Alternative zum Kühlschrank 10.03.2015, 10:16 Uhr

Solarbetriebenes Kühlzelt schützt afrikanische Bauern vor Ernteverlusten

Bis zu 150 Kilogramm Obst und Gemüse behalten im Mini-Zelt Wakati deutlich länger ihre Frische. Mit einem solarbetriebenen Ventilator und nur 200 Milliliter Wasser pro Woche entsteht ein günstiges Mikroklima für die geernteten Früchte. Afrikanische Kleinbauern können damit ihre Ernteverluste reduzieren.

Der belgische Produktentwickler Arne Pauwels möchte Kleinbauern in Entwicklungsländern zu mehr Produktivität verhelfen. In vielen Entwicklungsländern verdirbt bis zu 45 Prozent der Ernte, bevor sie auf den Markt kommt.

Der belgische Produktentwickler Arne Pauwels möchte Kleinbauern in Entwicklungsländern zu mehr Produktivität verhelfen. In vielen Entwicklungsländern verdirbt bis zu 45 Prozent der Ernte, bevor sie auf den Markt kommt.

Foto: Wakati

Die Konstruktion sieht aus wie eine überdimensionierte Kühltasche und so etwas Ähnliches ist sie auch. Der belgische Produktentwickler Arne Pauwels hat das Mini-Zelt entworfen, in dem bis zu 150 Kilogramm frisch geerntetes Obst und Gemüse gelagert und frisch gehalten werden können. Wakati, in Swahili bedeutet das Zeit, ist mit der Absicht entstanden, afrikanischen Kleinbauern zu helfen, ihre hohen Verluste nach der Ernte zu reduzieren.

Schon als Kind habe er mehrfach Afrika besuchen können, erzählt Pauwels. Später habe er Produktentwicklung an der Universität in Antwerpen studiert und sei für sein Masterprojekt nach Äthiopien gereist. „Während meines Aufenthaltes wurde klar, dass die Verluste nach der Ernte in Afrika ein Riesenproblem sind“, erzählt Pauwels. „Wakati ist entstanden, weil ich die Produktivität der Farmer und nicht deren Produktion erhöhen wollte.“ Nach zahlreichen Tests an den Universitäten in Antwerpen und Leuven entstand schließlich das Mini-Zelt mit Klimaregulierung.

Kühlsystem braucht nur 200 Milliliter Wasser pro Woche

Ein kleines Solarpanel treibt einen Ventilator mit drei Watt Leistung an, über den Wasser im Inneren des Zeltes verteilt wird und sehr langsam verdunstet. Durch das feuchte Klima trocknen die Früchte nicht aus, was die Zellen intakt hält und den Enzymen und Säuren wenig Angriffsfläche bietet. Bis zu zehn Tagen länger hält sich das frisch geerntete Obst und Gemüse und dabei werden pro Woche nur 200 Milliliter Wasser für die Kühlung benötigt.

Die kleinen Ventilatoren haben eine Leistung von drei Watt und beziehen Strom von einem Solarpanel. Sie verteilen Wasser im Zeltinneren, das langsam verdunstet und ein feuchtes Klima erzeugt.

Die kleinen Ventilatoren haben eine Leistung von drei Watt und beziehen Strom von einem Solarpanel. Sie verteilen Wasser im Zeltinneren, das langsam verdunstet und ein feuchtes Klima erzeugt.

Quelle: Wakati

Das Potenzial des Wakati-Zeltes ist enorm. Nach einer Schätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen verdirbt in den Entwicklungsländern bis zu 45 Prozent der Ernte, bevor sie auf den Markt kommt und gegessen werden kann. Eine Kühlung im klassischen Kühlschrank kommt als Abhilfe in den meisten Fällen wegen der hohen Stromkosten nicht in Frage.

Kühlzelt kostet 100 US-Dollar

Die ersten 100 Kühlzelte hat Pauwels Unternehmen bereits nach Afghanistan, Haiti und Uganda ausgeliefert. In diesem Jahr sollen höhere Stückzahlen produziert werden. Der Einzelpreis von bisher 100 US-Dollar könnte dadurch vermutlich weiter gesenkt werden, hofft Pauwels.

Das Kühlzelt kostet 100 US-Dollar und dürfte damit für die meisten Kleinbauern in Entwicklungsländern unerschwinglich sein. Pauwels Abnehmer dürften daher eher Entwicklungshilfeorganisationen sein.

Das Kühlzelt kostet 100 US-Dollar und dürfte damit für die meisten Kleinbauern in Entwicklungsländern unerschwinglich sein. Pauwels Abnehmer dürften daher eher Entwicklungshilfeorganisationen sein.

Quelle: Wakati

Obwohl die Investition sich langfristig auszahlen würde, dürften die Zelte für die afrikanischen Kleinbauern dennoch unerschwinglich sein. Aber für Entwicklungshilfeorganisationen könnten die Kühlzelte, die mit wenig Wasser und sauberer Energie arbeiten, eine willkommene Investition sein.

Von Gudrun von Schoenebeck

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