Windkraft 04.02.2011, 19:51 Uhr

Viel Gegenwind für Kleinwind

Kleinwindanlagen haben es schwer in Deutschland. Nur teilweise günstige Windverhältnisse, eine geringe Einspeisevergütung und eine uneinheitliche Gesetzeslage in den Bundesländern hemmen die Ausbreitung.

Ganze 9,3 Cent bekommt der Besitzer einer Kleinwindanlage pro eingespeister Kilowattstunde (kWh) in Deutschland – genauso viel wie der Betreiber eines Windrades der Megawattklasse und weniger als ein Drittel, verglichen mit dem Betreiber einer photovoltaischen Solaranlage.

Weil die Preise kleiner Windturbinen im Verhältnis zum Finanzertrag nicht gerade niedrig sind, lohnen sie sich häufig ökonomisch nicht. Der Preis pro kWh liegt bei 3000 € bis 5000 € Anschaffungskosten, je nach Technik. Trotzdem wächst das Angebot, und die Systeme werden ständig weiterentwickelt. Mehr als 50 Anlagentypen sind in Deutschland derzeit erhältlich.

Deutsche Hersteller von Kleinwindanlagen leben heute noch oft vom Export. Ein Beispiel ist das nach eigenen Angaben führende deutsche Unternehmen bei Kleinwindanlagen, die Braun Windturbinen GmbH aus dem nordrhein-westfälischen Nauroth. Jährlich rund 160 Antaris-Turbinen verlassen die Fertigungsstätte, nur 50 bis 60 davon bleiben laut Geschäftsführerin Manuela Ermert-Braun in Deutschland. „Wir konnten die Umsätze in den letzten Jahren deutlich erhöhen“, sagt sie.

Das Wachstum bei Braun Windturbinen liege laut Chefin Ermert-Braun unter anderem daran, dass Windstrom dank einer gemeinsamen Entwicklung mit dem Wechselrichterhersteller SMA, dem speziellen Wechselrichter Windy Boy, jetzt auch aus der Kleinwindanlage ins Netz eingespeist werden kann.

Freilich sieht Ermert-Braun durchaus die Grenzen der Systeme – so gehören Kleinwindanlagen wegen Schwingungen und Vibrationen ihrer Meinung nach nicht auf das Dach von Einfamilienhäusern. Trotzdem sieht auch sie in Deutschland steigende Chancen. Zurzeit laufen bei Braun die Vorbereitungen für die Zertifizierungen nach dem britischen MGS (Microgeneration Certification Scheme) und für die Zertifizierung nach IEC61400–2, was pro Turbinentyp 100 000 € kostet und damit kein Pappenstiel ist.

Die Kleinwindbranche wartet in Deutschland mit neuen Ideen auf. So setzt die Münchner Futag Umwelttechnik AG zum Beispiel auf eine neuartige Systemarchitektur für die Dächer großer Hochhäuser. Die Turbine dreht sich dabei ohne den üblichen Mast getriebelos und luftgelagert im Inneren einer Art Tonne, deren Wand aus Lamellen besteht. Sie beschleunigen den Wind beim Durchströmen noch einmal und leiten ihn immer in der richtigen Richtung auf die Blätter des Rotors.

„Unser System kann so jede Windgeschwindigkeit verkraften“, sagt Reinhard Fuchs, Vorstand und Ideengeber bei Futag. Der erzeugte Strom soll in den Hochhäusern selbst verbraucht werden. Futag will gegenüber dem Hauseigentümer als Leasinggeber auftreten, so dass dieser mit Wartung und Betrieb der Anlage nichts zu tun hat.

Eine Pilotinstallation auf einem nicht mehr genutzten Kesselhaus in Besitz der Stadt München ist geplant und soll 2011 in Betrieb gehen. Bei der Stadt München gibt man sich freilich zugeknöpft und möchte sich zu dem Projekt nicht weiter äußern.

Ein weiterer Interessent, die Degewo Technische Dienste GmbH, ein Tochterunternehmen des Berliner Wohnungsbauunternehmens Degewo, will eine erfolgreiche Pilotinstallation abwarten, bis man sich die Technologie als Alternative für Wohnblockdächer näher anschaut.

Ein weiteres Konzept hat die Balke GmbH aus dem niedersächsischen Wendeburg entwickelt: eine Art modularer Stromtankstelle für Elektromobile auf Windkraftbasis. Hier werden selbstständige Rotormodule mit rechteckigen Flügeln, die sich vertikal um eine zentrale Achse drehen, übereinander gestapelt. Dadurch ergeben sich je nach Zahl der Module unterschiedlich leistungsstarke Türme. Der entstehende Strom wird sofort in Elektromobile eingespeist.

Erfinder Klaus-Dieter Balke sieht sein System zum Beispiel auf dem Dach von Hochhäusern. Bisher existiert ein Prototyp. Bei Windkraft ist das technologisch Denk- und Machbare noch längst nicht ausgeschöpft. ARIANE RÜDIGER

  • Ariane Rüdiger

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Stadtwerke Rüsselsheim GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke Rüsselsheim GmbH Planungsingenieur / Planungstechniker Strom (m/w/d) Rüsselsheim
h.a.l.m. elektronik GmbH-Firmenlogo
h.a.l.m. elektronik GmbH Vertriebsingenieur (m/w/d) im Bereich Solarenergie-Messtechnik Frankfurt am Main
eta Energieberatung GmbH-Firmenlogo
eta Energieberatung GmbH Wirtschaftsingenieur für Projekte im Bereich Energiewirtschaft (w/m/d) Pfaffenhofen an der Ilm
Spar- und Bauverein eG-Firmenlogo
Spar- und Bauverein eG Projektmanager für Klimaschutz (m/w/d) Hannover
Thyssengas GmbH-Firmenlogo
Thyssengas GmbH Betriebsingenieur (m/w/d) als Teamleiter Gashochdruckleitungen Elsdorf bei Köln
ENERTRAG Aktiengesellschaft-Firmenlogo
ENERTRAG Aktiengesellschaft Projektplaner* Umwelt- und Bauleitplanung Dauerthal, Rostock
Sweco GmbH-Firmenlogo
Sweco GmbH Projektleiter / Projektingenieur Abfalltechnik / Umwelttechnik / Deponietechnik (m/w/x) Mainz
BORSIG Service GmbH-Firmenlogo
BORSIG Service GmbH Projektleiter E- und Leittechnik (m/w/d) Berlin
Röhm GmbH-Firmenlogo
Röhm GmbH Manager Energy & Technology (m/w/d) Darmstadt
VIVAVIS AG-Firmenlogo
VIVAVIS AG Vertriebsingenieur (m/w/d) Bochum

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Energie

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.