Führungswechsel 01.09.2026, 10:42 Uhr

Hardwareingenieur übernimmt Apple: Was John Ternus jetzt beweisen muss

Der neue Apple-Chef John Ternus kommt aus der Hardwareentwicklung und übernimmt mitten im Umbau durch KI, neue Chiparchitekturen und fragile Lieferketten. Warum sein Ingenieurprofil jetzt zum Vorteil werden könnte.

Der künftige Apple-CEO John Ternus und Tim Cook kennen sich gut. Foto: © 2026 Apple Inc. Alle Rechte vorbehalten

Der künftige Apple-CEO John Ternus und Tim Cook kennen sich gut.

Foto: © 2026 Apple Inc. Alle Rechte vorbehalten

Seit dem 1. September 2026 hat Apple einen neuen CEO. John Ternus, bislang Senior Vice President of Hardware Engineering, folgt auf Tim Cook. Der langjährige Konzernchef wechselt auf den Posten des Executive Chairman. Der Vorstand hatte die Nachfolge bereits im April einstimmig beschlossen. Mit Ternus übernimmt ein Manager die operative Führung, dessen Apple-Karriere unmittelbar aus der Hardware- und Produktentwicklung kommt.

Ternus kommt dabei nicht in ein Unternehmen in der Krise. Im Ende Juni abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal 2026 erzielte Apple mit 109,4 Mrd. $ den höchsten Umsatz in einem Juni-Quartal. Das waren 16 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Geschäftsjahr 2025 lag der Jahresumsatz laut der US-amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) bei 416,2 Mrd. $. Apple selbst beziffert die Marktkapitalisierung des Konzerns, die bei Cooks Amtsantritt 2011 bei rund 350 Mrd. $ lag, inzwischen auf rund 4 Bio. $. Zudem sind nach Unternehmensangaben mehr als 2,5 Mrd. Apple-Geräte aktiv.

Das ist ein komfortables Erbe. Aber gleichzeitig auch ein schwieriges. Ternus muss nicht beweisen, dass Apple Geld verdienen kann. Entscheidend wird sein, ob der Konzern auch technologisch neue Märkte und Anwendungen prägen kann.

Maschinenbauer aus dem Inneren von Apple

Die Laufbahn von John Ternus ist die eines klassischen Apple-Insiders. Bereits 2001 kam er zum Produktdesignteam des Konzerns, 2013 wurde er Vice President of Hardware Engineering und 2021 stieg er zum Senior Vice President auf. Zuvor hatte der Maschinenbau-Absolvent der University of Pennsylvania als Mechanical Engineer bei Virtual Research Systems gearbeitet.

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Bei Apple war Ternus an der Hardware-Entwicklung zahlreicher Generationen von iPhone, iPad, Mac, Apple Watch und AirPods beteiligt. Besonders seine Rolle beim Wechsel der Macs von Intel-Prozessoren auf Apple Silicon hebt der Konzern hervor. Apple übernahm damit einen größeren Teil der Prozessorentwicklung selbst und konnte Chipdesign, Betriebssystem und Hardware stärker aufeinander abstimmen. Wie groß der daraus resultierende Vorteil gegenüber konkurrierenden Architekturen tatsächlich ist, hängt allerdings vom jeweiligen Einsatzfall ab.

Ternus kennt Apple damit aus der Produktentwicklung und nicht nur aus der Konzernsteuerung. Das könnte ihm in einer Phase helfen, in der Prozessoren, künstliche Intelligenz (KI), Betriebssysteme, Sensorik und Endgeräte immer stärker zusammenspielen müssen.

KI wird zur entscheidenden Bewährungsprobe

Gerade bei KI steht Apple unter Druck. Unternehmen wie OpenAI, Google, Microsoft und Meta bestimmen bislang einen großen Teil des Tempos bei generativer KI. Apple verfolgt einen stärker gerätezentrierten Ansatz: KI-Funktionen sollen möglichst tief in Betriebssysteme und Geräte integriert und, wo möglich, lokal berechnet werden. Gleichzeitig will der Konzern sein Datenschutzversprechen aufrechterhalten.

Das ist auch eine Hardwareaufgabe. KI direkt auf dem Endgerät stellt hohe Anforderungen an Prozessorleistung, Speicherbandbreite und Energieeffizienz. Gleichzeitig dürfen Wärmeentwicklung und Stromverbrauch bei Smartphones, Tablets oder Notebooks nicht aus dem Ruder laufen.
Reuters sieht deshalb gerade die Integration künstlicher Intelligenz in das iPhone als eine der zentralen Aufgaben für Ternus.

Im Juni stellte Apple eine grundlegend überarbeitete, stärker mit Apple Intelligence verzahnte Version des Sprachassisenten Siri vor. In der EU fällt der Start allerdings eingeschränkt aus: Für iPhone und iPad hat Apple Siri AI wegen der Anforderungen des Digital Markets Act auf unbestimmte Zeit verschoben. Für macOS und visionOS soll die Funktion dagegen verfügbar werden.

Ende August folgte mit dem M6 Apples erster Chip in 2-nm-Prozesstechnik. Er verfügt unter anderem über eine CPU mit zwölf Kernen, eine GPU mit zwölf Kernen sowie zwei Neural Engines mit jeweils 16 Kernen. Für den neuen Mac mini verspricht Apple bei ausgewählten KI-Workloads eine bis zu viermal höhere Leistung als beim Vorgänger mit M4. Dabei handelt es sich bislang um einen Herstellerbenchmark: Der Rechner kommt erst am 22. September dieses Jahres auf den Markt, unabhängige Tests liegen daher noch nicht vor.

