Anzeige
Bau

Kaum Platz, 275 t Stahl: Spektakulärer Brückentausch in Amsterdam

26. Juni 2026

Alt und neu nebeneinande
Alt und neu nebeneinander: Während der Bahnverkehr auf einer bestehenden Brücke weiterläuft, bereiten Spezialfahrzeuge den Einbau eines neuen Brückensegments am Amsterdamer Hauptbahnhof vor. Foto: Mammoet
Millimeterarbeit am offenen Herzen: Wie Amsterdam tonnenschwere Brücken im laufenden Bahnbetrieb tauscht.
Anzeige
Anzeige


Jeden Tag nutzen Tausende Fahrgäste den Amsterdamer Hauptbahnhof (Amsterdam Centraal). Gleichzeitig kreuzen sich hier die Verkehre von Fern- und Nahverkehrszügen, Straßenbahnen, Schiffen sowie ein extrem dichter Rad- und Fußgängerverkehr. Mitten in diesem hochfrequentierten Knotenpunkt werden derzeit die historischen Eisenbahnbrücken der östlichen Zufahrt ersetzt – unter rollendem Rad und ohne den Bahnhof stillzulegen.

Ende Mai 2026 wurde die zweite von insgesamt fünf neuen Stahlbrücken erfolgreich montiert. Die baubetriebliche und logistische Herausforderung hinter diesem Infrastrukturprojekt ist enorm: Mehrere hundert Tonnen schwere Stahlkonstruktionen müssen bei minimalen Toleranzen und unter laufendem Bahnbetrieb exakt eingepasst werden.

Anzeige
Anzeige

Inhaltsverzeichnis

Fünf neue Brücken für mehr Kapazität

Der Brückenaustausch ist das Kernstück des Projekts „Oostertoegang“ (östliche Zufahrt). Es ist Teil des niederländischen Großprogramms PHS (Programma Hoogfrequent Spoorvervoer). Ziel ist es, die Schieneninfrastruktur so zu ertüchtigen, dass die Taktfrequenz der Züge im Amsterdamer Knoten signifikant erhöht werden kann.

Dafür reicht eine reine Erweiterung der Gleisanlagen nicht aus. Brücken, Weichenkonstruktionen, Signaltechnik und Bahnsteige müssen an die neuen statischen und betrieblichen Anforderungen angepasst werden.

Das Projekt umfasst folgende Kernmaßnahmen:

Anzeige
Anzeige
  • Ersatz von vier historischen Stahlbrücken aus der Zeit um 1900, die das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht haben.
  • Erneuerung einer Betonbrücke.
  • Modernisierung und statische Ertüchtigung der bestehenden Fundamente und Widerlager.
  • Umfassende Gleisbautätigkeiten und die Verlängerung bestehender Bahnsteige.

Baubetriebliche Logistik: Arbeiten in engen Sperrpausen

Eine Vollsperrung des Amsterdamer Hauptbahnhofs ist aus verkehrstechnischer Sicht ausgeschlossen. Daher erfolgt der Austausch sequenziell – Brücke für Brücke.

Der reguläre Bahnhofsbetrieb läuft während der gesamten Bauzeit weiter. Die eigentlichen Montage- und Einhubarbeiten werden konsequent in vorab exakt terminierte Sperrpausen gelegt. Diese meist nächtlichen oder auf Wochenenden beschränkten Zeitfenster erfordern eine minutengenaue Taktung aller Arbeitsabläufe, um Verzögerungen im Schienenverkehr zu minimieren. Jede Transportbewegung und jeder Hebevorgang sind diesem baubetrieblichen Takt untergeordnet.

Anzeige
Anzeige

Logistik auf dem Wasserweg: Brückentransport per Schiff

Für die Realisierung des Projekts arbeiten spezialisierte Unternehmen Hand in Hand: Während Hollandia Infra für die Werkstattfertigung der Stahlkonstruktionen verantwortlich zeichnet, übernimmt Dura Vermeer die bauausführenden Arbeiten. Die anspruchsvolle Schwerlastlogistik sowie den Einbau der Segmente steuert Mammoet.

Jedes Brückenbauwerk wird in drei vormontierten Stahlsegmenten zur Baustelle transportiert:

  • Zwei Außensegmente mit einer Länge von jeweils rund 28,5 m und einem Eigengewicht von etwa 275 t.
  • Ein Mittelsegment mit einer Länge von rund 21 m und einem Eigengewicht von etwa 175 t.

