Anzeige

Wasserstoff bleibt teuer: Was Reiches 10-Punkte-Plan ändern soll

20. Oktober 2026

Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche möchte dem deutschen Wasserstoffhochlauf neuen Schwung geben. Von dem 10-GW-Plan der Vorgängerregierung ist nicht mehr die Rede. Foto: picture alliance / Chris Emil Janßen | chris.emil-janssen.de
Die Preise für Wasserstoff sinken langsamer als erwartet, räumt das Wirtschaftsministerium ein. Ein Zehn-Punkte-Plan soll den Markt jetzt anschieben: mit Fördergeld, Leitmärkten und Importen aus der Nachbarschaft. Der Wasserstoffverband lobt den Plan, sieht das wahre Problem aber woanders.
Anzeige
Anzeige


„Die Preise sind nicht so stark gesunken, wie wir erwartet haben.“ Mit diesem Satz brachte Hanna Schumacher am Dienstag auf der Hydrogen Technology World Expo in Hamburg auf den Punkt, warum der Wasserstoffmarkt in Deutschland nicht in Schwung kommt. Schumacher leitet im Bundeswirtschaftsministerium die Unterabteilung für Wasserstoff und Gasinfrastruktu. Sie war auch an einem Papier beteiligt, das ihr Haus am Montag vorgelegt hat: zehn Maßnahmen, mit denen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) den Hochlauf anschieben will. Das Ministerium räumt darin unter anderem ein, dass sich der Aufbau des Marktes „gegenüber bisherigen Erwartungen“ verzögert.

Die Diagnose ist altbekannt. Schon vor einem Jahr zeigte sich die Branche auf derselben Messe im Wartemodus. Die Experten forderten damals drei Dinge: einfachere EU-Regeln für grünen Wasserstoff, eine schnelle Umsetzung der europäischen Quoten in deutsches Recht und staatliche Leitmärkte.

Anzeige
Anzeige

Alle drei Punkte stehen jetzt im 10-Punkte-Plan aus Berlin. Was die Bundesregierung vorhat, was im Papier fehlt und wo der Wasserstoffverband den Grund für den anhaltanden Stillstand verortet.

Inhaltsverzeichnis

Fördergeld für die ersten Abnehmer

Das Ministerium setzt an der Stelle an, die Schumacher in Hamburg als den größten Engpass benannte: der Abnahme. Die Klimaschutzverträge, mit denen der Staat Industrieunternehmen die Mehrkosten klimafreundlicher Produktion ausgleicht, bekommen ein eigenes Fenster für Wasserstoff.

Für die Gebotsrunde 2027 sind dafür mindestens 1,5 Mrd. € vorgesehen, bei hoher Nachfrage kann das Volumen steigen. Insgesamt plant der Bund für die Klimaschutzverträge bis 2050 Verpflichtungsermächtigungen von bis zu 8,7 Mrd. €.

Anzeige
Anzeige

„Förderung ist ein Instrument, um die Kosten zu senken. Das werden wir tun. Aber wir brauchen auch die Industrie“, sagte Schumacher in Hamburg, wo das Panel auf Englisch lief.

Die zehn Maßnahmen im Überblick

Das Papier mit dem Titel „Wasserstoff für Resilienz und Zukunftsfähigkeit Deutschlands“ nennt verschiedene Instrumente entlang der gesamten Wertschöpfungskette:

Anzeige
Anzeige
  • Förderung über Klimaschutzverträge: ein eigenes Fenster für Wasserstoffprojekte mit mindestens 1,5 Mrd. € Budget in der Gebotsrunde 2027.
  • Wasserstofffähige Kraftwerke: 2027 sollen 2 GW Kraftwerksleistung ausgeschrieben werden, die ab 2040 mit Wasserstoff laufen. Weitere 2 GW sollen zwischen 2030 und 2032 für den Wasserstoffbetrieb ab 2043 folgen.
  • Grüne Leitmärkte: Neue Offshore-Windparks müssen einen niedrigeren CO2-Fußabdruck besitzen, was klimafreundlichen Stahl auf Wasserstoffbasis begünstigt. Bis Mitte 2027 will der Bund ähnliche Vorgaben für Stahl und Zement in der öffentlichen Beschaffung erlassen.
  • Günstigere Erzeugung: Der Bund will sich für einfachere EU-Kriterien für grünen Wasserstoff einsetzen und Elektrolyseure, die bis August 2029 in Betrieb gehen, vom Netzentgelt befreien. Danach ist ein niedriges Sondernetzentgelt vorgesehen.
  • Grüngasquote: Gasversorger sollen verpflichtet werden, gewisse Anteile klimafreundlicher Gase anzubieten. Die genaue Ausgestaltung ist noch offen.
  • Ausbau der Infrastruktur: Über 500 km Kernnetz sind seit 2025 in Betrieb, 2200 km in der Realisierung. Bund und Länder stellen 4,2 Mrd. € bereit. Zur Ermittlung des Speicherbedarfs gibt es zunächst ein Gutachten.
  • Importe: Etablierung diversifizierter Importkorridore, darunter Ammoniak aus Indien ab 2029, abgesichert mit 587 Mio. €.
  • Gleichbehandlung von blauem Wasserstoff: Wasserstoff aus Erdgas mit CO2-Abscheidung erzeugter Wasserstoff soll in der Hochlaufphase förderfähig sein.
  • Förderung von Wasserstoff-Forschung: Eine neue Technologie-Roadmap soll im Rahmen der Hightech Agenda erarbeitet werden.
  • Neubesetzung des nationalen Wasserstoffrats: Die erste Sitzung ist für den 17. November angesetzt.

