Energiepolitik 17.06.2013, 14:50 Uhr

Solarenergie – Ägyptens vergessene Ressource

Energiesubventionen verschlingen ein Viertel des ägyptischen Staatshaushalts. Nach und nach sollen sie sinken. Die Hotelbranche des Landes sucht daher nach preiswerteren Alternativen. Sie will sich mit solarthermischen Kollektoren gegen steigende Energiekosten wappnen und so endlich die wohl größte heimische Energiequelle des Landes anzapfen.

Solarmodul in der ägyptischen Wüste: Die Regierung will die hohe Energiesubventionen zurückfahren, weshalb besonders die Preise für fossile Energie explodieren. Hotels wollen deshalb jetzt stärker auf Solarenergie setzen.

Solarmodul in der ägyptischen Wüste: Die Regierung will die hohe Energiesubventionen zurückfahren, weshalb besonders die Preise für fossile Energie explodieren. Hotels wollen deshalb jetzt stärker auf Solarenergie setzen.

Foto: Fraunhofer ISE

An den Pyramiden von Gizeh ist nicht viel los. Selbst das antike Weltwunder kann kaum noch Touristen in ein Land locken, das mit Demonstrationen und Bombenanschlägen Schlagzeilen macht. Lange Schlangen bilden sich in diesen Tagen eher vor den Tankstellen, denn Benzin ist knapp. Doch neben leeren Betten haben die ägyptischen Hotelbesitzer noch eine andere Sorge: Die Regierung hat begonnen, ihre Energiesubventionen zu reduzieren, mit denen fossile Energieträger bezuschusst werden. Dafür ist es höchste Zeit, denn im Haushaltsjahr 2012/2013 werden diese voraussichtlich ein Viertel der Ausgaben aus der ohnehin leeren Staatskasse ausmachen.

Der Subventionsabbau ist ein heikles Thema. Die Regierung sitzt auf einem Pulverfass, und jede Preissteigerung könnte der Funke sein, der es hochgehen lässt. Das gilt vor allem dann, wenn es die Ärmsten trifft. Deshalb arbeitet sich die ägyptische Regierung beim Abbau der Subventionen von oben nach unten vor.

Preis für Superbenzin verfünffacht

Der Preis für Superbenzin ist bereits auf das Fünffache gestiegen – davon ausgehend, dass, wer ein relativ neues Auto besitzt, auch sein Benzin bezahlen kann. Im November sind die Hotels dran. Spätestens dann sollen Strom und Diesel doppelt so teuer werden wie bisher. Letzteres trifft vor allem die Resorts am Roten Meer, die ihren Strom mit Generatoren selbst produzieren.

Nun haben sich das Tourismusministerium, der ägyptische Hotelverband EHA, die Bank of Egypt und der junge ägyptische Solarenergieverband SEDA zu einer Solarinitiative zusammengeschlossen. In einer Pressekonferenz in Kairo Anfang Juni stellten der ägyptische Tourismusminister Hisham Zaazou und Vertreter der anderen Organisationen ihr ambitioniertes Ziel vor: Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen 100 000 Hotelzimmer in Ägypten mit umweltfreundlicher Energie versorgt werden. Das ist nach Angaben des Hotelverbandes fast die Hälfte der Zimmer im Land.

Intelligente Beleuchtungskonzepte, Photovoltaik und Sonnenkollektoren für die Warmwassererwärmung sollen die Mittel sein, um das zu erreichen. Dabei gelten die solarthermischen Kollektoren als besonders tief hängende Früchte. Bisher erwärmen viele Hotels das Wasser elektrisch, selbst wenn sie den Strom dafür erst mit einem Dieselgenerator erzeugen müssen. Und das, obwohl jährlich im Schnitt 2200 kWh Sonnenenergie auf jeden Quadratmeter ägyptischen Bodens treffen.

Solarwärmeanlage rechnen sich nach wenigen Jahren

So kommt es, dass eine Solarwärmeanlage sich in den Resorts ohne Netz sogar im Vergleich zum subventionierten Diesel innerhalb von fünf Jahren amortisiert. Ab November wird es nach Abbau der Subventionen noch schneller gehen. Für die ans Netz angeschlossenen Hotels kann man nach der Preiserhöhung ebenfalls mit einer Amortisation innerhalb von fünf Jahren rechnen.

Die Bank of Egypt hat zugesagt, Sonnenkollektoren mit Krediten zum marktüblichen Zinssatz zuzüglich einer Marge von 2 % zu finanzieren. Angesichts der hohen Zinsen in Ägypten läuft das auf einen stattlichen Gesamtzins von etwa 12 % hinaus. Der Tourismusminister hofft, für die Solarenergie bald auch Zuschüsse bereitstellen zu können.

Wahrscheinlich werden sich die Ägypter am Vorbild Tunesiens orientieren. Auch dort hat die Regierung Mühe, die hohen Energiesubventionen zu bezahlen, wagt aber auch nicht, sie zu senken. Um das Problem in den Griff zu bekommen hat man ein Solarförderprogramm namens Prosol aufgelegt, das allein in den ersten fünf Jahren zur Einsparung von 47 000 t Öläquivalent geführt hat.

Ägypten nimmt sich Tunesien zum Vorbild

Sami Marrouki, der das Programm in Tunesien geleitet und aufgebaut hat, berät nun die Ägypter. In einem gemeinsamen Workshop in Kairo haben Vertreter der neuen ägyptischen Solarinitiative bereits gemeinsam mit Marrouki diskutiert, wie man das tunesische Modell auf Ägypten übertragen könnte. Die ägyptischen Hoteliers hoffen, mit einer grünen Marketingkampagne ein wenig vom gefährlichen Image des Landes ablenken zu können. Doch das dürfte schwer werden.

Direkt nach der Pressekonferenz über die Solarinitiative eilte der Tourismusminister zum nächsten Termin im selben Hotel, dem Hotel Intercontinental: die Einweihung eines Konferenzsaals. Der Raum war renoviert worden, nachdem Aufständische am Anfang des Jahres mehrfach das Hotel attackiert und verwüstet hatten. Die nächsten Massenproteste in Kairo werden am 30. Juni erwartet, wenn sich die Vereidigung Mohammed Mursis als Präsident jährt.

Doch anders als in Deutschland ist eine schnelle Energiewende für Ägypten keine Frage der politischen Überzeugung. Sie ist eines der drängendsten Alltagsprobleme, das es zu lösen gilt, um das komplette Chaos im Land zu verhindern. Womöglich ist dies die einzige Frage, in der sich die politischen Lager in Ägypten derzeit einig sind. EVA AUGSTEN

Ein Beitrag von:

  • Eva Augsten

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