Hilfe nach Supertaifun 19.11.2013, 14:12 Uhr

Einfachfilter PAUL versorgt Menschen auf den Philippinen mit sauberem Wasser

Sauberes Trinkwasser ist in den völlig verwüsteten Gebieten der Philippinen nach dem Supertaifun Hayan Mangelware und überlebensnotwendig. Ein mobiler Wasserrucksack, der selbst in Gegenden ohne jede funktionierende Infrastruktur getragen werden kann, wird jetzt für 50.000 Menschen zur Tankstelle für sauberes Wasser.

Die Wasseraufbereitungseinheit PAUL eignet sich auch für den Dauerbetrieb: Im Bild Schüler und Lehrer der Grundschule Espoir in Batouri in Ostkamerun. Entwickelt wurde das einfache Gerät an der Uni Kassel. Jetzt werden die Geräte auch im Katastrophengebiet auf den Philippinen eingesetzt, um die Menschen mit sauberem Wasser zu versorgen.

Die Wasseraufbereitungseinheit PAUL eignet sich auch für den Dauerbetrieb: Im Bild Schüler und Lehrer der Grundschule Espoir in Batouri in Ostkamerun. Entwickelt wurde das einfache Gerät an der Uni Kassel. Jetzt werden die Geräte auch im Katastrophengebiet auf den Philippinen eingesetzt, um die Menschen mit sauberem Wasser zu versorgen.

Foto: Uni Kassel

Sechs Wasserrucksäcke mit dem Namen PAUL sind schon vor Ort im Katastrophengebiet der durch den Taifun Hayan schwer zerstörten Inselgruppe der Philippinen. Diese Rucksäcke können ganz ohne Energie, ohne Chemikalien, ohne Wartung und vor allem auch ohne geschultes Bedienpersonal verschmutztes Wasser reinigen. Vier einfache Piktogramme erklären die Bedienung so, dass auch Analphabeten an das so dringend benötigte saubere Trinkwasser gelangen.

PAUL ist eine Abkürzung für „Portable Aqua Unit for Lifesaving“. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat die ersten sechs mobilen Trinkwasseraufbereitungsanlagen in das Katastrophengebiet gebracht. Ein Gerät kostet rund 1000 Euro. Finanziert hat die Anlagen der Deutschen Lions Club, der Transport wird unterstützt durch das Medikamentenhilfswerk action medeor.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Energieversorgung Leverkusen GmbH & Co.KG-Firmenlogo
Technischer Netzanschlussplaner (m/w/d) Energieversorgung Leverkusen GmbH & Co.KG
Leverkusen Zum Job 
Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG
Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Kalkulator (m/w/d) Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG
Energieversorgung Leverkusen GmbH & Co.KG-Firmenlogo
Ingenieur Versorgungstechnik/Energietechnik (m/w/d) Energieversorgung Leverkusen GmbH & Co.KG
Leverkusen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur Straßenbau und Infrastruktur (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Kempten Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Projektleiter Bau und Erhaltung Straßenbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Kempten Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik für Informationstechnik und -sicherheit (m/w/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
München Zum Job 
Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauabrechner (m/w/d) Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG
Ziehm Imaging GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur (m/w/d) Hardware mit Schwerpunkt Schaltungstechnik Ziehm Imaging GmbH
Nürnberg Zum Job 
ALTUS-Bau GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur / Architekt als Bauleiter / Projektleiter (m/w/d) im Raum Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachen ALTUS-Bau GmbH
Lübeck Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur Straßenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Kempten Zum Job 
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Strategische*r Einkäufer*in Anlagenbau (m/w/d) Stadtwerke München GmbH
München Zum Job 
Keysight Technologies Deutschland GmbH-Firmenlogo
Senior Process and Development Engineer for High Frequency Solutions (m/f/x) Keysight Technologies Deutschland GmbH
Böblingen Zum Job 
Iventa Austria Personalwerbung GmbH-Firmenlogo
Wind and Site Engineer (m/f/d) Iventa Austria Personalwerbung GmbH
Hamburg Zum Job 
SWM Services GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur*in für Prozess- und Automatisierungstechnik MSR (m/w/d) SWM Services GmbH
München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur als Außenstellenleiter (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieurin oder Ingenieur Ausstattung/Verkehr (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur konstruktiver Ingenieurbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieurin oder Bauingenieur Verkehrsplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes

Eine PAUL kostet rund 1.000 Euro

Das Gerät ist ein Leichtgewicht im Reigen der mobilen Trinkwasseraufbereitung und trotzdem enorm ergiebig: PAUL wiegt rund 23 Kilogramm und schafft es, bis zu 1200 Liter Wasser pro Tag aufzubereiten. Das Wasser können die Menschen gefahrlos trinken, auch ohne es abzukochen. Das ist das größte Problem in solchen Regionen, die von derartigen Naturkatastrophen heimgesucht werden. Das Wasser der Brunnen und Flüsse ist großflächig verseucht, weil überall verwesende Leichen herumliegen. Die Menschen trinken aus der Not heraus dieses verschmutzte Wasser. Die logische Konsequenz sind heftigste Durchfallerkrankungen bis hin zu Epidemien wie etwa der Cholera.

