Telefonieren über das Internet 30.04.2019, 16:17 Uhr

Welche Chancen bieten sich mit Voice-over-IP?

Die meisten Menschen nutzen Voice-over-IP schon. Sie wissen es nur noch nicht, weil die Anbieter weiterhin mit dem Begriff „Festnetz“ werben. Was steckt hinter Voice-over-IP bzw. VoIP? Und welche Vorteile haben Nutzer und Unternehmen von der Internettelefonie?

Mann mit Smartphone am Ohr

Foto: panthermedia.net/belchonock

Dank Smartphone und Apps wie Skype, WhatsApp oder Facetime ist die VoIP-Technologie längst im Alltag angekommen. Auch wenn die Nutzer selbst die Umstellung gar nicht bemerkt haben. Festnetz ist längst nicht mehr Festnetz, wie wir es kannten. Neben dem Mobilfunk ist nämlich auch das Telefonieren über den DSL-Anschluss sehr weit verbreitet. Schon im Jahr 2017 gab es mehr als 20 Millionen Voice-over-IP-Anschlüsse via DSL in Deutschland. Mittlerweile dürften die meisten deutschen Haushalte über VoIP telefonieren. Nur, wer heute Kunde bei der Telekom ist, könnte noch einen der wenigen analogen Telefonanschlüsse (Festnetz) nutzen. Der Rest sind größtenteils Unternehmen – doch dazu später mehr.

Die Technologie hinter Voice-over-IP

In ihrem Grundprinzip ist die Technologie von Voice-over-IP schnell erklärt. Dabei handelt es sich um die digitale und nicht mehr analoge Sprachübertragung. Diese geschieht wiederum nicht mehr über die standardmäßige ISDN- oder TAE-Dose, sondern verläuft über den DSL-Anschluss mittels Internet Protocol (IP). Oder auch mithilfe anderer Netzwerke wie dem Mobilfunk. Für die Telefonie wird also keine feste und analoge Leitung mehr zur Verfügung gestellt – sie funktioniert wie auch das Internet über DSL, LTE und WLAN. Doch was passiert dabei genau?

  1. Die Sprache oder das Audiosignal beim Telefonieren wird im ersten Schritt digitalisiert – also in digitale Datenpakete übersetzt, damit es überhaupt via Internetanschluss übertragen werden kann. Diese Übersetzung übernimmt das Modem, ein IP-Telefon oder auch das Smartphone.
  2. Die digitalen Datenpakete werden nun an den Empfänger über das Internet verschickt.
  3. Dort angekommen, werden die Datenpakete wieder in die normale Sprache übersetzt und als Audiosignal ausgegeben.

Wird VoIP über ein spezielles Telefon genutzt – heute verfügen die meisten „Festnetz“-Telefone über VoIP – funktioniert es über SIP. Damit eine Verbindung zwischen den VoIP-Endgeräten überhaupt hergestellt werden kann, braucht es das Session Initiation Protocol (SIP). Dadurch werden die Kommunikationsverbindungen zwischen den Teilnehmern gesteuert. Jeder Teilnehmer hat eine eigene SIP-Adresse.

Ist die Qualität mit klassischer Telefonie vergleichbar?

Die Sprachqualität mittels VoIP-Technologie ist mit dem klassischen Festnetzanschluss nicht nur vergleichbar, sondern befindet sich mindestens auf dem gleichen Niveau. Dafür spricht auch, dass viele Nutzer heute gar nicht wissen, dass sie längst VoIP daheim und unterwegs nutzen. Die Telekom selbst gibt an, dass bereits über 90 % ihrer Telefonanschlüsse über VoIP laufen. Ein Grund, warum die Technologie nicht als solche wahrgenommen wird, ist die Werbung mit dem Begriff „Festnetz“. Festnetz ist auf dem Markt der Kommunikationstechnik so etabliert, dass es schwer wegzudenken ist. Dabei sind die „echten“ Festnetzanschlüsse nur noch selten anzutreffen. Bis 2022 wollen alle Netzbetreiber vollständig auf Voice-over-IP umsteigen. Einige Anbieter werben auch schon länger mit „IP-Telefonie“, „VoIP“ oder „Internettelefonie“. Und dennoch: Die Sprachqualität kann mit dem analogen Anschluss zwar mithalten, es gibt allerdings einige Stolpersteine, die VoIP noch nicht umgehen kann.