Apple setzt weiterhin darauf, wesentliche Teile des Systems selbst zu entwickeln – vom Chip über das Betriebssystem bis zum Endgerät. Ob daraus bei KI tatsächlich ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil entsteht, muss sich aber erst noch zeigen.

Schnellere Chips lösen Apples strategische Frage nicht

Denn Apple beherrscht die kontinuierliche Verbesserung seiner Produkte seit Jahren. Prozessoren werden schneller, Kameras leistungsfähiger, Geräte dünner und Akkus ausdauernder. Aus solchen Fortschritten entsteht jedoch nicht automatisch eine neue Produktkategorie.
Die Frage, was langfristig neben oder nach dem iPhone zum nächsten großen Wachstumstreiber werden kann, bleibt deshalb offen. Die Vision Pro zeigt, wie weit Apple technisch gehen kann, aber ebenso, dass aufwendige Ingenieurarbeit allein keinen Massenmarkt schafft. Apple stellte das Headset 2023 als Einstieg in das „Spatial Computing“ vor. Der hohe Preis, das Gewicht und die Nutzungsszenarien begrenzen die Verbreitung bislang deutlich.

Kommt jetzt endlich ein faltbares iPhone?

Schon wenige Tage nach Ternus‘ Amtsantritt folgt die nächste öffentliche Bewährungsprobe. Für den 9. September hat Apple sein Produkt-Event angekündigt. Erwartet wird die nächste iPhone-Generation. Reuters zufolge könnte der Konzern dort auch ein lange erwartetes faltbares iPhone präsentieren. Apple selbst hat ein solches Gerät bislang nicht bestätigt.

Aus technischer Sicht wäre ein Foldable weit mehr als eine weitere Displayvariante. Scharniermechanik, Displayhaltbarkeit, Bauraum, Batterie und thermisches Management stellen Entwickler vor erhebliche konstruktive Herausforderungen. Wirtschaftlich entscheidend wäre allerdings, ob daraus tatsächlich ein neuer Nutzwert entsteht oder lediglich ein weiterer Formfaktor.

Lieferketten und Politik bleiben ein Risiko

Ternus wird sich zudem mit Problemen beschäftigen müssen, die sich nicht im Entwicklungslabor lösen lassen. Apple arbeitet in einem zunehmend schwierigen geopolitischen Umfeld. Lieferketten, Zölle, die starke Abhängigkeit von asiatischen Produktionsstandorten, Regulierung und Plattformmacht sind längst zu politischen Fragen geworden.

Auch steigende Komponentenpreise belasten die Branche. Reuters berichtete zuletzt unter anderem über stark gestiegene Speicher- und Halbleiterkosten. Apple selbst erhöhte im Sommer die Preise verschiedener Macs und iPads. Wie stark einzelne Kostenfaktoren dabei auf bestimmte Gerätepreise durchschlagen, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Unternehmensangaben allerdings nicht vollständig ableiten.

Tim Cook bleibt an erstmal an Bord

Dass Tim Cook als Executive Chairman an Bord bleibt, dürfte deshalb mehr als eine symbolische Entscheidung sein. Apple hat angekündigt, dass Cook unter anderem bei der Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern weltweit weiter unterstützen soll. Ternus übernimmt das operative Geschäft, während Cook bei politischen und internationalen Fragen präsent bleibt.

Parallel hat Apple auch seine technische Führung neu geordnet. Johny Srouji wurde im April zum Chief Hardware Officer ernannt und übernahm neben der Chipentwicklung auch die Verantwortung für Hardware Engineering. Der Informatiker Srouji kam 2008 zu Apple und gehört seit Jahren zu den prägenden Technikmanagern des Konzerns. Ternus‘ Aufstieg zum CEO bedeutet deshalb nicht, dass er seine bisherige Funktion einfach mitnimmt – die operative Hardwareführung liegt nun bei Srouji.

Ternus muss aus Technik Strategie machen

Steve Jobs steht bis heute für Apples Produktvision, Tim Cook für operative Exzellenz und wirtschaftliche Skalierung. Ternus bringt eine andere Prägung mit: Er kommt aus der Entwicklung und hat einen großen Teil seiner Karriere mit Hardware, Produktdesign und Systemarchitektur verbracht. Ob er daraus eine erfolgreiche Strategie für Apple entwickeln kann, ist offen. Schnellere Chips und leistungsfähigere Geräte werden dafür nicht genügen. Er muss zeigen, dass aus Apples Ingenieurkompetenz auch Anwendungen und Produkte entstehen, die dem Konzern neue Wachstumsfelder erschließen kann. Daran wird er sich messen lassen müssen.

John Ternus freut sich laut Apple auf die neue Aufgabe, doch ist er ihr auch gewachsen? Foto: © 2026 Apple Inc. Alle Rechte vorbehalten

Ein Beitrag von:

  • Elke von Rekowski

    Chefredakteurin der VDI energie + umwelt und freie Redakteurin der VDI nachrichten sowie Ingenieur.de, unter anderem für die Themen Elektronik und Telekommunikation. Als langjährige Technikjournalistin arbeitete sie für verschiedene Branchenmagazine und Fachzeitschriften. Außerdem ist sie Mit-Gründerin einer E-Health Nachrichtenplattform.

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