Berlin-Spandau 03.07.2026, 07:14 Uhr

Holzhybrid, Abwasserwärme, Siemensbahn: Warum Siemensstadt Square technisch so spannend ist

Siemens baut in Berlin ein neues Quartier auf historischem Industrieareal – mit Abwasserwärme, Holzhybridbau und Siemensbahn.

Baustelle des Siemensstadt Square

Rohbauten stehen Ende 2025 auf der Baustelle des Siemensstadt Square. Das neue Stadtquartier soll bis 2035 auf dem Industriestandort der Siemens AG entstehen.

Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

In Berlin-Spandau entsteht kein gewöhnliches Neubauquartier. Siemens baut sein historisches Industrieareal zur Siemensstadt Square um – mit Wohnungen, Büros, Forschung, weiterlaufender Produktion, neuer Energieinfrastruktur und einer reaktivierten S-Bahnstrecke.

Für Bauingenieurinnen und Bauingenieure ist das Projekt besonders interessant, weil hier mehrere schwierige Aufgaben gleichzeitig gelöst werden müssen: ein Holzhybridbau neben einem Stahlbetonhochhaus, CO₂-reduzierter Beton, Wärme aus Abwasser, denkmalgeschützte Industriebauten, digitale Planung und die Wiederbelebung einer fast 100 Jahre alten Bahntrasse.

Das Riesenprojekt auf einen Blick

Parameter Spezifikation / Kennzahl
Gesamtfläche ca. 76 ha
Wohnungen bis zu 3750 Wohnungen, davon 30 % mietpreis- und belegungsgebunden
Energie-Highlight rund 800 m langer Abwasserwärmetauscher, laut Siemens Europas größter seiner Art
Thermische Leistung bis zu 10 MW
Wärme- und Kälteversorgung bis zu 85 % über Abwasserwärme und Wärmepumpen
Infrastruktur Reaktivierung der 4,5 km langen Siemensbahn
Brückenbau Instandsetzung oder Neubau von 30 Brücken
Planung BIM-basierter digitaler Zwilling und integrierte Projektabwicklung

Siemensstadt Square entsteht auf historischem Industrieareal

Siemensstadt Square ist kein Neubauprojekt auf freier Fläche. Das Quartier entsteht auf einem rund 76 ha großen Areal im Berliner Bezirk Spandau. Der Standort ist seit mehr als einem Jahrhundert industriell geprägt. Viele Bereiche waren bislang nicht öffentlich zugänglich. Das soll sich schrittweise ändern.

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Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sind auf dem Areal künftig mehrere Nutzungen vorgesehen:

  • Wohnungen
  • nicht störendes Gewerbe
  • eine vierzügige Grundschule
  • zwei Kitas
  • weitere soziale Einrichtungen
  • öffentliche Freiräume
  • weiterhin industrielle Produktion

Genau darin liegt die planerische Schwierigkeit. Siemensstadt Square soll sich zur Stadt öffnen, ohne die industrielle Funktion des Standorts zu verdrängen. Wohnen, Forschung, Gewerbe, Produktion, Verkehr und Freiräume müssen auf engem Raum zusammengeführt werden.

Der Berliner Senat hat dafür im März 2026 den neuen Rahmenplan Siemensstadt Square 2026 beschlossen. Er ersetzt den Rahmenplan von 2021. Die neue Planung erhöht den Wohnanteil, reduziert Büroflächen im Kernbereich und sichert Industrieflächen im Norden des Areals sowie im Bereich des Dynamowerks südlich der Nonnendammallee.

Bis zu 3750 Wohnungen sollen entstehen, davon 30 % mietpreis- und belegungsgebunden. Damit wird Siemensstadt Square kein reiner Büro- oder Forschungscampus, sondern ein gemischt genutztes Stadtquartier mit weiter bestehender industrieller Produktion.

Die ersten Rohbauten stehen

Ende Juni 2026 hat Siemens Richtfest für die ersten zentralen Neubauten gefeiert: das Atriumgebäude und ein rund 60 m hohes Hochhaus am künftigen S-Bahnhof Siemensstadt. Nach Angaben von Siemens sind die Rohbauten der beiden Gebäude termingerecht abgeschlossen.

