Pilot trägt Elektrodenkappe 04.03.2015, 11:31 Uhr

Drohne lässt sich mit Gedankenkraft steuern

Sehen so die Piloten der Zukunft aus? Mit einer Elektrodenkappe auf dem Kopf ist es Testpersonen gelungen, eine Drohne starten, herumfliegen und wieder landen zu lassen. Die Forscher denken nun sogar an den Einsatz in Linienflugzeugen. 

Die EEG-Kappe könnte vielleicht sogar auf Linienflügen zum Einsatz kommen. Im Flugsimulator funktioniert die Gedankensteuerung bereits, wie der portugiesische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Tekever beweisen konnte. 

Die EEG-Kappe könnte vielleicht sogar auf Linienflügen zum Einsatz kommen. Im Flugsimulator funktioniert die Gedankensteuerung bereits, wie der portugiesische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Tekever beweisen konnte. 

Foto: A. Heddergott/TU München

Allein der Wille versetzt Berge, lautet ein altes Sprichwort. Dass auch Gedanken in der Lage sind, quasi wie von Geisterhand unbemannte Flugobjekte abheben zu lassen, ist nun demonstriert worden – von Forschern des internationalen Brainflight-Projekts. Mithilfe eines Brain-Computer-Interface, hier eine EEG-Kappe, konnten neuronale Vorgänge in den Gehirnen von Testpiloten durch eine Software in echte Steuerungsbefehle umgewandelt werden.

Das Ergebnis war nun bei einer Präsentation in Lissabon zu sehen: Eine Drohne startete, glitt geschmeidig durch die Luft und setzte anschließend unbeschadet auf dem Boden auf. Dabei sind praktische Anwendungen mit Hirn-Computer-Schnittstellen keinesfalls neu. So sind ähnliche Flugversuche beispielsweise Forschern aus Minnesota bereits mit Quadrocoptern gelungen.

Diese Drohne ließ ein Pilot in Lissabon fliegen – nur mit der Kraft seiner Gedanken. Möglich macht das eine softwareunterstützte EEG-Kappe, die neuronale Gehirnvorgänge in Steuerungsbefehle umsetzt. 

Diese Drohne ließ ein Pilot in Lissabon fliegen – nur mit der Kraft seiner Gedanken. Möglich macht das eine softwareunterstützte EEG-Kappe, die neuronale Gehirnvorgänge in Steuerungsbefehle umsetzt. 

Foto: Tekever

Auch andere Einsatzzwecke werden seit einiger Zeit erforscht. Zum Beispiel könnte die Technik Behinderten helfen, Beinprothesen zu bewegen oder auch dabei, eine elektronische Sprachausgabe zu steuern.

Simulationen haben bereits gezeigt: Auch Nicht-Piloten könnten ein Flugzeug steuern

Für die technische Basis sowie die Koordination des europäischen Brainflight-Projekts zeichnet der portugiesische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Tekever verantwortlich. Zu den weiteren Beteiligten zählt ein Forschungsinstitut aus den Niederlanden und die Technische Universität München. Letztere konnte bereits im vergangenen Jahr unter Beweis stellen, dass sich sogar große Flugzeuge nur mithilfe von Elektroden und Gedanken landen lassen – bislang allerdings nur in einer Simulation.

Damit Mensch und Maschine kommunizieren können, werden die Gehirnströme des Piloten mithilfe von Elektroenzephalografie-Elektroden gemessen. 

Damit Mensch und Maschine kommunizieren können, werden die Gehirnströme des Piloten mithilfe von Elektroenzephalografie-Elektroden gemessen. 

Foto: A. Heddergott/TU München

Selbst Personen, die noch nie aktiv ein Flugzeug gesteuert hatten, gelang die Navigation. Allerdings verlangt es mitunter etwas Zeit und Übung, bis die gedanklichen Befehle von der Software auch passgenau umgesetzt werden. Die Schnittstelle muss quasi für jeden Nutzer individuell kalibriert werden.

Der Traum der Forscher: Passagierflugzeuge mit Gedanken steuern

Einige Forscher des Brainflight-Projekts spielen bereits öffentlich mit dem Gedanken, das Brain-Computer-Interface für die Steuerung von Linienflügen einzusetzen. Ihr Argument: Durch eine Entlastung der Hände der Piloten würde die Sicherheit letztendlich sogar gesteigert.Bis die Pilotenmützen im Cockpit aber tatsächlich Elektrodenhauben weichen, dürfte noch einige Zeit ins Land ziehen. Schließlich ist mögliches Gefahrenpotenzial hinter der Technik schnell ersonnen – angefangen beim einfachen Ausfall des Systems bis hin zu feindlichen IT-Angriffen auf die Schnittstelle. 

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