Goldbeck baut künftig in den USA, aber anders als in Europa
Goldbeck startet 2027 in den USA. Die Bauteile sollen zunächst vor Ort beschafft werden. Kann das Bausystem auch ohne eigene Fabriken funktionieren?
Goldbeck will ab 2027 seriell in den USA bauen. Doch die 16 eigenen Werke stehen in Europa. Wie Mortenson helfen soll, das System zu übertragen.
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Goldbeck will ab 2027 in den USA bauen. Das Bielefelder Unternehmen überträgt dafür sein Prinzip des seriellen und systematisierten Bauens auf den amerikanischen Markt – allerdings zunächst ohne die eigene Fertigung. Die benötigten Bauteile sollen vor Ort eingekauft werden.
Das teilte ein Pressesprecher der Goldbeck GmbH auf Anfrage von ingenieur.de mit. Das neue Joint Venture mit dem US-Bauunternehmen M.A. Mortenson Company soll demnach schlüsselfertige Immobilien planen und bauen. Dafür will Goldbeck eigene Mitarbeitende mit Teams von Mortenson und zusätzlichen Fachkräften aus dem US-Markt zusammenbringen.
Damit zeichnet sich ab, wie Goldbeck ein Geschäftsmodell übertragen will, das in Europa eng mit den eigenen Fabriken verbunden ist. Das Unternehmen produziert einen Großteil seiner Systemelemente bislang in 16 Werken in Deutschland, Dänemark, Polen und Tschechien.
Goldbeck exportiert zunächst die Bauweise, nicht die eigene Fertigung
Serielles Bauen bedeutet bei Goldbeck nicht, identische Gebäude in Serie herzustellen. Standardisiert werden vor allem Bauteile, Konstruktionslösungen, Planungsprozesse und wiederkehrende Abläufe. Nutzung, Größe und Gestaltung eines Gebäudes können trotzdem variieren.
Die eigene Produktion spielt dabei in Europa eine große Rolle. Goldbeck bezeichnet sie selbst als „zentrales Element“ seines Geschäftsmodells. Im Geschäftsjahr 2024/25 verließen rund 137.000 t Stahl die Stahlbauwerke des Unternehmens. Hinzu kamen etwa 403.000 m³ Beton.
Goldbeck gehört dabei längst nicht mehr zu den kleineren Spezialisten. Im Geschäftsjahr 2024/25 erreichte die Unternehmensgruppe eine Gesamtleistung von 6,3 Mrd. € und einen Auftragseingang von gut 7 Mrd. €. 480 Neubauten wurden in diesem Zeitraum schlüsselfertig übergeben.
Für den amerikanischen Start ist nun ein anderes Produktionsmodell vorgesehen. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Bauteile zunächst im US-Markt beschafft werden.
Das ist mehr als ein logistisches Detail. Goldbeck muss zeigen, wie gut sich seine Konstruktions- und Planungslogik auf Bauteile amerikanischer Lieferanten übertragen lässt.
Warum der Unterschied zum klassischen Modulbau wichtig ist
Goldbeck ist kein klassischer Raummodulbauer. Bei der volumetrischen Modulbauweise entstehen komplette Räume weitgehend im Werk und werden anschließend zur Baustelle transportiert. Goldbeck arbeitet stärker mit industriell gefertigten Einzelbauteilen und wiederkehrenden Systemlösungen.
Wie weit Vorfertigung gehen kann, zeigt das Berliner Wohnprojekt „Weiße Taube“. Dort entstehen aus rund 3000 Stahl-Beton-Hybridmodulen 1548 Wohnungen. In unserem Beitrag „Das große Stapeln: Wie Europas größtes Modulbauprojekt funktioniert“ zeigen wir, wie Produktion, Logistik und Montage ineinandergreifen.
Goldbecks Ansatz lässt mehr Spielraum: Standardisiert werden vor allem Komponenten und Prozesse, nicht das komplette Gebäude. Welche Chancen und Hürden serielles Bauen grundsätzlich mit sich bringt, haben wir außerdem im Hintergrundbeitrag „Serielles Bauen sollte boomen – warum passiert es nicht?“ untersucht.