Das Atrium soll Anfang 2027 fertiggestellt werden, das Hochhaus Anfang 2028. Im Atriumgebäude soll künftig der Berliner Firmensitz der Siemens AG untergebracht werden. In dem Hochhaus sollen Teams von Siemens Digital Industries, Smart Infrastructure und Siemens Mobility arbeiten.

Der Standort ist bewusst gewählt. Die Neubauten markieren den künftigen Eingang zum Quartier und liegen nahe am geplanten S-Bahnhof Siemensstadt. Damit verbindet der erste Bauabschnitt Hochbau, Stadtraum und Verkehrsinfrastruktur.

Für die Gestaltung des Eingangsplatzes hatte Siemens gemeinsam mit dem Land Berlin einen freiraumplanerischen Wettbewerb ausgelobt. Das Wettbewerbsgebiet umfasst nach Angaben der Senatsverwaltung mehr als 20.000 m² und grenzt an den künftigen S-Bahnhof sowie den Rohrdamm.

Das Stadtquartier Siemensstadt Square feiert sein Richtfest für die ersten Neubauten, die Richtkrone wird in Polition gebracht. Foto: picture alliance/dpa | Jens Kalaene

Das Atrium ist der eigentliche Holzhybridbau

Beim Begriff Holzhybrid muss man bei Siemensstadt Square genau hinsehen. Das rund 60 m hohe Hochhaus ist kein Holzhochhaus. Nach Angaben des Tragwerksplaners schlaich bergermann partner wird der Turm überwiegend in Ortbeton gebaut. Der Holzhybridbau zeigt sich vor allem beim fünfgeschossigen Atriumgebäude.

Das Atrium besteht aus zwei Gebäuderiegeln. Tragende Elemente sind unter anderem Holzstützen und Holz-Beton-Verbunddecken. Vom ersten bis zum vierten Obergeschoss sind Büroflächen vorgesehen, im Erdgeschoss eine Kantine.

Zwischen den beiden Riegeln liegt das eigentliche Atrium. Dort kommen mehrere Konstruktionselemente zusammen:

  • umlaufende Galerien
  • je eine Holzbrücke pro Geschoss
  • eingehängte Stahltreppen
  • Stahlzugstangen, die an Dachfachwerken hängen
  • vier symmetrisch angeordnete Stahlbetonkerne für Erschließung und Aussteifung
  • vorgehängte Holzfassaden
  • begrünte Fassaden an der West- und Ostseite

Technisch interessant ist die klare Arbeitsteilung der Baustoffe. Holz übernimmt tragende und raumbildende Aufgaben. Stahlbeton sorgt für Aussteifung und Erschließung. Stahlbauteile übernehmen Zug- und Verbindungselemente.

Damit zeigt das Atrium, wie Holzhybridbau in der Praxis funktioniert: Holz ersetzt nicht pauschal Beton und Stahl. Es wird dort eingesetzt, wo es konstruktiv, gestalterisch und ökologisch sinnvoll ist. Beton und Stahl bleiben dort im Einsatz, wo sie statisch, brandschutztechnisch oder funktional gebraucht werden.

Zum Modul C1.1 gehört außerdem ein Pavillon. Im Zentrum der technischen Betrachtung stehen aber vor allem Atrium und Hochhaus, weil sie die unterschiedlichen Konstruktionsprinzipien des ersten Bauabschnitts besonders gut zeigen.

Das Hochhaus bleibt überwiegend ein Stahlbetonbau

Der Turm umfasst 17 Geschosse. Nach Angaben von schlaich bergermann partner wird er überwiegend in Ortbeton gebaut und über einen aussteifenden Kern erschlossen. Am östlichen Eingangsbereich fallen zweigeschossige, schräg gestellte Kolonnadenstützen auf. Die Kräfte werden über aussteifende Wände abgetragen.

Das Dachgeschoss entsteht als Stahlskelettbau mit integrierten Photovoltaikmodulen und öffentlich zugänglicher Aussichtsterrasse. Auch das BauPortal der BG BAU beschreibt die Kolonnaden als markantes und tragendes Element des Hochhauses.

Die massiven Stützen erstrecken sich vom Erdgeschoss bis zur zweiten Etage. Sie prägen damit nicht nur die Ansicht, sondern übernehmen eine zentrale Funktion in der Gebäudekonstruktion. Zudem sollen vor den Fenstern des Hochhauses Solarpaneele installiert werden können. Einen Eindruck davon gibt eine 6 m hohe Musterfassade am Rohrdamm.

