Blackout in Südamerika 17.06.2019, 14:39 Uhr

Warum klimabewusste Länder besonders von Stromausfällen betroffen sind

Wenn ein Stromnetz zusammenbricht werden die Kraftwerke nach und nach wieder angefahren. Argentinier und Uruguayer sind Stromausfälle zwar gewohnt, aber was sich am Sonntagmorgen ereignete, war beispiellos. Warum die Wasserkraftwerke vor Ort den Blackout nach einigen Stunden beenden konnten, erfahren Sie hier.

Am Sonntag hieß es für Millionen Einwohner in Südamerika: Kerzen anzünden. Die Stromversorgung fiel über Stunden aus.
Foto: panthermedia.net/neng_redeye_stock@hotmail.com

Am Sonntag hieß es für Millionen Einwohner in Südamerika: Kerzen anzünden. Die Stromversorgung fiel über Stunden aus.

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Zig Millionen Menschen ohne Strom. Schauplatz dieses Horrorszenarios war am 16. Juni Südamerika, genauer weite Teile von Argentinien und Uruguay sowie in einigen brasilianischen und chilenischen Regionen. In manchen Regionen dauerte es bis zu 15 Stunden, bis der Strom wieder floss. Die Ursache des Blackouts ist weiter unklar; der argentinische Stromversorger Edesur äußerte sich nicht näher zu den möglichen Gründen. Dass es nicht Tage oder gar Wochen gedauert hat, ehe die Versorgung wieder funktionierte liegt daran, dass Wasserkraftwerke in Argentinien und Uruguay einen großen Teil des Stroms produzieren. Diese sind schwarzstartfähig, wie der Fachbegriff lautet. Sie können nach einem Zusammenbruch des Stromnetzes problemlos wieder angefahren werden, weil sie praktisch keine Fremdenergie benötigen. Schieber auf und schon schießt das Wasser in die Turbinen, die gleich mit der Stromerzeugung beginnen.

Blackout kann sich über Wochen hinziehen

2003 gab es in Teilen der USA und Kanadas einen Blackout, der nicht so glimpflich ablief. Erst nach 2 Wochen war die Stromversorgung wieder vollständig hergestellt. Es war ein mühsamer Prozess. Alle thermischen Kraftwerke, also die mit fossilen Brennstoffen oder Uran betrieben werden, brauchen Fremdenergie, wenn sie anfahren sollen. In der Praxis sieht das so aus. Kraftwerk eins wird mit einer Anlage verbunden, welche Strom erzeugt, etwa einem Wasserkraftwerk. Kohlemühlen, Pumpen und andere Aggregate beginnen wieder zu laufen, nach ein paar Stunden liefert das Kraftwerk wieder Strom, der beispielsweise die peripheren Anlagen eines Kernkraftwerks in Betrieb setzt. So wird Schritt für Schritt die Versorgung wieder aufgebaut.

Klimabewusste Länder sind besonders gefährdet

Vor allem Länder und Regionen, die sehr viel Wind- und Solarenergie erzeugen, sind von Stromausfällen bedroht. Erzeugen sie mehr als benötigt wird, müssen beispielsweise Kohlekraftwerke heruntergefahren oder Windkraftwerke vorübergehend stillgelegt werden. Reichen die erneuerbaren Energien nicht aus, etwa in windarmen Nächten, müssen fossile Kraftwerke hochgefahren und Speicherkraftwerke in Betrieb genommen werden. Redispatch nennt man das. Die Eingriffe sind immer häufiger nötig. 2014 waren es noch 5200, 3 Jahre später schon mehr als 20.000.

Cyberattacke wird nicht ausgeschlossen

Das System sei automatisch abgeschaltet worden, so Edesur. Eine Destabilisierung der Spannung wurde wahrgenommen. An einem Sonntag ohne extreme Temperaturen verfüge das Stromnetz über eine Reserve von 20 %. Die allgemeine Abschaltung sei daher nicht normal gewesen. Ein Hackerangriff wird von Seiten der Energieunternehmen nicht ausgeschlossen. Die Untersuchung wird aber wohl noch mindestens eine Woche in Anspruch nehmen.

Blackout gab es auch schon in Deutschland

Am 25. November 2005 traf ein Blackout das Münsterland, Tecklenburger Land, Ruhrgebiet, Osnabrücker Land, Bergische Land und das südliche Emsland. Obwohl nur ein relativ kleiner Teil Deutschlands betroffen war, also Strom aus anderen Regionen bezogen werden konnte, um die Kraftwerke nach und nach wieder in Betrieb zu nehmen, dauerte es mehrere Tage, ehe alle Betroffenen wieder mit Strom versorgt waren. Was allerdings nicht zuletzt daran lag, dass aufgrund von ungewöhnlichem Wetter mit starkem Schneefall und Sturm zahlreiche Hochspannungsmasten umknickten.

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