Kann VoIP das Festnetz vollständig ersetzen?

Es ist zwar von den Anbietern geplant, das klassische Festnetz vollständig abzubauen, jedoch gibt es im Alltag Fälle, wo eine echte Alternative fehlt.

Das Faxgerät ist ein solcher Problemfall. Vielerorts wird das Fax belächelt und trotzdem nutzen ihn laut einer Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2018 immerhin zwei Drittel aller deutschen Unternehmen regelmäßig. Vor allem die Stabilität und Sicherheit des Faxgerätes über die analoge Verbindung werden im gewerblichen Bereich sehr geschätzt. Die Teilnehmer erhalten eine Sendebestätigung, es gibt keinen Spamfilter und Hacker können in das Netzwerk nicht so einfach eindringen. Theoretisch gibt es auch schon Fax-over-IP-Standards wie T.37 oder T.38, diese werden in der Praxis allerdings noch nicht von allen Betreibern unterstützt. Außerdem braucht es perfekte Übertragungsbedingungen, damit die Fax-Datenpakete auch komplett ohne Verlust beim Empfänger ankommen. Auf dieser Baustelle scheint es also noch Entwicklungspotential zu geben.

Auch der Aspekt mit dem Stromnetzwerk sollte nicht unterschätzt werden. Früher war die Regel: Auch wenn der Strom ausfällt, Telefonieren geht trotzdem noch. Denn die Leitung ist eine separate und hat mit dem Stromnetz nichts zu tun. VoIP hängt dagegen wie alle DSL-Funktionen am Stromnetz und ist von diesem abhängig. In Deutschland kommen Stromausfälle zwar nicht so häufig vor wie in anderen Ländern. Dennoch bleibt dies ein Faktor, der für die analoge Telefonie spricht.

Hinzu kommt, dass die Internettelefonie logischerweise auch von der eigenen Internetverbindung abhängt. Zwar sagen viele Experten, dass bereits eine Übertragungsgeschwindigkeit von 100 kbit/s für eine sichere Telefonverbindung ausreicht. Trotzdem versteht auch ein Laie, dass der Internetanschluss nicht nur für die Telefonie verwendet wird. Eine deutliche höhere Geschwindigkeit im Mbit/s-Bereich ist daher dringend zu empfehlen, wenn man Wert auf verständliche Gespräche legt.

Eine weitere Baustelle sind Alarm- und Notfallanlagen – beispielsweise in Aufzügen oder in kritischen Infrastrukturen. Dort setzen viele Anbieter noch auf die vom Stromnetz abgekoppelte analoge Leitung. Denn fällt der Strom in einem Notfall aus, braucht es eine Absicherung. Auch in diesem Bereich wird noch an Alternativen gearbeitet.

Internationales Potenzial

Trotz der einzelnen Fälle, in denen die analoge Festnetzleitung immer noch gebraucht und regelmäßig genutzt wird, gewinnt die VoIP-Technologie mehr und mehr an Bedeutung. Besonders international bietet VoIP den unschlagbaren Vorteil der günstigen Telefonie. Während man früher noch teilweise mehrere Euro pro Minute zahlen musste, um mit den Verwandten im weit entfernten Asien zu telefonieren, können Menschen heute per Skype oder auf anderem Weg quasi kostenfrei miteinander in Verbindung treten. Man muss lediglich den monatlichen Internetanschluss bezahlen. Die Internettelefonie ist somit eine Technologie, die Landesgrenzen auflöst und auch Menschen mit wenig Geld die Möglichkeit bietet, weltweit mit anderen in Kontakt zu kommen. Auch für Unternehmen ist VoIP eine kostengünstige Alternative, um mit internationalen Gesprächspartnern up to date zu bleiben. Wenn die Stolpersteine erst einmal beseitigt werden, kann die VoIP-Technologie ihr volles Potenzial entfalten – in Unternehmen und Gesellschaft.

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Von Nick Gretzinger

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