Genmanipulierte Baumwolle 15.03.2013, 13:30 Uhr

Haben Raupen keine Chance, rücken Blattläuse an

Schweizer Forscher haben herausgefunden, dass die Fähigkeit von Pflanzen, ein Gift gegen ein bestimmtes Insekt zu produzieren, ihre Verteidigungsfähigkeit gegen andere Angreifer lähmt.

Vor dem Frass: Eine Schmetterlingsraupe der Art Heliothis virescens auf einem Baumwollblatt.

Vor dem Frass: Eine Schmetterlingsraupe der Art Heliothis virescens auf einem Baumwollblatt.

Foto: Lawo Nora, Agroscope ART

Auf 80 Prozent aller Felder weltweit wächst gentechnisch veränderte Baumwolle. Sie enthält ein Gen des natürlich vorkommenden Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis, das normalerweise Wurzeln vor Insekten schützt. Das zusätzliche Gen versetzt die Baumwollpflanze in die Lage, ein Gift zu produzieren, das für die Raupen von Schmetterlingen, vor allem des  Baumwollkapsel-Spinners, giftig ist. Auch die Raupen eines Schmetterlings namens Heliothis virescens, der allerdings Tabakpflanzen bevorzugt, überleben einen Fressangriff nicht. Die Folge: Die Pflanzen bleiben weitgehend heil, und die Farmer können auf den größten Teil der Insektizide verzichten.

So weit ist alles gut. Doch die Genmanipulation hat auch negative Folgen. Sie lähmt das hochentwickelte Verteidigungssystem der Pflanzen, sodass andere Schädlinge, denen das Gift nichts ausmacht, kaum noch Gegenwehr verspüren, wenn sie sich an den Baumwollblättern gütlich tun. Diesen Zusammenhang wiesen  Wissenschaftler um Jörg Romeis von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon in Zürich und Bern jetzt nach.

Wenn Raupen nichtsahnend die Pflanze anknabbern, produziert diese Giftstoffe, so genannte Terpenoide, die die Angreifer töten. Die Wunden locken andere Schädlinge an, vor allem Blattläuse, denen Terpenoide nichts ausmachen. Dagegen ist die genmanipulierte Pflanze machtlos. Denn die Fraßschäden durch die Raupen sind so gering, dass das pflanzeneigene Verteidigungssystem, das auch andere Schädlinge töten oder vertreiben würde, gar nicht erst hochgefahren wird.

Hoffnung für Chinas Farmer

Das ist weiter nicht tragisch, sagt Romeis, denn großen Schaden richten Blattläuse in Baumwollplantagen nicht an. Sie haben genügend natürliche Feinde. Wichtig ist dagegen die Erkenntnis, dass die gentechnisch basierte Bekämpfung eines Schädlings dafür sorgen kann, dass andere verfressene Insekten es umso leichter haben. Das weckt bei Baumwollpflanzern in China neue Hoffnung. Auch dort wird die gentechnisch veränderte Pflanze angebaut. Blattläuse spielen hier keine Rolle, wohl aber Wanzen, die schwere Schäden anrichten. Romeis und sein Team wollen jetzt untersuchen, ob der Erfolg dieser Schädlinge ebenfalls darauf beruht, dass sich die manipulierten Pflanzen nicht wehren oder zumindest zu spät zum Gegenangriff übergehen.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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