Unabhängiger von Energieimporten 14.12.2015, 11:31 Uhr

Ungewöhnlich: Chile plant Wasserkraftwerk mitten in der Wüste

Ein Wasserkraftwerk mitten in der Atacama-Wüste, dem trockensten Wüstengebiet der Welt? Das will Chile tatsächlich realisieren, um von Energieimporten unabhängiger zu werden. Doch wo soll das Wasser herkommen?

Die Atacama-Wüste erstreckt sich entlang der Pazifikküste Südamerikas und gilt als eine der trockensten Landschaften der Erde – an einigen Orten hat es jahrzehntelang nicht geregnet. Da liegt der Gedanke, dort ein Wasserkraftwerk zu errichten, eigentlich ziemlich fern, oder? Doch genau das hat sich Valhalla in den Kopf gesetzt. Das chilenische Energieunternehmen will damit die Abhängigkeit des Landes von fossilen Brennstoffen und Energieimporten reduzieren.

Pipelines sollen Wasser aus dem Pazifik in die Anden bringen

Valhalla stellt sich die Logistik folgendermaßen vor: Da Solarenergie in Chile ausreichend vorhanden ist, will das Energieunternehmen damit Pumpen betreiben. Sie werden Wasser aus dem Pazifischen Ozean durch Pipelines in natürliche Stauseen in den Anden pumpen – auf eine Höhe von 600 m. Sie sind so groß wie 500 Fußballfelder oder 22.000 Olympia-Schwimmbecken. Das Wasser dann soll aus den Becken strömen und Stromturbinen antreiben. Laut Valhalla hätte das Wasserkraftwerk eine Leistung von 300 MW – genug, um drei Provinzen mit Strom zu versorgen.

Wüsten-Wasserkraftwerk kostet 400 Millionen $

Derzeit sucht Valhalla nach Investoren, um das 400 Millionen $ teure Projekt realisieren zu können. „Dies ist der einzige Ort der Welt, an dem ein Projekt dieser Art entwickelt werden kann“, bewirbt Francisco Torrealba, Strategiechef von Valhalla, das Vorhaben. Warum einzigartig? Weil die natürlichen Stauseen bereits vorhanden sind, daher kaum Baukosten anfallen, und der Ozean nur wenige Kilometer entfernt liegt.

Die benötigten Technologien seien zwar weltweit umfassend erforscht. Doch „in dieser besonderen Kombination wurde es noch nie versucht.“ Sofern die Finanzierung glückt, soll der erste Spatenstich für die dreieinhalb Jahre dauernden Bauarbeiten Ende 2016 erfolgen. Die Umweltbehörden haben bereits grünes Licht gegeben.

Auch deutsche Ingenieure tüfteln an Wasserkraftwerken

Auch in Deutschland machen sich Ingenieure Gedanken über neue Wasserkraftwerke: Münchener Forscher beispielsweise haben erst kürzlich ein Schachtkraftwerk erfunden, das in großen Bächen und Flüssen unter der Wasseroberfläche verschwindet. Am Ufer ist lediglich ein Trafohäuschen zu sehen, das den Strom für die Einspeisung ins Netz aufbereitet. Der Prototyp entsteht im Fluss Loisach bei Großweil in Oberbayern. Er soll pro Jahr 2,4 Millionen kW/h Strom erzeugen ­– genug, um 600 Haushalte zu versorgen.

 

Von Patrick Schroeder

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