Erst Dänemark, dann Übersee

Beim Import setzt das Ministerium eine klare Reihenfolge. „Wir konzentrieren uns auf die Versorgung aus Deutschland und von unseren europäischen Nachbarn“, erklärt Schumacher beim Eröffnungspanel der Messe. Am weitesten sei die Zusammenarbeit mit Dänemark: Aus dem nördlichen Nachbarland würden die ersten Importe fließen. Mit Frankreich und Spanien arbeite man ebenfalls eng zusammen, das werde aber deutlich länger dauern.

Die Erklärung lieferte Schumacher gleich mit. Zwar seien die Erzeugungskosten in Asien und speziell Indien weit niedriger als alles, was sie aus Deutschland kenne. Doch für reinen Wasserstoff aus Indien gebe es keinen Transportweg nach Deutschland. Er müsste in ein Derivat wie Ammoniak umgewandelt werden, was Energie kostet und den Preis wieder nach oben treibt.

„Man kann nicht nur auf die Erzeugungskosten schauen, sondern muss das Paket als Ganzes betrachten“, so Schumacher. Europäische Produktionsstandorte seien nach jetzigem Stand wettbewerbsfähig. Beim Förderprogramm H2Global würden derzeit die Ergebnisse für die regionalen Lose erwartet.

Große Abnehmer brauchen große Anlagen

Wer den Wasserstoff am Ende kaufen soll, ist seit Jahren die offene Frage des Hochlaufs. In Deutschland standen Ende 2025 erst rund 0,2 GW Elektrolyseleistung, das Ziel der Nationalen Wasserstoffstrategie waren 10 GW bis 2030.

Erste Projekte laufen bereits, doch diese sind noch sehr fragil, wie Schumacher erst vor drei Wochen in Berlin beschrieben hatte. Die Kette aus dem RWE-Elektrolyseur in Lingen, der Pipeline und der Abnahme in Marl nannte sie ein Vorzeigeprojekt mit hohem Risiko für alle Seiten – falle ein Akteur aus, breche „das ganze Kartenhaus zusammen“.

Hohe Erwartungen an den neuen Plan dämpfte sie in Hamburg: Auf die Frage, was in drei Jahren erreicht sein werde, sagte sie, das erste Projekt aus der neuen Ausschriebungsrunde werde dann kaum fertig gebaut sein – aber es werde eine finale Investitionsentscheidung haben.

Lob für Berlin, Kritik an Brüssel

Im Papier fehlt allerdings auch etwas: Das von der Ampelkoalition unterstrichene 10-GW-Ziel für 2030 taucht nicht mehr auf, stattdessen ist von einem „substantiellen und gleichzeitig realistischen Markthochlauf“ die Rede. Und für Wasserstoffspeicher gibt es vorerst nur ein Gutachten, kein Geld. Andreas Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Wasserstoff-Verbandes (DWV), mahnte in Hamburg, das Kernnetz reiche nicht, wenn die Speicher in den Regionen fehlten.

Am Plan selbst ließ der Verband dennoch wenig Kritik erkennen. Kuhlmann bedankte sich auf dem Eröffnungspanel ausdrücklich dafür: Wasserstoff sei „keine verlorene Agenda“. Sein Kollege Raphaël Börger, Leiter Gremienarbeit beim Deutschen Wasserstoff-Verband wurde auf LinkedIn noch deutlicher: „Entgegen der landläufigen Meinung tut diese Bundesregierung sehr viel für den Wasserstoffhochlauf.“ Leitmärkte, Differenzverträge und Grüngasquote seien wichtige Instrumente.

Den Grund für die schlechte Stimmung in der Branche sieht Börger in Brüssel, wo Dinge „erst verweigert, dann versprochen und letztlich wieder nicht eingehalten“ würden, etwa bei den Regeln, die festlegen, wann Wasserstoff als grün gilt. Von der Bundesregierung wünscht er sich deshalb vor allem eines: „maximalen Druck auf die EU-Kommission“.

Wann der sich auszahlt, ließ sich in Hamburg an Kuhlmanns Antwort auf die Frage nach seiner Wunschentwicklung der nächsten drei Jahre ablesen. Sie lautete: dass die EU ihren Rechtsakt für grünen Wasserstoff endlich geändert hat.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Bauingenieur (w/m/d) Bauwerksprüfung
Die Autobahn GmbH des Bundes

18.09.2026
Hamm, Münster
Anwendungsingenieur (m/w/d)
PohlCon GmbH

18.09.2026
Berlin
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau
Sumitomo Rubber Europe GmbH

18.09.2026
Hanau
Erfahrener Projektleiter Bau (m/w/d)
wpd infrastruktur GmbH

18.09.2026
Bremen
Bauingenieur*in oder Architekt*in (w/m/d) mit Vertiefung im Baubetrieb bzw. Projektmanagement
Universität zu Köln

18.09.2026
Köln
Erfahrener Elektroingenieur (m/w/d) für nationale Wind- und Solarenergieprojekte
wpd infrastruktur GmbH

18.09.2026
Berlin
Erfahrener Projektleiter Elektrotechnik (m/w/d)
wpd construction GmbH

18.09.2026
Bietigheim-Bissingen
Ingenieur*in (w/m/d) für Energiemanagement, Nachhaltigkeit und technische Gebäudeentwicklung
Universität zu Köln

18.09.2026
Köln
Bauingenieur (m/w/d) für Statik und Tragwerksplanung
BS+P INGENIEURE

18.09.2026
Stuttgart
Projektleiter (m/w/d) Städtische Hochbauprojekte
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH

18.09.2026
Essen
Ingenieur oder Techniker (m/w/d) HKLS im Bundesbau
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)

18.09.2026
Kiel
CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

19.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

19.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

19.09.2026
Stuttgart
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

19.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

19.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

19.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

19.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

19.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

19.09.2026
Hamm, Münster

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige