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Windkraftausbau schwächelt, doch Offshore-Wind gibt Hoffnung

15. Januar 2026

Offshore-Windkraftanlage
Europas Windkraftausbau hinkt den Zielen hinterher. Offshore-Wind zeigt jedoch, wie Strom günstiger und sicherer erzeugt werden kann. Foto: Smarterpix / fokkebok
Zu langsamer Ausbau an Land, starke Auktionen auf See: Warum Offshore-Wind für Europas Energiezukunft zentral wird.
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Das Wichtigste in Kürze
  • Europa installierte zuletzt nur rund 17–18 GW neue Windkraftleistung pro Jahr.
  • Für die EU-Ziele bis 2030 reicht dieses Tempo nicht aus.
  • Offshore-Wind in Großbritannien zeigt, wie wettbewerbsfähig Windstrom sein kann.
  • Contracts for Difference schaffen Planungssicherheit und senken Kosten.
  • Schwimmende Offshore-Windkraft rückt näher an den kommerziellen Einsatz.

Europa braucht deutlich mehr Windenergie, wenn es seine eigenen Klimaziele ernst nimmt. Doch der Ausbau kommt langsamer voran als geplant. Das gilt vor allem für neue Anlagen an Land. Gleichzeitig zeigt ein Blick auf die Nordsee: Offshore-Wind entwickelt sich zunehmend zu einem Stabilitätsanker – technisch, wirtschaftlich und energiepolitisch.

Inhaltsverzeichnis

Ausbau bleibt hinter dem Bedarf zurück

Nach aktuellen Schätzungen wurden in Europa im vergangenen Jahr Windkraftanlagen mit einer Leistung von rund 17 bis 18 GW installiert – an Land und auf See zusammen. Das liegt klar unter dem, was nötig wäre, um die europäischen Ziele zu erreichen. Bis 2030 sollen erneuerbare Energien 42,5 % des gesamten Energieverbrauchs in der EU decken. Ohne einen kräftigen Zubau bei der Windkraft ist dieses Ziel kaum erreichbar.

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Auch der Industrieverband WindEurope musste seine Erwartungen zuletzt nach unten korrigieren. Die Prognose für den Ausbau im Jahr 2025 sank von ursprünglich 22,5 GW auf rund 19 GW. Als Bremsklötze nennt der Verband mehrere Faktoren: Die Elektrifizierung von Industrie und Verkehr kommt langsamer voran als gedacht. Stromnetze stoßen vielerorts an ihre Grenzen. Und Genehmigungsverfahren dauern trotz politischer Ankündigungen oft weiter zu lange.

„Wir müssen darauf hinarbeiten“

Trotz der nüchternen Zahlen zeigt sich die Geschäftsführerin von WindEurope, Tinne van der Straeten, nicht resigniert. „Es stimmt, dass wir hinterherhinken und die ursprünglich festgelegten Ziele noch nicht erreichen“, sagt sie. Gleichzeitig verweist sie auf nationale Ausbaupläne und eine Industrie, die in vielen Bereichen technologisch führend ist. „Natürlich kann niemand garantieren, dass das Ziel erreicht wird, aber wir müssen darauf hinarbeiten.“ Und weiter: „Wenn man also kein klares Ziel hat, wird man niemals dorthin gelangen.“

Van der Straeten sieht sogar Rückenwind aus einer unerwarteten Richtung. Die geopolitische Lage könne den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen. „In einer instabilen geopolitischen Welt müssen wir unsere Basis absichern.“ Europa sei weiterhin stark abhängig von importierten fossilen Energieträgern wie Gas, LNG und Öl. Windenergie an Land und auf See biete die Chance, diese Abhängigkeit zu reduzieren und Strom aus heimischen Quellen zu erzeugen.

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Deutschland vorne – mit offener Baustelle

Beim Zubau neuer Windkraftanlagen gilt Deutschland derzeit als Spitzenreiter in Europa. Nirgendwo wurden zuletzt mehr neue Anlagen errichtet. Das liegt auch an beschleunigten Genehmigungsverfahren. Dennoch sieht WindEurope weiteren Handlungsbedarf. Besonders bei sogenannten Contracts for Difference (CfD) hakt es aus Sicht des Verbands noch.

Diese Differenzverträge garantieren Projektbetreibenden einen festen Strompreis über viele Jahre. Liegt der Marktpreis darunter, gleicht der Staat die Differenz aus. Liegt er darüber, fließen Rückzahlungen. Das Instrument schafft Planungssicherheit und senkt das Investitionsrisiko. „So wie die Genehmigungen beschleunigt wurden, sollte jetzt auch dieses Förderinstrument schnell umgesetzt werden“, fordert van der Straeten.

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Offshore-Wind: Großbritannien setzt ein Zeichen

Wie wirkungsvoll CfDs sein können, zeigt der Blick nach Großbritannien. Dort wurde bei der jüngsten Offshore-Windauktion eine Kapazität von 8,4 GW vergeben – die bislang größte Offshore-Auktion Europas. Der Wettbewerb war hoch, die Ergebnisse entsprechend bemerkenswert.

