Social Media 18.11.2022, 09:10 Uhr

Ultimatum bei Twitter: Was will Musk mit Twitter erreichen?

In letzten Tagen spricht man viel und oft über Elon Musk und Twitter. Die Social-Media-Plattform Twitter wandert jeden Tag durch die Presse, so dass man durchaus eine eigene Geschichte darüber schreiben könnte, wenn man die Schlagzeilen nur querliest. Jetzt hat Musk sogar ein Ultimatum an Twitter-Mitarbeitende gestellt: sich zu Überstunden zu verpflichten oder das Unternehmen zu verlassen.

Twitter

Die Social-Media-Plattform Twitter wandert jeden Tag durch die Schlagzeilen.

Foto: PantherMedia / oasisamuel

Twitter-Chaos in Schlagzeilen

  • Musk droht abtrünnigen Twitter-Werbekunden
  • Musk denkt auch über Bezahl-Twitter nach
  • Musk stoppt neues Häkchen für Prominente nach wenigen Stunden
  • Neue Abo-Regelung führt zu Fake-Accounts von Promis auf Twitter
  • Musk warnt vor Geldproblemen bei Twitter – schließt Pleite nicht aus
  • US-Verbraucherschutzbehörde warnt Twitter nach Häkchen-Chaos
  • Musk schließt Twitter-Insolvenz nicht aus – Top-Manager gehen
  • Twitter pausiert Abo-Verifizierung nach vielen Fake-Accounts
  • Musk: Abo-Verifizierung kommt erst am 29. November wieder
  • Musk stellt Ultimatum bei Twitter – Überstunden oder Kündigung

Twitter als teures Spielzeug für Musk?

Man braucht die Artikel, die hinter diesen Schlagzeilen stehen, eigentlich nicht zu lesen, um zu verstehen, dass bei Musks chaotischer Twitter-Übernahme viel los ist. Diejenigen, die seit Jahren Twitter als Informationsquelle nutzen und schätzen, können nur den Kopf schütteln und mit Popcorn in der Hand die weitere Entwicklung verfolgen. Die entscheidende Frage ist nun: Fährt Musk Twitter gegen die Wand oder doch nicht? Schließlich hat Musk laut Berichten rund 44 Milliarden Dollar dafür auf den Tisch gelegt. Ganz schön teuer, um das neue Spielzeug gleich zu zerlegen.

Ja, seit rund zwei Wochen wohnen wir alle einem Spektakel bei: Der Milliardär bezahlt zu viel Geld für die Social-Media-Plattform Twitter. Dann springen große Werbekunden ab. Dann möchte er Geld einnehmen und setzt ein Abo-Modell um und verursacht damit eine riesige Troll-Bewegung. Es scheint, dass er wie ein Kleinkind sein neues Spielzeug in alle Himmelsrichtungen schleudert, um zu verstehen, wie es funktioniert und wie es, zerbrochen, von innen aussieht.

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Für was steht Twitter?

Wollen wir das „Spielzeug“ einmal von verschiedenen Seiten betrachten und erinnern uns, wie es anfing:
Mikroblogging-Dienst Twitter (engl. für „Gezwitscher“) gilt als das Echtzeit-Medium schlechthin. Wenn in der Welt etwas Neues passiert, erfährt man es zuerst auf Twitter und erst dann in anderen Medien.

Ein Beispiel: Augenzeugen schossen im Januar 2009 Fotos von einer spektakulären Wasser-Notlandung, als ein Flugzeug auf dem Hudson River in New York notlanden musste. Menschen teilten diese Fotos auf Twitter und in Sekundenschnelle wurde das Netzwerk für aktuelle Berichterstattung durch private Nutzer relevant. Seitdem sind viele Jahre vergangen und Twitter wurde immer größer und bedeutender. Aus dem Netzwerk wurde ein digitaler Zeitzeuge der Menschheitsgeschichte.

Wie funktioniert eigentlich Twitter?

Privatpersonen, Organisationen, Unternehmen und Massenmedien nutzen Twitter zur Verbreitung von telegrammartigen Textnachrichten (Tweets) im Internet. Dazu können sie auch Bilder, Videos oder Links zu Videos oder Webseiten einfügen. Vor einigen Jahren hat Twitter seine maximale Zeichenbegrenzung von 140 auf 280 Zeichen angehoben.

Das Echtzeitmedium Twitter arbeitet mit sogenannten Hashtags (#), also verlinkten Schlagwörtern. Die Schlagwörter bündeln Themen, die sich über das soziale Netzwerk schnell verbreiten können. Wenn man sich zu einem Thema informieren möchte, folgt man diesen Hashtags oder entsprechenden Accounts. Einige Accounts haben das blaue Verifizierungsabzeichen – z.B. von bekannten Politikern oder Unternehmen. Das Häkchen lässt erkennen, dass ein Account von öffentlichem Interesse und echt ist. Genau diese Häkchen wollte Musk demnächst für acht Dollar verkaufen – logisch, dass vielen „Fake-Accounts“ dadurch für nur acht Euro ihre Echtheit verliehen wurde. Deshalb musste Musk schnell zurückrudern.

