Winter 09.01.2026, 10:10 Uhr

Einfrierende Wasserleitungen verhindern: Tipps für die kalte Jahreszeit

Während der Wintermonate besteht in vielen Regionen das Risiko, dass Wasserleitungen und -gefäße bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt einfrieren, was zu erheblichen Betriebsstörungen und Reparaturkosten führen kann. Um solche Probleme zu vermeiden, sollten präventive Maßnahmen wie Isolierung, Heizkabel, konstanter Wasserfluss und regelmäßige Wartung implementiert werden.

Wasserleitungen

Schützen Sie Ihre Wasserleitungen im Winter.

Foto: PantherMedia / HeyingPhoto

Bei dem aktuellen Stromausfall in Berlin und der Kältewelle in Deutschland sollten Hausbesitzer aufpassen: Gefrierende Heizungs- und Wasserleitungen können großen Schaden anrichten. Steht Wasser in den Leitungen, zum Beispiel durch Stromausfall oder längere Abwesenheit, dehnt es sich beim Gefrieren aus und lässt Rohre platzen.

Die Ausdehnung von gefrorenem Wasser: Auswirkungen und Ursachen

Wasser hat die einzigartige Eigenschaft, dass es sich beim Gefrieren ausdehnt, anstatt zu schrumpfen. Dieses Phänomen ist auf die Molekularstruktur des Wassers zurückzuführen.

In der flüssigen Phase bewegen sich Wassermoleküle frei und sind in der Lage, eine Vielzahl von Wasserstoffbrückenbindungen mit anderen Molekülen zu bilden.

Wenn die Temperatur weiter sinkt und das Wasser den Gefrierpunkt von 0°C erreicht, beginnen sich die Wasserstoffbrückenbindungen weiter zu ordnen und bilden eine kristalline Struktur, die als Eis bekannt ist. Diese kristalline Struktur nimmt mehr Raum ein als die ungeordnete, flüssige Struktur des Wassers, wodurch sich das Eis ausdehnt.

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Diese Ausdehnungskraft beim Gefrieren ist der Grund dafür, dass Wasserleitungen und andere Behälter, die mit Wasser gefüllt sind, bei kalten Temperaturen platzen können, wenn das Wasser darin gefriert. Es ist auch ein Faktor bei der Entstehung von Frostheben in der Natur, bei dem der Boden durch das Einfrieren von Wasser ausdehnt.

„Frostschäden an Heizungs- und Trinkwasserleitungen zeigen sich oft erst, wenn die Kälteperiode vorbei ist und das Eis wieder auftaut. Wer jetzt nicht vorsorgt und später nicht aufmerksam ist, riskiert, Wasserschäden zu spät zu bemerken, und damit unnötig hohe Sanierungskosten.“, erklärt Trinkwasser-Experte Thomas Wollstein von der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik.

Strategien und Empfehlungen zur Prävention von Einfrieren in Wasserleitungen

Bei einem großflächigen Stromausfall, wie er beispielsweise in den vergangenen Tagen in Teilen Berlins aufgetreten sei, falle sowohl die Heizung als auch die Trinkwasserversorgung aus. Dadurch könnten Gebäude auskühlen und das in den Leitungen stehende Wasser gefrieren. Das Wasser dehne sich beim Gefrieren aus, wodurch Rohre reißen könnten. Zunächst bleibe dies unbemerkt, da kein Wasser austrete, solange der Frost anhält. Beim Wiederauftauen könnten dann schwere Wasserschäden entstehen.

Von daher empfiehlt Wollstein, dass Eigentümer, Betroffene und Fachbetriebe, wenn absehbar ist, dass ein Haus während einer Frostperiode nicht beheizt wird und kein Trinkwasser entnommen wird, unverzüglich den Sachversicherer informieren und sich an dessen Vorgehensweise halten.

Ein weiterer Tipp –  die Trinkwasserinstallation abzusperren, da dies zwar einen Rohrbruch möglicherweise nicht verhindere, aber die austretende Wassermenge begrenzen könne. Wenn möglich, sollten die Leitungen entleert werden, und bei der Wiederinbetriebnahme müsse die Trinkwasserinstallation gespült werden.

Es ist sinnvoll, auch Keller- und Nebenraumfenster geschlossen zu halten, da offene Fenster das Auskühlen beschleunigen. Außerdem sollte man regelmäßig nach Feuchtigkeitsschäden oder sichtbaren Schäden an den Leitungen schauen, besonders nach der Frostperiode. „Dämmmaßnahmen verlängern die Zeit bis zum Einfrieren. Rohrbegleitheizungen können es verhindern – solange sie mit Strom versorgt werden“ , sagt der Experte.

Für das sichere Abschalten und Wiederinbetriebnehmen von Trinkwasserleitungen verweist der VDI auf die Empfehlung VDI/DVQST-EE 3810 Blatt 2.1. „Betreiben und Instandhalten von Gebäuden und gebäudetechnischen Anlagen; Trinkwasser-Installationen; Außerbetriebnahme und Wiederinbetriebnahme“.

„Bei Verdacht auf eingefrorene Leitungen sollte zuerst der Hauptabsperrhahn geschlossen und die Wasserhähne geöffnet werden, um den Druck in den Leitungen langsam abzubauen. Der VDI-Experte warnt davor, Leitungen selbst mit offener Flamme oder Heißluftgeräten aufzutauen. Stattdessen sollte ein Fachinstallateur hinzugezogen werden. Für die Planung frostgefährdeter Leitungen empfiehlt der VDI Fachleuten, die Richtlinie VDI 2069 zur Vermeidung von eingefrorenen Wasserleitungen zu beachten.

Weitere präventive Maßnahmen

Um das Einfrieren von Rohrleitungen und Gefäßen während der Wintermonate zu verhindern, gibt es verschiedene präventive Maßnahmen:

  1. Isolierung: Eine der effektivsten Methoden besteht darin, Rohrleitungen und Gefäße mit Isolierungsmaterial zu umgeben. Dies hilft, die Wärme im Inneren zu halten und schützt vor extremen Temperaturen.
  2. Heizkabel und -bänder: Spezielle Heizkabel oder -bänder können entlang der Rohrleitungen angebracht werden, um ein Einfrieren zu verhindern. Diese werden aktiviert, wenn die Temperatur einen bestimmten Punkt erreicht.
  3. Konstantes Wasserfließen: Ein stetiger, geringer Wasserfluss in den Leitungen kann helfen, ein Einfrieren zu verhindern. Ein kontinuierlicher Wasserstrom kann die Gefahr reduzieren, da fließendes Wasser schwerer zu gefrieren ist als stehendes Wasser.
  4. Heizquellen: In Bereichen, in denen das Risiko eines Einfrierens besteht, können zusätzliche Heizquellen wie Heizlampen oder Heizlüfter installiert werden, um die Temperatur zu erhöhen und die Leitungen warm zu halten.
  5. Überprüfung und Wartung: Regelmäßige Inspektionen der Rohrleitungen und Gefäße können potenzielle Probleme frühzeitig erkennen und beheben, bevor sie zu größeren Schäden führen.
  6. Druckreduzierung: In einigen Fällen kann die Reduzierung des Wasserdrucks in den Leitungen helfen, das Risiko eines Einfrierens zu minimieren, indem der Wasserfluss kontrolliert wird.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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