Bau 13.03.2009, 19:40 Uhr

„Mit dem Pumpen muss sofort aufgehört werden“  

Den Grundwasserspiegel darf man – auch schon aus Umweltschutzgründen – nur bei großflächigen und wenig tiefen Baugruben senken. Denn die Wassersenkung beeinflusst den Grundwasserstand in größerem Umkreis und lockert den Boden.

Den Grundwasserspiegel darf man – auch schon aus Umweltschutzgründen – nur bei großflächigen und wenig tiefen Baugruben senken. Denn die Wassersenkung beeinflusst den Grundwasserstand in größerem Umkreis und lockert den Boden. Sie darf nicht angewendet werden und ist auch kaum möglich, wenn das Grundwasser mit einem Fluss oder mit sonstigem Gewässer verbunden ist. In der Nähe des Rheins in sandigem Boden ist sie gar undenkbar. Hier dürfte man nur mit offener Wasserhaltung arbeiten.

Bei offener Wasserhaltung wird die Baugrube zuerst mit einer Schlitzwand, besser noch mit einer Bohrpfahlwand umschlossen. (Spundwand kommt wegen der Lärmbelästigung im städtischen Gebiet nicht in Frage.) Diese greifen, wenn vorhanden, bis in eine wasserdichte Schicht. Dann wird der Boden in der Grube unter Wasser ausgehoben, die Sohle durch eine unterwasserbetonierte, gegebenenfalls mit Erdankern gegen Aufschwimmen gesicherte Stahlbetonplatte oder/und durch Hochdruckinjektion (HDI) wasserdicht geschlossen. Dann erst kann das Wasser aus der Baugrube abgepumpt werden. Ist die abgepumpte Wassermenge allerdings größer als die Verringerung des Wassers in der Baugrube, ist die Grube undicht. Dann muss die Wand von Tauchern auf Dichtigkeit geprüft und gegebenenfalls abgedichtet werden. Bleibt die Differenz zwischen abgepumpter Wassermenge und Senkung bestehen, muss die Sohle gedichtet werden. Erst dann kann die Baugrube leer gepumpt werden. In Köln hat man offensichtlich die offene Wasserhaltung mit der Wassersenkung kombinieren wollen. Dabei ist vermutlich der Boden unter der Schlitzwand mit dem umgebenden Erdreich in die Baugrube gedrückt worden. Mit dem Pumpen muss sofort aufgehört, die Baugrube gedichtet und dann erst leer gepumpt werden.

Die Setzungen von Bauten mit den entsprechenden Rissen im großen Umkreis sind auf die Wassersenkung zurückzuführen, da die Pumpen mit dem Wasser auch die feinen Partikel aus dem Boden herausgewaschen haben und damit dessen Tragfähigkeit erheblich gemindert haben. STEFAN POLÓNYI

Der Autor, Universitätsprofessor em. Dr.-Ing. E.h. Dr.h.c. Dr.-Ing. E.h. Stefan Polónyi, ist Gründer des Kölner Ingenieurbüros für Bauwesen IPP Polónyi +Partner

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