Energieträger und Synthesechemikalie 01.11.2022, 07:00 Uhr

Industriellen Wasserstoff aufreinigen und speichern – wie das gelingt

Bei vielen industriellen Vorgängen entsteht Wasserstoff, nur oft als Gemisch mit anderen Gasen. Japanische Ingenieurinnen und Ingenieure zeigen, wie es gelingt, daraus reinen Wasserstoff als Energieträger zu isolieren.

Wasserstoff

Forschende aus Japan haben ein Verfahren mit Borverbindungen entwickelt, um das Gas von Verunreinigungen abzutrennen.

Foto: Panthermedia.net/Stock Photo aaw

Wasserstoff ist für die moderne Wirtschaft unverzichtbar – sowohl als Energieträger als auch als Bestandteil vieler chemischer Synthesen. Zwar entsteht das Gas bei der Elektrolyse von Wasser in hochreiner Form. Doch bei etlichen industriellen Vorgängen bilden sich Wasserstoff-haltige Gasgemische, die sich nur mit großem Aufwand aufarbeiten lassen.

Um hochreinen Wasserstoff aus Gemischen mit anderen Gasen zu isolieren, haben Yoichi Hoshimoto von der Osaka University, Japan, und Kolleginnen und Kollegen, eine Lösung gefunden: Bororganische Verbindungen binden Wasserstoff, selbst bei möglichen Verunreinigungen. Daraus lässt sich reiner Wasserstoff isolieren.

Explodierende Gaspreise: Lindner mahnt: Deutschland kann sich Fracking-Verzicht nicht leisten

Wasserstoff entsteht bei zahlreichen industriellen Prozessen

Doch warum sind solche Umwege überhaupt erforderlich? Dazu ein Beispiel: Als chemischer Vorläufer des Ammoniaks, das bei der Düngemittelproduktion verwendet wird, hat Wasserstoff dazu beigetragen, die Lebensmittelproduktion weltweit auszubauen. Beim Haber-Bosch-Verfahren wird ein Gasgemisch aus Wasserstoff und Stickstoff an einem Eisenoxid-Mischkatalysator zu Ammoniak umgesetzt – aber nicht quantitativ. Nach der Umsetzung befindet sich immer noch Wasserstoff im Gemisch.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Birkenstock Productions Hessen GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Birkenstock Productions Hessen GmbH
Steinau an der Straße Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten, Bau- und Elektroingenieure (m/w/d) Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten / Bauingenieure (m/w/d) Hochbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik bzw. Technische Gebäudeausrüstung Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven, Bad Iburg, Oldenburg, Aurich, Meppen, Emden Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen konstruktiver Ingenieurbau/Tiefbau/Geo-/Naturwissenschaften/Landschaftsbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
WITTENSTEIN SE-Firmenlogo
Werkleitung (w/m/d) mit Leitwerksfunktion WITTENSTEIN SE
Igersheim-Harthausen Zum Job 
Sparda-Bank Südwest eG-Firmenlogo
Leitung Facility Management (m/w/d) Sparda-Bank Südwest eG
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Bauwerks- und Erhaltungsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Lead Asset Management & Engineering (m/w/d) TenneT TSO GmbH
Lehrte, Bayreuth Zum Job 
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Professur (W2): Automatisierungstechnik Hochschule Merseburg
Merseburg Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Bauleiter im Innendienst (m/w/d) für die Ausschreibung und Vergabe im Schlüsselfertigbau GOLDBECK West GmbH
BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Versorgungstechnik / Gebäudetechnik / Bauingenieur als Fachplaner im Bereich HLS (m/w/d) BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Projektleiter Planung (m/w/d) GOLDBECK West GmbH
Bochum, Düsseldorf (Monheim am Rhein) Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur im Änderungswesen (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Produktmanager (w/m/d) für Systementwicklung iCAS DFS Deutsche Flugsicherung
Langen bei Frankfurt Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 
M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur/in - Technische Projektierung / Presales Engineering (m/w/d) mit Schwerpunkt keramische Hochtemperatur-Isolationstechnik M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH
TenneT TSO-Firmenlogo
Parametrierer Stationsleittechnik (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 

Es gibt auch zahlreiche Methoden zur Herstellung von Wasserstoff, wie etwa die Reaktion von Hochtemperatur-Wasserdampf mit Erdgas. Solche Verfahrensschritte führen letztlich zu Rohwasserstoff, der mit anderen Gasen verunreinigt ist. Für die kommerzielle Nutzung von Wasserstoff müssen alle Verunreinigungen durch mehrstufige, energieintensive, teure Prozesse entfernt werden. Solche Verfahren sind komplex; sie werden unabhängig voneinander für jede Verunreinigung optimiert, was die Extraktion des Wasserstoffs aus dem Rohgemisch, das die Nebenprodukte enthält, erschwert.

