Fußball-Weltmeisterschaft 08.06.2026, 14:00 Uhr

Warum das Aztekenstadion auf einem Vulkan gebaut wurde

Für die WM 2026 wurde das Aztekenstadion technisch modernisiert. Mit dabei: Hybridrasen, Hightech und Befestigungssysteme von fischer.

Aztekenstadion Mexico City

March 27, 2026, Mexico City, Ciudad de Mexico, Mexico: Aerial view of the Banorte Stadium, known as Estadio Azteca, before its reopening for the friendly match in preparation for the 2026 FIFA World Cup between Mexico and Portugal after having remained closed for renovations in preparation for the upcoming 2026 FIFA World Cup. on March 27, 2026 in Mexico City, Mexico. Auf Lava gebaut, digital modernisiert: Warum das Aztekenstadion auch aus Sicht von Ingenieurinnen und Ingenieuren einzigartig ist.

Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Marco Gonzalez

Am 11. Juni 2026 beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft. Milliarden Menschen werden dann nach Mexiko-Stadt blicken. Im Mittelpunkt des weltweiten Interesses steht eine Legende: das Aztekenstadion. Fußballfans denken dabei an Pelé, der hier 1970 Weltmeister wurde, an Diego Maradonas „Hand Gottes“ oder an das legendäre Halbfinale zwischen Deutschland und Italien.

Für Bauingenieurinnen und Bauingenieure ist das Stadion jedoch aus einem anderen Grund spannend. Seine Geschichte beginnt mit einem Vulkan.

Ein Stadion mit Vergangenheit

Das Aztekenstadion steht auf einer mächtigen Basaltschicht, die der Vulkan Xitle vor rund 1700 Jahren hinterließ. Getragen von 66 gewaltigen Stahlbetonsäulen gilt die Arena als eines der bekanntesten Großbauwerke Mexiko-Stadts, dessen Standort auf dem vulkanischen Untergrund wesentlich zu seiner hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber Erdbeben beigetragen hat.

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Für die Weltmeisterschaft wurde der Betonkoloss in den vergangenen Monaten technisch auf den neuesten Stand gebracht. Neue Glasfasernetze, digitale Infrastruktur, ein moderner Hybridrasen und zeitgemäße Gebäudetechnik sind eingezogen. Mit dabei war auch der Befestigungsspezialist fischer aus dem Schwarzwald. Seine Systeme verbinden zahlreiche neue Installationen dauerhaft und sicher mit dem historischen Bauwerk.

Warum ein Vulkan das Stadion rettete

Als Anfang der 1960er-Jahre die Planungen für das neue Nationalstadion begannen, wollte sich Mexiko als moderne Industrienation präsentieren. Die Architekten Pedro Ramírez Vázquez und Rafael Mijares Alcérreca entschieden sich für einen Standort im Süden der Hauptstadt. Aus geologischer Sicht erwies sich diese Entscheidung später als großer Vorteil.

Große Teile von Mexiko-Stadt wurden auf den weichen Sedimenten eines ehemaligen Sees errichtet. Diese lockeren Bodenschichten verstärken Erdbebenwellen erheblich. Das Aztekenstadion entstand dagegen auf den harten Basaltablagerungen des Vulkans Xitle.

Bevor der Bau beginnen konnte, mussten rund 180.000 Tonnen Fels gesprengt werden. Der Aufwand war gewaltig, zahlte sich aber aus. Während das verheerende Erdbeben von 1985 in weiten Teilen der Innenstadt schwere Schäden verursachte, blieb das Stadion weitgehend intakt. Der harte Basalt verhinderte weitgehend die starke Verstärkung der Erdbebenwellen, wie sie auf den weichen Seeböden der Stadt auftritt. Bis heute gilt die Standortwahl als einer der entscheidenden Gründe für die hohe Widerstandsfähigkeit des Bauwerks.

Das Tragwerk: Erdbebenfest durch Beweglichkeit

Das Stadion entstand zwischen 1962 und 1966. Zeitweise arbeiteten rund 800 Menschen gleichzeitig auf der Baustelle. Das Rückgrat der Arena bilden 66 gewaltige Stahlbetonsäulen. Sie tragen die Last der Tribünen und der Dachkonstruktion. Insgesamt wurden rund 100.000 Tonnen Beton und etwa 8000 Tonnen Bewehrungsstahl verarbeitet.

