Alle 64 Windräder stehen: He Dreiht wird Deutschlands stärkster Offshore-Windpark
Im Offshore-Windpark He Dreiht stehen jetzt alle 64 Windkraftanlagen. Mit 960 MW soll er ab Spätsommer mehr Strom liefern als jeder andere deutsche Windpark auf See. Vorher muss Hersteller Vestas aber noch einen Rotorblattschaden klären.
Alle 64 Anlagen von He Dreiht aus der Luft, aufgenommen im Baufeld vor Borkum.
Foto: EnBW / Fotograf Rolf Otzipka
Im Offshore-Windpark He Dreiht stehen jetzt alle 64 Windkraftanlagen: Die Installation ist abgeschlossen, wie Betreiber EnBW heute (12. 8. 2026) mitteilte. In den kommenden Wochen folgen technische und elektrische Inbetriebnahmearbeiten, bis zum Spätsommer soll der Park vollständig ans Netz gehen.
He Dreiht liegt etwa 85 km nordwestlich von Borkum und 110 km westlich von Helgoland. Mit einer Leistung von 960 MW wird er Deutschlands leistungsstärkster Offshore-Windpark sein, rechnerisch genug für rund 1,1 Mio. Haushalte. Ganz reibungslos läuft der Endspurt allerdings nicht: Hersteller Vestas untersucht derzeit einen Schaden, der Ende Juli an einem Rotorblatt aufgetreten ist.
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Installation abgeschlossen: Was bis zur Inbetriebnahme noch fehlt
Der Bau lief in Etappen:
- Im August 2024 hatte EnBW die Fundamente für alle 64 Anlagen im Meeresboden verankert
- Im April 2025 begann die Errichtung der Turbinen. Das Installationsschiff „Wind Orca“ transportierte die Komponenten für jeweils drei Windkraftanlagen vom Hafen Esbjerg in Dänemark zum Baufeld und setzte sie auf die vorbereiteten Fundamente.
- Ende November 2025 speiste die erste Anlage ihre erste Kilowattstunde ein
- Im Januar 2026 war nach der Installation von 32 Anlagen Halbzeit
„Mit dem Abschluss der Installation der Windkraftanlagen haben wir einen weiteren wichtigen Meilenstein bei He Dreiht erreicht“, so Peter Heydecker, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur bei der EnBW.
Fertig ist der Windpark damit noch nicht. In den kommenden Wochen stehen laut EnBW weitere technische und elektrische Inbetriebnahmearbeiten an. Zudem untersucht Vestas derzeit einen Schaden, der Ende Juli an einem Rotorblatt aufgetreten ist. Zu Ursache, Ausmaß und möglichen Folgen für den Zeitplan nennt die Pressemitteilung keine Details.

WWelche Technik kommt zum Einsatz?
He Dreiht nutzt 15-MW-Windräder des dänischen Herstellers Vestas. Das Modell V236-15.0 wird hier erstmals kommerziell eingesetzt. „Ihre Effizienz und Leistung ermöglichen eine deutliche Steigerung des Energieertrags pro Anlage“, erklärt Nils de Baar, Präsident von Vestas Northern & Central Europe.
Ein einzelnes Windrad erreicht eine Nabenhöhe von 142 m, der Rotor hat einen Durchmesser von 236 m. Mit einer Umdrehung überstreichen die Rotorblätter eine Fläche von knapp 44.000 m², das entspricht ungefähr sechs Fußballfeldern. Laut EnBW reicht eine einzige dieser Umdrehungen aus, um vier Haushalte einen ganzen Tag lang mit Strom zu versorgen.
Der Windpark ist über das System BorWin5 an eine Konverterplattform von TenneT angeschlossen. Dort wird der Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt und über zwei Hochspannungskabel ans Festland transportiert.