Die durchschnittlichen Zuschlagspreise lagen bei 91,20 £/MWh in England und Wales sowie 89,49 £/MWh in Schottland. Damit zählt Offshore-Wind erneut zu den günstigsten Optionen für die großskalige Stromerzeugung. Zum Vergleich: Neue Gaskraftwerke liegen im Vereinigten Königreich bei rund 147 £/MWh, neue Kernkraftwerke bei etwa 124 £/MWh.

Der Strom aus den neuen Offshore-Parks soll rechnerisch fast 10 Mio. Haushalte versorgen. Für Stromkund*innen bedeutet das laut Berechnungen Einsparungen von rund 1,7 Mrd. £ pro Jahr gegenüber einer Versorgung mit Gasstrom.

Offshore-Windprojekte der AR7-Auktion (UK) – Kurzüberblick

Awel y Mor (775 MW, fest verankert)

Großprojekt vor der walisischen Küste. Stromlieferung ab 2030/31. Typisch für die aktuelle Generation großer Nordseeparks mit hoher Auslastung und standardisierten Fundamenten.

RWE hält 60 % der Anteile, gemeinsam mit den Stadtwerke München (30 %) und Siemens Financial Services.

Dogger Bank South (3.000 MW, fest verankert)

Einer der größten Einzelzuschläge der Auktion. Teil des Doggerbank-Gebiets in der zentralen Nordsee, weit von der Küste entfernt. Hohe Windgeschwindigkeiten sorgen für stabile Erträge.

Inbetriebnahme 2030/31. RWE ist mit 51 % Mehrheitsgesellschafter.

Norfolk Vanguard East (1.545 MW, fest verankert)

Projekt vor der Ostküste Englands. Gehört zu einer Projektfamilie mit gestaffelter Umsetzung. Netzanschluss und Bau sind weit vorbereitet. Lieferstart 2029/30. Das Projekt liegt bei RWE.

Norfolk Vanguard West (1.545 MW, fest verankert)

Schwesterprojekt von Vanguard East. Gleiche Region, ähnliche Technik, früherer Lieferzeitpunkt ab 2028/29. Ziel ist eine zügige Skalierung durch Serienbau. Das Projekt liegt bei RWE.

Berwick Bank (1.380 MW, fest verankert)

Großes Offshore-Projekt vor Schottland. Profitiert von sehr guten Windbedingungen. Zuschlagspreis liegt unter dem englischen Niveau. Stromlieferung ab 2030/31 geplant.

Pentland (92,5 MW, schwimmend)

Schwimmender Windpark vor der schottischen Küste. Einsatz in größeren Wassertiefen ohne feste Fundamente. Noch deutlich höhere Strompreise, aber wichtig für den Markthochlauf. Start 2029/30.

Erebus (100 MW, schwimmend)

Zweites schwimmendes Projekt der Auktion. Technologisch ähnlich zu Pentland. Dient als Brücke zwischen Demonstration und kommerziellem Einsatz. Ebenfalls ab 2029/30 vorgesehen.

 

Wendepunkt nach zwei schwachen Jahren

Die Auktion markiert einen Wendepunkt. 2023 war eine Runde gescheitert, weil die angesetzten Preise für viele Projekte wirtschaftlich nicht tragfähig waren. Die folgende Runde brachte zwar realistischere Konditionen, aber zu wenig neue Kapazität. Erst die aktuelle Vergaberunde kombiniert hohe Nachfrage, ausreichende Budgets und marktreife Projekte.

Möglich wurde das auch durch das Auktionsdesign mit zweiseitigen CfDs. Die britische Regierung stellte dafür 1,79 Mrd. £ bereit – deutlich mehr als ursprünglich geplant. Ziel war es, nicht nur Klimaziele zu bedienen, sondern auch Energiesicherheit und wirtschaftliche Stabilität zu stärken.

Europa schaut auf die Nordsee

Die Branche sieht Großbritannien zunehmend als Blaupause. Ein von der europäischen Windindustrie vorgeschlagener Offshore-Wind-Deal sieht vor, den Ausbau zwischen 2031 und 2040 zu koordinieren. Vorgeschlagen sind jährlich 15 GW neue Offshore-Leistung, davon 10 GW über CfD-Auktionen. Im Gegenzug stellt die Industrie private Investitionen und weitere Kostensenkungen in Aussicht.

Der anstehende Nordsee-Gipfel in Hamburg gilt als wichtige Gelegenheit, um solche Zusagen zwischen Regierungen, Industrie und Netzbetreibern zu konkretisieren.

Schwimmende Windkraft gewinnt an Bedeutung

Ein weiteres Signal aus Großbritannien: Erstmals wurden bei einer Auktion auch nennenswerte Kapazitäten für schwimmende Offshore-Windparks vergeben. Rund 200 MW gingen an zwei Projekte. Schwimmende Anlagen kommen dort zum Einsatz, wo das Meer für feste Fundamente zu tief ist. Sie gelten als technisch anspruchsvoll, eröffnen aber neue Flächen.

Um den Übergang in den kommerziellen Betrieb zu schaffen, braucht es aus Sicht der Branche gezielte Förderprogramme, verlässliche Zeitpläne für weitere Auktionen und Investitionen in Hafeninfrastruktur. (mit Material der dpa)



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