CO₂-reduzierter Beton für die Bodenplatten

Auch beim Beton setzt Siemens auf eine emissionsärmere Lösung. Nach Angaben des BauPortals der BG BAU kam bei den Bodenplatten CO₂-reduzierter Beton zum Einsatz. Die Emissionen sollen in diesem Bauteilbereich rund 60 % unter denen von herkömmlichem Beton liegen.

Gerade bei Bodenplatten ist das relevant, weil dort große Betonmengen verbaut werden. Wichtig ist aber die Einschränkung: Die Angabe bezieht sich auf die Bodenplatten. Für die Gesamtbilanz der Gebäude nennt die Quelle keinen entsprechenden Wert.

Auch beim Innenausbau soll Material wiederverwendet werden. Ausgewählte Ziegelsteine aus Rückbauarbeiten auf dem Areal sollen geborgen, recycelt und im Foyer des Atriums wieder eingesetzt werden. Das ist kein vollständig geschlossener Materialkreislauf, aber ein konkreter Schritt, bei dem Bestand nicht nur entsorgt, sondern in das neue Quartier integriert wird.

Wärme aus Abwasser unter der Nonnendammallee

Der technisch auffälligste Baustein des Projekts liegt nicht im Hochbau, sondern unter der Straße. Direkt am Areal verläuft entlang der Nonnendammallee eine Abwasserdruckleitung. Durch sie fließen laut Siemens pro Sekunde 400 bis 1000 l Abwasser zum Klärwerk Ruhleben. Gemeinsam mit GETEC und den Berliner Wasserbetrieben will Siemens diese Wärmequelle für das Quartier nutzbar machen.

Dafür wurde nach Angaben von Siemens ein 4-Schleifen-Wärmetauscher entwickelt. Er hat einen Durchmesser von 1,40 m und ist rund 800 m lang. Siemens spricht von Europas größtem Abwasserwärmetauscher seiner Art.

Das Grundprinzip:

  • Abwasser wird aus der Druckleitung in den Wärmetauscher geführt.
  • Dort wird ihm thermische Energie entzogen.
  • Anschließend fließt das Abwasser zurück in die Hauptleitung.
  • Vor- und Rücklaufleitungen verbinden den Wärmetauscher mit der Energiezentrale.
  • Wärmepumpen heben das Temperaturniveau dort auf bis zu 55 °C an.
  • Das Nahwärmenetz verteilt die Wärme im Quartier.

Die Gesamtanlage soll eine thermische Leistung von bis zu 10 MW erreichen. Nach Siemens-Angaben kann die Kombination aus Abwasserwärme und Wärmepumpen bis zu 85 % der benötigten Wärme und Kälte in Siemensstadt Square liefern. Die restlichen 15 % Wärmeenergie sollen über Luftwärmepumpen gedeckt werden.

Der Strom für den Betrieb soll zu 100 % grün erzeugt oder aus Wind- und Solarparks zugekauft werden. Siemens nennt außerdem eine jährliche Einsparung von 1.700 t CO₂ allein für die von Siemens genutzten Gebäude. Diese Werte beziehen sich auf das von Siemens beschriebene Energiekonzept, nicht auf eine unabhängig geprüfte Gesamtbilanz des gesamten Quartiers.

Warum Abwasserwärme gut zum Quartier passt

Abwasser steht ganzjährig zur Verfügung und enthält Wärme, die sonst weitgehend ungenutzt in Richtung Klärwerk fließt. Laut Siemens beziffern die Berliner Wasserbetriebe das Gesamtpotenzial der Abwasserwärme allein in Berlin auf etwa 200 MW Entzugsleistung.

Für Siemensstadt Square ist die Lage günstig: Wärmequelle und Wärmebedarf liegen nah beieinander. Das reduziert Leitungswege und macht die Nutzung der Abwasserwärme technisch naheliegend. Nutzbar wird sie aber erst durch Wärmepumpen. Sie heben das Temperaturniveau auf einen Bereich, der für das Nahwärmenetz geeignet ist.

