Abwehrsystem von BAE 18.11.2016, 07:29 Uhr

Nun lernen sogar Waffensysteme autonom zu handeln

Noch sind Science-Fiction-Filme die Heimat von Maschinen und Waffensystemen, die selbstständig kämpfen. Doch das US-Militär plant die Entwicklung von Systemen, die auf verschiedene Bedrohungen autonom reagieren können – ohne menschliches Eingreifen.

Die Drohne Taranis ist für das gegnerische Radar praktisch unsichtbar. BAE Systems soll die Abwehrtechnik nun für das US-Militär weiterentwickeln.

Die Drohne Taranis ist für das gegnerische Radar praktisch unsichtbar. BAE Systems soll die Abwehrtechnik nun für das US-Militär weiterentwickeln.

Foto: BAE Systems

Die Meldung hört sich harmlos an: Die Darpa, die Forschungszentrale des amerikanischen Militärs, hat Anfang November den britisch-amerikanischen Rüstungskonzern BAE Systems mit der Entwicklung eines autonom reagierenden Radarsystems beauftragt. Der Auftrag hat ein vergleichsweise kleines Volumen von 13,3 Millionen US-Dollar. Doch dieser Auftrag hat eine Besonderheit: Denn erstmals könnten Waffensysteme auf einen gegnerischen Angriff reagieren, ohne dass Menschen den letzten Befehl geben.

Das Ziel des US-Militärs ist es, dass einzelne Waffensysteme künftig in der Lage sind, eigenständig und voll automatisiert Entscheidungen zu treffen, auf welche Weise sie den Gegner bekämpfen. Zwar gibt es bereits Waffensysteme etwa in Militärflugzeugen, die auf gegnerische Angriffe reagieren können. Bis diese Reaktion einsetzt, vergeht jedoch meist relativ viel Zeit.

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Die Zukunft gehört autonom reagierenden Systemen

BAE erklärt das damit, dass die herkömmlichen Systeme allesamt auf einer Datenbasis aufbauen, die ihnen für den jeweiligen Fall entsprechende Angaben liefert. Das kann jedoch dauern. Zugleich gibt es Fälle, die in der Datenbasis gar nicht vorkommen. Darpa und BAE gehen davon aus, dass die Zukunft deshalb autonom reagierenden Waffensystemen gehört, die deutlich schneller reagieren können.

BAE Systems arbeitet für das US-Militär an einem Radarabwehrsystem, das selbstständig entscheiden soll, welche Abwehrmaßnahmen ergriffen werden. Erkennt die ARC-Technik feindliches Radar, wird dieses mit Signalen überschüttet, bis es versagt. Diese Technik wird Jamming genannt.

BAE Systems arbeitet für das US-Militär an einem Radarabwehrsystem, das selbstständig entscheiden soll, welche Abwehrmaßnahmen ergriffen werden. Erkennt die ARC-Technik feindliches Radar, wird dieses mit Signalen überschüttet, bis es versagt. Diese Technik wird Jamming genannt.

Quelle: BAE Systems

Da Waffensysteme nicht auf einen Schlag erlernen können, auf jede Kampfsituation zu reagieren, hat die Darpa im ersten Schritt BAE beauftragt, eine autonom agierende Radarabwehr zu entwickeln. BAE soll die so genannte Adaptive Radar Countermeasures (ARC) so weiterentwickeln, dass ein Waffensystem beispielsweise des Kampfflugzeuges Lockheed F-35 feindliche Radarsignale abwehren kann. Dazu nutzt das Militär das so genannte Jamming, also die Überschüttung des feindlichen Radars mit Signalen, die das Radar schließlich zum Versagen bringt.

Taranis-Kampfdrohne mit ARC-Technik zur Abwehr

Dabei geht es sowohl um bereits bekannte Radarausstrahlungen,  wie auch um künftige, noch unbekannte Signale. BAE will die Darpa-Gelder dazu nutzen, die Algorithmen der ARC-Technik zu verfeinern und in künftigen Systemen einzubauen.

Louis Trebaol, der bei BAE den ARC-Bereich leitet, betont, dass das Unternehmen seine Fähigkeit unter Beweis gestellt habe, „in einem eingegrenzten Umfeld Bedrohungen nicht nur zu erkennen, sondern anschließend sofort auch zu bekämpfen“. Ein Beispiel dafür ist das unbemannte Kampfflugzeug Taranis, das im Sommer über dem australischen Raketentestgelände von Woomera Überschallgeschwindigkeit erreicht hat. Das Fluggerät ist für das gegnerische Radar fast unsichtbar.

Die Kampfdrohne Taranis, hier im Vordergrund, hat im Sommer erstmals Überschallgeschwindigkeit erreicht. Die Drohne verfügt über ein Radarabwehrsystem und ist fast unsichtbar für die feindliche Aufklärung.

Die Kampfdrohne Taranis, hier im Vordergrund, hat im Sommer erstmals Überschallgeschwindigkeit erreicht. Die Drohne verfügt über ein Radarabwehrsystem und ist fast unsichtbar für die feindliche Aufklärung.

Quelle: BAE Systems

Ein Problem bei der Weiterentwicklung des Abwehrsystems ist die Überlastung jedes Luftraums mit elektronischen Signalen. Dabei gibt es eine Vielzahl von Signalquellen. Das beginnt mit dem Mobilfunk und reicht über den zivilen Funkverkehr bis zu militärischen Signalen, etwa von Radargeräten am Boden, in Flugzeugen, Raketen und Schiffen.

Binnen Millisekunden muss das Waffensystem über sein Radar-, Lern- und Abwehrprogramm analysieren, welche Radarquelle feindlich ist, wo sie sich befindet und wohin sie tendiert. Erst wenn diese Analyse erfolgt ist, kann die eigentliche Abwehrhandlung, in diesem Falle das Jamming, eingeleitet werden.

Waffensysteme müssen in kürzester Zeit entscheiden

Die Entwicklung autonom agierender Waffensysteme wirft aber die Frage auf, ob und wann die Menschen noch eingreifen können. Seit Jahren wird zwar an der Automatisierung der Waffensysteme gearbeitet. Bisher gilt jedoch, dass vor dem Handeln einer Waffe immer ein Mensch einen Befehl oder eine Genehmigung geben muss. Mit der Umstellung auf Systeme, die selbsttätig lernen und dann autonom handeln können, wird die menschliche Eingriffsmöglichkeit sehr stark eingeengt.

Die Vision, dass eines Tages ohne direktes menschliches Zutun Waffen gegen Waffen kämpfen, rückt in den Bereich des Möglichen.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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