SANFORD WALLACE VERURTEILT 17.06.2016, 09:32 Uhr

Spam-König muss ins Gefängnis

Rund 20 Jahre lang hat Sanford Wallace Millionen Verbraucher mit Spam-Nachrichten terrorisiert. Selbst Millionenstrafen schreckten ihn nicht ab. Jetzt aber muss der „King of Spam“ zum ersten Mal in Haft.

Für 30 Monate ins Gefängnis muss der selbsternannte "King of Spam" Sanford Wallace. In rund 20 Jahren hat er Millionen Verbraucher mit Spam-Nachrichten terrorisiert. <strong> </strong>

Für 30 Monate ins Gefängnis muss der selbsternannte "King of Spam" Sanford Wallace. In rund 20 Jahren hat er Millionen Verbraucher mit Spam-Nachrichten terrorisiert.  

Foto: Felix Kästle/dpa

Eine gewisse Genugtuung ist den Artikeln über das Urteil gegen Sanford Wallace anzumerken. Dass der Typ nun „endlich“ ins Gefängnis komme, ist Tenor zahlreicher Berichte, die eher mühsam die journalistische Neutralität wahren. Selbst die Süddeutsche Zeitung bezeichnet Wallace als „eine der größten Nervensägen des Internets“.

Den Titel hat er sich redlich erworben. Schon vor der Ausbreitung des Internets verschickte Wallace in den 1990er-Jahren massenhaft Werbung per Fax. Die ließ er sich von den beworbenen Unternehmen ebenso gut bezahlen wie später die Serienmails, die ihm den Titel „King of Spam“ einbrachten – und den er augenscheinlich mit einigem Stolz trug. Den unfreundlichen Spitznamen „Spamford“ nutzte er sogar für eine eigene Domain.

Gewisse Kompetenz als Hacker

Im Internetzeitalter stieg die Zahl seiner Opfer in die Millionen. Bekannt war das alles lange, und auch den Gerichten fiel der Nachweis illegaler Tätigkeiten nicht schwer – nur beschränkten sie sich bislang auf zivilrechtliche Urteile, die in einem Fall sogar 234 Millionen Dollar Schadenersatz bedeuteten.

Die Haftstrafe für Sanford Wallace ist zugleich eine Botschaft an die Spammer-Branche: Man kann dafür wirklich ins Gefängnis kommen!

Die Haftstrafe für Sanford Wallace ist zugleich eine Botschaft an die Spammer-Branche: Man kann dafür wirklich ins Gefängnis kommen!

Foto: Laurel L. Russwurm

Wallace aber focht das alles nicht an. Der in Las Vegas lebende Endvierziger sah sich als Zocker, der letztlich immer noch einen Trick auf Lager hat. Und eine gewisse Kompetenz ist ihm nicht abzusprechen: Unter anderem infizierte er zahllose private Computer mit Viren, um anschließend Werbung für Schutz-Software an die Betroffenen zu verschicken. Die üblichen Spamfilter umging er unter anderem, indem er gefälschte Absenderadressen nutzte. Mithilfe selbst entwickelter Software hat Wallace dann vor ein paar Jahren Hunderttausende Facebook-Konten geknackt. Auf diese Weise kam er an die Kontakte unzähliger Nutzer des Netzwerks und verschickte an sie insgesamt rund 27 Millionen unerwünschte Werbemails.

Psychische Störung?

Genau diese Methode aber wurde Wallace jetzt zum Verhängnis. Ein US-Gericht verurteilte ihn zu zweieinhalb Jahren Haft und einer Geldstrafe von 310.000 Dollar. Der Richter sprach auch von einer möglichen psychischen Störung bei dem Mann, der offenbar kein Unrechtsbewusstsein hat. Mit der Strafe ist Wallace zwar noch gut weggekommen angesichts der 16 Jahre, die maximal möglich gewesen wären, aber die Botschaft an die Spammer-Branche ist doch eindeutig: Man kann dafür wirklich ins Gefängnis kommen!

Die Geldstrafen und Schadenersatzforderungen haben jedenfalls bei Wallace ohnehin keine Wirkung gehabt. Laut Medienberichten ist er schon seit sieben Jahren vollkommen pleite – und die mehreren hundert Millionen Dollar, die allein Facebook von ihm verlangen darf, werden sicher nie fließen.

Spams sind nicht nur lästig und nervig, sie können auch großen Schaden anrichten. Umso erfreulicher war im Juni 2015 die Nachricht, dass erstmals seit zwölf Jahren mehr echte E-Mails unterwegs waren als Spam. Wer weiß, vielleicht gibt es ja bald wieder so eine gute Nachricht, wenn der Spam-König erstmal zwangsweise vom Netz getrennt ist.

Von Werner Grosch
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