Warum der Park eine Weiterentwicklung bedeutet
Zum Vergleich: Laut dem Beratungsbüro Deutsche Windguard besitzen Offshore-Anlagen in deutschen Gewässern im Bestand einen durchschnittlichen Rotordurchmesser von 136 m und eine Nabenhöhe von 96 m. Dabei erreichen sie eine durchschnittliche Leistung von 5,6 MW, also nur etwas mehr als ein Drittel des neuen Vestas-Windrads. Die Anlagen im 2011 in Betrieb genommenen EnBW-Windpark Baltic 1 leisteten sogar nur 2,3 MW pro Anlage.
| Ø Bestand (2025) | He Dreiht (2026) | |
|---|---|---|
| Leistung pro Anlage | 5,6 MW | 15 MW |
| Rotordurchmesser | 136 m | 236 m |
| Nabenhöhe | 96 m | 142 m |
2,4 Mrd. € ohne Förderung
Eine weitere Besonderheit des Windparks: EnBW trägt die Investitionskosten von rund 2,4 Mrd. € ohne staatliche Förderung. Der Konzern hatte sich in der ersten deutschen Offshore-Ausschreibung im Jahr 2017 den Zuschlag gesichert, das Gebot: 0 Cent Förderung pro Kilowattstunde. 49,9 % der Anteile hält ein Partnerkonsortium aus Allianz Global Investors, AIP Management und Norges Bank Investment Management.
Refinanzieren muss sich der Park also über den Markt. Der Großteil des künftig erzeugten Stroms ist laut EnBW bereits über langfristige Stromabnahmeverträge abgesichert, für die verbleibenden Mengen führt das Unternehmen Gespräche mit weiteren potenziellen Abnehmern.
Koordiniert wird das Großprojekt vom Offshore-Büro der EnBW in Hamburg. Der Energieversorger plant, baut und betreibt seit über 15 Jahren Offshore-Windparks: In der Ostsee laufen Baltic 1 und Baltic 2, in der Nordsee Hohe See und Albatros.
FAQ: Offshore-Windparks in Deutschland
Wie viel Offshore-Windleistung gibt es in Deutschland?
Zum 30. Juni 2026 waren laut Deutsche WindGuard 1764 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 10.800 MW in Nord- und Ostsee in Betrieb, damit ist erstmals die Marke von 10 GW überschritten. Allein im ersten Halbjahr 2026 gingen 84 neue Anlagen mit 1077 MW ans Netz.
Wie wichtig ist Offshore-Windstrom eigentlich?
Der Anteil der Offshore-Windenergie an der deutschen Stromerzeugung lag im ersten Halbjahr 2025 bei 5,2 %.
Welche Projekte sind noch im Bau?
Neben He Dreiht laufen die Arbeiten in den Windparks Borkum Riffgrund 3 (Ørsted, 959 MW) und im Nordseecluster A; in den drei Projekten sind laut Deutsche WindGuard 22 Anlagen mit 323 MW errichtet, aber noch nicht am Netz (Stand 30. Juni 2026, He Dreihts restliche Anlagen kamen danach hinzu). Für weitere Projekte mit 2,6 GW ist die finale Investitionsentscheidung gefallen, Projekte mit 17,5 GW sind bezuschlagt, warten aber noch darauf.
Gibt es ein offizielles Ausbauziel?
Ja. Das Windenergie-auf-See-Gesetz sieht drei Ausbauziele vor: mindestens 30 GW bis 2030, 40 GW bis 2035 und 70 GW bis 2045. In der Offshore-Vereinbarung von 2022 haben Bund und Küstenländer das Ziel für 2035 sogar auf 50 GW erhöht. Nach aktueller Planung wird die 30-GW-Marke allerdings erst 2032 erreicht.
Was war der erste Windpark?
Deutschlands erster Offshore-Windpark war „Alpha Ventus“. Er ging im April 2010 ans Netz und hatte eine Kapazität von 60 MW. Inzwischen hat er das Ende seiner technischen Lebensdauer erreicht: Im Mai 2025 begannen die Betreiber mit der Erarbeitung eines Rückbaukonzepts.
Quellen
- EnBW: Pressemitteilung „Offshore-Windpark He Dreiht: Installation aller Windkraftanlagen abgeschlossen“ (12. 8. 2026)
- EnBW: Projektseite Offshore-Windpark He Dreiht mit Bautagebuch
- EnBW: Erste Windkraftanlage von He Dreiht produziert Strom (November 2025)
- Deutsche WindGuard: Status des Offshore-Windenergieausbaus in Deutschland – 1. Halbjahr 2026
- Bundesverband Windenergie Offshore (BWO): Status Offshore-Windenergie 1. Halbjahr 2026
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