Hüttenkopfbahn im Montafon 07.01.2015, 08:45 Uhr

Fotovoltaik-Sesselbahn von Doppelmayr macht Skifahren grüner

Mit Sonnenkraft zum Gipfel: Unter diesem Motto macht sich ein österreichischer Bergbahnbetreiber zum Vorreiter des grünen Skifahrens. Rund 300 Quadratmeter Solarmodule erzeugen für die Hüttenkopfbahn im Montafon jährlich 60.000 Kilowattstunden Strom. 

Die Fotovoltaik-Sesselbahn von Doppelmayr bringt stündlich 2400 Skifahrer zur Bergstation auf 2028 Meter Höhe. Sie benötigt pro Saison 180.000 Kilowattstunden Strom ­– ein Drittel liefern die Solarmodule.

Die Fotovoltaik-Sesselbahn von Doppelmayr bringt stündlich 2400 Skifahrer zur Bergstation auf 2028 Meter Höhe. Sie benötigt pro Saison 180.000 Kilowattstunden Strom ­– ein Drittel liefern die Solarmodule.

Foto: Doppelmayr

Alle Jahre wieder, sobald die ersten Schneeflocken fallen, wird das 39 Kilometer lange Tal Montafon im österreichischen Vorarlberg zum Magneten für Wintersportler. Besonders beliebt ist der Berg Golm mit seinen 36 Pistenkilometern. Dort stand bis vor kurzem ein 1981 gebauter Zweier-Sesselift, den Bahnbetreiber Illwerke nach über 30 Betriebsjahren wegen Altersschwäche in Rente schicken musste. Etwas Neues musste her. Etwas Komfortables. Etwas Ressourcen- und Klimaschonendes. Es kam: die erste Solar-Sesselbahn Österreichs.

Betreiber Illwerke investierte 8,5 Millionen Euro in Fotovoltaik-Bahn

Für die Verwirklichung des 8,5 Millionen Euro teuren Solarlifts holten die Illwerke Doppelmayr mit ins Boot. Der Vorarlberger Seilbahnexperte lieferte eine Sechser-Sesselbahn mit Sitzheizung, die stündlich 2400 Skifahrer zur Bergstation auf 2028 Meter Höhe bringt – mit der Kraft der Sonne.

„Wir haben uns für eine zeitgemäße und ökologische Lösung aus erneuerbaren Energien mit Fotovoltaik für den elektrischen Antrieb der neuen Bahn entschieden“, erklärt Werner Netzer, Geschäftsführer des Bahnbetreibers Illwerke Tourismus. „Ein Drittel des gesamten Strombedarfs wird für den Betrieb der Hüttenkopfbahn mit Solarenergie gedeckt.“ 

300 Quadratmeter Solarmodule liefern 60.000 Kilowattstunden Strom

Für die Skifahrer ist die technische Besonderheit der Hüttenkopfbahn während der fünfminütigen Fahrt kaum sichtbar. Rund 312 Quadratmeter Solarmodule sind unscheinbar in die Dächer der Berg- und Talstation integriert, zusätzlich noch in die Abstellhalle für die Sessel. Sie liefern rund 60.000 der im Winter benötigten 180.000 Kilowattstunden Strom.

In die Dächer der Berg- und Talstation der Hüttenkopfbahn sind rund 300 Quadratmeter Solarmodule integriert. Sie erzeugen das ganze Jahr Sonnenstrom, den der Betreiber ins lokale Stromnetz einspeist und von diesen Vorräten im Winter zehrt. 

In die Dächer der Berg- und Talstation der Hüttenkopfbahn sind rund 300 Quadratmeter Solarmodule integriert. Sie erzeugen das ganze Jahr Sonnenstrom, den der Betreiber ins lokale Stromnetz einspeist und von diesen Vorräten im Winter zehrt. 

Quelle: Doppelmayr

Um auf diese gute Bilanz zu kommen, müssen die Module allerdings auch im Sommer Strom erzeugen. Strom, den die Illwerke kurzerhand ins Netz einspeisen und verkaufen. Im Winter kommt es dann zur Rückspeisung des vorproduzierten Sonnenstroms. Das ist deswegen besonders einfach, weil die Illwerke zu den größten Stromversorgern Österreichs zählen und das Skigebiet nur als Nebengeschäft betreiben.

Club der grünen Skilifte wächst

Ganz allein im Club der grünen Skilifte sind die Illwerke nicht: Vergleichbare Anlagen gibt es inzwischen auch in Tenna im Schweizer Safiental und im Skigebiet oberhalb des österreichischen Wintersportortes Gerlos. Doch deren Transportleistung liegt laut WirtschaftsWoche deutlich unter der der Hüttenkopfbahn.

Betreiber der Hüttenkopfbahn sind die Illwerke, die zu den größten Stromversorgern Österreichs zählen. Sie haben 8,5 Millionen Euro in die Fotovoltaik-Sesselbahn investiert. 

Betreiber der Hüttenkopfbahn sind die Illwerke, die zu den größten Stromversorgern Österreichs zählen. Sie haben 8,5 Millionen Euro in die Fotovoltaik-Sesselbahn investiert. 

Quelle: Brugger-Ingenieure

Und dann gibt es noch Betreiber, die nicht die ganze Anlage mit Sonnenstrom betreiben, sondern nur einzelne Funktionen. Die Gondeln der österreichischen Grasjochbahn in Sankt Gallenkirch sind beispielsweise mit Solarpanelen ausgestattet, die Strom für Beleuchtung und eine Funkanlage liefern. Der Betreiber kann die Gondeln anfunken und Informationen an die Passagiere durchgeben – früher hätte man dafür Lautsprecher an den Stützmasten installieren und sich damit abfinden müssen, dass bei starkem Wind und Schneefall Durchsagen kaum zu verstehen sind. 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitet als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de.

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