Modell auf Kanaren 16.07.2015, 10:38 Uhr

Windräder soll sich unter großen Talbrücken drehen

Britische und spanische Ingenieure wollen den freien Raum unter Brücken zur Energieerzeugung nutzen. Am Beispiel eines Viadukts auf den Kanarischen Inseln haben sie die Effektivität errechnet.

Das spanisch-britische Forscherteam hat am Beispiel eines Viaduktes auf den Kanarischen Inseln berechnet, welche Rotoren unter einer Brücke am effizientesten arbeiten. Die Forscher bevorzugen eine Konstruktion mit zwei Rotoren.

Das spanisch-britische Forscherteam hat am Beispiel eines Viaduktes auf den Kanarischen Inseln berechnet, welche Rotoren unter einer Brücke am effizientesten arbeiten. Die Forscher bevorzugen eine Konstruktion mit zwei Rotoren.

Foto: José Antonio Peñas/Sinc

Der freie Raum unter hohen Straßenbrücken lässt sich zur Energiegewinnung nutzen. Britische und spanische Wissenschaftler schlagen das vor. Sie untersuchten die Verhältnisse am Juncal-Viadukt auf der kanarischen Insel Gran Canaria. Ein Rahmen, der die Rotoren inklusive Generatoren hält, wird einfach zwischen die Pfeiler geklemmt.

Die Forscher der Londoner Kingston University und der Las Palmas de Gran Canaria University haben verschiedene Möglichkeiten speziell für die Windverhältnisse unter dem Juncal-Viadukt durchgerechnet und per Computer simuliert. Dabei kamen sie zu verblüffenden Ergebnissen. Mit 24 kleinen Windgeneratoren, in drei Reihen übereinander angeordnet, wäre die Stromausbeute am höchsten. Die Kosten für die Investition wären allerdings am höchsten.

Ein einziger großer Rotor erwies sich als wenig effektiv, ebenso zwei verschieden große, die den freien Platz unter der Brücke optimal nutzen. Schließlich verfielen sie auf die nahe liegendste Lösung: Zwei nebeneinander angebrachte Windturbinen mit einer Leistung von jeweils 250 kW und einem Durchmesser von rund 30 m.

Strom für bis zu 500 Haushalte

José Fernando Medina Padrón, Elektrotechnik-Professor an der Universität in Las Palmas, glaubt, dass die jährlich erzeugte Energie ausreichen würde, 450 bis 500 Haushalte mit Strom zu versorgen. Die Emissionen an Kohlendioxid könnten so um 140 t pro Jahr sinken. Anders ausgedrückt: Die beiden Mühlen unter dem Viadukt sind genauso klimawirksam wie 7200 ausgewachsene Bäume.

Medina Padrón und seine Kollegen betonen, dass es kein Patentrezept für die Gewinnung von Windenergie unter Brücken gibt. „Jede ist anders“, sagt er. Vor allem müssen, ehe ein Konzept erarbeitet wird, Windstärke und -richtung über einen langen Zeitraum, am besten ein Jahr lang, ermittelt werden. Per Computersimulation lässt sich dann die beste Lösung finden. Das kanarische Ingenieursunternehmen Zona Eólica Canaria, spezialisiert auf erneuerbare Energien, hat das Forschungsprojekt finanziell unterstützt.

Geeignet für dicht besiedelte Regionen?

Die Forscher gehen davon aus, dass Windgeneratoren unter Brücken vor allem in dicht besiedelten Regionen geeignet sind, weil sich dort kein Platz für mächtige Masten findet. Außerdem finden sie, dass die Mühlen die Landschaft weniger verschandeln. Es dürfte aber dennoch Menschen geben, die beispielsweise Pläne, die Autobahnbrücke über die Mosel in Koblenz zu einem Kraftwerk zu machen, bekämpfen würden.

Die Autobahnbrücke in Limburg über die Lahn war zwischenzeitlich sogar als Wohnraum in Planung. Dort wollte der Investor Albert Egenolf an die Brückenpfeiler Wohnhäuser montieren – mit Blick aufs Lahntal, während im Stockwerk drüber Autos und Lkw über die Brücke donnern. Doch inzwischen hat Egenolf der Stadt mitgeteilt, dass er das Projekt nicht mehr umsetzen will.

 

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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