Wasserkraft 10.03.2006, 18:43 Uhr

Strom aus der Meeresströmung  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 3. 06, mg – Die Nutzung der Wasserkraft zählt zu den ältesten Technologien. Hingegen ist die Gewinnung von Energie aus Meeresströmungen ein absolutes Novum im Kraftwerksbau. Meeresströmungen haben eine hohe Energiedichte und ihr Ertrag ist langfristig vorhersehbar. Erste Prototypen sind an der britischen Küste in der Erprobung oder in der konkreten Planung.

Die hohe Energiedichte und die gute Vorhersagbarkeit gelten als besondere Vorteile von Meeresströmungen. In einem Meeresstrom mit einer Geschwindigkeit von 2,5 m/s (9 km/h) steckt die gleiche Energie wie in einem Wind, oder besser Orkan, von 75 m/s (270 km/h). Richtung und Stärke einer Meeresströmung sind entweder konstant oder wechseln mit den Gezeiten. Die Möglichkeit, den Energieertrag mit hoher Genauigkeit auf Jahre hinweg vorherzusagen, ist von unschätzbarem Wert für die Kraftwerks- und Netzbetreiber.

Die Zahl der geeigneten Standorte und die Nutzungsdauer pro Gezeiten-zyklus sind aufgrund des niedrigen Tidenhubs an den europäischen Küsten nur gering, deshalb entstehen hohe Anlagenkosten in Relation zu der tatsächlich gewonnenen Energie. Zudem wirken die Kraftwerksanlagen massiv auf die Umwelt ein. Um diese Nachteile zu vermeiden, versuchen sich Ingenieure schon seit den 70er-Jahren an der direkten energetischen Nutzung von Meeresströmungen.

Marktführend ist die britische Firma Marine Current Turbines Ltd. mit ihrem Seaflow genannten Prototypen, der seit 2003 im Bristol Channel vor Lynmouth getestet wird. Die Seaflow-Technologie basiert auf dem klassischen Axialfluss-Rotor/Generatorsatz wie er in Windkraftanlagen, Schiffsantrieben und Rohrturbinen verwendet wird. Mit dieser Anlage sollen die Technik sowie Randbedingungen wie Umweltverträglichkeit und die Funktion der Infrastruktur erprobt werden.

Peter Fraenkel, Technical Director von MCT Ltd., ist sehr zufrieden mit den innerhalb der letzten zwei Jahre gewonnenen Erfahrungen und Daten der 300-kW-Anlage. „Das Pilot-Kraftwerk läuft seit geraumer Zeit, trotz massivster Belastung durch widrige Wetterbedingungen, zuverlässig unter vollautomatischer Kontrolle.“ Aber Seaflow konnte auch mit günstigen Energiegestehungskosten und ökologischer Unbedenklichkeit überzeugen. So ist es nicht verwunderlich, dass es für MCT Ltd. kein Problem war, neben der Förderung durch die britische und deutsche Regierung sowie der Europäischen Union, Risikokapitalgeber wie BankInvest, EDF Energy plc sowie Guernsey Electricity Ltd. für ihr Projekt zu gewinnen und strategische Partnerschaften mit renommierten Firmen wie Bendalls Engineering, Seacore Ltd. und den deutschen Jahnel-Kestermann Getriebewerken GmbH zu schließen.

Im Dezember 2005 erhielt MCT Ltd. die Genehmigung, im Strangford Lough in Nord Irland, den vorkommerziellen 1-MW-Seagen-Prototypen zu installieren. Seagen wird über zwei separate Turbinensätze verfügen, um die Rotorfläche, und damit die Energieausbeute, zu erhöhen. Außerdem werden die Rotoren aus dem Einflussbereich der durch den Mast verursachten Strömungsverwirbelungen verschoben, was wiederum die Lebensdauer der Anlage erhöht. Seagen soll schon ab Sommer dieses Jahres genug Energie für ca. 800 Haushalte in das Netz einspeisen.

Aber MCT Ltd. plant weiter. Vor der Küste Nord Devons am Foreland Point soll das Lynmouth Seagen Array entstehen. Der weltweit erste kommerzielle Meeresströmungsenergiepark aus zwölf Anlagen mit insgesamt 1 MW Leistung wird genug Energie für ca. 5500 Haushalte liefern. Ferner prüft MCT Ltd. seit Februar im Auftrag der walisischen Regierung potenzielle Standorte für die Anwendung ihrer Technologie an der Küste von Wales.

Andrew Davies, der walisische Minister für wirtschaftliche Entwicklung und Verkehr, hofft, dass die Ausbeutung der Meeresströmungen nicht nur dazu beiträgt, die Verpflichtungen im Klimaschutz einzuhalten und die zukünftige Energieversorgung sicherzustellen, sondern auch zum Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung der strukturschwachen Region werden könnte. CLAUDIA SCHEIL

 

Von Claudia Scheil
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