Start der Messe „Husum Wind“ 16.09.2025, 15:30 Uhr

Husum Wind: Scharfer Gegenwind für Bundesenergieministerin Reiche

Windkraft in Deutschland steht gut da, zeigt die Husum Wind. Nach dem Energiewende-Monitoring sieht die Branche Unsicherheiten für die Zukunft.

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Luftaufnahme einer Windkraftanlage vor landwirtschaftlichen Feldern und Photovoltaikmodulen: Die Windkraft in Deutschland steht derzeit gut da, zeigt das Branchentreff Husum Wind. Die Industrie sieht nach den Schlüssen der Bundeswirtschaftsministerin aus dem Energiewende-Monitoring Unsicherheiten für die Zukunft der Energiewende.

Foto: PantherMedia/reisezielinfo

„Ambitionslosigkeit“ und „mangelndes Vertrauen“ in die Fortsetzung der Energiewende und das Engagement der Erneuerbaren-Branche – so lauteten die Vorwürfe von Vertretern der Windindustrie wie auch aus der schleswig-holsteinischen Landesregierung gegen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bei der Eröffnung der diesjährigen Messe Husum Wind. Die hatte gestern den lang erwarteten Monitoringbericht zur Energiewende vorgelegt und danach zehn Vorschläge präsentiert, wie sie die Energiewende weiter gestaltet wolle.

„Die Windenergie steht momentan sehr gut da“, betonte die Präsidentin des Bundesverbands Windenergie Bärbel Heidebroek: 5 GW könnten in diesem Jahr zugebaut werden. Zwar liege das ursprüngliche Ziel bei 10 GW; die könnten aber, wenn es keine Bremse gebe und die Rahmenbedingungen beibehalten würden, 2026 erreicht werden. Es habe bei den Ausschreibungen Zuschläge für über 7 GW gegeben, für weitere rund 7 GW lägen Genehmigungen vor.

Deutsche Offshore-Windkraft stockt durch hausgemachte Probleme

Dass der Offshore-Ausbau stockt und es bei der jüngsten Ausschreibung keine Gebote gegeben hat, liege am ungünstigen Ausschreibungsdesign, so Heidebroek. Dies sei „zurzeit nicht wirtschaftlich, es muss eine Reform geben“.

Auch bei den „Non-price-Kriterien“ wünscht sie sich Änderungen. Die Flächen für die Windparks auf See sollten so ausgewiesen werden, dass die Anlagen sich nicht gegenseitig verschatten. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA (Verband der Maschinen- und Anlagenbauer) Power Systems, verweist auf der Husum Wind auf die enormen Vorleistungen, die Projektierer von Offhshore-Parks erbringen müssen. „Letztes Jahr waren das 13 Mrd. €, das muss erstmal von der Industrie erwirtschaftet werden.“

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Husum Wind: Branche mahnt Planbarkeit statt Unsicherheit durch Bundesregierung an

Heidebroek berichtet auf der Husum Wind, sie habe von der Ministerin nicht gehört, dass der Onshore-Ausbau beschränkt werden solle. Doch sorgt die Tatsache, dass die Ministerin zwar an dem Ziel von 80 % erneuerbarem Strom bis 2030 festhält, es aber keine Klarheit über die Ausbaupfade gebe, für Unsicherheit in der Branche – auch wenn der Parlamentarische Staatssekretär Stefan Rouenhoff auf der Messe betont: „Die Windkraft trägt maßgeblich zur Dekarbonisierung unseres Landes bei.“ Sie sei eine tragende Säule. „Wir stehen zur Windbranche.“ Aber die Systemkosten müssten „vollumfänglich mitgedacht werden“.

VDMA-Manager Rendschmidt mahnt demgegenüber „mehr Planbarkeit und politische Verlässlichkeit“ an. „Es geht nicht nur um Klimaneutralität, sondern auch um Versorgungssicherheit und Wertschöpfung“. Die Politik müsse erkennen, dass die Branche zu Wirtschaftswachstum und Beschäftigung beitrage. Derzeit stellt die Windenergie rund 120.000 Arbeitsplätze.

