1,72 Terabit pro Sekunde 04.11.2016, 09:24 Uhr

Highspeed-Internet: DLR meldet Weltrekord mit optischer Datenübertragung per Laser

Gerade im ländlichen Raum ist die Versorgung mit Breitband-Internet noch immer mangelhaft. Weil Kabel hier einfach zu teuer sind, könnte die optische Übertragung über Satelliten die Lösung sein: Das DLR macht offenbar große Fortschritte hin zum superschnellen Internet für alle.

Thrust-Projektleiter Dr. Juraj Poliak trifft am Hohenpeißenberg letzte Vorbereitungen für den Datenempfang. Entwickelt wurde das Thrust-Empfangsterminal vom Institut für Kommunikation und Navigation des DLR. 

Thrust-Projektleiter Dr. Juraj Poliak trifft am Hohenpeißenberg letzte Vorbereitungen für den Datenempfang. Entwickelt wurde das Thrust-Empfangsterminal vom Institut für Kommunikation und Navigation des DLR. 

Foto: Bernd Müller/DLR

1,72 Terabit pro Sekunde. Das ist eine Datenmenge, die dem Inhalt von 45 DVDs entspricht. Und die haben jetzt Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) über mehr als zehn Kilometer durch die Luft gejagt: Ein neuer Weltrekord bei der optischen Datenübertragung per Laser sei dies, verkünden die Forscher vom DLR-Institut für Kommunikation und Navigation in Oberpfaffenhofen bei München.

Direkte Kontrolle: Die Daten wurden störungsfrei übermittelt. 

Direkte Kontrolle: Die Daten wurden störungsfrei übermittelt. 

Quelle: Bernd Müller/DLR

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Internetzugang mit hohen Datenraten auch außerhalb der Ballungsgebiete zu ermöglichen, und wollen zeigen, wie dies mit Satelliten möglich ist“, erklärt Institutsdirektor Prof. Christoph Günther. Weil Glasfaserverbindungen und andere terrestrische Systeme außerhalb der Ballungszentren kaum verfügbar seien, biete sich eine Versorgung über geostationäre Satelliten an, sagt er. In dem Forschungsprojekt Thrust (Terabit-throughput optical satellite system technology) werden Satelliten über eine Laserverbindung an das terrestrische Internet angebunden. Die Kommunikation mit den Nutzern erfolge dann im Ka-Band, einer üblichen Funkfrequenz der Satellitenkommunikation.

Worst Case der atmosphärischen Störungen

Haupthindernis bei der Übertragung im freien Raum sind mögliche atmosphärische Störungen. Ein erster Praxistest Ende Oktober über eine Strecke von drei Kilometern in der Nähe des DLR-Standortes verlief nicht nur erfolgreich, sondern zeigte auch noch Leistungsreserven, berichtet Projektleiter Dr. Juraj Poliak. Deshalb haben die DLR-Forscher für den folgenden „maximalen Belastungstest“ jetzt ein Gebiet ausgewählt, das die gleichen Störfaktoren zeigt wie – im schlimmsten Fall – die Strecke ins All: Die Übertragung fand zwischen dem Ort Weilheim und einem hoch gelegenen Areal auf dem Hohenpeißenberg statt – und auch das mit Erfolg.

Stabilität ist extrem wichtig

Die DLR-Wissenschaftler sehen in dem Testergebnis den Nachweis der Machbarkeit selbst in einem Worst-Case-Szenario. Nun wollen sie sich weiter dem zentralen Thema der Stabilität widmen und die Einflüsse der Atmosphäre noch besser verstehen lernen, erklärt Dr. Ramon Mata Calvo: „Die Stabilität der Verbindung ist extrem wichtig, da selbst eine kurze Unterbrechung von lediglich zehn Millisekunden zum Verlust von zehn Gigabit pro Sekunde führt.“

Das vom DLR entwickelte Sendeterminal namens Thrust stand beim Weltrekordversuch mehr als zehn Kilometer entfernt vom Empfänger. 

Das vom DLR entwickelte Sendeterminal namens Thrust stand beim Weltrekordversuch mehr als zehn Kilometer entfernt vom Empfänger. 

Quelle: Bernd Müller/DLR

In jedem Fall biete die optische Übertragung per Satellit die Chance, wirklich jede Region der Erde ans Highspeed-Internet anzubinden. Ein Ziel, das natürlich nicht nur im DLR angepeilt wird. Google und Facebook beispielsweise machen ja sogar gemeinsame Sache bei der Installation eines superschnellen Seekabels im Pazifik. Weil solche physischen Einrichtungen aber eben sehr teuer sind, könnte die optische Übertragung eine echte Alternative sein. Auch auf kurzen Wegen, etwa im Bereich der Industrie, wird schon seit einigen Jahren an entsprechenden Technologien gearbeitet.

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