Bakterien und Viren bleiben in der Membrane hängen

Das Herzstück des Wasserreinigers ist ein Membranfilter, ein Block aus etwa 40 Platten mit Kunststoffmembranen mit einer Oberfläche von zehn Quadratmetern. Dieser Membranfilter wird hydrostatisch betrieben. Der Druck des eingefüllten Wassers presst das Rohwasser durch die Membran und filtriert es. Und dieser Membranfilter sorgt dafür, dass nicht nur Schmutz herausgefiltert wird. Auch Bakterien werden mit einem Wirkungsgrad von über 99,999 Prozent entfernt, bestätigt durch Messung des Instituts Fresenius auf E. coli und Coliforme. Auch Viren werden zu über 99,9 Prozent beseitigt, bestätigt durch Messung der Universität Bonn auf Coliphagen.

Der Wasserrucksack PAUL ist völlig einfach aufgebaut und zu reinigen (v.l. im Uhrzeigersinn): Nach Abnehmen des Deckels werden die groben Verschmutzungen einfach herausgespritzt. Anschließend wird der große Membranfilter herausgenommen und gereinigt.

Der Wasserrucksack PAUL ist völlig einfach aufgebaut und zu reinigen (v.l. im Uhrzeigersinn): Nach Abnehmen des Deckels werden die groben Verschmutzungen einfach herausgespritzt. Anschließend wird der große Membranfilter herausgenommen und gereinigt.

Quelle: Uni Kassel

Die Filtermembran in einer PAUL verfügt über mikroskopisch kleine Öffnungen, die Bakterien herausfiltert, die größer sind als 40 Nanometer. Cholerabakterien haben eine Größe von rund 300 Nanometer, bleiben somit zuverlässig in der Membrane hängen. Das Wasser, welches die Menschen aus dem Ablasshahn zapfen können, hat nicht Trinkwasserqualität nach deutscher Norm, es ist aber sauber und trinkbar. PAUL ersetzt dabei aber keine stationäre Wasseraufbereitungsanlage. Gifte, Salz und Öl kann die Kleinanlage nicht aus dem Wasser herausfiltern.

Eine Anlage kann 10 Jahre lang Wasser aufbereiten

Erstaunlich ist die versprochene Haltbarkeit der Wasseraufbereitungsanlage. Die Standzeit der in ihrem Inneren verbauten Membrane beträgt rund zehn Jahre. Während dieser Standzeit lässt sich PAUL auch im Dauerbetrieb betreiben. Es muss lediglich gelegentlich die Membrane entleert und gereinigt werden. Es gibt längst Schulen in Afrika und Haiti, wo die Geräte im Dauereinsatz sind und die Schulkinder mit Wasser versorgen.

Ein weiterer Vorteil der Konstruktion aus Kassel ist ihre kompakte Bauart und dadurch große Mobilität. Zunächst wird PAUL als einzelne Einheit per Flugzeug in das jeweilige Katastrophengebiet gebracht. Dort kann sie, wenn die Straßen für Lastkraftwagen unpassierbar sind, sogar auf dem Rücken eines Menschen zum Einsatzort getragen werden.

Ersteinsatz war nach Erdbeben in Chile 2010

Die Idee für PAUL kam aus dem Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft im Fachbereich Bauingenieurwesen der Universität Kassel. Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing Frank-Bernd Frechen wurde dort schon vor sieben Jahren an einem Prototyp zur Aufbereitung von trinkbarem Wasser aus verseuchtem Oberflächenwasser für die Grundversorgung von kleineren Gruppen von 200 bis 500 Personen gearbeitet. Diese Prototyp-Entwicklung im Jahre 2006 wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt DBU unterstützt. Seinen ersten Einsatz hatte die serienreife PAUL nach dem Erdbeben in Chile Anfang des Jahres 2010.

131 PAUL-Anlagen reinigen Wasser für 50.000 Philippinos

Inzwischen sind über 700 der innovativen Wasserrucksäcke im weltweiten Einsatz, unter anderem in Pakistan, in Haiti, Vietnam, Thailand, Kamerun und in Kenia. Am kommenden Donnerstag werden 125 weitere der mobilen Wasseraufbereiter im Katastrophengebiet afu den Phillipinen landen. Die dann insgesamt 131 Wasserrucksäcke können dann für über 50.000 Menschen verunreinigtes Wasser aufbereiten. Organisiert haben diesen Einsatz die Welthungerhilfe, die Organisation HELP und die Johanniter.

Ein Beitrag von:

  • Detlef Stoller

    Detlef Stoller ist Diplom-Photoingenieur. Er ist Fachjournalist für Umweltfragen und schreibt für verschiedene Printmagazine, Online-Medien und TV-Formate.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.