Windkraft stärkt Wertschöpfung in ländlichen Regionen

Musterbeispiel für die positiven Effekte ist Schleswig-Holstein (SWH), unter den Bundesländern einst Pionier bei der Windkraft, wo die Husum Wind seit 36 Jahren angesiedelt ist. In diesem Jahr präsentieren sich hier knapp 600 Aussteller, erstmals gibt es eine „future & innovation-hall“. Themen sind auch Wasserstoff, Netze, Digitalisierung und Cyber-Sicherheit. In SWH sind aktuell allein 9,4 GW Windkraft installiert, in den kommenden Jahren könnten 15 GW erreicht werden, meint Ministerpräsident Daniel Günther.

Für die Wertschöpfung gerade in den ländlichen Regionen sei die Windbranche elementar, weshalb das Land 3 % der Fläche dafür zur Verfügung stellen will. Positive Effekte ergeben sich laut Günther auch aus der Kooperation mit dem Nachbarland Dänemark, so bei der Windkraft auf See. Auch eine Wasserstoffpipeline ist geplant, sie könnte 2030/31 in Betrieb gehen.

Husum Wind: Schleswig-Holstein fordert vom Bund keine Rückwärts- sondern eine Vorwärtsagenda

Landes-Energiewendeminister Tobias Goldschmidt kritisiert, dass Reiche „die Probleme nach vorne gestellt“ habe, statt die Chancen zu sehen. Das Energiewende-Monitoring könne eine gute Grundlage sein für einen Konsens zur Fortsetzung der Energiewende, doch sei das „Narrativ“ der Ministerin „polarisierend.“

Goldschmidt vermisst bei Reiche auch ein Programm zum Wasserstoffhochlauf. „Es braucht keine Rückwärtsagenda, sondern eine Vorwärtsagenda. Wer soll verstehen, dass in einer Legislaturperiode die Genehmigungen beschleunigt werden und in der nächsten auf die Bremse getreten wird? Dieses Schlingern passiert gerade.“ Auch dass der zukünftige Stromverbrauch mit 600 TWh niedriger angesetzt werden, stößt allseits auf Kritik. Elektrifizierung und künstliche Intelligenz seien „total unterbelichtet“, sagt VDMA-Manager Rendschmidt. „Die Ambitionslosigkeit der Wirtschaftsministerin ist frappierend“.

Windkraftbranche will eigenverantwortlich Kosten senken

Verbandspräsidentin Heidebroek betont, die Branche sei bereit, Verantwortung zu übernehmen und zur Kostensenkung und Systemstabilität beizutragen. „Auch wir wollen, dass die Redispatch-Kosten sinken.“ Kostensenkung allein könne aber auch zu Ineffizienzen führen, lieber solle man intelligente Lösungen wie Sektorenkopplung und Nutzung des Überschussstroms für Wasserstoff (H2) umsetzen. „Die Lösung kann nicht sein, dass, wenn ich kein Netz habe, ich keine neuen Anlagen baue.“

Angesichts der Herausforderungen durch die geopolitischen Herausforderungen stellen die Branchenvertreter auf der Husum Wind auch einen wichtigen Aspekt der dezentralen Stromerzeugung durch Erneuerbare wie Windenergie heraus: Sie biete mehr Sicherheit bei feindlichen Angriffen auf die Infrastruktur, das habe sich in der Ukraine gezeigt. Allerdings müsse mit der notwendigen fortschreitenden Digitalisierung auch hier viel mehr für die Cybersicherheit getan werden, denn die Bedrohungslage sei eminent, betont Experte Dennis-Kenji Kipker, Professor für IT-Sicherheitsrecht an der Hochschule Bremen.

Ein Beitrag von:

  • Angelika Nikionok-Ehrlich

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