Für den späteren Betrieb sind vor allem diese Faktoren entscheidend:

  • Temperatur des Abwassers
  • Volumenstrom in der Druckleitung
  • Leistung und Effizienz der Wärmepumpen
  • Wärme- und Kältebedarf im Quartier
  • Spitzenlastabdeckung
  • Strombezug für den Betrieb

Nicht alle technischen Detailwerte sind öffentlich genannt. Belastbar sind vor allem die Angaben zu Länge und Durchmesser des Wärmetauschers, zur geplanten thermischen Leistung, zum Temperaturniveau und zum vorgesehenen Deckungsanteil.

Heute noch Lost Place: Die Siemensbahn soll ab 2029 wieder die Siemensstadt mit dem Berliner S-Bahn-Netz verbinden. Foto: picture alliance/dpa | Jens Kalaene

Die Siemensbahn wird wieder Teil des Netzes

Zur baulichen Transformation gehört auch die Reaktivierung der Siemensbahn. Die Strecke wurde 1929 eröffnet, um die Siemensstadt an das Berliner S-Bahn-Netz anzubinden. Seit 1980 fahren dort keine Züge mehr. Nun soll die Verbindung wiederbelebt werden, damit Siemensstadt Square und weitere Entwicklungsgebiete im Berliner Nordwesten besser an die Schiene angebunden werden.

Die Strecke ist 4,5 km lang und führt von Jungfernheide nach Gartenfeld. Zentral ist ein historisches Stahlviadukt. Richtung Nordwesten schließt der bestehende Bahndamm nach Gartenfeld an. Richtung Südosten erfolgt die Anbindung nach Jungfernheide über zwei Spreequerungen. Zusätzlich ist eine rund 70 m lange neue Brücke über die Spree vorgesehen.

Der Projektumfang ist erheblich. Laut i2030 gehören dazu unter anderem:

  • rund 15 km neue Gleise
  • zahlreiche neue Weichen
  • neue beziehungsweise erneuerte Signaltechnik
  • Ausbau der Stromversorgung
  • Instandsetzung oder Neubau von 30 Brücken
  • aktive Lärmschutzmaßnahmen
  • barrierefreier Ausbau der Stationen Gartenfeld, Wernerwerk und Siemensstadt

Damit ist die Siemensbahn nicht nur ein Verkehrsthema. Sie ist auch ein anspruchsvolles Infrastrukturprojekt mit Brückenbau, Stahlbau, Denkmalschutz, Lärmschutz und Bahntechnik.

Ein Stahlviadukt von 1928 wird ertüchtigt

Besonders interessant ist das historische Stahlviadukt. Ende Juni 2026 begannen laut i2030 erste Arbeiten an einem Testfeld. Dort werden Verfahren für die Instandsetzung des denkmalgeschützten Viadukts untersucht.

Das Bauwerk stammt aus dem Jahr 1928 und besteht aus 71 Einzelbauwerken. Nach jahrzehntelanger Stilllegung gibt es mehrere Schäden und Schwachstellen:

  • Verformungen
  • Korrosionsschäden
  • beschädigte Lager
  • Mängel bei der Entwässerung
  • Defizite am Tragwerk

Die Erkenntnisse aus dem Testfeld sollen Grundlage für den späteren Bauablauf sein. Ein großer Teil der historischen Substanz soll erhalten bleiben und denkmalgerecht instandgesetzt werden. Auch die bestehenden Unterbauten sollen weitgehend weitergenutzt werden. Gleichzeitig wird die Strecke für modernen zweigleisigen S-Bahn-Betrieb vorbereitet.

Für Ingenieurinnen und Ingenieure steckt hier eine zentrale Frage: Wie lässt sich ein fast 100 Jahre altes Stahlbauwerk so untersuchen, instandsetzen und ergänzen, dass es wieder zuverlässig im Bahnbetrieb funktioniert?

Auch das Dynamowerk bleibt Teil des Projekts

Neben den Neubauten und der Siemensbahn spielt der Bestand auf dem Areal eine große Rolle. Das BauPortal der BG BAU beschreibt den Industrie Hub Süd rund um das historische Dynamowerk mit etwa 115.000 m². Die alten Produktionsstätten sollen denkmalgerecht modernisiert werden.