Die eigentliche Raffinesse steckt jedoch in der Konstruktion der Tribünen. Sie bilden keinen starren, geschlossenen Ring. Stattdessen gliedert sich das Stadion in vier voneinander getrennte Segmente. Zwischen ihnen liegen definierte Bewegungsfugen. Sie erlauben es den einzelnen Bauteilen, sich bei einem Erdbeben kontrolliert gegeneinander zu verschieben. Dadurch werden kritische Spannungen im Tragwerk reduziert und das gefürchtete Aneinanderschlagen benachbarter Bauwerksteile – im Ingenieurwesen als „Pounding Effect“ bekannt – vermieden.

Auch das Dach folgt einem durchdachten Konzept. Es ruht ausschließlich auf den Außenstützen und kommt ohne störende Pfeiler im Zuschauerbereich aus. Das garantiert von jedem Platz aus freie Sicht auf das Spielfeld – ein Prinzip, das Architekt Pedro Ramírez Vázquez als „demokratische Isoptik“ bezeichnete.

Blick in das modernisierte Aztekenstadion. Zur WM 2026 wurde daraus eine digitale Hightech-Arena. Foto: picture alliance / NurPhoto | Eyepix

Vom Betonkoloss zur Hightech-Arena

Mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 schreibt das Bauwerk Geschichte. Als erste Arena weltweit wird das Aztekenstadion zum dritten Mal Austragungsort einer WM sein. Um den Anforderungen einer modernen Großveranstaltung gerecht zu werden, wurde das Stadion in den vergangenen Monaten umfassend modernisiert.

Zu den wichtigsten Neuerungen gehören:

  • ein Hybridrasensystem,
  • neue Glasfaser- und Datennetze,
  • rund 1200 Wi-Fi-6-Antennen,
  • moderne Video- und Sicherheitstechnik,
  • neue Beschallungs- und LED-Systeme.

Beim neuen Hybridrasen werden künstliche Fasern tief in den Untergrund eingebracht. Sie verankern die Graswurzeln zusätzlich und machen die Spielfläche widerstandsfähiger. Sensoren überwachen kontinuierlich Feuchtigkeit und Nährstoffversorgung.

So ist aus einem Stadion der 1960er-Jahre ein hochvernetzter Gebäudekomplex geworden, der klassische Ingenieurbaukunst mit digitaler Infrastruktur verbindet.

Die Technik, die niemand sieht

Wer ein fast 60 Jahre altes Stadion modernisiert, muss tausende neue Bauteile in die bestehende Konstruktion integrieren. Kabeltrassen, Lüftungsanlagen, Videowände, Beleuchtungssysteme oder neue Tribünensitze benötigen sichere Befestigungspunkte.

Die Herausforderung dabei: Die vorhandene Tragstruktur darf durch die Nachrüstung nicht geschwächt werden und muss gleichzeitig zusätzliche Lasten aufnehmen. Hier kommen die Befestigungs- und Montagesysteme von fischer ins Spiel.

„Unsere Befestigungs- und Systemlösungen kommen dort zum Einsatz, wo höchste Anforderungen an Sicherheit, Belastbarkeit und Langlebigkeit gestellt werden – oftmals unsichtbar, aber unverzichtbar“, sagt Alexander Bässler, Vorsitzender der Geschäftsführung.

In Mexiko-Stadt kommt noch eine zusätzliche Herausforderung hinzu. Neue technische Installationen müssen auch unter seismischen Belastungen dauerhaft sicher befestigt bleiben. Nach Angaben des Unternehmens kamen beim Umbau Systeme zum Einsatz, die die neuen Anlagen dauerhaft mit dem historischen Bauwerk verbinden.

Deutsche Ingenieurskunst in den großen Arenen der Welt

Das Projekt in Mexiko reiht sich in eine lange Liste internationaler Sportstätten ein, bei denen Lösungen von fischer verbaut wurden. Dazu gehören unter anderem das Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro, das River-Plate-Stadion in Buenos Aires sowie das Estádio Olímpico do Pará.

Auch in Europa setzt das Unternehmen auf prominente Referenzen. Systeme von fischer finden sich unter anderem in der Allianz Arena in München sowie in den Stadien von Tottenham Hotspur und dem FC Everton.

Wie digital moderne Befestigungstechnik inzwischen geworden ist, zeigt das Münchner Olympiastadion. Dort überwachen sogenannte SensorBolts sicherheitsrelevante Verbindungspunkte kontinuierlich und melden Veränderungen in Echtzeit.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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