Reinigungsverfahren sind aufwändig, teuer – und führen auch nicht immer zur gewünschten Qualität des Wasserstoffs. So kann beispielsweise schon eine geringe Menge Kohlenmonoxid weitere Verfahrensschritte hemmen. Es „vergiftet“, sprich inaktiviert, viele Katalysatoren mit Edelmetallen. Daher sind kostspielige Reinigungsverfahren erforderlich, um den Wasserstoff vor der Speicherung zu isolieren.

Mit der Borchemie zu reinem Wasserstoff

Hoshimotos Team hat mit jetzt einem Trick gearbeitet. Grundlage der Studie waren Bororganische Verbindungen, also Moleküle mit Bor-Kohlenstoff-Bindung. In die engere Wahl kamen sogenannte Triarylborane. An jedem Boratom hängen drei Benzolringe, daher ihr Name. Triarylborane sind recht preisgünstig, stabil und – anders als flüchtige Borverbindungen – vergleichsweise ungiftig. Sie lassen sich auch gut lagern.

Lesen Sie auch:

Die Verbindungen speichern Wasserstoff mit bis zu 99-prozentiger Effizienz. Spalten Forschende solche Moleküle wieder, gelangen sie zu hochreinem Wasserstoff mit bis zu 99,9-prozentiger Reinheit. Danach kann die ursprüngliche Verbindung, das Triarylboran, isolieren und erneut einsetzen.

Der industrielle Wert von molekularem Wasserstoff wurde lange Zeit durch erhebliche Mengen von Kohlenmonoxid und anderen Verunreinigungen beeinträchtigt“, erklärt Hoshimoto. „Bei der von uns entwickelten katalytischen Hydrierungsmethode war jedoch selbst ein fünffacher Überschuss an Verunreinigungen kein Problem, und die Wasserstoffaufnahme und -abgabe erfolgte jeweils ohne den Einsatz von Lösungsmitteln.“

Mit dieser Arbeit gelang Hoshimotos Arbeitsgruppe eine Proof-of-Concept-Studie für ein neuartiges Wasserstoffproduktionsverfahren, das separate Reinigungsschritte vor der Speicherung überflüssig macht. Die Forschenden zeigen auch, wie es gelingen könnte, Wasserstoff als Energieträger aus industriellen Ressourcen effizienter zu nutzen.

Energiewende: Was bedeuten die Farben von Wasserstoff?

Neue Speichermöglichkeiten von Wasserstoff

Die Handhabung großer Mengen gasförmigen Wasserstoffs bleibt auch mit der neuen Herausforderung. Nahezu zeitgleich zur Studie über Borverbindungen haben US-Forschende eine neue Möglichkeit entwickelt, hochreinen Wasserstoff zu speichern. Grundlage sind verschiedene Salze, vor allem Carbonate und Hydrogencarbonate. Mangan, das als Metallkatalysator weit verbreitet wird, kommt hinzu.

Die Forschenden fanden heraus, dass die Umwandlung von Bicarbonat und Wasserstoff in Formiat (dem Salz der Ameisensäure), mit Kaliumsalzen, mit einem Katalysator auf Manganbasis und mit Lysin (einer Aminosäure) am effektivsten abläuft. Nach fünf Zyklen produzierte das Reaktionssystem Wasserstoff mit hoher Ausbeute (80%) und hoher Reinheit (99%). „Diese Technik ebnet den Weg für eine groß angelegte Wasserstoffspeicherung in Festkörpern“, erklären die Forscher. Jetzt hoffen sie auf vielfältige Einsatzmöglichkeiten in der Praxis.

Mehr zum Thema Wasserstoff:

Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.