Interview zu Geothermie 30.09.2011, 12:06 Uhr

Planung und Standortwahl sind wichtig

Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft, TU Hamburg-Harburg, fasst die Nachhaltigkeitsaspekte der Geothermie zusammen.

Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft.

Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft.

Foto: TU Hamburg-Harburg

VDI nachrichten/INGENIEUR.de: Wie ist Geothermie ökologisch zu bewerten?

Kaltschmitt: Das hängt stark von der Art der Anlage ab. Bei der tiefen Geothermie ist die Lebenswegbilanz der Klimagasemissionen meist sehr niedrig – aber nur, wenn man neben der Stromerzeugung die Abwärme über ein Nah- oder Fernwärmenetz weitgehend nutzt.

Beachten muss man, dass zum Betrieb von geothermischen Anlagen immer Strom benötigt wird, um die Pumpen anzutreiben. Wird der komplette Strom aus der Anlage ins Netz eingespeist und der Pumpstrom aus dem Netz bezogen, müssen auch die entsprechenden Emissionen des deutschen Strommix berücksichtigt werden. Deshalb ist die Ökobilanz der Klimagasemissionen ohne Stromeinkauf, also bei Selbstversorgung mit Strom, deutlich besser.

Nicht ganz so gut sieht es für die oberflächennahe Geothermie aus. Wärmepumpen zum Heizen benötigen Strom, um die Wärme aus dem Boden zu fördern und nutzbar zu machen. Und bei der Stromerzeugung entstehen Klimagasemissionen entsprechend dem deutschen Strommix. Trotzdem sind die Klimagase im Allgemeinen merklich niedriger im Vergleich zur Wärmeerzeugung aus Erdgas oder Heizöl. Ist demgegenüber eine Wärmepumpe schlecht ausgelegt und mangelhaft gewartet, kann sie sogar mehr Klimagasemissionen freisetzen als eine Gastherme.

Was sind die wichtigsten ökologischen Vorteile, wo sind die wichtigsten Baustellen in puncto Ökologie?

Kaltschmitt: Erdwärme ist unerschöpflich und hat im Gegensatz zu allen anderen regenerativen Energien im Betrieb kaum schädliche Auswirkungen auf die überirdische Flora und Fauna. Über die ökologischen Auswirkungen im Untergrund, etwa auf das Grundwasser bei der oberflächennahen Geothermie, wissen wir aber noch nicht so viel hier besteht noch Forschungsbedarf, auch wenn zu erwarten ist, dass kaum nennenswerte Effekte auftreten dürften.

Wie gut Geothermie aus ökologischer Sicht – und damit in der Summe aller ökologischen Parameter – ist, hängt mehr als bei anderen regenerativen Energien von einer guten Planung ab und vor allem von der Wahl des Standortes. So machen Wärmepumpen oft aus ökologischer Sicht nur in Verbindung mit einer Niedertemperaturheizung Sinn. Und die ökologische Bewertung der Emissionen im Lebensweg bei der tiefen Geothermie wird zu einem erheblichen Anteil von der Nutzung der Abwärme beeinflusst.

Was wäre als Wichtigstes zu tun, um ökologische Nachteile dieser Energietechnologie zu mildern.

Kaltschmitt: Tiefe geothermische Anlagen sollten immer mit einem Fernwärmenetz verbunden werden. Bei oberflächennaher Geothermie sollte auf eine hohe Arbeitszahl der Wärmepumpe geachtet werden.  

  • Bernd Müller

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