Was auf Twitter alles möglich ist…

Für einige assoziiert sich Twitter mit Donald Trump, der auf Twitter seine zahlreichen Statements und skurrile Fake Nachrichten verbreitete und war so überaus tüchtig, dass Twitter seinen Account mit Millionen Followern auf Druck von Außen alsbald sperrte.

Auf Twitter konnte der deutsche Nachrichtensprecher Constantin Schreiber nach einem Tweet von Jan Böhmermann beweisen, dass er ein echter Mensch und kein Roboter ist. Aber das war ja nur ein Joke. Auf Twitter kündigten viele prominente Politiker oder Geschäftsführer ihre Rücktritte an oder verkündeten Neueinstellungen… Es gibt viele Beispiele, gute und schlechte, traurige und lustige Nachrichten, Bilder, die auf Twitter in all den Jahren ihre Runden drehten und erst dadurch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wurden. Nun feuert der neue Chef Twitter Mitarbeiter per Tweet… Na ja, auch eine Option, wie man mit Twitter „spielen“ kann.

Twitter-Flüchtlinge zu Mastodon

Seit der Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter durch Elon Musk überlegen viele Nutzer einen Wechsel zu anderen Social-Media-Plattformen. Am häufigsten spricht man in dieser Hinsicht von dem in Deutschland entwickelten Netzwerk „Mastodon“.

Im Gegensatz zu Twitter besteht Mastodon aus einem dezentralen Netzwerk auf verschiedenen Servern. Mastodon-Nutzer können zwar mit den Mitgliedern aller anderen Communitys kommunizieren, doch die „Hausregeln“ scheinen auf den verschiedenen Instanzen unterschiedlich zu sein. Dort muss man sich für eine „Gemeinschaft“ entscheiden. Einige Medien vergleichen diese Funktionsweise von Mastodon mit Mails. Man kann auch gmx-, hotmail- oder gmail – Mail-Konten anschreiben und Antworten erhalten. Inzwischen hat diese neue Plattform bereits rund 6 Millionen Accounts. Die meisten davon kamen nach der Twitter-Übernahme durch Elon Musk hinzu. Zum Vergleich: bei Twitter gibt es 238 Millionen aktive Nutzer.

Statt von Tweets wie bei Twitter spricht man von bei Mastodon von „Toots“ oder übersetzt „Tröts“. Ähnlich wie bei Twitter ist die Länge einer Nachricht begrenzt. Die „Tröts“ können von anderen Nutzern kommentiert, geteilt und favorisiert werden. Die Nutzer können sich gegenseitig folgen.
Viele Twitter-Nutzer probieren Mastodon als Alternative aus. Aber nur einige wenige haben sich komplett von Twitter zurückgezogen. Wie Automobilwoche berichtet, haben z.B. alle VW-Marken nach der Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter durch Tesla-Chef Elon Musk ihre Werbemaßnahmen dort eingestellt. Audi ging noch weiter und stellte auch die redaktionelle Nutzung ein.

Aber noch scheint alles offen zu sein. Mastodon hat noch einen langen Weg vor sich, um Twitter aufzuzschließen und eventuell zu überholen.

Was will Musk mit Twitter wirklich?

Um blaue Häkchen geht es Musk mit ziemlicher Sicherheit nicht alleine. Ebenso wenig um Krypto. Will er eine Sozialplattform ohne Zensur schaffen? Während einige prophezeien, dass der Visionär Musk dabei an seiner eigenen Vision scheitert, rätseln die anderen, was hinter diesem „Spiel“ wirklich steckt. Setzt er Twitter in einen goldenen Käfig? Lässt er daraus einen Phönix entstehen? Haucht er Twitter ein ganz neues Leben ein? Oder war sein Ziel der Übernahme – einfach mal Twitter auszuschalten? Es gibt Fragen über Fragen.

Man kann aber auch einen genialen Schachzug hinter all diesen Taten und Chaos-Schlagzeilen vermuten: Ist der jetzige Twitter nur ein Prototyp, an dem Musk seine nur ihm bekannten Visionen und Ideen testet? Einen Prototyp bei Null zu erstellen, würde ihn viel Zeit kosten. Und Zeit kostet bekanntlich viel Geld.

Vielleicht ist diese gewonnene Zeit punktgenau 44 Milliarden Dollar wert…

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Content-Managerin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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