Schutz gegen Tsunamis 23.04.2014, 12:12 Uhr

USA entwickeln schwimmendes Atomkraftwerk fürs Meer

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitet derzeit an einem schwimmenden Atomkraftwerk. Es soll Küstenregionen mit Strom versorgen und sogar der verheerenden Wucht eines Tsunamis trotzen können. Russland kontert derweil mit dem schwimmenden Pendant Akademik Lomonosow, das bereits 2016 in Betrieb gehen soll. 

Skizze des schwimmenden Atomkraftwerks des MIT: Die Plattform soll maximal zwölf Kilometer von der Küste entfernt sein. Selbst große Tsunamis sollen ihr nichts anhaben können. 

Skizze des schwimmenden Atomkraftwerks des MIT: Die Plattform soll maximal zwölf Kilometer von der Küste entfernt sein. Selbst große Tsunamis sollen ihr nichts anhaben können. 

Foto: MIT

An einem schwimmenden Nuklearkraftwerk versuchen sich derzeit die MIT-Professoren Jacoo Buongiomo, Michael Golay und Neil Todreas. Gemeinsam mit dem Nuklearanlagenbauer Chicago Bridge and Iron entwickeln sie Leichtwasserreaktoren, die aber nicht etwa an Land gebaut werden sollen. Geplant ist vielmehr, sie auf Plattformen in einer Entfernung von maximal zwölf Kilometern zur Küste zu installieren.

Über Unterwasserkabel soll der erzeugte Strom schließlich an Land geschickt werden. Laut Wissenschaftlern sei es möglich, Anlagen unterschiedlicher Größe zu bauen – kleine Anlagen mit einer Leistung von 50 Megawatt und Großanlagen mit bis zu 1000 Megawatt Leistung gleichermaßen. Als potentielle Käufer sehen sie vor allem Länder Ostasiens, da dort an vielen Küsten stets Tsunami-Gefahr besteht.

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2016 will Russland das schwimmende Kraftwerk Akademik Lomonosow starten

Nicht nur die USA gehen der ungewöhnlich anmutenden Idee nach. Schon im September 2016 soll das erste russische schwimmendes Kernkraftwerk Akademik Lomonosow den Betrieb aufnehmen. Es soll eine abgelegene Region in Sibirien mit Strom versorgen.

Die russische Atomenergieagentur Rosenergoatom plant weitere sieben derartiger Kraftwerke, die an anderen Stellen vor der sibirischen Küste stationiert werden sollen. Bei der Positionierung der schwimmenden Kernkraftwerke kommen Schlepper zum Einsatz. Ein eigener Antrieb lohnt sich für die schwimmenden Kraftwerke nicht, da sie am jeweiligen Einsatzort über sehr lange Zeiträume bleiben sollen.

Das schwimmende Atomkraftwerk des MIT soll eine Leistung von bis zu 1000 Megawatt erreichen können. Der Strom wird über Unterwasserkabel zum Festland geschickt. 

Das schwimmende Atomkraftwerk des MIT soll eine Leistung von bis zu 1000 Megawatt erreichen können. Der Strom wird über Unterwasserkabel zum Festland geschickt.

Quelle: MIT

Kernkraftanlagen auf hoher See sind an sich kein Novum. Die amerikanischen Flugzeugträger werden von ihnen angetrieben. Das gleiche gilt für amerikanische, britische, französische und russische Unterseeboote. Auch zivile Schiffe mit einem solchen Antrieb gibt es – vor allem die große Flotte russischer kerngetriebener Eisbrecher.

Selbst Deutschland hatte mal ein ziviles Schiff mit Reaktorantrieb. Die Otto Hahn diente wissenschaftlichen Zwecken. In der kommerziellen Schifffahrt hatte der Nuklearantrieb allerdings keinen Erfolg, weil viel zu viele Länder ihre Häfen für derartige Schiffe sperrten.

Experten streiten um Sicherheit schwimmender Nuklearreaktoren

Gegner und Befürworter schwimmender Nuklearanlagen konzentrieren sich auf das Thema Sicherheit. Die Befürworter heben darauf ab, dass es bisher keinerlei Katastropen mit nukleargetriebenen Schiffen gegeben hat. Das gilt ausdrücklich auch für jene Fälle, in denen amerikanische wie russische Unterseeboote verlorengegangen sind. Dabei wird auf die unbeschränkte Kühlfähigkeit des Meeres hingewiesen, die es umöglich mache, dass sich ein Reaktor katastrophal überhitzt.

Zugleich sei ein schwimmendes Kernkraftwerk ungleich besser gegen Erdbeben und Tsunamis geschützt als ein an der Küste stehendes Kernkraftwerk. Schließlich produziere ein schwimmendes Kernkraftwerk auch ausreichend Strom, um im Ernstfall Pumpen und andere Aggregate betreiben zu können, während die Katastrophe in Fukushima durch den Ausfall der landgestützten Stromversorgung noch verschlimmert wurde. Auch jetzt noch sorgen Stromausfälle in Fukushima immer wieder für Probleme.

Gegner schwimmender Kernkraftwerke betonen dagegen, dass im Katastrophenfall das verseuchte Meerwasser viel größere Gebiete schädige als das bei landbasierten Kernkraftwerken im Unglückfalle wahrscheinlich sei.

Doch nicht nur Kernkraftanlagen werden als schwimmende Anlagen im Meer geplant. Im vergangenen Jahr ging die erste schwimmende Windkraftanlage in Japan ans Netz.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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