ist die mechanische Abstimmung?

Echte Muskelphysik – ganz ohne Muskel

Das Modell ist so gut, dass es die typischen Kennlinien der Biologie reproduziert, etwa die Kraft-Geschwindigkeits-Beziehung:

  • Muss der „Muskel“ eine hohe Last bewegen, wird er automatisch langsamer.
  • Die Rekrutierung funktioniert passiv: Erhöht sich der Widerstand, verweilen die Rotoren physikalisch bedingt länger in der Kontaktzone. Dadurch sind automatisch mehr Motoren gleichzeitig „eingeklinkt“, um gegenzuhalten.

Das System „entscheidet“ sich also nicht aktiv für mehr Kraft – die Physik der Geometrie erzwingt es einfach.

Die Erkenntnis: Muskelkraft ist Geometrie

Die eigentliche Botschaft der Arbeit ist bahnbrechend: „Muskelverhalten“ ist kein exklusives Privileg der Natur. Es entsteht immer dann, wenn drei Faktoren zusammenkommen: viele aktive Einheiten, eine regelmäßige Struktur und eine zeitweise Kopplung.

Damit verschiebt sich unsere Perspektive: Muskelkraft ist im Kern ein strukturelles Phänomen. Es geht um Anordnung und Zusammenspiel. Künstliche Muskeln der Zukunft müssen also keine Biologie imitieren – sie müssen nur die richtige Architektur besitzen.

Was bedeutet das für die Technik?

Der Fokus rückt weg von teuren Spezialmaterialien hin zur Systemarchitektur. Das macht künstliche Muskeln:

  • Einfacher: Robuste Systeme ohne komplexe Chemie oder Sensoren sind denkbar.
  • Wartungsärmer: Die Steuerung ist direkt in die Hardware „eingebaut“ (Mechanical Intelligence).
  • Effizienter: Durch das Verständnis der Wellenmuster lassen sich Antriebe gezielter designen.

Auch wenn die Natur in Sachen Feinsteuerung und Energieeffizienz (ATP) noch weit vorne liegt, zeigt dieser neue Ansatz den Weg zu einer völlig neuen Generation von Maschinen.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.