Mortenson bringt die US-Projektpraxis ein
Für den Schritt über den Atlantik hat sich Goldbeck mit einem etablierten US-Unternehmen zusammengeschlossen. Mortenson wurde 1954 gegründet und zählt laut Goldbeck zu den großen privaten Bauunternehmen der Vereinigten Staaten. Das Unternehmen bringt nach Angaben der Partner Marktkenntnis, landesweite Präsenz und Erfahrung bei der Projektabwicklung ein.
Völliges Neuland sind die USA für Goldbeck allerdings nicht. Seit 2019 ist das Unternehmen im Silicon Valley präsent. Über das Center for Integrated Facility Engineering, kurz CIFE, an der Stanford University entstand auch der Kontakt zu Mortenson.
Im Joint Venture sollen nun Mitarbeitende beider Unternehmen mit lokalen Fachkräften zusammenarbeiten. Damit trifft das europäische Systemwissen unmittelbar auf amerikanische Bau- und Projektpraxis.
Ein Bausystem trifft auf regionale US-Regeln
Diese Anpassung ist notwendig, weil es in den USA keinen überall identischen baurechtlichen Rahmen gibt. Viele Bundesstaaten und Kommunen orientieren sich am International Building Code, übernehmen aber unterschiedliche Fassungen und Ergänzungen.
Auch für industriell vorgefertigte Bauteile gelten Anforderungen an Planung, Herstellung und Kontrolle. Bei der Standardisierung gibt es allerdings Fortschritte. Die 2027 International Codes integrieren erstmals zentrale Regeln für Off-Site-Construction. Dazu gehören die Standards ICC/MBI 1200, 1205 und 1210 für Planung, Fertigung, Prüfung und technische Gebäudeausrüstung.
Für Anbieter wiederholbarer Bausysteme erleichtert das die Arbeit. Einen einheitlichen US-Baumarkt schaffen die neuen Vorgaben jedoch nicht.
Fachkräftemangel erhöht den Druck auf die Bauindustrie
Der Zeitpunkt für Goldbecks Markteintritt ist interessant. US-Bauunternehmen kämpfen vielerorts mit fehlendem Personal. Industrielle Vorfertigung kann einen Teil der Arbeiten von wechselnden Baustellen in besser planbare Produktionsprozesse verlagern.
Arbeitskräfte werden dadurch nicht überflüssig. Vielmehr verschieben sich Tätigkeiten in Richtung Fertigung, Planung und Logistik. Das Problem betrifft nicht nur die USA. Weltweit könnten der Bauindustrie bis 2035 rund 2,5 Millionen qualifizierte Projektfachkräfte fehlen. Mehr dazu in unserem Beitrag „Fachkräftemangel in der Bauindustrie: 2,5 Millionen fehlen bis 2035“.
Die ersten Projekte werden zum Praxistest
Goldbeck selbst hält sein Geschäftsmodell in dieser Form für einzigartig auf dem US-Markt. Ob daraus tatsächlich ein Wettbewerbsvorteil entsteht, lässt sich erst nach den ersten Projekten beurteilen.
Klar ist inzwischen, wie der Einstieg organisiert werden soll: Das Joint Venture übernimmt Planung und Bau schlüsselfertiger Immobilien nach dem Goldbeck-Prinzip. Die Bauteile kommen zunächst aus dem amerikanischen Markt.
Damit wird der US-Start auch zum Test für das Goldbeck-System selbst. In Europa verbindet das Unternehmen standardisierte Planung eng mit eigener industrieller Fertigung. In den USA werden diese beiden Teile zunächst getrennt. Ab 2027 muss sich zeigen, ob das System auch mit lokalen Lieferanten die gewünschte Geschwindigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit erreicht.
Quellen
- Goldbeck, 26.08.2026: Joint Venture mit Mortenson für serielles, systematisiertes Bauen in den USA
- Goldbeck, Geschäftsbericht 2024/25: 16 Werke, Produktionszahlen sowie Geschäfts- und Projektdaten
- Goldbeck: Produktionsstandorte und Systembauelemente
- International Code Council, 24.08.2026: Off-Site-Regeln in den 2027 International Codes
- Eigene Auskunft von Goldbeck an ingenieur.de, 27.08.2026: Bauteile sollen zum Start im US-Markt eingekauft werden; für das Joint Venture sind Mitarbeitende von Goldbeck und Mortenson sowie lokale Fachkräfte vorgesehen.
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