Ein Beispiel ist die Betonsanierung von Lisenen im ehemaligen Galvanik-Gebäude. Zum Einsatz kommt Höchstdruckwasserstrahlen beziehungsweise Hochdruckwasserstrahlen. Dabei wird die Betonoberfläche mit Wasser unter hohem Druck abgetragen.

Gegenüber mechanischem Abtrag mit dem Brechhammer hat das Verfahren einen wichtigen Vorteil: Es versetzt das Bauwerk deutlich weniger in Erschütterung. Dadurch sinkt das Risiko von Spannungsrissen und Schäden in Anschlussbereichen.

Auch daran zeigt sich: Siemensstadt Square besteht nicht nur aus neuen Gebäuden. Ein Teil der technischen Aufgabe liegt in der Instandsetzung und Modernisierung historischer Industriesubstanz.

Digitale Planung statt nachträglicher Schnittstellenkoordination

Siemens verweist bei Siemensstadt Square auf eine vollständig digitale Planung auf Basis von Building Information Modeling. Digitale Zwillinge sollen präzisere Planung, effizientere Bauprozesse und einen optimierten Betrieb ermöglichen.

Auch die Projektorganisation ist ungewöhnlich. Das Architekturbüro AUKETT + HEESE beschreibt das Modul C1.1 als integrierte Projektabwicklung mit Mehrparteienvertrag. Beteiligt sind unter anderem Siemens, Siemens Smart Infrastructure, ZWP, Apleona Wolfferts, Hochtief Infrastructure und Lindner. Alle Partner arbeiten demnach in einem gemeinsamen Datenmodell, dem digitalen Zwilling der künftigen Siemensstadt Square.

Bei einem Projekt dieser Größe ist das mehr als ein digitales Planungstool. Über Jahre hinweg müssen viele Bereiche zusammenpassen:

  • Tragwerk
  • Gebäudetechnik
  • Fassade
  • Innenausbau
  • Außenanlagen
  • Energieversorgung
  • späterer Gebäudebetrieb

BIM und integrierte Projektabwicklung sollen diese Schnittstellen beherrschbarer machen. Gerade bei einem Quartier, das Neubau, Bestand, Energieinfrastruktur und Schienenanbindung zusammenführt, ist diese Koordination ein eigener technischer Faktor.

Nicht das ganze Quartier ist bereits baurechtlich fertig

Bei Siemensstadt Square lohnt ein genauer Blick auf den Planungsstand. Der sichtbare Baufortschritt am östlichen Stadteingang bedeutet nicht, dass das gesamte Quartier bereits vollständig baurechtlich abgeschlossen ist.

Der Bebauungsplan 5-123 wurde 2021 in mehrere Verfahren geteilt:

  • 5-123a betrifft den östlichen Stadteingang am künftigen S-Bahnhof Siemensstadt. Dieser Bebauungsplan wurde im März 2024 festgesetzt. Dort entstehen die ersten Hochbauten.
  • 5-123b betrifft den nördlichen Teilbereich. Das Verfahren läuft.
  • 5-123c umfasst die verbleibenden Flächen im künftigen Zentrum sowie den Bereich des Dynamowerks südlich der Nonnendammallee.

Siemensstadt Square wird also abschnittsweise entwickelt. Der erste Bauabschnitt ist sichtbar im Bau, der Rahmenplan gibt die Leitlinien vor, weitere Teilflächen folgen über eigene Verfahren.

Warum Siemensstadt Square mehr ist als ein neues Stadtquartier

Siemensstadt Square ist technisch deshalb spannend, weil das Projekt mehrere Ebenen gleichzeitig verbindet. Im Hochbau treffen Holzhybridkonstruktion, Ortbeton, Stahlbau, PV-Fassade und CO₂-reduzierter Beton aufeinander. In der Energieversorgung wird Abwasserwärme aus einer bestehenden Druckleitung in ein neues Nahwärmenetz eingebunden. In der Infrastruktur soll eine stillgelegte S-Bahnstrecke mit historischem Stahlviadukt wieder in Betrieb gehen. Gleichzeitig bleibt industrielle Produktion Teil des Areals.

Das macht das Projekt komplexer als viele klassische Quartiersentwicklungen. Siemensstadt Square ist Neubau, Bestandssanierung, Energiewendeprojekt, Infrastrukturmaßnahme und Industriekonzept zugleich. Genau darin liegt der technische Reiz.

Quellen

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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