Bericht der Suchkommission 20.04.2015, 15:21 Uhr

Atommüll-Endlagerung könnte sich noch bis 2170 ziehen

Noch bis zum Jahr 2170 könnte es dauern, bis alle deutschen Atommüllbehälter sicher in einem Endlager verschlossen sind. Damit würde die Eröffnung eines Endlagers noch über 150 Jahre dauern. Das berichtet eine Arbeitsgruppe der Endlager-Suchkommission. Die Kosten drohen aus dem Ruder zu laufen. 

Atomlager in Morsleben: Wahrscheinlich dauert es noch bis zum Ende des Jahrhundert, bis Fässer mit hochstrahlendem Atommüll in einem Endlager eingelagert werden können.

Atomlager in Morsleben: Wahrscheinlich dauert es noch bis zum Ende des Jahrhundert, bis Fässer mit hochstrahlendem Atommüll in einem Endlager eingelagert werden können.

Foto: Jens Wolf/dpa

Der Atommüll wird die Deutschen noch lange Zeit begleiten: Erst zwischen 2075 und 2130 soll der letzte Atommüllbehälter eingelagert werden. Und erst zwischen 2095 und 2170 soll ein Endlagerbergwerk schließlich verschlossen sein. Das berichtet die Frankfurter Zeitung und beruft sich dabei auf ein aktuelles Papier einer Arbeitsgruppe der Endlager-Suchkommission des Bundestags.

Das wäre eine lange Zeit, die der in Glas eingeschweißte Atommüll in den 16 Zwischenlagern verbringen müsste. Doch diese Lager sind meist nichts anderes als einfache Hallen direkt an den Atomkraftwerken.

Atommüll könnte bis nach 2100 in unsicheren Zwischenlagern bleiben

Kommissionsmitglied Michael Sailer warnt vor den Konsequenzen der langsamen Suche: „Ohne zügige Abwicklung der Endlagersuche könnte Atommüll in einigen Zwischenlagern bis nach 2100 bleiben.“ Dabei bestünde die Gefahr, dass die oberirdischen Lager durch Krieg oder Terrorismus beschädigt und große Mengen Radioaktivität freigesetzt würden. „Die Zwischenlagerung als Quasi-Dauerzustand hinzunehmen, würde künftige Generationen unverantwortlich belasten.“

Erkundungsbergwerk in Gorleben: Die Suche nach einem Endlager für den hochradioaktiven Müll in Deutschland wird sich erheblich verzögern. Erst in mehr als 150 Jahren wird ein Endlager geschlossen werden.

Erkundungsbergwerk in Gorleben: Die Suche nach einem Endlager für den hochradioaktiven Müll in Deutschland wird sich erheblich verzögern. Erst in mehr als 150 Jahren wird ein Endlager geschlossen werden.

Foto: dpa

Dass Zwischenlager auf Dauer keine Lösung sind, beweist auch ein Blick ins stillgelegte Atomkraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. Dort lagern 631 Fässer mit radioaktiven Abfällen. Viele sind mittlerweile so durchgerostet, dass Inhalt ausläuft. Für Betreiber Vattenfall ist das aber scheinbar kein Grund zur Sorge: „Die Kavernen sind sicher, weder für das Personal noch für die Bevölkerung besteht Gefahr.“

Muss der Steuerzahler für die langsame Suche aufkommen?

Auch die Kosten für die langsame Suche nach einem geeigneten Endlager drohen aus dem Ruder zu laufen. „Auf den Staat kommen erhebliche finanzielle Risiken zu, wie auch die Untersuchungen des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen“, sagt Michael Müller. Der Vorsitzende der Endlager-Suchkommission schätzt, dass die Kosten für die Entsorgung in den nächsten Jahrzehnten auf 50 bis 70 Milliarden Euro ansteigen.

Das Problem: Das Budget der Stromkonzerne E.On, RWE, EnBW und Vattenfall für den Abriss der Atomkraftwerke und die Zwischen- und Endlagerung beträgt insgesamt nur 36 Milliarden Euro. Muss der Steuerzahler für den Rest aufkommen?

17.000 Tonnen hochradioaktive Abfälle für die Endlagerung

Die 33-köpfige Endlager-Suchkommission des Bundestags besteht aus Politikern, Fachleuten und Vertretern der Zivilgesellschaft. Sie soll eigentlich bis 2031 ein sicheres Endlager finden – Ende 2022 will Deutschland das letzte Atomkraftwerk abschalten. Bis dahin werden AKW-Betreiber laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) weit mehr als 300.000 Kubikmeter Atommüll erzeugt haben. 17.000 Tonnen davon sind hochradioaktive Abfälle.

Ein nicht ordnungsgemäß verschlossenes Stahlblechfass mit radioaktivem Abfall lagert im Feststofflager des Kernkraftwerks Brunsbüttel. Für die Bevölkerung bestünde aber keine Gefahr, versichert Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck.

Ein nicht ordnungsgemäß verschlossenes Stahlblechfass mit radioaktivem Abfall lagert im Feststofflager des Kernkraftwerks Brunsbüttel. Für die Bevölkerung bestünde aber keine Gefahr, versichert Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck.

Foto: dpa

Es besteht weltweit Konsens, dass hochradioaktiver Abfall am sichersten tief unter der Erde untergebracht ist. Das beweist beispielsweise der Naturreaktor Oklo in Zentralafrika, in der durch natürlich entstandene Urankonzentration eine nukleare Kettenreaktion einsetzte. Die bei der Kernspaltung entstandenen Radionuklide sind innerhalb von zwei Milliarden Jahren weniger als 50 Meter weit gewandert.

 

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