Der Transport aus der Fertigungshalle erfolgt nicht im Schwerlastverkehr über das innerstädtische Straßennetz, sondern ressourcen- und verkehrsschonend über die Amsterdamer Wasserwege. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Passage einer niedrigen Fußgängerbrücke kurz vor der Baustelle dar. Um diese zu unterfahren, werden die Lastkähne durch gezieltes Ballastieren (kontrolliertes Fluten von Wassertanks) abgesenkt.

Präzisionsarbeit auf engstem Raum

Nach der Ankunft an der Baustelle werden die Brückenelemente von selbstfahrenden modularen Transportern (SPMTs) übernommen. Da die Segmente prozessbedingt quer zur späteren Tragwerksachse angeliefert werden, müssen sie auf den SPMTs zunächst um 90° eingedreht werden, bevor der eigentliche Hubvorgang beginnen kann.

Die geometrischen Verhältnisse rund um das Baufeld am Hauptbahnhof sind extrem beengt. Zwischen den in Betrieb befindlichen Nachbargleisen, historischen Pfeilern und Oberleitungsanlagen verbleiben oft nur wenige Zentimeter Manövrierraum. Das erfordert eine lückenlose 3D-Kollisionsprüfung im Vorfeld.

Geänderte Hubtechnologie beim zweiten Brückenbauwerk

Inwieweit sich Montageverfahren an veränderte Randbedingungen anpassen müssen, zeigt der direkte Vergleich zwischen dem ersten und dem aktuellen zweiten Bauabschnitt.

Beim Einhub der ersten Brücke im Jahr 2025 nutzte Mammoet das modulare Hubsystem „Mega Jack 300“. Damit wurden die Segmente vom Ponton aufgenommen, vertikal verfahren und in die Endposition verschoben.

Für das zweite Bauwerk war dieses System jedoch nicht mehr einsetzbar. Durch die bereits montierte erste neue Brücke auf der einen und die verbliebenen Bestandsbrücken auf der anderen Seite war der seitliche Arbeitsraum zu stark eingeschränkt. Mammoet wich daher auf ein stationäres Vierpunkt-Hubsystem aus. Vier synchron gesteuerte Hydraulikzylinder übernahmen den vertikalen Lastabtrag und ermöglichten die millimetergenaue Positionierung trotz der geometrischen Barrieren.

Besondere Baukonstruktion: Einschwimmen vor Pfeilererrichtung

Eine bautechnische Besonderheit wies die Montage des mittleren Brückensegments auf. Dieses wurde zunächst quer zur Achse eingeschwommen und direkt am Einbauort um 90° gedreht.

Anschließend wurde das Bauteil temporär auf speziellen Konsolen der beiden bereits montierten Außensegmente abgelegt. Erst nach dieser temporären Lastübergabe wurde der darunter liegende, mittlere Brückenpfeiler final errichtet und ausbetoniert. Im letzten Arbeitsschritt senkte man das Mittelsegment hydraulisch auf seine endgültigen Lager ab. Dieses Vorgehen war zwingend erforderlich, da ein vorab errichteter Pfeiler den Einschwimm- und Drehvorgang des Stahlbauteils blockiert hätte.

Variierende Anforderungen je Bauabschnitt

Obwohl die fünf zu ersetzenden Brücken konstruktiv nahezu identisch sind, gleicht kein Bauabschnitt dem anderen. Mit jedem fertiggestellten Teilbauwerk verändern sich die Logistikflächen und Zufahrtswege auf der Großbaustelle.

Zudem weichen die substanziellen Voraussetzungen ab: Während an den meisten Abschnitten neue Tiefgründungen und Widerlager betoniert werden, können an spezifischen Stellen bestehende Unterbauten nach entsprechender statischer Sanierung und Nachrechnung weitergenutzt werden.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)

21.09.2026
Eutin
Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

21.09.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

21.09.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

21.09.2026
Essen
Architekt (m/w/d) mit Schwerpunkt im Bereich Projektmanagement
Stadt Biberach an der Riß

21.09.2026
Biberach
EMSR Techniker (m/w/d)
VESTOLIT GmbH

22.09.2026
Marl
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

22.09.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

22.09.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

22.09.2026
Stuttgart
Ingenieurin / Ingenieur mit Master in Informatik / Elektrotechnik – Beamten- Ausbildung (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Offizierin / Offizier Anwärter/in – Führungskraft Oberfähnrichmodell mit Bachelor (Master) (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Ingenieurin / Ingenieur mit Master – Beamten- Ausbildung (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Teamleitung (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau
Die Autobahn GmbH des Bundes

22.09.2026
Hamm
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

22.09.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

22.09.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

22.09.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

22.09.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

22.09.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

22.09.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

22.09.2026
Lübeck

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige