Revolutionärer Biotreibstoff 03.02.2014, 10:10 Uhr

Boeing testet Flugbenzin aus Wüstenpflanzen

In Abu Dhabi forschen Wissenschaftler an der Gewinnung von Treibstoffen aus Salzpflanzen. Ein erster Testflug mit dem daraus gewonnenen „Green Diesel“ vor einigen Tagen verlief erfolgreich: ein Durchbruch bei der Entwicklung von Biotreibstoffen.

Eine Boeing-Maschine von Etihad Airways absolvierte erfolgreich einen 45-minütigen Testflug mit einer Mischung aus Pflanzensprit und Kerosin im Tank.

Eine Boeing-Maschine von Etihad Airways absolvierte erfolgreich einen 45-minütigen Testflug mit einer Mischung aus Pflanzensprit und Kerosin im Tank.

Foto: Boeing

Halophyten ist der wissenschaftliche Name für die Salzpflanzen. Sie leben auf kargen Böden und ziehen ihre Nahrung aus Salzwasser – und sie können einfacher in Treibstoffe umgewandelt werden als andere Pflanzen. Mit wenig Aufwand lässt sich aus den Halophyten die Zellulose herauslösen, aus der dann in einem zweiten Schritt Zucker gewonnen und anschließend der Treibstoff gemacht wird. Bereits seit einigen Jahren wird daran geforscht, diesen Prozess bei anderen Pflanzen wirtschaftlich zu machen – bisher allerdings erfolglos.

Revolution für die Produktion von Biokraftstoffen

„Unser Prozess könnte eine Revolution für die Biokraftstoffindustrie bedeuten”, sagt Darrin Morgan vom US-Flugzeughersteller Boeing. Boeing hat in Abu Dhabi mit der Fluglinie Etihad Airways, einer Tochtergesellschaft des Industriekonzerns Honeywell und dem Masdar Institute of Science and Technology das Forschungskonsortium Sustainable Bioenergy Research Consortium (SBRC) gegründet – um erneuerbare Treibstoffe für Flugzeuge zu entwickeln. Morgan ist davon überzeugt, dass der neue Treibstoff auch wirtschaftlich konkurrenzfähig zu herkömmlichem, ölbasiertem Kerosin sein wird. „Überraschenderweise gibt es für den Prozess bei Salzpflanzen bisher keine Patente”, sagt er.

Das in Abu Dhabi im Labor entwickelte Flugbenzin aus Salzpflanzen soll jetzt in größeren Mengen produziert werden.

Das in Abu Dhabi im Labor entwickelte Flugbenzin aus Salzpflanzen soll jetzt in größeren Mengen produziert werden.

Foto: Boeing

Der Green Diesel hat auch gegenüber den bisher entwickelten Treibstoffen aus Pflanzenölen einen entscheidenden Vorteil: Er steht nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. „Dieses Projekt ist von globaler Bedeutung“, ist Alejandro Rios, Direktor des SBRC, sicher. „97 Prozent des Wassers auf der Erde ist Meerwasser und 20 Prozent des Landes ist Wüste“, sagt er.

Nach den ersten Versuchen mit der Umwandlung der Halophyten in grünes Kerosin startete Mitte Januar eine Boeing-Maschine von Etihad Airways zu einem 45-minütigen Testflug. Getankt hatte der Jet eine Mischung aus Pflanzensprit und Kerosin.

Forschung verlässt den Labor-Maßstab

Nun sollen die Forschungen den Labor-Maßstab verlassen. Im nächsten Jahr wollen die Wissenschaftler des SBRC ein Ökosystem mit zwei Arten von Halophyten auf dem Sandboden von Abu Dhabi entwickeln. Gegossen werden sollen die Pflanzen mit dem Abwasser einer Shrimps-Farm, das von den Halophyten gereinigt anschließend ins Meer zurückfließt. Läuft alles nach den Plänen der Wissenschaftler, soll im nächsten Schritt eine 500 Hektar große Plantage mit den Salzpflanzen angelegt werden.

Halophyten (hier Salicornia) lassen sich einfacher in Biotreibstoff umwandeln als andere Pflanzen, mit denen bisher geforscht wurde. 

Halophyten (hier Salicornia) lassen sich einfacher in Biotreibstoff umwandeln als andere Pflanzen, mit denen bisher geforscht wurde. 

Foto: SBRC

Nach Informationen der „Green Wiwo“ soll der Treibstoff schon bald in der Praxis eingesetzt werden. Danach will die Fluglinie Etihad aus Abi Dhabi schon in den nächsten Jahren Flüge anbieten, die rein mit Biosprit betrieben werden. Und Boeing setzt sich nach eigener Aussage jetzt auch bei der US-Luftfahrtbehörde (FAA) – zusammen mit anderen Fluggesellschaften, Triebwerksherstellern, Regierungen, Kraftstoffproduzenten und Forschungsorganisationen – dafür ein, dass Green Diesel bald zugelassen wird.

Von Andrea Ziech Tags:

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