Vorstoß aus dem Bundeswirtschaftsministerium 11.08.2025, 17:27 Uhr

Streit um die Zukunft der Photovoltaik: Förderstopp für private Solaranlagen droht

Steht die Förderung für private Solaranlagen vor dem Aus? Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche denkt laut darüber nach, die staatliche Förderung neuer privater Photovoltaikanlagen deutlich zu kürzen oder gar ganz zu streichen.

Steht die Förderung privater Solaranlagen vor dem Aus? Foto: PantherMedia/astrid208

Steht die Förderung privater Solaranlagen vor dem Aus?

Foto: PantherMedia/astrid208

Was man in Berlin als „Anpassung an die Marktrealität“ diskutiert , sorgt in der Branche für blankes Entsetzen und für eine angeheizte Debatte über die Zukunft der dezentralen Stromerzeugung. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche betonte gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“, man müsse „sehr genau prüfen, ob die bisherigen Fördersätze noch zeitgemäß sind“. Die Kosten für Photovoltaik seien in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, daher sei „eine ehrliche Diskussion“ über den weiteren staatlichen Zuschuss erforderlich.

Vollbremsung für private Solaranlagen?

Für Branchenvertreterinnen und -vertreter klingt das nicht nach einer sachlichen Überprüfung, sondern nach einem gefährlichen Bremsmanöver. Schließlich steht die private Photovoltaik nicht nur für klimafreundliche Stromproduktion, sondern auch für eine breite gesellschaftliche Beteiligung an der Energiewende. Kritiker warnen: Wird hier der falsche Hebel angesetzt, könnten Investitionen versanden und die Ausbauziele in weite Ferne rücken.

Branche schlägt Alarm: Ohne Planungssicherheit droht Stillstand

Ungewöhnlich scharf formuliert es Philipp Schröder, CEO und Mitgründer des Energieunternehmens 1KOMMA5°. Er hält den Zeitpunkt für eine Kürzung für völlig verfehlt: „Wir dürfen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Bevor wir die Einspeisevergütung abschaffen, brauchen wir zuerst eine Systemmodernisierung für mehr Digitalisierung und bessere Prozesse.“ Schröder fordert einen konsequenten Smart-Meter-Roll-out, vereinfachte Abstimmungen mit Netzbetreibern und klare Marktkommunikationsregeln. Ohne diese Basis fehle es an Planungssicherheit und damit drohe „der komplette Stillstand“.

Sein Kernargument: Günstiger Strom aus Wind und Sonne sei ein strategischer Vorteil, kein Kostenproblem. Statt bestehende Förderstrukturen vorschnell einzustampfen, müsse die Politik dafür sorgen, dass alte Anlagen mit Speichern nachgerüstet und netzdienlich gesteuert werden. Schröder plädiert für eine schrittweise Umstellung der Förderung auf ein marktnahes Modell mit intelligenter Steuerung, Speichern und der Möglichkeit für kleine Anlagen, direkt am Strommarkt teilzunehmen. Sein Ziel ist klar: ein digitales, flexibles und effizientes Energiesystem, das Erzeuger und Verbraucher intelligent vernetzt.

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Solarverband warnt vor Verlust von Arbeitsplätzen und Verfehlung von Klimazielen

Auch der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) zeigt sich alarmiert. Die Überlegungen Reiches seien ein „gefährliches Signal“ an Investoren und Verbraucher, erklärte der Verband in einer Pressemitteilung. Man brauche „verlässliche Investitionsbedingungen in allen Photovoltaik-Marktsegmenten“. Alles andere gefährde die Erreichung der Klimaziele und setze die rund 150.000 Arbeitsplätze der Branche aufs Spiel.

Der Verband verweist auf Umfragen unter Installateuren: Ohne Förderung würden sich nur noch vier von zehn privaten Kunden für eine Solaranlage entscheiden. Dabei genieße die Solarenergie in der Bevölkerung seit Jahren parteiübergreifend hohe Zustimmung. Statt über Kürzungen zu reden, solle die Bundesregierung den Photovoltaikausbau in allen Marktsegmenten auf Zielkurs halten, Speicher und Netze zügig erweitern und erzeugten Sonnenstrom effizient ins Gesamtsystem integrieren.

Solaranlagen entlasten das Netz

Ein weiterer Streitpunkt könnte die mögliche stärkere Beteiligung von Solaranlagenbetreibern an den Netzkosten werden. Auch hier positioniert sich der BSW-Solar klar: Gebäude-Photovoltaikanlagen entlasteten das Netz, da der erzeugte Strom häufig direkt vor Ort verbraucht werde. Die Kombination mit Batteriespeichern, Wärmepumpen oder E-Autos sei heute Standard und reduziere den Netzausbaubedarf. Eine zusätzliche Kostenbeteiligung sei daher „nicht zu rechtfertigen“.

Ob die Bundesregierung tatsächlich den Rotstift ansetzt oder am bisherigen Kurs festhält, wird sich vermutlich erst in den kommenden Monaten entscheiden. Fest steht schon jetzt: Der Widerstand aus der Branche ist massiv. Die politische Diskussion über die Zukunft der privaten Photovoltaik dürfte daher noch lange nicht beendet sein.

Ein Beitrag von:

  • Elke von Rekowski

    Chefredakteurin der VDI energie + umwelt und freie Redakteurin der VDI nachrichten sowie Ingenieur.de, unter anderem für die Themen Elektronik und Telekommunikation. Als langjährige Technikjournalistin arbeitete sie für verschiedene Branchenmagazine und Fachzeitschriften. Außerdem ist sie Mit-Gründerin einer E-Health Nachrichtenplattform.

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