326-t-Stresstest entscheidet über Schicksal der Budapester Brücke in Dresden
Die Budapester Brücke in Dresden ist durch Spannstahlschäden geschwächt. Ein Belastungstest mit bis zu 326 t soll über den Weiterbetrieb entscheiden.
Die Budapester Brücke in Dresden ist wegen Schäden am Spannstahl mit einer zusätzlichen Notunterstützung gesichert. Ein Belastungstest mit bis zu 326 t soll zeigen, ob das Bauwerk vorübergehend weiter genutzt werden kann.
Foto: picture alliance / imageBROKER | Sylvio Dittrich
Vier Schwerlastfahrzeuge, bis zu 326 t Testlast und zahlreiche Sensoren: Dresden unterzieht die geschädigte Brücke Budapester Straße ab Montag, 10. August 2026, einem aufwendigen Belastungstest. Die Stadt will damit klären, ob das inzwischen mit zusätzlichen Stützen gesicherte Bauwerk zumindest eingeschränkt wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. Kostenpunkt der Aktion: rund 900.000 €.
Dabei steht viel auf dem Spiel. Die 1967 errichtete Spannbetonbrücke enthält spannungsrisskorrosionsgefährdeten Spannstahl aus dem ehemaligen Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf – ein ähnlicher Baustoff wie bei der 2024 teilweise eingestürzten Carolabrücke. Doch während beim laufenden Monitoring im Januar noch keine Auffälligkeiten zu verzeichnen waren, änderte sich die Lage wenige Monate später drastisch.
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Schallemissionsmessung schlägt an: Verdacht auf Drahtbrüche
Seit dem Herbst 2024 wird die Brücke intensiv messtechnisch überwacht. Zum Einsatz kommen unter anderem Schallemissionssensoren, die das charakteristische Geräusch möglicher Drahtbrüche im Spannstahl aufzeichnen.
Im Januar 2026 teilte die Stadt zunächst mit, dass die Messungen unauffällig blieben. Parallel wurden Materialproben aus Spanngliedern und Beton entnommen, um das statische Modell weiter zu verfeinern. Im Frühjahr folgte der Umschwung: Bei Schallemissionsmessungen wurden deutliche Verdachtsbereiche identifiziert. Fachleute öffneten das Bauwerk an diesen Stellen gezielt. An zwei Positionen zwischen der Ammonstraße und dem innerstädtischen Brückenende bestätigte sich das Schadensbild eines versprödeten Spannstahls.
Dresden reagierte am 8. Mai mit Verkehrsbeschränkungen: Je Fahrtrichtung verblieb nur eine Spur, das zulässige Gesamtgewicht wurde auf 7,5 t begrenzt. Kurz darauf folgte die bauliche Sicherung der kritischen Abschnitte.
Stahlstützen als temporäre Entlastung
Unter dem gefährdeten Bereich entstand eine massive Unterstützungskonstruktion. Diese Stützen nehmen Lasten auf und leiten sie direkt in den Untergrund ab. Ziel der Maßnahme ist es, die beanspruchten Tragwerkszonen gezielt zu entlasten.
Eine Dauerlösung ist das nicht – die Abstützung soll primär Zeit verschaffen. Baubürgermeister Stephan Kühn hatte bereits im Mai erklärt, die Stadt wolle das Bauwerk möglichst für weitere zehn Jahre nutzbar halten. Ob diese Prognose hält, hängt vom Tragverhalten der abgestützten Konstruktion unter Realbedingungen ab.
So läuft der Belastungstest ab
Beim Belastungstest fahren vier definierte Schwerlastfahrzeuge schrittweise auf das Bauwerk, bis eine maximale Versuchsbelastung von bis zu 326 t erreicht ist. Messtechnische Sensoren und optische Vermessungssysteme dokumentieren die Verformungen und Reaktionen von Brücke und Hilfsstützen. Die Daten werden anschließend direkt mit dem rechnerischen Tragmodell abgeglichen.
| Phase | Termin | Bereich / Maßnahme |
| 1. Durchgang | Mo., 10. August (nachts) | Belastungstest Brückenzug C |
| 2. Durchgang | Di., 11. August (nachts) | Belastungstest Brückenzug A |
| Reserve | Mi., 12. August | Ausweichtermin für Messungen |
| Sperrung | Jeweils 18:00 bis 06:00 Uhr | Vollsprung von Brücke & Ammonstraße |
Es geht bei diesem Versuch ausdrücklich nicht darum, die Brücke bis an die rechnerische Bruchgrenze zu belasten. Entscheidend ist der Nachweis, ob das durch die Stützen modifizierte Tragverhalten den theoretischen Berechnungen der Statiker entspricht.
Zeitgewinn für den Ersatzneubau
Fallen die Messergebnisse positiv aus, ist eine eingeschränkte Wiederfreigabe realistisch – im Gespräch ist eine einspurige Verkehrsführung je Richtung unter Ausschluss des Schwerlastverkehrs.
Ein positives Testergebnis würde der Stadt den nötigen Handlungsspielraum verschaffen, um den ohnehin erforderlichen Ersatzneubau geordnet zu planen und auszuschreiben.
Der Fall verdeutlicht einmal mehr die Problematik von spannungsrisskorrosionsgefährdetem Spannstahl: Ein unauffälliges Monitoring zu Jahresbeginn bietet keine dauerhafte Garantie. Erst die Kombination aus Schallemissionsanalyse, gezielter Bauwerksöffnung und Materialprüfung liefert verlässliche Erkenntnisse über den inneren Zustand alter Spannbetonbauwerke.
Parallelen und Unterschiede zur Carolabrücke
Die öffentliche Aufmerksamkeit ist hoch, da sowohl die Brücke Budapester Straße als auch die Carolabrücke mit Hennigsdorfer Spannstahl errichtet wurden. Die Ausgangslage unterscheidet sich jedoch grundlegend:
- Carolabrücke: Unvorhergesehener Teileinsturz eines gesamten Brückenzugs im September 2024.
- Budapester Straße: Frühzeitige Schadenslokalisierung durch Monitoring, gefolgt von einer präventiven Abstützung und messtechnischer Verifikation.
Ob das Sicherungskonzept in Dresden aufgeht und wieder Fahrzeuge über die Brücke rollen dürfen, zeigt die Auswertung der Messdaten nach den Tests mit der 326-t-Last.
Quellen
- Landeshauptstadt Dresden: Belastungstest an der Brücke Budapester Straße
- Landeshauptstadt Dresden: Untersuchungen an der Brücke Budapester Straße
- Landeshauptstadt Dresden: Verkehrs- und Tonnagebeschränkung nach festgestellten Schäden
- Landeshauptstadt Dresden: Bau einer Unterstützung für die Brücke
- MDR Sachsen: Belastungstest an der Budapester Brücke
- Landeshauptstadt Dresden: Ursache der Schäden an der Carolabrücke
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